Der Staat im Staate - Die Wismut

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02.09.2009 10:42
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#1
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Das die Wismut schon immer ein Staat im Staat DDR war, war ja schon immer bekannt. Aber immer wieder gibt es neue Fakten zu dem Thema.

Meldung vom 02.09.2009 - Den Text habe ich aus Bild-Online, welche sich auf die "Freie Presse" bezieht.

Uran-Bergwerk Wismut: 72 Hinrichtungen

Die Sowjetunion hat in der Wismut in deren Anfangsjahren ein weit rigoroseres Regime geführt als bislang angenommen. Mindestens 72 Bergleute seien zwischen 1950 und 1953 als vermeintliche Spione festgenommen, in die UdSSR deportiert und dort hingerichtet worden, berichtet die „Freie Presse“ unter Berufung auf neueste Forschungen der TU Chemnitz. Mitunter hätten Bagatelldelikte den Anlass gegeben, die Arbeiter zu verschleppen. Auch die DDR-Staatssicherheit sei über das Schicksal der Bergleute nicht immer informiert worden. In einem Fall sei die Stasi von einer Haftstrafe für einen Bergmann von 25 Jahren in der UdSSR ausgegangen, dabei sei der Mann wenige Monate nach seiner Verhaftung in einem Moskauer Gefängnis 1952 hingerichtet worden.Die Wismut war einer der wichtigsten Uran-Lieferanten zwischen 1947 und 1990 für die Sowjetunion.


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02.09.2009 10:58
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#2
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Soweit ich weiss hatte die Staatssicherheit eine eigene (Bezirks)Verwaltung fuer die Wismut.
-Th

PS: Die "Freie Presse" war unsere Zeitung zu DDR-Zeiten, brings back memories :)


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02.09.2009 11:52
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#3
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Hallo,
Da muss ich doch auch einige Zeilen dazu schreiben. Welcher gesundheitlichen Gefahr die Bergleute durch den Uran Abbau ausgesetzt waren wurde weitgehend verschwiegen! Genau so wenig wurde darauf hingewiesen welche Gefahr durch die Abraumhalden ausgehen.Es wurde guter Lohn gezahlt und es gab Sonderschnaps oder andere Zuwendungen. Doch der Preis war zu hoch! Viele starben! Ein Freund von mir war davon betroffen.
Er war verstrahlt. Natürlich wurde er in der DDR behandelt. Die wahre Diagnose wurde aber verschleiert. Erst nach der Wende bekam er Post vom Gesundheitsamt sich erneut in einer Klinik zu melden. Es war zu spät,kurze Zeit später war er tot.
Ich habe keine Ahnung wie teuer es war nach der Wende die Abraumhalden abzutragen und alles zu sanieren. Billig war es bestimmt nicht.
Gruß Peter (turtle)


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02.09.2009 12:03
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#4
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Hallo Peter,
da gab es auch im TV mal sehr lange Dokumentation. Ich meine, die hieß "Die Wismut". War ein sehr gut gemachter Film mit vielen Interviews von direkt Betroffenen.
Das Ausmaß und die ganze Problematik die dahintersteckte war im Westen so garnicht bekannt.


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04.09.2009 18:22
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#5
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Hallo Karl,
zu diesem Thema gibt es ein ganz gutes Buch. "Uran für Moskau" von Rainer Karlsch ISBN:9783861534273
Viele Grüße aus Berlin
Ahoi Jameson


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04.09.2009 19:52
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#6
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Hallo,
mittlerweile bringen das fast alle ostdeutschen Zeitungen.

Chemnitz/dpa. Vom Innenleben der Wismut AG war in der DDR nicht viel bekannt. Kein Wunder: Das dort aufbereitete Uran diente als Rohstoff für die sowjetische Atomindustrie. Doch nun haben Chemnitzer Wissenschaftler Zugang zu russischen Archiven erhalten - und erschreckende Fakten zutage gefördert. «Mindestens 70 Wismut-Mitarbeiter wurden allein in den Jahren 1951 bis 1953 als vermeintliche Spione in die Sowjetunion verschleppt und dort hingerichtet», erzählt Prof. Rudolf Boch von der Technischen Universität (TU) Chemnitz. «Das ist eine Schreckensbilanz.» Zudem erhielten hunderte Kumpel harte Strafen wegen kleinerer Vergehen.

Saboteure habe es durchaus gegeben, sagt Boch. Doch viele Arbeiter seien bereits wegen Bagatelldelikten verschleppt worden. Dem deutsch-russischen Historikerteam standen umfangreiche russische Quellen zur Verfügung, darunter aus dem Atomministerium, dem Staatsarchiv oder dem Militärarchiv. Dabei stießen die Forscher auch auf den Fall der Bergleute Hans-Jürgen Erdmann und Gerhard König. Sie waren 1952 in einem Moskauer Gefängnis hingerichtet worden. Der Vorwurf: Sabotage. Die Kumpel sollen das Hauptkabel zu einem Schacht gesprengt haben. Die Sowjets hielten den Fall streng geheim - und versorgten sogar die Stasi mit falschen Informationen.

Ein weiterer Aspekt, den die Wissenschaftler herausfanden: Schon bald verzichteten die sowjetischen Behörden darauf, mit Hilfe von Zwangsrekrutierungen die notwendige Menge an Arbeitern für die Grubenarbeit aufzubringen. «Das System war ineffizient», sagt Rainer Karlsch, der an der Studie mitgearbeitet hat. Zehntausende Menschen flüchteten. Stattdessen versuchten es die Wismut-Chefs mit Zuckerbrot und Peitsche. Leistungsanreize wurden geschaffen wie längerer Urlaub und eigene Krankenhäuser. «Andererseits wurde das Regime zur Bewachung der Objekte und Überwachung der Belegschaft Anfang der 1950er Jahre verschärft», berichtet Projektleiter Boch.

Allen Arbeitern aber war gemein, dass sie katastrophalen Gesundheitsrisiken ausgesetzt waren - mit Wissen der Betreiber. «Die Strahlenrisiken waren von Beginn an bekannt», sagt Karlsch. Davon zeugten mehrere Geheimbefehle des ersten Wismut-Generaldirektors, Generalmajor Michail Malzew, sowie des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration, Marschall Wassili Sokolowski. Darin sei von erhöhten Risiken bei einer Arbeit in den «gesundheitsschädlichen Zechen» ebenso die Rede wie von den Gefahren, wegen Jodmangels an Kehlkopfkrebs zu erkranken.

Die Sowjets störten sich augenscheinlich nicht an den Bedenken. Besonders gefährdetes Personal sollte Zulagen erhalten, sowjetische Ärzte untersuchten die Situation in den Gruben - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. An dieser fatalen Praxis habe die Wismut noch bis 1990 festgehalten, erzählt Karlsch. Schließlich war das Geschäft lukrativ: Zwischen 1947 und 1990 wurden in Ostthüringen und Sachsen 231 000 Tonnen Uran gefördert, die DDR war drittgrößter Uran-Produzent der Welt.

Noch bis Mitte 2011 forschen die Wissenschaftler weiter rund um die Wismut, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium und mehreren Stiftungen. Demnächst soll die Geschichte der Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranbergbaus seit 1990 untersucht werden -also die aktuelle Aufgabe der Wismut GmbH, wofür sie seit der Wiedervereinigung mehr als fünf Milliarden Euro vom Bund erhielt.

Gruß, Augenzeuge


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04.09.2009 21:22
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#7
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Dazu ein Teil eines zeitgenoessischen Dokuments:











-Th


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20.09.2009 15:06
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#8
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Für die Sanierung der Altstandorte werden voraussichtlich 78 Millionen allein für das Land Sachsen benötigt.

Ich selbst habe meine gesamte Kindheit in einem Wismutstandort verbracht. In Crossen war der Aufbereitungsbetrieb 101. Hier wurde das Erz gewaschen und zerkleinert sowie das Uran gewonnen (insgesamt 77 000 t nur in diesem Betrieb). Markanter "Punkt" unseres ortes war eine große Abraumhalde, der wir uns bis auf wenige Meter nähern konnten. Was aber dort lag wussten wir natürlich nicht.

Der Betrieb selbst hatte einen eigenen Werkschutz und war auch für Schulklassen die dort eine Patenbrigade hatten nicht betretbar. Positiv für uns waren zweifelsohne die Wismut-Verkaufsstellen im Ort. Diese hatten ein anderes Warenangebot als der Dorfkonsum und waren auch für uns ohne Einschränkungen nutzbar.

Heute gehören Betrieb und Abraumhalde der Geschicht an. Beides wurde in mühevoller Arbeit abgetragen. Nur die noch in Sanierung befindelichen "Schlammteiche" zuegen noch von der Existenz des Betriebes.

dornbusch


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20.09.2009 18:37 (zuletzt bearbeitet: 20.09.2009 18:38)
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#9
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Hallole,

hab leider nicht viel Zeit heute, möchte aber schon mal einen ausführlicheren Beitrag ankündigen.
Die Wismut hat ja in den 50-er bis Anfang der 60-er hier im Harz, besonders im Ilsenburger Raum und bei Wernigerode/ Drei Annen Hohne gebuddelt (Probegrabungen nach uranhaltigem Gestein). Die Spuren sind für den Insider überall noch zu finden.
Mein Vater erzählte bloß immer, das viele Einwohner in Angst und Sorge geschwebt haben vor der Befürchtung, das die hier abbauwürdige Vorkommen gefunden hätten. Die Angst war ja, wie wir heute aus Aue, Ronneburg und Umgebung wissen, nicht unbegründet.

Soviel dazu, Fortsetzung folgt

josy95

Günter Schabowski hatte es in seiner legendären Pressekonferenz am 09.11.1989 wahrlich nicht leicht und vor allem keine Zeit, den genauen Zeitpunkt der Einführung der neuen DDR- Reisegesetze bei Krenz oder im SED- Politbüro zu hinterfragen.
Jeder kennt das Ergebnis.
Politiker von heute haben den Vorteil, nicht unter Zeitdruck zu stehen wie einst Schaboweski und das Politbüro der SED.
Und bevor sie in die Öffentlichkeit gehen, nocheinmal die Lobbyisten zu fragen, die ihnen die Gesetze geschrieben haben ...


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20.10.2017 20:11
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#10
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Das Thema ist immer noch sehr interessant. Deswegen habe ich es einmal geweckt.

Rainer-Maria


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20.10.2017 20:34
#11
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https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnensucher

Sonnensucher ist ein 1958 fertiggestellter DEFA-Film von Konrad Wolf, der allerdings aufgrund seiner kritischen Darstellung des Uranbergbaus der SDAG Wismut erst 1972 in die Kinos der DDR kam. In dem Film geht es um die Konflikte zwischen der sowjetischen Betriebsleitung und den deutschen Arbeitern und Kommunisten, die teilweise unfreiwillig zum Arbeitsdienst einberufen worden sind.

"Sonnensucher" - so nennt Konrad Wolf seinen Film, den er im erzgebirgischen Wismutalltag ansiedelt, wo er die aus allen Himmelsrichtungen herbeiströmenden Kumpels, Sowjetingenieure, deutsche Exnazis und Kommunisten voller Widerspenstigkeit porträtiert. Doch die SED-Zensoren verbieten den realistischen Film; erst 14 Jahre später kommt er ins DDR-Kino.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/der-...ticle_id=132911

Es gibt im Netz die verschiedensten Mutmaßungen für das zeitweilige Verbot des Films. Ich vermute mal, die handelnden Personen paßten einfach nicht in das sozialistische Weltbild der hehren Menschen. Mutig, kraftvoll und der Zukunft zugewandt....

...

Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.
(Edwin Bauersachs)


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20.10.2017 20:43
avatar  mibau83
#12
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das grenzausbildungsregiment 12 (bis1984 mit standorten in rudolstadt,dittrichshütte und johanngeorgenstadt), war in dittrichshütte und johanngeorgenstadt in vormaligen objekten der sdag wismut untergebracht.


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20.10.2017 20:53
#13
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Zitat von mibau83 im Beitrag #12
das grenzausbildungsregiment 12 (bis1984 mit standorten in rudolstadt,dittrichshütte und johanngeorgenstadt), war in dittrichshütte und johanngeorgenstadt in vormaligen objekten der sdag wismut untergebracht.


Ausbildungsbataillon Johanngeorgenstadt
GAR-12
https://postentreffpunkt.de/easylink/ind...nngeorgenstadt/

...

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Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
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(Edwin Bauersachs)


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20.10.2017 21:44 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2017 21:45)
#14
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Über die WISMUT wurde viel geschrieben, nach der Wende. Gefühlt mehr Unsinn (lautstark vor allem von denen, die NIE etwas mit Bergbau zu tun hatten und die auch mit Naturwissenschaften wenig am Hut haben) als Realität, je nach Interessenlage der Alleswisser. Auf Grund meiner Interessen für die Geowissenschaften incl. Bergbaugeschichte, hatte ich mich etwas mehr als so mancher Mitbürger beschäftigt. Durch meine Sammeltätigkeit und damit verbundenen Kontakten zu Wismut-Bergleuten erfuhr ich so manche Begebenheit. Eine Reihe Bücher zum Uranbergbau, geschrieben bzw. unter Mitarbeit von Wismutangehöriger aller Leitungsebenen gehören zu meinem Bücherarsenal. Den Film "Sonnensucher" habe ich gesehen, nunja, er war etwas abgespeckt gegenüber dem, was die Kumpel so aus früheren Zeiten erzählten. Noch besser hat mir der Roman von Herbert Jobst "Der Glücksucher" gefallen. Authentischer, würde ich sagen, wenn auch hier sicher Zugeständnisse an die Zensur gemacht werden mußten. H. Jobst hat hier seine eigenen Erlebnisse nach 8 Jahren erzgebirgischem Uranerzbergbau der ersten Jahre eingearbeitet. Er war nahezu von Anfang an dabei. Dieser Band ist der letzte Teil des vierbändigen Zyklus seines ereignisreichen Lebens (Der dramatische Lebensweg des Adam Probst [Name des Romanhelden] - "Der Findling", "Der Zögling","Der Vagabund" und "Der Glücksucher"). Erste beide Teile vom Verlag Tribüne Berlin 1979, die beiden letzten Teile Verlag der Nation 1980. Alle vier Teile sind m.E. sehr lesenswert.
Hier aber mal ein paar Fotos von den Objekten der Begierde. 1. Foto zeigt einen Wismutkristall, künstlich gezogen (ca. 5 cm groß. Natürliche Wismutkristalle sehen unansehnlich grau aus. Eine gut besetzte Kristallstufe von Handtellergröße geht dann gleich vom Sammlerwert her in die mehrere Tausend €.
2. Foto zeigt eine Stufe mit sekundären Uranmineralien auf Quarz-Kristallen. Die Quarzkristalle in der Umgebung des Uranminerals wurden durch wahrsch. millionen Jahre dauernde Bestrahlung in Rauchquarz umgewandelt. 3. Im Dunkeln unter UV-Licht zeigen die sekundären U-Minerale herrliche Fluorescenz. Manche Sammler sammeln ausschließlich UV-Mineralien (nicht nur mit U im Molekül). 4. Nun hier das eigentliche gesuchte Erz in traubiger Ausbildung (sog. "Mausaugen"). Name "Uranpechblende" bzw. als Mineralname "Uraninit", ein U-Oxid. I.d.R. sind es schwarzglänzende Massen. Habe mal einen Armee-Geigerzähler drangehalten. Tickt schon ganz schön, also unter das Kopfkissen sollte man es nicht legen.


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20.10.2017 21:55
#15
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Ein paar Literaturhinweise::

Karlsch/Zeman, Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960, Ch. Links Verlag
und

Karlsch, Uran für Moskau. Die Wismut - Eine populäre Geschichte, Ch. Links Verlag

Karlsch, R.: Der Uranwettlauf 1939-1949. In: Der Anschnitt, Jg. 50, H. 2/3, Bochum: 1998, S. 46-58

Karlsch, R.: Die Reparationsleistungen der SBZ-DDR im Spiegel deutscher und russischer Quellen. In: K. Eckhart: Die Wirt- schaft im geteilten und vereinten Deutschland - Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung, Bd. 69; Berlin: 1999, S. 9-30

Glück Auf!

...

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