Berliner Mauer im Norden der Stadt

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05.10.2015 00:09 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 01:17)
#1
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Ich lebe seit 1978 im Berliner Norden und habe somit 11 Jahre mit der Mauer in unmittelbarer Nähe gelebt. Damals war das Alltag. Als die Mauer fiel bin ich nicht wie viele andere zum Spechten gelaufen. Danach ging alles ganz schnell und die Mauer verschwand aus dem Stadtbild. Auch das war dann ganz schnell wieder Alltag.

Erst heute, nach fast 26 Jahren bin ich mit Freunden diesem Mauerabschnitt auf die Spur gegangen. Begonnen haben wir unsere Erkundung in Blankenfelde in Richtung Lübars. Auch wenn dort parallel zur ehemligen Mauer der Radweg Berliner Mauerweg verläuft, so ist dieser Radweg schon ein paar Meter entfernt von dem ehemaligen Grenzverlauf, der in Berlin Stadbezirksgrenzen waren.

Bei der Suche nach noch vorhandenen Spuren sind wir auf einen Baum gestoßen - ein Ahorn. Ob das nun ein "Mauerrest war. können nur Insider beurteilen. Ich finde jedoch dieser Baum hat große Symbolkraft.



Nur ein paar Meter weiter sind wir auf den Gedenkstein "Checkpoint Qualitz" gestoßen, der an den mutigen Grenzdurchbruch vom 8. Juni 1990 erinnert.



Ein uns begleitender ehemaliger Grenzer standen die Haare zu Berge. Grenzdurchbruch im Juni 1990? An der Stelle konnte ich nur die Gemüter beruhigen und auf Details im Internet verweisen

Zu hause angekommen, hat sich es sich sehr schnell aufgeklärt.

Dem plötzlich so berühmten Bauern ist das Ganze etwas peinlich: "Das mit der Tafel freut mich ja. Aber ich frag mich, was an meiner Tat so mutig war. " Qualitz erinnert sich noch recht gut an diesen 16. Juni 1990: "Wir saßen am Nachmittag zusammen und sagten: ,Menschenskinder, wir könnten doch eigentlich die Mauer an der Stelle beiseite nehmen und die Blankenfelder Chaussee öffnen. " Am ersten Tag riss Qualitz mit seinem Sohn und einem Kumpel die Mauersegmente weg; am zweiten Tag fuhr er mit dem Trecker in den Osten und hielt direkt bei der Freiwilligen Feuerwehr in Blankenfelde. "Als der Trecker aus dem Westen kam, haben die nicht schlecht geguckt", sagt er. Schließlich räumten sie gemeinsam die Mauerreste weg, entsorgten den Müll und tranken eine Kiste Sekt aus. Mehr, sagt Bauer Qualitz, war eigentlich nicht. "Als Dank und zur Erinnerung an den mutigen Grenzdurchbruch am 16. Juni 1990 - ausgeführt von Helmut Qualitz und der Freiwilligen Feuerwehr. "

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/bu...90,9911662.html

Die Frage die sich jetzt anschließt - Kennt jemand diesen Grenzabschnitt? Im Intenet habe ich noch folgende Bilder zu Lübars gefunden



Lübars 1982



Lübars 2010

Quelle: http://www.grenzbilder.de/die_grenze/die...e_slideshow.php

LG von der Moskwitschka

EDIT

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05.10.2015 01:52
avatar  andyman
#2
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[quote=Moskwitschka|p495093]Bei der Suche nach noch vorhandenen Spuren sind wir auf einen Baum gestoßen - ein Ahorn. Ob das nun ein "Mauerrest war. können nur Insider beurteilen. Ich finde jedoch dieser Baum hat große Symbolkraft.





Hallo.
Wenn es ein Betonpfahl aus dem Grenzzaun der ersten Generation ist,war er mit Sicherheit zuerst da,die Bäume sind vielleicht20- 25 Jahre alt bei der Stärke.Der erste Grenzzaun ist ab 61 entstanden also wesentlich eher.Wenn der Pfahl aus dieser Zeit stammt finden sich möglicherweise noch andere in der Nähe und es läßt sich ein Bezug zur Grenze herstellen.
Die große Symbolkraft hat das Bild auch für mich,ein ähnliches Bild habe ich schon mal als Zweiländereiche gesehen.
Gruß aus Südschweden
andyman

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05.10.2015 12:17
avatar  94
#3
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94

Was ist denn der Baum für ein Modell? Mit Botanik hab'ch ja nicht so arg, sieht mit aber nach einem Ahorn aus? Also Baumumfang in anderthalb Meter Höhe mal 0,6 (*) ... na der ist doch älter als nur 20 oder 25 Jahr, odär?

*) ... baumportal.de/baum-alter-bestimmen.htm

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05.10.2015 12:38 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 12:38)
avatar  GKUS64
#4
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Hallo @ Moskwitschka,

Tolle Bilder, besonders die Gegenüberstellung in Lübars. Das Baumgeäst ist ja noch gut erhalten.
Und nun mal den Krümelkacker-Modus an: 8. oder 16. Juni, das ist hier die Frage!

VlG

GKUS64


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05.10.2015 12:47 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 12:51)
#5
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Das habe ich mich gestern Abend auch gefragt. Denkbar wäre, dass Bauer Qualitz am 8. Juni den Durchbruch begonnen hat und am 16. Juni mit der Frwéiwilligen Feuerwehr in Blankenfelde vollendet hat und die Straße dann frei war. Und das alles in freiwilliger "Abbauarbeit" nach Feierabend. Mal sehen, vielleicht wissen die Blankenfelder näheres. Ich rufe mal beim Pfarrer oder Bürgermeister in Blankenfelde an.

Ich kann mich nur erinnern, dass wir relativ schnell diese Ost - West - Verbindung genutzt haben, Nicht zuletzt, weil sie nicht so frequentiert war, wie die innerstädtischen im Norden von Belin wie z.B. Wollankstraße, wo der Durchbruch noch im Dezember 1989 erfolgte oder der neue Übergang in Berlin Wilhelmsruh.

LG von der Moskwitschka

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05.10.2015 13:02 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 13:03)
#6
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Zitat von 94 im Beitrag #3
Was ist denn der Baum für ein Modell? Mit Botanik hab'ch ja nicht so arg, sieht mit aber nach einem Ahorn aus? Also Baumumfang in anderthalb Meter Höhe mal 0,6 (*) ... na der ist doch älter als nur 20 oder 25 Jahr, odär?

*) ... baumportal.de/baum-alter-bestimmen.htm


An der Stelle brauchen wir wirklich nen Botaniker. Denn der Ahorn ist kein gewöhnlicher Hochstamm, sondern aus der Wurzel entwickelten sich im Verlaufe der Zeit insgesamt 4 Stämme. Inwieweit dies Einfluß auf das Wachstum des sich selbst überlasenen Ahorns hat? Genauso wird wahrscheinlich das Betonteil auf den wild wachsenden Baum nicht gerade positiv auf das Wachstum gewirkt haben.

Hier mal eine anderes Foto:



LG von der Moskwitschka

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05.10.2015 18:09
avatar  Lutze
#7
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Sieht nach Spitzahorn aus,
aber wenn man sich die Mauer so anschaut,
rechte Lust zum hochmauern hatte wohl keiner dazu
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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05.10.2015 18:34 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 18:35)
#8
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Das war der Blick der Lübarser Richtung Blankenfelde. Auf der rechten Seite der Straße reichten die Häuser und Grundstücke bis direkt an die Mauer. Kein Wunder, dass Bauer Qualitz im Juni 1990 zur Selbsthilfe gegriffen hat

In Blankenfelde sah es ganz anders aus. Der Ort Blankenfelde war ein paar Kilometer von der Grenze entfernt. Bis zur Mauer nur Felder. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Hier mal ein Blick von Blankenfelde Richtung Lübars



Quelle: http://www.adda.de/vi_bilder/bilder_pool...s5=&pakt=XfsXbk

An der Stelle kreuzt der Berliner Mauerweg die Blankenfelder Chaussee. Bis zur ehemaligen Mauer sind es dann noch ca. 60m. Und da fanden wir noch einige Spuren der ehemaligen Grenzbefestigungen. Nur leider hatten wir nicht so viel Zeit, da wir noch zu einem anderen interessanten Ort der ehemaligen Berliner Mauer wollten, der auch nicht so im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Aber davon später.

Gibt es keinen Grenzer im Forum, der an dieser Stelle, zwischen Blankenfelde und Lübars an der Grenze war?

LG von der Moskwitschka

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05.10.2015 18:42
avatar  andyman
#9
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Zitat von 94 im Beitrag #3
Was ist denn der Baum für ein Modell? Mit Botanik hab'ch ja nicht so arg, sieht mit aber nach einem Ahorn aus? Also Baumumfang in anderthalb Meter Höhe mal 0,6 (*) ... na der ist doch älter als nur 20 oder 25 Jahr, odär?

*) ... baumportal.de/baum-alter-bestimmen.htm


Hallo.Das Alter hab ich nur geschätzt,erhebe aber auch keinen Anspruch auf rechthaben.Vielleicht hift zum Verständnis ein Beispiel aus der Praxis.Der im Bild gezeigte Baumstumpf hat in 1,20m Höhe einen Umfang von 120cmxFaktor0,5 wären nach der Berechnung der Website ca.60 Jahre alt.Der Baum wurde 2014 gefällt und wurde 1986 gepflanzt ergo 28 Jahre alt.Das Auszählen der Jahresringe ergab 26 Jahre.
Das Wachstum des Baumes ist sicher von vielen Faktoren abhängig,daher immer individuell.
Da wir den Umfang des Ahorn`s nicht kennen ist es sowieso müßig und alles Spekulatius.

Gruß aus Südschweden
andyman

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05.10.2015 19:07
avatar  94
#10
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94

Na bissel Spekulationismus isses schon, da haste wahr. Ich denke mal eher das der Baum so ziemlich genau Anfang der 60iger began zu sprießen. Die erste Mauer (von der Lutze bemerkte sie wäre etwas lustlos ausgeführt worden) stand ja oft genau auf der Grenzlinie. Und auf genau dieser Grenzlinie wuchs der Ahorn in den antifaschistischen Schutzwall der ersten Generation hinein.

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05.10.2015 23:09 (zuletzt bearbeitet: 05.10.2015 23:17)
#11
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Hier schreibt ein Grenzer der dort oben Dienst tat -- aber von 1959 bis 1961. Klicke mal diesen Link an: http://www.dhm.de/filmarchiv/02-mapping-...eter-g/rolle-5/ . Die Filmbilder sind etwas verwackelt, sind freihand ohne Stativ gemacht, war ja da als Polizist im Dienst, da konnte ich so etwas nicht mitschleppen. Dann noch zwei etwas neuere Fotos von 2006, einmal die Gabelung mit dem Alten Bernauer Heerweg - Blankenfelder Chaussee und das zweite Bild ist die Quickborner Str. Dort war links vor dem Mauerbau der Bahnhof Rosenthal der Heidekrautbahn. Und die Erklärung zu den Filmaufnahmen sind ja unter dem Filmbildchen zu sehen.


März 1959 bis Mai 1962 an der Grenze in Berlin vom Norden bis an die Stresemannstraße


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06.10.2015 09:38 (zuletzt bearbeitet: 06.10.2015 09:53)
avatar  Kalubke
#12
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...hier ein Kartenausschnitt und drei Bilder von den Grenzanlagen aus den 80ern.

Gruß Kalubke








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09.07.2020 02:57
#13
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@Kalubke , ich muss das Thema hervorholen- wie verlief das Grenzgebiet weiter, kannst du weiter helfen. Diese Karten sind von den Grenztruppen gemacht 1985! Grüße

Ufw # Grenztruppen

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09.07.2020 07:53 (zuletzt bearbeitet: 09.07.2020 07:55)
#14
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #6
Zitat von 94 im Beitrag #3
Was ist denn der Baum für ein Modell? Mit Botanik hab'ch ja nicht so arg, sieht mit aber nach einem Ahorn aus? Also Baumumfang in anderthalb Meter Höhe mal 0,6 (*) ... na der ist doch älter als nur 20 oder 25 Jahr, odär?

*) ... baumportal.de/baum-alter-bestimmen.htm


An der Stelle brauchen wir wirklich nen Botaniker. Denn der Ahorn ist kein gewöhnlicher Hochstamm, sondern aus der Wurzel entwickelten sich im Verlaufe der Zeit insgesamt 4 Stämme. Inwieweit dies Einfluß auf das Wachstum des sich selbst überlasenen Ahorns hat? Genauso wird wahrscheinlich das Betonteil auf den wild wachsenden Baum nicht gerade positiv auf das Wachstum gewirkt haben.
Hier mal eine anderes Foto:

LG von der Moskwitschka



Das deutet darauf hin, daß der Baum etwas, einige Jahre, älter sein könnte als die Stämme an Hand der Jahresringe vermuten lassen. Schon vom Boden aus verzweigen geschieht i.d.R. immer dann, wenn ein schon bestehender Baum/Bäumchen unten abgesägt wurde. Ich spinne mal. Der Ursprungsbaum stand schon, als die Mauer noch stand und ist im Zuge von Freihaltemaßnahmen abgesägt worden. Danach spross er unten wieder aus. Dann kam die Wende, und so konnten die neuen Austriebe ungestört weiterwachsen.
Ermittle mal den Radius und teile ihn durch 2 und durch 3. Dann könntest Du etwa auf das tatsächliche Alter kommen. 2 - 3 mm dürfte die durchschnittliche
Breite der Jahresringe sein, vermute ich. Die Spannbreite von 2 - 3 mm kommt durch die Wachstums- und Klimabedingungen im jeweiligen Jahr zustande.
Wenn ich mir den Stamm im Vergleich zu den am Boden liegenden Dingen (Blättern u.a.) ansehe, könnte das etwa hinkommen.


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09.07.2020 19:38 (zuletzt bearbeitet: 09.07.2020 19:54)
avatar  Kalubke
#15
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Zitat von lutz1961 im Beitrag #13
@Kalubke , ich muss das Thema hervorholen- wie verlief das Grenzgebiet weiter, kannst du weiter helfen. Diese Karten sind von den Grenztruppen gemacht 1985! Grüße
Leider habe ich auch nur diese zusammengefügten Ausschnitte. Das Hinterland und der genaue Verlauf des Grenzgebietes fehlt mir. Im Berliner Kartenserver fisbroker kann man den weiteren Verlauf des Mauerstreifens in der Niederung des Tegeler Fließes und nach S in Richtung Wilhelmsruh sehen.

https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index...744,24248,34296


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