Flucht durch das Minenfeld

16.04.2015 08:26
#1
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>>>Deutsch-deutsche Geschichten
Flucht durch das Minenfeld
Von Dieter Bub
(...)
Zwei Jahre lang quält er sich mit dem Gedanken an die Flucht, zwei Jahre, in denen er nicht mit seinen Eltern und seinen Geschwistern sprechen kann. Er vertraut sich Schulfreunden an, von denen er weiß, auch sie suchen nach Wegen, die DDR zu verlassen.

Am 24. August 1964 ist es so weit. Der 16-Jährige hütet drei Kühe ganz nah an der Grenze und baut einen Weidezaun. Die Wachen der NVA dösen in der Sonne. Er spricht kurz mit ihnen. Sie kennen den Berthold, antworten schläfrig entspannt. An diesem Tag gab es keine besonderen Vorkommnisse.

"Bin nach Hause gelaufen und hab' aus Vaters Werkzeugkiste eine nagelneue Kneifzange genommen, hab' mich aufs Fahrrad dann gesetzt, bin wieder in Richtung Grenze geradelt, musste ja alles sehr schnell gehen. Ich wollte sehen, liegt die Streife da noch, wo ich sie gesehen habe, sind es noch dieselben? Da bin ich dann mit der mit Zange hierhergekommen.

Das sogenannte Minenfeld war der eigentlichen Grenze etwa 50 Meter vorgelagert und ich musste nun erstmal dieses Minenfeld, diesen Doppelzaun, überwinden. Ich bin durch einen ganz kleinen, fast trockenen Bachlauf gerobbt in der Hoffnung, dass da keine Minen liegen. Ich habe erst später erfahren, dass ich durchaus auf eine Mine hätte treffen können und hab' dummerweise mit dem Schaft der Zange immer in die Erde gestochert, weil ich dachte, so könnte ich sie spüren. Dass ich sie hätte auslösen können, auf den Gedanken bin ich nicht gekommen."

Bei einem hessischen Bauern brachte er sich in Sicherheit

Mit der Zange gelingt es Dücker, die beiden unteren Drähte des Doppelzauns zu durchtrennen. Damit hat der junge Flüchtling es aber noch nicht geschafft. Vor ihm liegt gefährliches Terrain.

"Nachdem ich das Minenfeld überwunden hatte, waren da ja noch etliche Meter Niemandsland zu überwinden. Das war DDR-Gebiet noch – dort waren Drähte gespannt und Fallgräben, die hatte ich zu überwinden. Da bin ich über diesen kleinen Bachlauf, über die Wiese gesprungen und mit einem Satz über einen Stacheldrahtzaun, der schon nicht mehr DDR war, sondern das war eine ganz einfache Koppel eines Hesselbacher Bauern und bin dann dort drüben in diesen Unterstand für Kühe gelangt und hab mich erst einmal in Sicherheit gebracht."

Auf der anderen Seite, im Westen, angekommen, empfindet er den großen Schmerz der Trennung von seinen Eltern und seinen Brüdern, die beide ihren Wehrdienst bei der NVA ableisten und intensiv befragt werden.

Um sein Heimweh zu überwinden fährt Berthold Dücker zwei, drei Mal im Jahr an die Grenze, um die Häuser seines Heimatortes und den charakteristischen Kirchturm zu sehen.

Einmal allerdings wird dieser Besuch zu einem für ihn erschütterndem Erlebnis. Jenseits der Grenze sind Frauen der LPG bei der Feldarbeit. Unter ihnen ist die Stimme seiner Mutter. Er ruft nach ihr. Ihr Name hallt weit über die Felder. Kurz danach hört Berthold seinen Namen. Laut und verzweifelt. Seine Mutter weiß, dort drüben, unerreichbar, steht ihr Sohn.

Die Mutter wird von zwei Grenzsoldaten abgeführt. Anfang der siebziger Jahre vereinbaren die Bundesrepublik und die DDR den kleinen Grenzverkehr, und Berthold Dücker darf zum ersten Mal seine Eltern zu Hause besuchen. Als 1989 die Mauer fällt, ist die Mutter schon tot, der Vater erlebt das Ende der DDR noch. Mit der Einheit kehrt Dücker in seine Heimat zurück. (...)<<<<

http://www.deutschlandradiokultur.de/deu...ticle_id=316505

Das ist der Jammer dieser Welt,
Dass all die Dummheit der Millionen
Den wenigen, deren Geist erhellt,
Den Weisen wird zu Dornenkronen;
Dass sich der Massen Unverstand
Frech an des Genius Schwingen heftet,
Ihr zerrt aus seinem hohen Land,
Bis er zu Boden sinkt entkräftet.
Kurt Eisner


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02.11.2016 18:44
avatar  Sonne
#2
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Wie verlief deine Entwicklung im Westen?

Gruß Sonne

05/66-10/67
18 Monate meiner Jugend
in Glowe, Rothesütte, Elend

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02.11.2016 19:36
avatar  mibau83
#3
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im beitrag #1 geht es um die flucht von berthold dücker.
über seinen weg im westen findest du hier was. https://de.wikipedia.org/wiki/Berthold_D%C3%BCcker


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