"Privat geht vor Katastrophe"

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02.05.2015 00:58 (zuletzt bearbeitet: 02.05.2015 01:04)
#1
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Da nimmt man ein Buch zur Hand, in diesem Fall von Friedrich Schorlemmer und Gregor Gysi Was bleiben wird http://www.aufbau-verlag.de/index.php/was-bleiben-wird.html und man bleibt schon am Vorwort hängen. Dann liest man weiter und stolpert kurze Zeit später über ein geflügeltes Wort aus damaligen Zeiten: "Privat geht vor Katastrophe"-

Ich habe das total verdrängt, obwohl ich es gefühlt 100 -fach gehört habe. Interpretiert wird es - Man stellte die eigenen Interessen über die seines volkseigenen Betriebes. Da ich damals in der Lohnbuchhaltung arbeitete, konnte ich damit wenig anfangen. Denn die größte Katastrophe wäre gewesen, wenn die Leute nicht pünktlich ihr Geld bekommen hätten. Und da ich es auch pünktlich haben wollte, denn es wäre damals für mich eine Katastrophe wenn nicht, habe ich mich gestreckt.

Aber es muss damals unzählige Gelegenheiten gegeben haben, diese vier Worte auszusprechen. Denn nicht umsonst ist es zu einem geflügelten Wort geworden. Könnt ihr euch an solche Gelegenheiten erinnern?

Nach der Wende ist es relativ schnell aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Denn da war und ist die größte Katastrophe den Arbeitsplatz zu verlieren. Und trotzdem denke ich, dass es unabhängig, ob Ost oder West, in jedem von uns dieser Gedanke mehr oder weniger steckt. Zumal die Katastrophen andere sind. Ob nun in Fukushima oder ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, die ganz weit weg sind, deren Folgen bedrohlich sein können. Aber da schweife ich schon wieder ab.

Interessant wäre, wie ihr das in der verflossenen erlebt habt - "Privat geht vor Katastrophe". War das ernst gemeint oder nur ironisch oder hat man einfach nur Luft abgelassen.

LG von der Moskitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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02.05.2015 01:55
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#2
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1
Da nimmt man ein Buch zur Hand, in diesem Fall von Friedrich Schorlemmer und Gregor Gysi Was bleiben wird http://www.aufbau-verlag.de/index.php/was-bleiben-wird.html und man bleibt schon am Vorwort hängen. Dann liest man weiter und stolpert kurze Zeit später über ein geflügeltes Wort aus damaligen Zeiten: "Privat geht vor Katastrophe"-

Ich habe das total verdrängt, obwohl ich es gefühlt 100 -fach gehört habe. Interpretiert wird es - Man stellte die eigenen Interessen über die seines volkseigenen Betriebes. Da ich damals in der Lohnbuchhaltung arbeitete, konnte ich damit wenig anfangen. Denn die größte Katastrophe wäre gewesen, wenn die Leute nicht pünktlich ihr Geld bekommen hätten. Und da ich es auch pünktlich haben wollte, denn es wäre damals für mich eine Katastrophe wenn nicht, habe ich mich gestreckt.

Aber es muss damals unzählige Gelegenheiten gegeben haben, diese vier Worte auszusprechen. Denn nicht umsonst ist es zu einem geflügelten Wort geworden. Könnt ihr euch an solche Gelegenheiten erinnern?

Nach der Wende ist es relativ schnell aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Denn da war und ist die größte Katastrophe den Arbeitsplatz zu verlieren. Und trotzdem denke ich, dass es unabhängig, ob Ost oder West, in jedem von uns dieser Gedanke mehr oder weniger steckt. Zumal die Katastrophen andere sind. Ob nun in Fukushima oder ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, die ganz weit weg sind, deren Folgen bedrohlich sein können. Aber da schweife ich schon wieder ab.

Interessant wäre, wie ihr das in der verflossenen erlebt habt - "Privat geht vor Katastrophe". War das ernst gemeint oder nur ironisch oder hat man einfach nur Luft abgelassen.

LG von der Moskitschka


@Moskwitshka, privat geht vor Katstrophe war keine dahergplapperte Floskel, Realität steckt dahinter.
Nur ein Beispiel Werkzeug für eine Strangpressanlage repariert, Geld gabs nicht dafür, Es fuhr ein B1000 vor mit Plasteprofilen in Holzoptik.
Damit hatte ich im gesamten EG des Hauses eine abbgehangene Decke in "Kiefer"
Bauschuttentsorgung leicht gemacht, ne Schachtel F6 (damals 3.20 Mark) für den Multicarfahrer und der Mist war weg. Wohin??????
Micha


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02.05.2015 04:04
#3
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1
ein geflügeltes Wort aus damaligen Zeiten: "Privat geht vor Katastrophe"-

Interpretiert wird es - Man stellte die eigenen Interessen über die seines volkseigenen Betriebes.

Aber es muss damals unzählige Gelegenheiten gegeben haben, diese vier Worte auszusprechen. Denn nicht umsonst ist es zu einem geflügelten Wort geworden. Könnt ihr euch an solche Gelegenheiten erinnern?

Nach der Wende ist es relativ schnell aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Denn da war und ist die größte Katastrophe den Arbeitsplatz zu verlieren. Und trotzdem denke ich, dass es unabhängig, ob Ost oder West, in jedem von uns dieser Gedanke mehr oder weniger steckt.

LG von der Moskitschka


Mir war diese Redewendung absolut unbekannt, denke aber, es trifft die gleiche Bedeutung für die im westlichen Sprachgebrauch verwendete, vielleicht ebenso im Osten Verwendung findende Redensart: "Das Hemd ist mir näher als die Hose"

Im Wortsinn zu verstehen: Werde ich in besonderen Situationen oder Lebensphasen in die Pflicht genommen, kurzfristig einen Entschluss zu fassen, entscheide ich nach meinem Bauchgefühl, treffe also zwischen zwei Übeln eine betreffende, mich begünstigende Entscheidung. Die eigenen ( unter Umständen lebensnotwendigen) Interessen erhalten eine höhere Gewichtung!

Privat geht vor Katastrophe - wird ab sofort in meinen persönlichen Wortschatz übernommen!

Es grüßt Dich
Kressin

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"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner!
Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!

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Zitat von DoreHolm im Beitrag Das bumsfidele DDR-Verteidigungsministerium
"Wo ein Genosse ist, da ist die Partei und wo ein Genosse und eine Genossin ist, da ist die Hurerei".
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02.05.2015 11:26
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#4
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94

... da gehört auch noch ein anderer Spruch dazu. Der dürfte aber in den gebrauchten Ländern auch bekannt sein:

Freitags ab eins – jeder macht seins!

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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02.05.2015 13:04
#5
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Ich habe "Privat geht vor Katastrophe" nie mit der DDR speziell in Verbindung gebracht, bedeutete lediglich, das
das eigene Bedürfnis vornan steht, "nach mit die Sintflut" sozusagen.
"Jeder ist sich selbst der Nächste" oder "Jedem das Seine, mir das Meiste" fallen auch in diese Kategorie.

Haben diese Sprüche nicht heute mehr denn je ihre Berechtigung ?

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

.

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02.05.2015 14:02
#6
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Zitat von 94 im Beitrag #4
... da gehört auch noch ein anderer Spruch dazu. Der dürfte aber in den gebrauchten Ländern auch bekannt sein:

Freitags ab eins – jeder macht seins!


Für Beamte gilt :

Freitags vor zehn - solls auch schon gehn......

....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !


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02.05.2015 14:05
#7
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Zitat von Heckenhaus im Beitrag #5
Ich habe "Privat geht vor Katastrophe" nie mit der DDR speziell in Verbindung gebracht, bedeutete lediglich, das
das eigene Bedürfnis vornan steht, "nach mit die Sintflut" sozusagen.
"Jeder ist sich selbst der Nächste" oder "Jedem das Seine, mir das Meiste" fallen auch in diese Kategorie.

Haben diese Sprüche nicht heute mehr denn je ihre Berechtigung ?


" Alle denken nur an sich ,- nur ich denk zuerst an mich "

....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !


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02.05.2015 14:59
avatar  DirkUK
#8
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Privat vor Katatrophe hab ich nie gehört. Dafür aber Privat geht vor dem Staat.


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02.05.2015 15:19
avatar  furry
#9
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Zitat von 94 im Beitrag #4
... da gehört auch noch ein anderer Spruch dazu. Der dürfte aber in den gebrauchten Ländern auch bekannt sein:
Freitags ab eins – jeder macht seins!


...oder Freitag um eins kommt der Hubschrauber.

Der wirft dann das Heu ab,

für die Ochsen, die noch arbeiten.

"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)

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02.05.2015 15:52
avatar  94
#10
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94

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #5
Haben diese Sprüche nicht heute mehr denn je ihre Berechtigung ?

Es war mal eine Zeit, da trugen Silbermünzen im Rand eine Inschrift ... 'Gemeinnutz geht vor Eigennutz'.
Verlor eigentlich dieser Spruch seine Berechtigung mal irgendwann?

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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02.05.2015 16:03
#11
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Zitat von 94 im Beitrag #10
Zitat von Heckenhaus im Beitrag #5
Haben diese Sprüche nicht heute mehr denn je ihre Berechtigung ?

Es war mal eine Zeit, da trugen Silbermünzen im Rand eine Inschrift ... 'Gemeinnutz geht vor Eigennutz'.
Verlor eigentlich dieser Spruch seine Berechtigung mal irgendwann?


Seine Berechtigung mit Sicherheit nicht,- nur seine Zitierfähigkeit war nicht mehr gewollt ( weil dies nunmal ein Leitmotto der NS-Volksgemeinschaft war ).
In der DDR sprach man dann lieber vom "gesamtgesellschaftlichen Nutzen" ,- meint das Gleiche -aber eben anders formuliert...

....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !


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02.05.2015 16:06
#12
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Wenn man jedoch mal im Grundgesetz blättert, so schimmert es doch da im Artikel 14 durch ;-)

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

LG von der Moskwitschka

Was soll ich tun, wenn mich jemand beleidigt oder versucht zu provozieren?

Wenn jemand mit einem Geschenk an Dich herantritt, Du es nicht annimmst, wem gehört dann das Geschenk?

Dem. Überbringer

Genauso ist es bei Neid, Mißgunst und Beschimpfungen. Sie gehören dem, der sie Dir bringt.


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02.05.2015 17:17
avatar  ( gelöscht )
#13
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( gelöscht )

Wenn ich an die personellen Engpässe in der DDR denke, war das Privat geht vor Katastrophe ein Motto, das selten durchzuhalten war.
Da nahmen die meisten ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu ernst.
Und an der Grenze war diese Parole nur in absoluten Ausnahmefällen überhaut durchsetzbar.


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02.05.2015 19:51
avatar  der 39.
#14
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Noch etwas Lustiges dazu. Wenn privat geht vor Katastrophe gesagt wurde kam auch oft: Wenn ich Dein Häuschen, Datsche ,Eigenheim usw sehe und rufe. " VEB raus" ist von Deiner Hütte nichts mehr da. Ist bestimmt bekannt, war etwas Neid dabei.
Der 39.


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02.05.2015 20:47
#15
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Was ist mit Deinem Avatar passiert @Ostlandritter ?

Wo ist Mick Jagger?

Du schaust freundlich, auch ein wenig beamtenmäßig drein!

Du mußt keine Vorurteile gegen Beamte pflegen, die tun doch nichts!

Dieses Beispiel bestätigt, daß es nicht genügt, keine Gedanken zu haben, man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken!

Mit meinem Vorgesetzten, ein 08/15 Beamter, pflege ich regen Meinungsaustausch:
Mit meiner eigenen Meinung gehe ich in sein Büro und komme mit seiner Meinung wieder heraus!

Warum 08/15 Beamter? Leicht verständlich,Null Ahnung, 8 Stunden im Büro, nach A15 besoldet!

Ich wünsche noch einen angenehmen Abend und verabschiede mich mit der Beamtenhymne: Wake me up, before you go go …

Es grüßt Euch
Kressin

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"Als ich 17 war, war in meinem Traumberuf nichts mehr frei” – Was das war? – "Rentner!
Erst Rentnerlehrling, dann Jungrentner und dann Rentnergeselle!”

Wo ein Genosse ist, ist die Partei - wo zwei Genossen sind, ist ein Intershop!

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Zitat von DoreHolm im Beitrag Das bumsfidele DDR-Verteidigungsministerium
"Wo ein Genosse ist, da ist die Partei und wo ein Genosse und eine Genossin ist, da ist die Hurerei".
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