Soll die Geschichte der Kinder von Golzow weiter erzählt werden?

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16.09.2015 01:26 (zuletzt bearbeitet: 16.09.2015 01:30)
#1
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Wer kennt sie nicht - die "Kinder von Golzow". Und so wie nach der Wende die Region an Bedeutung verlor, so schien auch das Interesse an den Kindern dieser Gemeinde zu schwinden. Dabei ist doch jeder von uns neugierig, wie es mit den Schulanfängern von 1961 weiterging und wie es ihnen heute ergeht.

Winfried Junge. der Protagonist dieser Langzeitstudie, sagte anlässlich seines 80. Geburtstages: "Ich wusste immer, wie wirklich gelebt und gedacht wird" http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/...ow-wird-80.html

Diese Jahr ist ´der Schulanfang in Golzow wieder in den Fokus der Medien geraten. Und ich finde, das ist die Gelegenheit, die Kinder von Golzow wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Im Sinne von Winfrid Junge, das Leben in Golzow von allen Seiten beleuchtend. Aber nicht erst das "unangenehme" wegzuschneidenum um es nach Jahrzehnten wieder aus der Konserve zu holen, sondern von Anfang an alle Probleme ansprechend. Aber auch die Hoffnungen, Freuden der alten und der neuen Golzower nicht zu unterdrücken. Einfach ehrlich.

Die ZEIT ist in Vorlage gegangen. Ich hoffe sehr, dass sich ein Dokumentarfilmer findet und nicht zu vergessen ein Geldgeber

Die neuen (20) Kinder von Golzow http://www.zeit.de/feature/kinder-von-go...ng-fluechtlinge

LG von der Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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16.09.2015 01:59
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#2
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( gelöscht )

Moskwitschka, ich bin bin der Meinung, es sollte sich jemand finden, der weiter berichtet über Golzow. Die Schulanfänger von 1961 sind etwas in die
Jahre gekommen und sollten nicht aus dem Auge verloren werden.
Ganz wichtig wäre jetzt, gerade jetzt die "Neuen Kinder" zu beobachten.
Gut, Golzow ist bekannt geworden mit der Reportage, man könnte auch aus anderen Gemeinden berichten, wo es ähnlich zugeht.
Micha


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16.09.2015 02:04
avatar  andyman
#3
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1



Die ZEIT ist in Vorlage gegangen. Ich hoffe sehr, dass sich ein Dokumentarfilmer findet und nicht zu vergessen ein Geldgeber

Die neuen (20) Kinder von Golzow http://www.zeit.de/feature/kinder-von-go...ng-fluechtlinge

LG von der Moskwitschka


Das bleibt zu hoffen ,das die Golzower Geschichte vielleicht noch weiter geht.Bei einem Besuch 2014 am Rande des Forumtreffens in Gusow war im Filmmuseum in Golzow, hier ein Bild vom Besuch von Euphorie nichts zu spüren.Die Hoffnung sollte man nicht aufgeben.
Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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16.09.2015 10:49
#4
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Die Geschichte der Kinder von Golzow muss unbedingt weiter erzählt werden!
Wo gab oder gibt es ein so interessantes Werk über unsere Geschichte? Geschichte über viele Jahrzehnte erzählt anhand des realen Lebens von Menschen - ungeschminkt und interessant.

Klaus

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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16.09.2015 11:03
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#5
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( gelöscht )

Ich fand die Idee einer solchen Langzeitdokumentation hoch spannend und sehr informativ - gestattete sie doch einen Einblick in das Alltagsleben dieser Menschen, ihre kleineren und größeren Sorgen, Nöte und Probleme, aber auch in die fröhlichen Momente. Gut fand ich auch, dass die Macher weitgehend auf eigene Kommentare verzichtet haben (wenn mich meine Erinnerung nicht trügt) und statt dessen die Protagonisten reden liessen.

Ja, ich denke auch, dass diese Geschichte weiter erzählt werden sollte.


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16.09.2015 11:10
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#6
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( gelöscht )

Ich fand diese Lngzeitdoku schon immer sehr gut und spannend. bei einer fortsetzung wäre ein "direktes" anknöpfen schön. Wie erging es den Kindern (Schulstart 1961) weiter, was haben sie ihren Kindern und Enkeln vermittelt, wie hat sich die Prägung auf diese ausgewirkt?

Ich hatte meine Schuleinführung 1962, also vieles kann ich direkt "mitfühlen" und verstehen, wie sehen die Kinder von damals heute ihre und auch die Geschichte der Region und dann natürlich der Nachwuchs....

Es wurde damals für eine spannende Geschichte der Grundstein gelegt und es stürzte ja auch die "Wende" mit all ihren Problemen auf sie ein, eine Fortsetzung fände ich sehr gut!


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16.09.2015 16:47 (zuletzt bearbeitet: 16.09.2015 16:47)
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#7
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ABV

Hallo Leute!
Man sollte an dieser Stelle nicht vergessen, dass viele der Protagonisten sich nicht mehr filmen lassen wollten. Zumindest nicht in dem Maße, wie es über Jahre hinweg durchgezogen wurde. Sie sind nun einmal in die Jahre gekommen, stehen mittlerweile kurz vor der Rente. Warum sollte die Story endlos ausgewalzt werden? Möglicherweise noch mit einem Drehtermin im Altersheim, den man dann im Gegenschnitt zu den frühen Sandkastenaufnahmen zeigen könnte. Das möchte doch nun wirklich keiner mehr sehen.
Ich selbst finde die Dokumentation hochinteressant. Schon wegen der seltenen, mittlerweile historischen Aufnahmen des Oderbruchs. Golzow leigt ja nur zehn Kilometer von meinem Wohnort entfernt. In meiner Anbauwand stehen sämtliche DVD mit den allen Filmen.
Aber: ich habe den Eindruck gewonnen, dass die " Kinder von Golzow" außerhalb des Oderbruchs mit viel größerem Interesse betrachtet werden, als in Golzow und anderen Orten des Oderbruchs.
Ich weiß nicht woran das liegt, finde es aber persönlich mehr als schade.
Ergo: die Doku ist super, aber eine Fortsetzung wäre am Ende nur ein müder Abklatsch. Irgendwann hat alles ein Ende. Auch die längste und möglicherweise sogar beste Dokufilm-Reihe der Welt.

Gruß an alle
Uwe

16.09.2015 17:52
#8
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Zitat von ABV im Beitrag #7

...Sie sind nun einmal in die Jahre gekommen, stehen mittlerweile kurz vor der Rente. Warum sollte die Story endlos ausgewalzt werden? Möglicherweise noch mit einem Drehtermin im Altersheim, den man dann im Gegenschnitt zu den frühen Sandkastenaufnahmen zeigen könnte. Das möchte doch nun wirklich keiner mehr sehen...


Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Auch das Alter und die Alten gehören dazu. Muss ja nicht ellenlang sein, aber interessant ist schon, wie und wo sie im Alter leben und worin ihre Lebenserfahrungen bestehen.
Klaus

"Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Haß wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden."
( Johann Wolfgang von Goethe)


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16.09.2015 19:18
avatar  exgakl
#9
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Es wurden ja auch Filmaufnahmen der "Golzower Kinder" nach 1989 erstellt... wenn ich es aber richtig verstehe geht es der @Moskwitschka speziell darum, dass eine Doku über die Flüchtlingskinder erstellt haben, die ohne ihr Zutun die Schule gerettet haben und so die Gegend vor dem demographischen Untergang bewahren

Jede gute Idee beginnt mit dem Satz.. "halt mal mein Bier!"

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16.09.2015 20:07
#10
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Falsch , lieber @exgakl Es geht um das Dorf, die Region und 20 Erstklässler, damals und heute. Vergangheit, Gegenwart und Zukunft. Und die Chance, dass dem Ort die Schule erhalten bleibt, die Vergangenheit und Gegenwart vereint. Und vielleicht auch eine Zukunft hat. Das mit den Flüchtlingen ist (kein) Zufall und wird bestimmt nicht ohne Probleme bleiben. Wie auch alles in der Vergangenheit nicht problemlos verlaufen ist. Und diese ehrliche Darstellung hat viel zur Glaubwürdigkeit des damaligen Filmprojektes beigetrage. Vieleiht gelingt so etwas auch für die Gegenwart und Zukunft. Und da sehe ich die Gefahr bei der Fortführung des Projektes, wenn sich kein Dokumentarfilmer vom Format eines Winfreid Junge findet.

Ich bitte nur um eins, zerkloppt diesen thread nicht auch hier mit der aktuellen monothematischen Keule.

LG von der Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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16.09.2015 20:11
avatar  ( gelöscht )
#11
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( gelöscht )

Ich bitte nur um eins, zerkloppt diesen thread nicht auch hier mit der aktuellen monothematischen Keule.

Die schwingst Du doch am Meisten !

Gute Nacht an Alle ! Bin raus !

Fritze


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23.09.2015 19:13
avatar  ABV
#12
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ABV

Was macht die " Kinder von Golzow" heute so interessant und wertvoll? Der Eintrag im Guinessbuch der Rekorde als " Längste Langzeitdokumentation der Welt"? Wohl kaum! So etwas interessiert lediglich die Filmhistoriker. Der Umstand, dass die Dokumentation im Oderbruch "spielt"? Ok, für mich als Lokalpatriot spielt das schon eine Rolle. Aber die " Kinder von Golzow" werden mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus in vielen Ländern der Welt gesehen.
Nein, es liegt wohl eher daran, dass die Filmaufnahmen ein Fenster in eine Vergangenheit darstellen, die für die einen immer mehr verblasst, die andere andere entweder gar nicht oder nur durch Klischees verzerrt kennen-die Zeit der DDR. Einem untergegangenen Land mit vielen Facetten. , Soziale Sicherheit, Vollbeschäftigung,niedrige Mieten, aber eben auch ideologische Beeinflussung, Einschränkungen persönlicher Freiheit und Versorgungsmängel. Paradies oder Diktatur? Noch heute gehen die Meinungen darüber bei nicht wenigen ehemaligen DDR-Bürgern weit auseinander.
Auf jeden Fall war die DDR ein Land, in dem, abseits der " großen Politik" , über weite Strecken ein völlig normales Leben, dass sich gar nicht so sehr von dem der Deutschen auf der anderen Seite des " Eisernen Vorhangs" unterschied.
Wie sagte der Kommentar, sinngemäß, in der ersten, 1961, gedrehten Folge: " in diesem Jahr wurde nicht nur der " Antifaschistische Schutzwall" erbaut, sondern auch Kinder eingeschult".
Die von der Kamera aufgenommenen Szenen im Buddelkasten und die ersten Unterrichtsstunden, das Bemühen der Lehrerin den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes " das ABC beizubringen", hätten wohl auch im Münsterland entstanden sein können. Sieht man einmal von ein paar DDR-typischen Symbolen an den Wänden ab.
Auch die späteren Folgen besitzen für den EX-DDR-Bürger einen hohen Wiedererkennungswert und für dem an einer sachlichen Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte interessierten "Alt-Bundesbürger" eine Chance das Leben in diesem "fremden Land" aus dem Blickwinkel der ehemaligen Bewohner kennen zu lernen.
Viele Dinge sind aus heutiger Sicht entweder unfreiwillig komisch oder unverständlich. Wie zum Beispiel der über viele Jahre durchgezogene Bau der örtlichen Kaufhalle. Wobei zwischen den einzelnen Bauphasen schon einmal drei Jahre vergehen konnten. Weil zum ersten selten ausreichend Baumaterial zur Verfügung stand und zum zweiten der Bau in freiwilliger Feierabendarbeit, bei der zeitweise fast das ganze Dorf teilnahm, realisiert wurde.
"Komisch" dürften vor allen den jüngeren Zuschauern und eben denen aus den " Alten Bundesländern", die Aufnahmen von den " Mai-Demonstrationen" vorkamen. Als wiederum fast das ganze Dorf, lachend, schwatzend und winkend, durch den Ort marschierte. Immer dem ABV hinterher. Dessen Funktion aber nicht daran bestand darauf zu achten das keiner aus der Demo ausschert, sondern dass die Teilnehmer " gesund über die Fahrbahn kommen".
Wurde man in der DDR nicht zur Teilnahme an solch einer Demonstration gezwungen? Wer diese Frage sofort mit Ja beantwortet, übersieht, dass man sich in Golzow und anderswo mit den Gegebenheiten im " Arbeiter & Bauern-Staat" arrangiert hat. Die Demonstration zum 1. Mai war weniger ein politisches Bekenntnis zum Staat. Vielmehr jedoch ein Beweis des Zusammenhaltes der unter den Bewohnern Golzows handelte. Einem Dorf wo jeder jeden kannte, wo die meisten in der örtlichen LPG arbeiteten. In solch einem Ort spaziert man schon mal einträchtig durch den gemeinsamen Wohnort, um anschließend, gemeinsam zu feiern. So wie, im Rest des Jahres, gemeinsam gearbeitet wurde. Da spielte es nur eine untergeordnete Rolle, welchem Zweck die Demonstration offiziell diente, oder welche Fahnen und Wimpeln in den Händen gehalten wurden.
Gab es denn niemanden, der auch in Golzow " aus der Reihe tanzte?" Doch, es gab sie. Auch wenn sie in der Unterzahl waren. Zum Beispiel den Herrn Hübner, Vater der Marie-Luise, ein religiös gebundener Querdenker. Der, mit seiner Meinung selbst vor laufender Kamera nie hinter dem berühmten Berg hielt. Und immer wieder enttäuscht feststellen musste, dass gerade diese Passagen bei der späteren Produktion keine Berücksichtigung fanden.
Oder die aus einem katholischen Elternhaus stammende Elke. Die, obwohl sie nicht an der Jugendweihe teilnahm, später einen verantwortungsvollen Job im " Spezialbau" ausübte. Und deren Bruder, wie nebenbei zu erfahren ist, Offizier bei der NVA geworden ist.
Nicht gezeigt, nicht einmal erwähnt, wurde dagegen das Schicksal jener Golzower, das Gilbert Furian in seinem Buch " Mehl aus Mielkes Mühlen" beschreibt. Siehe hier: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1346915
Wie gesagt, die DDR besaß viele Facetten. Wehe dem, der aus welchen Gründen auch immer, aus der " Marschordnung ausscherte"!
Es gibt aber auch noch andere Beispiele:
Wie zum Beispiel das des rührigen LPG-Vorsitzenden Arthur Klitzke. Den die einen heute als Agrar-Pionier und die anderen als " Rote Socke" sehen.
Klitzke hatte in seiner Amtszeit große Verdienste für sein Dorf erworben. In einer von ihm vor Absolventen der Bezirksparteischule der SED Frankfurt (Oder) gehaltenen Rede, offenbart sich eine Seite der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, die heute gerne "übersehen wird". In der Rede berichtet Klitzke von den Anfangszeiten der LPG Golzow, als die LPG-Bauern glücklich und ausgelassen den mit drei Pfennigen übererfüllten Plan feierten.
Die drei Buchstaben " LPG" stehen bei vielen heute für eine teils durch Überzeugung, teils durch Drohung oder sogar Gewalt durchgeführte Zwangskollektivierung. Bei der aus freien Bauern Lohnarbeiter wurden.
Das ist richtig. Aber eben nur eine Seite der Medaille. Es gab eben nicht nur freie Einzelbauern zu jener Zeit. Sondern viele, die schon immer Landarbeiter waren und nichts anderes sein wollten. Für diese Leute boten Produktionsgenossenschaften Lohn, Brot und eine zumindest teilweise geregelte Arbeitszeit. Wem wundert es also, dass sich diese Menschen, anders als die in die Genossenschaft gepressten, mit ihrer LPG identifizierten?

Gruß an alle
Uwe

23.09.2015 20:45
#13
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Danke Uwe für diese Umfeldinformationen, es scheint vieles nicht abschließend aufgeklärt zu sein was diese Filmgeschichte betraf.
Zu gern würde ich erfahren, was aus den ambitionierten Plänen von Arthur Klitzkes Nachfolger, Manfred Großkopf in der Ukraine geworden ist.
Dort pachtete er riesige Flächen an und lastete somit einen Großteil seiner im Heimatort überflüssig gewordenen Technik aus und rettete nicht allein damit sondern mit viel Bauernschläue auf anderen Sektoren einem Viertel der LPG- Beschäftigten den Job, wo anderswo alles vor die Hunde ging.
Ob sie auch eine der unzähligen Verliererparteien im extern angezettelten Ukraine- Konflikt waren ?
Ein Newsletter oder Fortsetzungsserien im Protokollstil (man hat das mit "Artern Stadt der Träume...5 Jahre danach" auch gemacht) würden mir persönlich eine große Freude bereiten und sollte jemals dafür irgendwo Geld gesammelt werden, wäre ich als Spender dabei.
Für die Fortsetzung dieser Serie hat sich auch die einstige Jeanne d' Arc des Landes Brandenburg, Regine Hildebrandt stark gemacht und wohl auch politischen Einfluß bezüglich der Mittelfreigabe ausgeübt.
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/vo...0,10536802.html
Hier in Eisleben hat man jahrelang die Überbleibsel der Luther- Familie aufwändig ausgebuddelt, restauriert und aufgearbeitet und der Reformator ist als Einzelperson genauso Zeitgeschichte wie die Golzower Protagonisten als Vertreter eines repräsentativen Querschnitts unseres kollektiv gescheiterten Volkes.
Diese Zeitzeugen sollte man fest halten, auf welche Art auch immer, eine dezente mediale Begleitung wäre dabei die Ideallösung.
Vielleicht kommt ja sogar mal einer auf die Idee, alles aus der Sicht eines Protagonisten im Spielfilmformat zu verarbeiten, der Stoff ist allemal interessant genug für ein solches Projekt.


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24.09.2015 16:48
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#14
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ABV

@Hackel39

Schau mal hier: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1363685

Ich habe zwar mal gehört, dass Großkopf mit seinem Ukraine-Projekt in Schlingern geraten sein soll, aber offiziell findet sich dazu nichts. Offenbar gab es bei dabei eben die üblichen " Höhen und Tiefen", die andere gleich wieder zum "Ruin" umdeuteten.

Aber wieder zurück zu dem Filmprojekt:
Mein eigener Sohn hat, von 2002 bis 2006, ebenfalls die berühmte, kann man ja ruhig so schreiben, Golzower Schule besucht. Die Räumlichkeiten die dort gezeigt wurden, habe ich ebenfalls zur Genüge kennen gelernt. Und zwar immer dann, wenn mein Filous irgendwelchen Mist angestellt hatte und dann ein Elternteil, meist hat es mich erwischt, zur Klassenlehrerin oder gar Direktorin einbestellt wurde.
In einer der letzten im Sommer 2005 auf dem Schulhof in Golzow entstandenen Aufnahmen, läuft mein Sohn sogar, mit anderen, gut sichtbar durchs Bild. Die Kamera zeigte die heutigen Schüler von Golzow. Mittlerweile ist selbst diese Aufnahme längst wieder historisch geworden. Die Zeit vergeht eben verdammt schnell.
Mir ist da noch eine andere Szene eingefallen, die manch einem der die DDR nicht oder eben nur aus Erzählungen her kennt, seltsam, um nicht zu sagen gestellt vorkommen muss. Und zwar jene, in der Wilfried Junge den Jürgen Fröhlich am Vorabend einer kurz zuvor genehmigen "Westreise" fragt, " ob es nicht vielleicht die letzte Aufnahme mit ihm gewesen ist." Mit dieser Frage deutete Junge mehr als deutlich an, dass Fröhlich eventuell im Westen bleiben könnte. Jürgen Fröhlichs Reaktion war geradezu typisch für einen Oderbrüchler: " Wat soll ick denn da? Ick habe mir doch hier etwas erschaffen. Soll ich das alles aufgeben?"
Angesichts solcher Bilder würde nicht nur ein Hubertus Knabe sofort Manipulation vermuten. Aber deshalb, weil er einfach keine Ahnung vom Wesen der hier lebenden und arbeitenden, von einer tiefen Heimatliebe geprägten Menschen hat. Was natürlich nicht bedeutet, dass aus dem Oderbruch niemand in den "Westen" wollte. Aber der Durchschnitt hatte sich in der DDR eingerichtet und, wie schon gestern gesagt, über weite Strecken ein völlig normales Leben geführt.
Noch mal ein paar Gedanken zur Weiterführung dieses Projektes: Sicher wäre es schön, wenn die Geschichte der " Kinder von Golzow" bis ins hohe Alter weiter erzählt werden würde. Aber mein persönlicher Eindruck ist eher der, dass der Großteil der Protagonisten " müde" geworden ist.
Man sollte auch nicht vergessen, dass es ein neuer Regisseur verdammt schwer haben würde, in die großen Fußtapfen eines Winfried Junge zu treten. Das im Verlauf vieler Jahrzehnte entstandene Vertrauensverhältnis zwischen den "Kindern", deren Eltern, Lehrern, Ehepartnern und so weiter, kann nicht einfach auf einen Nachfolger kopiert werden.
Ich persönlich zweifele daran, dass sich die Protagonisten einem anderen gegenüber derart öffnen würden, wie gegenüber Winfried Junge.
Und noch eins: Junge kannte die Verhältnisse in der DDR. Er wusste auch über die Nöte und Zwänge Bescheid, in die man geraten konnte.
Wie zum Beispiel der Ehemann von Marie-Luise, Luftwaffenoffizier der NVA, Mitglied der Regierungsstaffel und Schwiegersohn eines zumindest beim MfS in Frankfurt (Oder) bekannten Kirchgänger und "Regimekritikers". Der schon mal an der polnischen Grenze mit Werbematerial für Solidarnosc erwischt wurde, oder gar an der Beerdigung Robert Havemanns teilnahm.
Ein Regisseur der solche Dinge nicht aus erster Hand kannte, würde diesen heute fremd gegenüber stehen. Ebenso wie zum Beispiel viele nicht verstehen würden, dass ein Jürgen Fröhlich eben nicht im Westen blieb, sondern viel lieber zu seiner Familie und dem heimischen Gurkenfeldern zurückkehrte.

Gruß an alle
Uwe

25.09.2015 17:42 (zuletzt bearbeitet: 25.09.2015 17:44)
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#15
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ABV

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #10
Falsch , lieber @exgakl Es geht um das Dorf, die Region und 20 Erstklässler, damals und heute. Vergangheit, Gegenwart und Zukunft. Und die Chance, dass dem Ort die Schule erhalten bleibt, die Vergangenheit und Gegenwart vereint. Und vielleicht auch eine Zukunft hat. Das mit den Flüchtlingen ist (kein) Zufall und wird bestimmt nicht ohne Probleme bleiben. Wie auch alles in der Vergangenheit nicht problemlos verlaufen ist. Und diese ehrliche Darstellung hat viel zur Glaubwürdigkeit des damaligen Filmprojektes beigetrage. Vieleiht gelingt so etwas auch für die Gegenwart und Zukunft. Und da sehe ich die Gefahr bei der Fortführung des Projektes, wenn sich kein Dokumentarfilmer vom Format eines Winfreid Junge findet.

Ich bitte nur um eins, zerkloppt diesen thread nicht auch hier mit der aktuellen monothematischen Keule.

LG von der Moskwitschka




Greifen wir doch mal die Gedanken von @Moskwitschka auf:
Nein, das die Schule " Der Kinder von Golzow", trotz dieses wohlklingenden Titels, beinahe nicht genügend Kinder für die Einschulung zusammen bekommen hat und nur durch den Zuzug mehrerer Flüchtlingsfamilien den Schulbetrieb wieder aufnehmen konnte, ist kein Zufall. Sondern Ausdruck einer bereits seit über zwanzig Jahren andauernden Situation, wie sie beinahe überall im landwirtschaftlich geprägten Osten Brandenburgs besteht.
Seit den Zeiten in dem ein Arthur Klitzke wie ein General unermüdlich die Geschicke seiner Großraum-LPG lenkte und leitete, hat sich die Welt im Oderbruch radikal verändert. Die Landwirtschaft gehört zwar noch immer zu den größten Arbeitgebern der Region, benötigt jedoch längst nicht mehr so viele Arbeitskräfte wie vor 1990. Alternativen stehen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kaum zur Verfügung, so dass viele, vor allem jüngere Familien, die Gegend verlassen um anderswo Arbeit zu finden. Dabei eröffnet sich ein regelrechter Teufelskreis. Ohne junge Familien gibt es natürlich auch keine Kinder. Ohne Kinder keine Schule. Ohne Schule keine Lehrer. Und so weiter.
Zu Zeiten der " Filmkinder von Golzow" wäre so eine Entwicklung nicht vorstellbar gewesen. Ganz im Gegenteil: Die LPG Golzow lies Moderne Wohnblöcke für die jungen Familien erbauen. Trotz allem Bemühen reichten die Kapazitäten nicht aus. Eine Neubauwohnung galt als Privileg. Heute steht ein Teil der einst begehrten Wohnungen leer.
Hätte man den beispielsweise im Jahre 1975 den Golzowern die zukünftige Situation im Jahre 2015 aufgezeigt, wären die meisten wohl vor ungläubigem Lachen " nicht in den Schlaf gekommen".
Ausländische Praktikanten, unter anderem aus dem Irak, hat es in Golzow bereits zu DDR-Zeiten gegeben. Aber diese Praktikanten haben das Dorf bzw die LPG nach einiger Zeit wieder verlassen. Die Integration von Ausländern in der heutigen Form stellt für die Golzower ein absolutes Novum dar. Meiner Meinung nach kann die Integration der Schulkinder gelingen. Kinder in diesem Alter kennen (noch) keine Vorurteile. Wobei hier von den Lehrkräften ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl gefragt ist.
Weitaus problematischer wird sich die Integration der Familien ins Dorfleben gestalten. Die Oderbrücher sind ein stures, verschlossenes, Fremden skeptischgegenüber stehendes Völkchen.
Was ist aber, wenn die Integration der Flüchtlingsfamilien auf Dauer nicht gelingt? Was ist, wenn die Flüchtlinge nicht in den ohnehin arg ausgedünnten Arbeitsmarkt integriert werden können? Selbst wenn die Flüchtlinge Arbeit finden, liegen nicht darin neue Risiken?
Ich sehe zu schwarz? Ganz und gar nicht! Stellt euch einmal die neidischen Blicke der von HARTZ IV lebenden Nachbarn vor, wenn der Vater einer Flüchtlingsfamilie Abends von der Arbeit nach Hause kommt. Neid, dämliches Gequatsche und leider auch Übergriffe sind geradezu vorprogrammiert.
Neid ist ohnehin eine nicht zu vernachlässigende Größe im Zusammenleben der Menschen. Wer heute einen gut bezahlten Job ausübt, vielleicht noch einen Mittelklassewagen und ein Haus sein eigen nennt, weiß von was ich rede. Und da spielt es auch keine Rolle, dass sich dieser jemand seine gegenwärtigen Stelle durch Fleiß und Können, im wahrsten Sinne des Wortes, erarbeitet hat. Warum sollte ein hiesiger Unternehmer nicht lieber den möglicherweise gut ausgebildeten, fleißigen syrischen Flüchtling einstellen, als einen Deutschen, der mit Bierfahne zum Vorstellungsgespräch erscheint? Dieses Klientel stellt nämlich einen nicht unwesentlichen Teil der ostdeutschen " Neidbürger".
Es gibt aber auch noch einen Typus des " Neidbürgers": den des ohne eigenes Zutun aus der Bahn geworfenen, in die Mühlen der Arbeitslosigkeit geratenen.
Eines haben beide gemeinsam- sie suchen für ihre Misere einen Sündenbock. Wer eignet sich besser für diese undankbare Rolle, als Menschen die noch schwächer sind als man selbst? Ganz besonders " beliebt" sind in dieser Hinsicht gegenwärtig Flüchtlinge und deren Familien.
Angesichts dieser Probleme wäre es schon sehr interessant, wenn jemand die Dokumentation weiterführt und die heutige Situation der damaligen gegenüberstellt.
Bei einem ersten Vergleich mutet die Situation in " Golzow-DDR" gegenüber " Golzow-Bundesrepublik Deutschland" geradezu paradiesisch an.
Jeder hatte Arbeit. Jeder hatte ein Dach über dem Kopf. Jeder Schüler, selbst der " Faulste", konnte nach dem Ende der Schulzeit eine Lehrausbildung aufnehmen. Stimmt! Aber warum ist denn die DDR am Ende unter Zustimmung eines großen Teils der Bevölkerung untergegangen, wenn sie doch angeblich so paradiesisch war???? Hier ergeben sich wohl mehr Fragen als Antworten. Zumal man der Macht der Bilder ohnehin kein ungefiltertes Vertrauen entgegen bringen sollte. Manches erscheint heute, im milden Licht der Vergangenheit weit angenehmer, als es in Wirklichkeit war. Würde ein bloßes Gegenüberstellen der Ausgangssituationen einst und heute, nicht logischerweise in purer "Ostalgie" enden? Unter dem Motto " Früher war alles besser."
Anders, ganz sicher! Aber besser? Kann man die Gegebenheiten überhaupt mit einander vergleichen? Wie ist eure Meinung dazu?

Gruß an alle
Uwe

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