Diplomatie, Residenten und Spione - Vermengung von zwei Metiers ?

23.08.2015 17:06
#1
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Guten Tag,

im Thema «Aufklärung im Westen durch Deutrans-Lkws (11)» gab es den Beginn einer Diskussion, ob und wie in Botschaften der DDR der diplomatische mit dem geheimen Dienst vermengt sei. Gewiss wurde dieses Thema nicht erschöpfend besprochen und es gibt sehr gegensätzliche Meinungen.

Als ich noch jung war, habe ich immer Seiten aus Magazinen gerissen (es gab da noch keine Hand-Scanner) und habe sie aufbewahrt. Vor einigen Wochen musste ich einen dieser Papierberge liquidieren und habe das gefunden:

La diplomatie allemande, comme la française, n'aime pas héberger les diplomates-agents. On disait: «Nachrichtendienst ist Herrendienst » - le renseignement est un métier de seigneur. Pourtant, aux Affaires étrangères, à Bonn comme au Quai-d'Orsay - c'est l'inverse à Londres et Washington -, l'espionnage n'est pas une spécialité diplomatique digne reconnue. Donc, l'ambassade de la R.F.A. en France ne s'agite pas trop. A Paris, les agents de la R.F.A. surveillent surtout leurs homologues de la R.D.A. Leur spécialité, c'est le bloc de l'Est, y compris les Tchèques, les Polonais et les Roumains. Les illégaux de l'Est peuvent tous sortir sans contrôle occidental excessif à «check-point Charlie » où l'on passe de Berlin-Est à Berlin-Ouest au passage de la Friedrichstrasse.
Todd Olivier: K.G.B. contr C.I.A. Paris - capitale des espions: In : Nouvel observateur n° 523 du 22 mars 1976, p. 94

[Die deutsche Diplomatie, wie auch die französische, liebt es nicht Diplomaten-Agenten zu beherbergen. Man sagt «Nachrichtendienst ist Herrendienst » ... Jedoch, in der Aussenpolitik, in Bonn wie am Quai d'Orsay - im Gegensatz zu London und Washington -, die Spionage ist keine anständige und anerkannte displomatische Spezialität. Als entfaltet die Botschaft der B.R.D. in Frankreich keine grosse Aktivität. In Paris überwachen die Agenten der B.R.D. vor allem ihre Berufs-Kollegen von der DDR. Ihre Spezialität, das ist der östliche Block einschliesslich der Tschechen, der Polen und der Rumänen. Die Illegalen aus dem Osten können alle ohne übertriebene westliche Kontrolle am check-point Charlie ausreisen von Ost- nach West-Berlin am übergang Friedrichstrasse]

Das übersetzt Google:
Deutsch Diplomatie, wie Französisch, beherbergt nicht wie Host-Agent-Diplomaten. Sie sagten: "Nachrichten Herrendienst ist" - die Informationen sind ein Herr Geschäft. Doch für Auswärtige Angelegenheiten in Bonn als Quai d'Orsay - der gegenüberliegenden in London und Washington - der Spionage ist nicht eine anerkannte Spezialität diplomatischen würdig. So wird die Französische Botschaft in Deutschland nicht zu aufgeregt. In Paris, die RFA Offiziere in erster Linie ihren Kollegen aus der DDR zu überwachen Ihre Spezialität ist der Ostblock, einschließlich Tschechen, Polen und Rumänen. Illegal East können alle gehen, ohne westliche Kontrolle übermäßigen "Checkpoint Charlie", wo man sich von Ost-Berlin nach West-Berlin an der Friedrichstraße. Just for fun.

Die Frage ist nun: Wie verhielt es sich in den Botschaften der DDR ?

Stringer49

Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.

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23.08.2015 19:05
#2
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Eine sehr gute Frage
Freue mich auf die Antwort.


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24.08.2015 18:55
avatar  Kalubke
#3
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25.08.2015 10:17
avatar  Kalubke
#4
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #1


Die Illegalen aus dem Osten können alle ohne übertriebene westliche Kontrolle am check-point Charlie ausreisen von Ost- nach West-Berlin am übergang Friedrichstrasse]



Wobei man der Vollständigkeit sagen muss, dass die GÜST Friedrichstraße sicherlich ein, aber nicht der einzigste Grenzübertrittspunkt für die ins OG reisenden IM des MfS war. Die operative Reisetätigkeit und die Trefftätgkeit vollzog sich oft über Drittländer, wie z.B die skandinavischen Länder Finnland, Norwegen, Schweden. Das Verbindungswesen der illegalen Linien der HV A ging m.E. auch nicht über die Botschaften. In HALBROCK ist weiterhin zu lesen, dass selbst die von den Botschaften aus geführten IM-Netze hauptsächlich über Kuriere Verbindung zur HV A hatten. Persönliche Treffs mit den LAR-Residenten fanden höchstwahrscheinlich aus Sicherheitsgründen nur in größeren Zeitabständen statt.

Gruß Kalubke


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25.08.2015 11:36
avatar  seaman
#5
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #1


Die Illegalen aus dem Osten können alle ohne übertriebene westliche Kontrolle am check-point Charlie ausreisen von Ost- nach West-Berlin am Übergang Friedrichstrasse

Stringer49



Man sollte Vermutungen hier nicht als zeitgeschichtliche Tatsachen verkaufen.

seaman


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25.08.2015 12:05
#6
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Zitat von seaman im Beitrag #5
Zitat von Stringer49 im Beitrag #1


Die Illegalen aus dem Osten können alle ohne übertriebene westliche Kontrolle am check-point Charlie ausreisen von Ost- nach West-Berlin am Übergang Friedrichstrasse

Stringer49



Man sollte Vermutungen hier nicht als zeitgeschichtliche Tatsachen verkaufen.

seaman



Das ist übrigens ein Zeitungszitat von 1976...

Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.

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25.08.2015 12:20
avatar  seaman
#7
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Zitat von Kalubke im Beitrag #4
[ . Persönliche Treffs mit den LAR-Residenten fanden höchstwahrscheinlich aus Sicherheitsgründen nur in größeren Zeitabständen statt.

Gruß Kalubke


LAR-Legal abgedeckte Residenturen.
Bedingt durch die Hallstein-Doktrin war die HVA ca. ab Mitte der 50er Jahre erst in kleinen legal abgedeckten Residenturen wie Handelsvertretungen u.ä. Einrichtungen mit geringem Personalaufwand tätig.Oft waren die Chiffreure für die HVA tätig.
Erst später in den 70er Jahren wurden an den DDR-Botschaften Residenturen aus mehreren OiBE und IM installiert.Hauptsächlich geschah das in für die DDR wichtigen Ländern.
Die geheimdienstliche Tätigkeit für die HVA in DDR-Botschaften z.b.nahmen überwiegend OiBE, getarnt als Berufsdiplomaten die ausser der Landessprache noch mehrere andere Sprachen beherrschten,wahr.
Kontakte zur HVA-Zentrale wurden überwiegend von diesen DDR-Aufklärern in der DDR wahrgenommen.

seaman


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25.08.2015 12:22
avatar  seaman
#8
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Zitat von Stringer49 im Beitrag #6
Zitat von seaman im Beitrag #5
Zitat von Stringer49 im Beitrag #1


Die Illegalen aus dem Osten können alle ohne übertriebene westliche Kontrolle am check-point Charlie ausreisen von Ost- nach West-Berlin am Übergang Friedrichstrasse

Stringer49



Man sollte Vermutungen hier nicht als zeitgeschichtliche Tatsachen verkaufen.

seaman



Das ist übrigens ein Zeitungszitat von 1976...


Ja,da waren es tatsächlich Vermutungen.

seaman


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29.08.2015 21:35
avatar  Uleu
#9
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Chiffrierdienst und Funker gehörten an allen Botschaften zum MfS. Das hat nicht zwingend mit der HVA zu tun. Ich will es im Einzelfall nicht ausschliessen, aber schon die Tatsache dass ihnen Kontakte nach aussen untersagt waren, hätte imho die Arbeit für die HVA behindert.
Stärker war die Abwehr vertreten, im Aussenministerium gab es eine eigene Abt. Schutz und Sicherheit mit entsandten Attaches in Schwerpunktländern.

" Die geheime Aufklärung ist ein Dienst, der nur Herren vorbehalten ist " ( Oberst Nicolai, Leiter der dt. Militäraufklärung im 1. WK )


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