ARD-Serie Weissensee

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01.10.2015 19:42
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#1
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Hallo,

ich für meinen Teil sehe die Serie sehr gerne. Aber mich würde einmal interessieren, wie diese Serie von Zeitzeugen, die die DDR erlebt haben, eigentlich aufgenommen bzw. bewertet wird.

Welche Elemente (Bühnenbild, Story, Protagonisten etc.) werden als stimmig/authentisch und welche als überzogen oder falsch empfunden?

Vielleicht einfach mal die persönliche Meinung schreiben, ohne ideologische Grabenkämpfe. "Das" eine, richtige DDR-Bild gibt es ja ohnehin nicht.

Gruß
Marienborn


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01.10.2015 20:06
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#2
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@Marienborn89
Es geht ja gleich weiter, ich finde die Serie gut. Überspitzt oder falsch Dargestellt, ich kann es nicht nachvollziehen.
Es steht doch im Vor- sowie im Abspann:: nach einer Idee von Annette Hess
Buch: Annette Hess/Friedemann Fromm
Fromm führt auch die Regie
Für mich es einfach TV-Unterhaltung und das gut gemacht.
Micha


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01.10.2015 20:17
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#3
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Das tue ich mir nicht antun.
Irgentwo ist die Leidensfähigkeit begrenzt.
Viel Spaß noch!


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02.10.2015 00:23
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#4
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Zitat von Marienborn89 im Beitrag #1
Hallo,

ich für meinen Teil sehe die Serie sehr gerne. Aber mich würde einmal interessieren, wie diese Serie von Zeitzeugen, die die DDR erlebt haben, eigentlich aufgenommen bzw. bewertet wird.

Welche Elemente (Bühnenbild, Story, Protagonisten etc.) werden als stimmig/authentisch und welche als überzogen oder falsch empfunden?

Vielleicht einfach mal die persönliche Meinung schreiben, ohne ideologische Grabenkämpfe. "Das" eine, richtige DDR-Bild gibt es ja ohnehin nicht.

Gruß
Marienborn







Im Gegensatz zu den vorhergehenden Staffeln wirken die neuen Folgen unrealistisch. Es ist recht unwahrscheinlich, daß ein Oberst (und später Generalmajor) unmittelbar als Führungsoffizier IM's trifft. Ein Auslandseinsatz im NSW (dies war Westberlin auch noch nach dem 09.1.1989) kann man nicht auf eigene Faus als Einmann-Aktion durchziehen. Und das die selben Offiziere einmal in die Bekämpfung der Opposition und andererseits in die Mitarbeit an der Reiseregelung einbezogen waren? Das MfS bestand doch nicht nur aus 100 Mann! Hat jemand etwas von Streiks gehört, als die Demo-Forderung "Stasi in die Produktion" umgesetzt wurde? Bei der DR jedenfalls waren die neuen Kollegen eine willkommmene Verstärkung, um Personalverluste durch Republikflucht/Ausreise zu kompensieren und andererseits den Mehrbedarf durch den gestiegenen Reiseverkehr aufzufangen, wobei allerdings manche Kollegen mit den MfS-"Reservisten" persönlich nicht zusammenarbeiten wollten. Ich hätte damals gern versucht, möglichst viel über deren Arbeit zu erfahren, aber leider nicht die Gelegenheit dazu.
Die Requisiten (z.B. Wohnungs- und Büroeinrichtung) sind authentisch.


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02.10.2015 12:10
#5
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Wenn man Comedy ernster nimmt, als sie ist, dann kann das weh tun oder man bekrittelt Kleinigkeiten.

Mal komödiantische Überspitzungen weggenommen, zeigt die Serie mehr über unseren Alltag als rein politische Filme oder gar alte Lehrfilme.


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02.10.2015 13:28
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#6
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.....komödiantische Überspitzungen? ......die DDR war voll davon.


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02.10.2015 21:57
#7
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Ohje,
ich merke gerade, daß ich das mit Seydwitz verwechselt habe.

Sorry.

Bei Weißensee finde ich nur die Konzentration der Ereignisse auf eine Familie überspitzt. Aber das ist bei einem Film eine akzeptable Methode.


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02.10.2015 22:10
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#8
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mit Seydwitz verwechselt habe.

Wo ist dieses Seydwitz ? Du meinst sicher Sedwitz ! Oder war Frau "Y" auch dabei ?

Nun wird mir einiges klarer !

VG Fritze


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02.10.2015 22:52
#9
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Danke für die Korrektur. Aber dramatisieren muß man den Fehler nicht.


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03.10.2015 10:27
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#10
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ABV

Am Ende gab es nur Verlierer. Dieser Satz fiel mir nach dem Betrachten des letzten Teiles der Serie spontan ein. Verlierer waren doch wohl alle. Der noch kurz vor Toresschluss zum Generalmajor "hochgeschossene" Falk Kupfer sowieso. Seine Eltern, die in der Nazizeit für ein besseres Deutschland kämpften, die DDR als den Beginn eines solchen ansahen, dafür einstanden und dann hilflos mit ansehen mussten wie genau dieses Land an seinen Widersprüchen erstickte, ebenfalls. Genau wie Martin, der andere Sohn der Familie. Der bereits zuvor seine große Liebe und sein Kind verloren hatte. Zwar gelang es ihm sein Kind wieder zu finden. Aber um welchen Preis? Seine erfolgreiche Suche führte dazu, dass eine bislang ahnungslose, glückliche Familie auseinander gerissen wurde. Von der endgültigen Erkenntnis, dass Bruder Falk die Hauptschuld an dem ganzen Unglück trägt.
Als Verlierer würde ich auch die " Bürgerbewegten" bezeichnen. Erst haben diese Leute, das volle Risiko tragend, den SED-Staat ins Wanken gebracht, weil sie den Sozialismus und die DDR eben nicht kaputt gehen lassen sondern einfach nur verbessern wollten, dann endeten diese Gruppen, sich selbst zerfleischend, am Ende in der Bedeutungslosigkeit. Oder die Sängerin Hausmann, eigentlich eine überzeugte Sozialistin, die, gerade wegen dieser Überzeugung, Kritik übte und dafür in die Mühlen eines Staates geriet, der eigentlich ihr Staat war.
Möglicherweise kann man der Serie einige "handwerkliche Schwächen" vorweisen. Ein Generäle oder Obristen des MfS haben ganz sicher keine "operativen Vorgänge" bearbeitet, oder sich mit " IM" getroffen. Ein Unterleutnant der VP trug keine Winkel an der Uniform. Ich halte es auch für mehr als unwahrscheinlich, dass ein ehemaliges Stasi-Opfer, wie der am Beginn der Serie als Fluchthelfer auftretende amerikanische Staatsbürger, innerhalb weniger Jahre zu einem hochrangigen CIA-Mitarbeiter werden konnte. Die Szene mit der vereitelten Wiedergabe der von einem einzelnen General beschlossenen " Aufhebung des Schiessbefehls", hat es sich in Wirklichkeit nicht so gegeben.
Na und? " Fernsehserien sollen den Zuschauer in erster Linie unterhalten. Zu guter Unterhaltung gehört auch eine entsprechende Dramatik.
Für mich gehört " Weissensee" zu den besten Serien welche das deutsche Fernsehen zum Thema " DDR" bislang produziert hat. Besser, als gerade in den letzten Teilen kann man die Ursachen für den Untergang der DDR, der Diskreditierung der Idee des Sozialismus " in alle Ewigkeit", nicht aufzeigen. Die DDR ist eigentlich ein abschreckendes Musterbeispiel für alle Staaten. Wer genau hinschaut erkennt, was einem Staat, einer Regierung, blüht, wenn sie weder Opposition noch Kritik zulässt, jegliche Kritik als Angriff auf die eigene, angeblich gesetzmäßige Unfehlbarkeit versteht. Solche Staaten brechen über kurz oder lang zusammen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich solche Staaten ihre Feinde selbst schaffen. Feinde, die eigentlich gar keine Feinde sondern lediglich besorgte, kritische Sympathisanten sind.
Zum Schluss blieben nur Trümmer übrig. Zerstörte Familien. Zerstörte Biographien. Und ganz viel Hass.

Viele Grüße aus dem Oderland

und allen einen schönen Feiertag

Uwe


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03.10.2015 10:34
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#11
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Zitat von ABV im Beitrag #10
Am Ende gab es nur Verlierer. Dieser Satz fiel mir nach dem Betrachten des letzten Teiles der Serie spontan ein. Verlierer waren doch wohl alle. Der noch kurz vor Toresschluss zum Generalmajor "hochgeschossene" Falk Kupfer sowieso. Seine Eltern, die in der Nazizeit für ein besseres Deutschland kämpften, die DDR als den Beginn eines solchen ansahen, dafür einstanden und dann hilflos mit ansehen mussten wie genau dieses Land an seinen Widersprüchen erstickte, ebenfalls. Genau wie Martin, der andere Sohn der Familie. Der bereits zuvor seine große Liebe und sein Kind verloren hatte. Zwar gelang es ihm sein Kind wieder zu finden. Aber um welchen Preis? Seine erfolgreiche Suche führte dazu, dass eine bislang ahnungslose, glückliche Familie auseinander gerissen wurde. Von der endgültigen Erkenntnis, dass Bruder Falk die Hauptschuld an dem ganzen Unglück trägt.
Als Verlierer würde ich auch die " Bürgerbewegten" bezeichnen. Erst haben diese Leute, das volle Risiko tragend, den SED-Staat ins Wanken gebracht, weil sie den Sozialismus und die DDR eben nicht kaputt gehen lassen sondern einfach nur verbessern wollten, dann endeten diese Gruppen, sich selbst zerfleischend, am Ende in der Bedeutungslosigkeit. Oder die Sängerin Hausmann, eigentlich eine überzeugte Sozialistin, die, gerade wegen dieser Überzeugung, Kritik übte und dafür in die Mühlen eines Staates geriet, der eigentlich ihr Staat war.
Möglicherweise kann man der Serie einige "handwerkliche Schwächen" vorweisen. Ein Generäle oder Obristen des MfS haben ganz sicher keine "operativen Vorgänge" bearbeitet, oder sich mit " IM" getroffen. Ein Unterleutnant der VP trug keine Winkel an der Uniform. Ich halte es auch für mehr als unwahrscheinlich, dass ein ehemaliges Stasi-Opfer, wie der am Beginn der Serie als Fluchthelfer auftretende amerikanische Staatsbürger, innerhalb weniger Jahre zu einem hochrangigen CIA-Mitarbeiter werden konnte. Die Szene mit der vereitelten Wiedergabe der von einem einzelnen General beschlossenen " Aufhebung des Schiessbefehls", hat es sich in Wirklichkeit nicht so gegeben.
Na und? " Fernsehserien sollen den Zuschauer in erster Linie unterhalten. Zu guter Unterhaltung gehört auch eine entsprechende Dramatik.
Für mich gehört " Weissensee" zu den besten Serien welche das deutsche Fernsehen zum Thema " DDR" bislang produziert hat. Besser, als gerade in den letzten Teilen kann man die Ursachen für den Untergang der DDR, der Diskreditierung der Idee des Sozialismus " in alle Ewigkeit", nicht aufzeigen. Die DDR ist eigentlich ein abschreckendes Musterbeispiel für alle Staaten. Wer genau hinschaut erkennt, was einem Staat, einer Regierung, blüht, wenn sie weder Opposition noch Kritik zulässt, jegliche Kritik als Angriff auf die eigene, angeblich gesetzmäßige Unfehlbarkeit versteht. Solche Staaten brechen über kurz oder lang zusammen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich solche Staaten ihre Feinde selbst schaffen. Feinde, die eigentlich gar keine Feinde sondern lediglich besorgte, kritische Sympathisanten sind.
Zum Schluss blieben nur Trümmer übrig. Zerstörte Familien. Zerstörte Biographien. Und ganz viel Hass.

Viele Grüße aus dem Oderland

und allen einen schönen Feiertag

Uwe



sehr gut Uwe, stimme dir in allen Punkten voll zu. So habe ich die Serie auch gesehen. Die "handwerklichen Fehler" kann man vernachlässigen, ein Großteil des Publikums hat das nicht erkannt. Sie werden aber vermutlich von interessierten Kreisen dazu benutzt werden um in bewährter Manier Desinformation zu betreiben indem sie diese kleinen Fehler als Beweis heranzuziehen, das ganze Filmwerk als unwahr zu bezeichnen.


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03.10.2015 18:21
#12
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Ich finde die Serie im Hinblick auf Ausstattung und Hintergründe im Vergleich zu anderen Werken mit ähnlicher Thematik sehr gelungen. Da zahlt man doch gern seine Rundfunkgebühren. Das vielleicht nicht jedes Uniform- oder anderes Ausstattungsdetail historisch korrekt ist kann man sicher verschmerzen. Mich würde mal interessieren wo die Außenaufnahmen gedreht wurden. Die Story und die tatsächlichen Ereignisse sind auf wenige Personen zusammengezogen, dass ist zwangläufig der Dramaturgie und wohl einer sinnvollen Länge der Serie bzw. Episoden geschuldet. Intersannt fand ich, dass einige in der Regel wenig beachtete Details der Wendezeit mit eingewoben wurden. So kann sich sicher der Ein oder Andere an plötzlich aus dem „Nichts“ kommende Kollegen so um den Jahreswechsel 89/90 erinnern. Da wurden völlig sinnlose Posten und Abteilungen in den Betrieben geschaffen. Auch gab es Leute die bereits im Frühjahr 90 erkennbar über nicht unerhebliche Mittel in DM verfügten. Unwahrscheinlich ist hingegen, dass Offiziere die zum Führungskreis des MfS gehörten noch selbst im Lada sitzend Observationen durchgeführt haben: Vielleicht war es ja nur ein Wartburg. Auch die unmittelbare Verbindung MfS - Grenztruppen am 09. November, wie in der entsprechenden Folge dargestellt, ist historisch wohl nicht korrekt.


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03.10.2015 18:30
#13
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...Wobei die Observationen gemäß der Handlung des Films im höchst privaten Interesse erfolgten. Das hätte er schlecht Anderen überlassen können.


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03.10.2015 18:35
#14
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #13
...Wobei die Observationen gemäß der Handlung des Films im höchst privaten Interesse erfolgten. Das hätte er schlecht Anderen überlassen können.


Das ist wohl war.


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03.10.2015 23:15
#15
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Die Serie zeigt Menschen mit DDR-Lebensgeschichte in außerordentlicher, nicht alltäglicher Lebenssituation.

Wie gehe ich um mit einer die Existenz bedrohenden Situation, wie verhalte ich mich in Gefahr, wenn die Einschläge näher kommen, mich bedrohen und dessen Umstände ich nicht beeinflussen geschweige kontrollieren kann?
Der Schauspieler Jörg Hartmann in der Rolle als Falk Kupfer spielt diese Rolle überzeugend, er begreift, daß sein Dasein eng mit dem Beruf, den Überzeugungen und letztendlich dem Dienst in eigener Sache verschmolzen ist.

Seine Überzeugung wird zur Überlebensfrage. Kann ich mich noch im Spiegel betrachten, begehe ich Verrat, wenn ich meine Haut rette oder bleibe ich treu in meiner Überzeugungen?

Ich stehe auf verlorenem Posten, wo ist der Staat geblieben, der seine schützende Hand über mich hielt, dem ich im Vertrauen an die gute Sache treu diente?

Diese Fragen sind losgelöst von der DDR-Staatsräson zu betrachten.

Einen Falk Kupfer finden wir den Umständen entsprechend auch im Westen in einem Konsortium unterschiedlicher Lebensläufe, wenn der Arbeitsplatz sich nach Jahrzehnten auflöst, die Firma liquidiert wird, nicht wegen Verlusten sondern der Gewinnmaximierung zum Opfer fällt und ausgelagert im Ausland aus dem Nichts neu entsteht.

Wir können Anstoß nehmen, stigmatisieren, doch machen wir es uns damit zu leicht.

Jörg Hartmann, ein Schauspieler ohne DDR-Erfahrung, präsent eine außergewöhnliche Figur in einem außergewöhnlichen Kontext, das ist der Grund für den Erfolg.

Jörg Hartmann über Falk Kupfer

Die Frage nach eigenem Verhalten, der Gratwanderung in extremer Situation, sollte jeder für sich kritisch und den Realitäten entsprechend betrachten, bevor er mit der Figur öffentlich ins Gericht geht.

Es grüßt Euch

Kressin


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