Grenze in Pötenitz

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22.11.2015 22:04von Markus Stüber
Frage
Grenze in Pötenitz

Hallo,
weiß jemand, wie die Grenze im Bereich Pötenitz gesichert war? Es gibt einen großen Wald zwischen Pötenitz-Ausbau und Pötenitzer Wiek, dort war bis 1945 das Luftzeugamt der Luftwaffe untergebracht. Anschließend sprengten die Sowjets die Anlage. Teile des Grenzzauns verliefen am Ufer durch die Reste der alten Anlage - dort, wo auch noch heute der BT11 steht. Das Gelände st recht unwegsam, wurde es dennoch irgendwie überwacht? Gab es Einrichtungen der Grenzer außer dem Wachturm!
Gruß Markus

27.11.2015 19:27von Waldersee
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"Die Grenzkommission stellte fest, dass es ein altes Wasser- Landrecht, wohl aus dem Mittelalter stammend, gab. Dieses Recht besagte, wem das Wasser gehört, dem gehört auch das Land.
Da die Pötenitzer Wiek, der Dassower See und die Trave zur Bundesrepublik gehörten, musste die DDR einen ca. zwei Meter breiten Uferstreifen bis hin zum Grenzübergang Selmsdorf abtreten.
Das hatte zur Folge, dass man am Ostufer theoretisch bis nach Schlutup marschieren konnte, wenn kein Hochwasser war. Man hätte also auch bis in den Dassower Bereich gehen können."

Hallo Zange,
haargenau beschrieben. Als stellv. IS der ehemaligen GSA II/7 hatte ich jedes Jahr mindestens zweimal im Jahr "die Freude", den Grenzbereich vom Priwall bis Schlutuper Wiek zu Fuß abzulaufen, die Mündundung der Stepenitz wurde mit einem Schlauchboot überquert. Die ganze Sache dauerte dann machmal bis zu einer Woche.
Ich hatte mit Kräften des technischen Zuges oder der technischen Hundetschaft Küste die Aufgabe, zu dokumentieren, welche Schäden der Winter (Eisgang / Hochwasser / Treibgut) an den Grenzzeichen angerichtet hatte.
Defekte Grenzpfähle - und Steine meldeten wir der gemeinsamen Grenzkommission, Schäden an unseren Grenzhinweispfählen wurden anschließend in teilweise sehr aufwendigen Arbeitseinsätzen wieder gerichtet.
Das war wirklich ein Schei... Job, im Februar / März oder April bei ind und Wetter den ganzen Bereich "abzulatschen". Aber ich war halt verantwortlich und hatte nur wenige Ruhepausen auf unseren Coronet-Boot.
So wurde ich über die Jahre zum Fachmann für den Dassower See.
Ich bin ehrlich, wenn Hochwasser uns den Weg versperrte, habe ich ab und zu über DDR-Gebiet abgekürzt. Ich wusste ja wo man uns sehen konnte, also ich voran und alle Pioniere mir nach.
Manchmal hatte ich mich auch "verschätzt" und dann wurde offiziell protestiert, aber mein Kommandeur meinte dann nur "Laß die mal...gut gemacht".
Also wenn irgendwelche Fragen zum Dassower see noch offen sind...ich versuch`s dann mal
Gruß
waldersee


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27.11.2015 19:31von Rostocker
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Zitat von Zange im Beitrag #12
Noch etwas zur Grenze im Pötenitzer Bereich.

Bis in die 1970er Jahre hinein war von Westen der Zugang zum Ufer der Pötenitzer Wiek nicht möglich, da dieser Bereich bereits zur DDR gehörte.

Am Ende der Halbinsel Priwall war ein großes Hinweisschild errichtet, das den Zugang untersagte. Der Grenzzaun befand sich seinerzeit ziemlich dicht am Ufer.

Die Grenzkommission stellte fest, dass es ein altes Wasser- Landrecht, wohl aus dem Mittelalter stammend, gab. Dieses Recht besagte, wem das Wasser gehört, dem gehört auch das Land.

Da die Pötenitzer Wiek, der Dassower See und die Trave zur Bundesrepublik gehörten, musste die DDR einen ca. zwei Meter breiten Uferstreifen bis hin zum Grenzübergang Selmsdorf abtreten.

Das hatte zur Folge, dass man am Ostufer theoretisch bis nach Schlutup marschieren konnte, wenn kein Hochwasser war. Man hätte also auch bis in den Dassower Bereich gehen können.

Danach wurden die Sperranlagen im Pötenitzer Bereich ein ordentliches Stück "freundwärts" versetzt.






Ich war 81 noch mal als Resi in der Ecke in Palingen--weiß nur das am Pötenitzer Wick, in der Tagschicht immer ein Postenpaar jenseits der Sperrelemente eingesetzt war. Auch aus der Kompanie Palingen.

27.11.2015 19:42von Waldersee
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"Ich war 81 noch mal als Resi in der Ecke in Palingen--weiß nur das am Pötenitzer Wick, in der Tagschicht immer ein Postenpaar jenseits der Sperrelemente eingesetzt war. Auch aus der Kompanie Palingen.[/quote]"

Hallo Rostocker,
das waren dann die Kollegen,die ich so liebend gerne am Priwall / Pötenitzer Wiek fotografiert habe:

Gruß
waldersee

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27.11.2015 19:46von Waldersee
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Zitat von Zange im Beitrag #12
Noch etwas zur Grenze im Pötenitzer Bereich.

Bis in die 1970er Jahre hinein war von Westen der Zugang zum Ufer der Pötenitzer Wiek nicht möglich, da dieser Bereich bereits zur DDR gehörte.

Am Ende der Halbinsel Priwall war ein großes Hinweisschild errichtet, das den Zugang untersagte. Der Grenzzaun befand sich seinerzeit ziemlich dicht am Ufer.



Hallo Zange, hierzu noch ein Bild aus dem Jahr 1965:

Gruß
waldersee

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27.11.2015 20:14von Kalubke
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Zitat von Waldersee im Beitrag #15

[...)
Also wenn irgendwelche Fragen zum Dassower see noch offen sind...ich versuch`s dann mal
Gruß
waldersee



Hallo @Waldersee,

erst mal vielen Dank für Deine eingestellten einmaligen Fotos und Karten.

Jau, ich hätte da noch eine Frage. Auf Deiner Grenzkarte sind am Ufer des Dassower Sees NW und SW der Insel Buchhorst, bei Zarnewanz und bei Dassow grüne Signaturen eingetragen. Waren das BGS-Bootsanlegestellen, oder so was ähnliches?

Gruß Kalubke

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27.11.2015 20:57von Waldersee
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Gute Augen,
sind aber nur "Arbeitsmarkierungen" von mir gewesen...hab aber keine Ahnung mehr, wofür die mal waren...hab auf dieser mit Folie überzogenen Karte immer viel notiert. Hab ich mal auf dem "Zugfüherlehrgang" so gelernt: Nicht mitschreiben, gleich in die Karte einzeichnen!
Gruß waldersee

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28.11.2015 10:31von Zange
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@Waldersee

Hallo stellv. I/S, wo sind meine Streifenunterlagen mit Holzkiste? (grins)

mal im Ernst, ich habe noch eine Frage zum Dassower See. Wenn ich mich recht erinnere, mussten Flug- und Bootsstreifen auf bzw. über dem Dassower See extra genehmigt bzw. angeordnet warden ? Wenn ja, war die Abteilung oder das Kommando zuständig ?

Schöne Grüße

28.11.2015 11:04von Waldersee
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"Wenn ich mich recht erinnere, mussten Flug- und Bootsstreifen auf bzw. über dem Dassower See extra genehmigt bzw. angeordnet warden ? "

Hallo Zange,
also extra angeordnet werden mussten die Streifen in den Bereich des Dassower Sees nicht. Es gab ja immer für jede Streife einen "Streifenbefehl". Dort haben wir von I/S dann schriftlich den Streifenbereich- und auftrag ergänzt. Alles andere war schon vorgedruckt. So war dann z.B. für eine Bootsstreife im GA 1 der gesamte Bereich von der Travemündung bis zur Landgrenze in Schlutup mit erfasst. Wir haben ggf. zusätzlich einige besondere Punkte ergänzt (z.B. -1- Stunde Dauerpostierung Brücke Dassow o.ä.).
Ehrlich: das habe ich und die Kollegen aber immer "am Fließband" für die Woche im vorraus gemacht.
Da aber alle Streifenführer sich (tagsüber bei uns / n.D. beim OvD) persönlich an- und abmeldeten, konnte man jederzeit aktuelle Aufträge weitergeben.
Flugeinsätze der GsFlst Küste waren immer für den gesamten Grenzabschnitt des GSK Küste und wir haben wir immer die besonderen Punkte vor- oder unmittelbar nach dem Start an Bord perönlich besprochen.
Das war alles immer völlig unkompliziert!!
Dumm wurde es nur, wenn bei besonderen Wind- und Wetterlagen auch im Dassower See mal die Gezeitenwirkung zu spüren war. So "soll" mal eine Bootsbsatzung nicht gemerkt haben, dass ein Teil des Wassers durch starken Wind aus dem See ( der ja teilweise nur 50-80cm tief war) verschwunden war. Jedenfalls durften sie eine Nacht und fast den ganzen Tag in leichter Schräglage auf Hochwasser warten. Warum das passierte...die Antwort überlasse ich jedem selber. Denn wenn man an Deck ist, sollte man das "mitbekommen". Jedenfalls hat die gesamte Besatzung bei der "Barbarafeier" im folgenden Dezember einige Tampenschläge abbekommen
P.S......die alte Holzkiste hatte ich schon fast aus meinem Gedächnis gestrichen!
Gruß
waldersee

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28.11.2015 11:47von Kalubke
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Zur Illustration hier noch ein Foto eines GT-Grenzmodells dieses Bereiches, welches heute im Grenzmuseum Schlagsdorf steht. Man sieht die Gegend sozusagen aus der Gegenrichtung des Schrägluftbildes von @Waldersee. Dargestellt ist auch die von @Gert erwähnte TL GR-6 / 6. GBr Küste bei Barendorf. Zu sehen ist weiterhin eine gestrichelte Linie, die vom BT bei Barendorf in die Ostsee rausgeht und in der Nähe der Grenztonne "Grenze 6" an der Seegrenze endet. Was kann das gewesen sein? Eine Wassersperre?



Gruß Kalubke

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28.11.2015 17:02von ( gelöscht )
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Zitat von Kalubke im Beitrag #23
Zur Illustration hier noch ein Foto eines GT-Grenzmodells dieses Bereiches, welches heute im Grenzmuseum Schlagsdorf steht. Man sieht die Gegend sozusagen aus der Gegenrichtung des Schrägluftbildes von @Waldersee. Dargestellt ist auch die von @Gert erwähnte TL GR-6 / 6. GBr Küste bei Barendorf. Zu sehen ist weiterhin eine gestrichelte Linie, die vom BT bei Barendorf in die Ostdee rausgeht und in der Nähe der Grenztonne "Grenze 6" an der Seegrenze endet. Was kann das gewesen sein? Eine Wassersperre?



Gruß Kalubke




also von einer Wassersperre ist mir aus meiner Zeit(1963/64) nichts bekannt. Wie sollte die auch aussehen ? , dort brandeten die Wellen an das Ufer, vor allem im Herbst und Winter war dort sehr oft ein stürmisches Wetter und auch die entsprechende See, die hätten evtll. Sperren pulverisiert.
Fragt doch mal bei @Signalobermaat an, er war doch bei der 6.GBK an einer Stelle tätig, die viel wusste, wenn ich seine Vorstellung richtig interpretiere.

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28.11.2015 18:35von Waldersee
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Also das würde mich jetzt auch interessieren, was diese Linie bedeuten soll. Das kann aber auch überhaupt nichts bedeuten, wenn der Modellbauer dort einfach seiner Phantasie gefolgt ist.
Ich weiß aus meiner Grenzzeit in Lübeck darüber nichts. Eventl. Ratze kontaktieren, der hat Beziehungen zu diesem Museum.
Gruß Waldersee

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29.11.2015 11:40von Kalubke
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Zitat von Gert im Beitrag #24


also von einer Wassersperre ist mir aus meiner Zeit(1963/64) nichts bekannt. Wie sollte die auch aussehen ? ,
[...]
Fragt doch mal bei @Signalobermaat an, er war doch bei der 6.GBK an einer Stelle tätig, die viel wusste, wenn ich seine Vorstellung richtig interpretiere.


Genau genommen liegt das Objekt im Abschnitt der 1. GK Pötenitz. Das ist doch eher dem @Rostocker sein Revier, oder?. Vlt. stellt die Linie auch das Ende des Überwachungsbereiches der Küstenchutzboote dar. Wie die BGS-Seekarte zeigt, wurde die Lübecker Bucht in Richtung Priwall immer flacher (nur noch 5-15 m Tiefe W von Barendorf). Weil hier DDR- und BRD-Hoheitsgewässer direkt aneinander grenzten und kein internationales Gewässer dazwischen war, durfte vlt.die Seegrenze nicht überfahren werden. Ob das zutrifft, müsste der @Signalobermaat wiederum wissen.



Gruß Kalubke

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29.11.2015 12:23von Rostocker
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Zitat von Kalubke im Beitrag #26
Zitat von Gert im Beitrag #24


also von einer Wassersperre ist mir aus meiner Zeit(1963/64) nichts bekannt. Wie sollte die auch aussehen ? ,
[...]
Fragt doch mal bei @Signalobermaat an, er war doch bei der 6.GBK an einer Stelle tätig, die viel wusste, wenn ich seine Vorstellung richtig interpretiere.


Genau genommen liegt das Objekt im Abschnitt der 1. GK Pötenitz. Das ist doch eher dem @Rostocker sein Revier, oder?. Vlt. stellt die Linie auch das Ende des Überwachungsbereiches der Küstenchutzboote dar. Wie die BGS-Seekarte zeigt, wurde die Lübecker Bucht in Richtung Priwall immer flacher (nur noch 5-15 m Tiefe W von Barendorf). Weil hier DDR- und BRD-Hoheitsgewässer direkt aneinander grenzten und kein internationales Gewässer dazwischen war, durfte vlt.die Seegrenze nicht überfahren werden. Ob das zutrifft, müsste der @Signalobermaat wiederum wissen.



Gruß Kalubke



Mal vorweg--ich war nur 3 Monate 81 als Resi im GR6 1.Bat. dort eingesetzt. Auf Postenplätze bin ich nur gekommen von Herrenburg bis Dassow hoch, Was diese gestrichelte Linie anbegeht, die dort ins Wasser führt auf dem einen Foto--wird wohl keine Sperranlage sein--aber ich würde sagen oder vermuten,das sie den Beginn oder Ende des Sicherungsabschnittes des GR6 da stellen soll. Und alles andere was weiter östlich lag,gehörte dann zum Abschnitt der GBK:

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29.11.2015 16:08von ( gelöscht )
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die gestrichelte Linie könnte einmal die Trennlinie zwischen den Grenztruppen Land und der 6.Grenzbrigadeküste sein, die in diesem Raum ( etwa bei Barendorf)lag, also einfach eine gedachte Linie auf dem Wasser bis hin zur Travemünder Fahrrinne (durch Tonnen markiert).
Die 2.plausible Erklärung wäre, dass der westlich dieser eingezeichneten Linie liegende Seeabschnitt durch die Boote der 6.GBK nicht mehr befahren wurde oder werden konnte, weil das Wasser in diesem sich verengenden Winkel immer flacher wurde. Eine andere Erklärung fällt mir dazu auch nicht ein.

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29.11.2015 18:43von Signalobermaat
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Betr.Grenzsicherung Barendorf-Pötenitz
Ich habe schon einmal versucht ein paar Bilder über die Sicherung der Seegrenze meines damaligen Dienstbereiches Barendorf bis Poel einzubringen. Funktioniert nicht, bekomme keinen Text zu den Bildern.Bzw. immer, wenn ich ein neues Bild hochlade verschwinden alle anderen Bilder wieder
Mal sehen, ob es bei den dreien hier klappt.
Das 1. Bild ist eine Aufnahme von der KBS Barendorf.Das 2. Bild, mit Blick auf den Sperrstreifen mit Postenturm der Grenzkompanie Brook( Dienststelle von User Gert)
Das 3. Bild bin ich auf der KBS Barendorf am Stativglas mit Blick Richtung Travemünde
Zu der Frage nach der gestrichelten Linie, weiß ich auch keine Antwort, eine von uns eingerichtete Sperre war es nicht.Ich war von 1963 bis 1967 in diesem Bereich, also wenn da etwas gewesen wäre, hätte ich es zumindestens gesehen.

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