X
#1

Meine Zeit im GAR 40 in Oranienburg

in Grenztruppen der DDR 02.03.2015 22:19
von Pitti | 39 Beiträge | 1 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Pitti
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Wie bereits in der Vorstellung beschrieben, habe ich meine dreijährige Wehrdienstzeit im GAR 40 in Oranienburg verbracht.

Nachts angekommen war in mir und um mich herum Chaos. Da rannten Unteroffiziere wichtig herum und riefen irgendwelche Namen und dann hörte ich schließlich meinen Namen auch. Ein Uffz. sammelte seine Schäfchen zusammen und was ich damals noch nicht wusste, er kannte uns alle vom Bild her sowie die "wichtigsten" Ermittlungsdaten vom jeweiligen ABV´s.
Dann ging es zum Kammerbullen um die Ausrüstung zu fassen, die im Seesack landete. Als ich dann völlig entkräftet vor meinem zukünftigen Spind stand war klar, dass ich niemals im Leben den Inhalt des Sacks da hinein bringen konnte. Aber ich konnte.
Obwohl kaum geschlafen brüllte am frühen Morgen irgendwer "fertig machen zum Frühsport!". Hä? Frühsport?
Naja usw. usw..
An der Stelle will mal erwähnen, dass ich zunächst gerne zur Armee ging. Ich hatte zwar nur ungefähre Vorstellungen von dem was mich erwarten konnte, aber es war nichts dabei, was mich hindern könnte zur Armee zu wollen. Diese Gedanken wurden mir aber schleunigs ausgetrieben und nach wenigen Tagen hatte ich genug von der Armee und alles was dazu gehörte. Ich konnte nicht begreifen, dass "unsere" Armee, nach preußischer Exerzierordnung und Wehrmachtsprinzipien geführt, so mit ihren Genossen umgehen konnte. Wir wurden schlichtweg gedrillt und gequält. Ich weiß nicht, ob das später auch noch so war, aber während meiner Zeit dort war das Soldatensein kein Zuckerschlecken. Insbesondere die Unteroffiziere, die nur 18 Monate dienten, machten uns neuen Soldaten das Leben sehr sehr schwer, um nicht zu sagen zur Hölle.
In dem Moment wusste ich aber auch noch nicht, was es bedeutete in einem Ausbildungsregiment zu sein und das sich dies grundlegend von den Grenzkompanien unterschied.
Nach den vier Wochen Grundausbildung bekam ich den Befehl mich mit Seesack in der Uffz.-Schule im Schloß beim Spieß zu melden. Ich trabte also los und war sehr gespannt auf die Schule, von der ich mir keine Schikanen mehr versprach. Na ja, wie sagte der alte Geheimrat Goethe: Es irrt der Mensch solang er strebt.
Der Hauptfeld erwartete mich schon und trieb mich in mein Zimmer. Immerhin war die Unterbringung schon mal erste Sahne, so jedenfalls empfand ich das damals.
Der zuständige Gruppenführer kam auch dazu und dann lernte ich einen Mann kennen, der die Jungs von der Grundausbildung noch topen konnte. Ich will mal Einzelheiten weg lassen.
So verging die Zeit mit Ausbildung, ohne Urlaub und mit viel lernen und wenig Freude.
Im April 1965 war es dann soweit: Wir bekamen unsere Gurkenschalen und waren nun wer! Dachten wir. Da wir nun vom Dienstgrad her Uffz. waren, meinten wir auch die dazu gehörenden Rechte zu haben. Weit gefehlt! Der Spieß zeigte uns welche Rechte wir hatten. Wir standen im Innenhof um zum Essen zu marschieren, um danach in Lehrgangsurlaub zu fahren. Der Innenhof war naß und voller kleiner Pfützen. Wir standen etwas unordentlich herum und der Spieß sah sich den "Sauhaufen" von oben aus dem Fenster an. Dann brüllte er den UVD an, ob er denn nicht gewillt sei uns zur Ordnung zu rufen. Sodann durften wir in Ausgangsuniform und das Eßbesteck in Hand in Stellung gehen und über den Platz robben. Danach war stillstehen befohlen und der Spieß stellte fest, dass wir mit der dreckigen Uniform nicht in Urlaub fahren können. Also wieder einrücken und Dienstuniform anziehen. Achja, das Essen fiel auch zunächst mal aus.
Aber das ging auch vorbei und nach dem Lehrgangsurlaub, der mit Verspätung auch genehmigt wurde, kam ich zurück in die Kompanie, um meinen ersten Einsatzbefehl zu erhalten.
Aber darüber schreibe ich später...

Gruß
Dieter



der 39. und VNRut haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#2

RE: Meine Zeit im GAR 40 in Oranienburg

in Grenztruppen der DDR 23.01.2017 18:50
von Stefan 14 | 529 Beiträge | 1151 Punkte
avatar
X

Auszeichnungen


des Mitglieds Stefan 14
Vip Status Ehrenmitglied
Vip Status Ehrenmitglied
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktiv seit min. 5 Jahren im Forum
Aktives Mitglied des Monats
Aktives Mitglied des Monats
Medaille
Medaille
Pokal
Pokal





Simple Award Plugin • © 2013 Miranus GmbH

Eine Nacht in Sachsenhausen :
Links unten im Bild ( Fotogalerie ) war zu DDR- Zeiten ein Bataillon für chemische Aufklärung. Hat sich auch viel verändert. Da habe ich Mal übernachtet. Hatte dort einen Offizier abzuholen.
Für mich makaber , weil es die ehemalige Unterkunft der SS war und die Mauer nebst Wachturm zum Lager direkt vor meinem Fenster. Um so mehr , da ich die freie Zeit am Nachmittag nutzte um mir das ehemalige Lager und Museum anzusehen. Aber was solls ; meine "Stammunterkunft" war eine ehemalige Wehrmachtskaserne , welche überall in Deutschland, von Freyburg bis Königsberg gleich waren und später ; in Leipzig eine aus der Kaiserzeit., die längste Kaserne Europas. Prora war ja nicht als Kaserne konzipiert. Auf der Hinfahrt nach Oranienburg spielte ich schon mit dem Gedanken, meine Frau zu besuchen , wenn ich schon ein Mal in der Nähe war. Ich kam ja aus Rostock. Sie wohnte damals im ehemaligen Kreis Zossen, südlich von Berlin. Aber durch Berlin durch oder über den Berliner Ring war mir dann doch zu heiß .Den Offizier fuhr ich am nächsten Tag zum TÜP nach Klietz. Anschließend bekam ich Marschbefehl nach Neubrandenburg. Also wieder allein über Landstraßen und durch die Wälder, wo die großen Garnisonen der GSSD waren. Ich hatte Essen-und Tankmarken mit. So dass ich an einem NVA- Standort versorgt wurde. Nur dann passierte es doch. In einem großen Waldgebiet war der Sprit alle. Nach einer Weile kam ebenfalls ein UAS , oft auch UAZ genannt. Dieser war aber von den " Waffenbrüdern". Er hielt an ; zwei ziemlich hohe Offiziere fragten mich nach dem Problem. Der Fahrer musste mir umgehend helfen. Waffenbrüderschaft in Aktion. Auf russisch , improvisiert und unkompliziert eben. Er nahm einen Schlauch , saugte diesen mit dem Mund an und steckte ihn in meinen Tank. Ich bekam dann noch Zigaretten als Beigabe , die hätten für eine ganze Kompanie gereicht. Beim Schreiben fallen einem so manche Anekdoten aus jener Zeit ein. Geht es Euch auch so ? Denke gerade : Was würde wohl die Heutige Generation in solchen oder ähnlichen Situationen tun. Ohne Smartphone , Navi usw. Wenn ich eure Fotos so ansehe, falls vorhanden, ist es mir als wäre Damals Heute. Dabei sind wir doch alle älter und die Meisten auch erfahrener geworden.


Hallo , Grüß Gott , Glück Auf ! Möge von deutschem Boden nie mehr ein Krieg ausgehen ! http://webfinder.npage.de
Multikulti finde ich sehr gut ! ( Viel ; vielfältige Kultur ). Ich habe ebenfalls unter sehr vielen Nationalitäten und Kulturen gelebt und gearbeitet. Mich sofort angepasst und war voll integriert.
Was jedoch Heute und hier unter dem Begriff verkauft und umgesetzt wird ist nicht Multikulti. Es ist die völlige Zerstörung von Kultur und jeglicher humanistischer Werte !
VNRut hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.01.2017 19:36 | nach oben springen



Besucher
11 Mitglieder und 111 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Greifswalder
Besucherzähler
Heute waren 3568 Gäste und 82 Mitglieder, gestern 7694 Gäste und 145 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14855 Themen und 609672 Beiträge.

Heute waren 82 Mitglieder Online:


Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen