Politoffiziere in den Einheiten der GT - wie habt ihr sie erlebt

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03.02.2015 23:54
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#1
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Ich bin hier ja einer von denen, der die Grenze im Dienst zwar hautnah erlebt hat, mit dem Grenzdienst selbst und dem Leben in einer Grenzkompanie bis auf eine vierwöchige Ausnahme aber nur wenig bis gar nichts zu tun hatte.
Der Arbeit der jeweiligen Politstellvertreter der Komandeure auf den jeweiligen Ebenen wurde ja eine grosse Bedeutung zugewiesen. Ich selbst habe an der US VI in Perleberg die GWA (gesellschaftswissentschaftliche Ausbildung) erlebt und habe dazu meine eigene Meinung.

Wie habt ihr die Arbeit der Polit's auf Kompanie-, Batalions- oder Regimentsebene erlebt? Kam der Polit des Regiment's oder des Bat. überhaupt bei den Linieneinheiten an bzw. zu Wort?

andy


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04.02.2015 09:01
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#2
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Als "Nichtgrenzer" habe ich in meiner Tätigkeit und meinem Leben zwei Politoffiziere der Grenztruppen kennen und schätzen gelernt.

Der eine war Generalmajor Walter Herkner, von 1970 bis 1973 Stellvertretender Chef der Grenztruppen und Leiter der Politischen Verwaltung im Kommando der Grenztruppen. Von 1948 bis 1949 war er FDJ-Sekretär auf der Elbewerft in Boizenburg und 1950 Abteilungsleiter der FDJ-Landesleitung in Schwerin. Seine Schwiegereltern waren Weggefährten meines Vaters in der KPD - sein Schwiegervater überlebte das KZ Buchenwald und seine Schwiegermutter das KZ Ravensbrück. Er war für mich nicht nur im Kindes- und Jugendalter ein Vorbild.
Der andere war der StKPA des 8.GR, der Politstellvertreter von @andy ´s Vater. Es gab zwischen dem Politorgan des 8.GR und der FDJ eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, nicht nur was die Patenarbeit anbetraf - Das Patenregiment von nebenan - sondern auch Hilfe und Unterstützung bei der politischen Arbeit mit der Grenzjugend im Verantwortungsbereich des 8.GR. Die Kontakte waren nicht nur "dienstlicher Art", sie waren auch persönlich sehr freundschaftlich geprägt. Ich hatte nicht nur gegenüber Alfred Fähnrich Achtung und Respekt, sondern auch gegenüber seinem Politstellvertreter Rudi B. Ich werde auch ihn, wie @andy ´s Vater in angenehmer Erinnerung behalten.

Vierkrug

Foto - Generalmajor Walter Herkner beim Besuch der JHS - Quelle Privatfotos


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04.02.2015 09:15
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#3
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Ich habe während meiner Dienstzeit in der GK zwei Polits kennengelernt. Beide waren kompetent und man konnte immer mit ihnen reden. Der KC hingegen ein cholerischet Despot.


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04.02.2015 17:04
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#4
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Vom Führungs-Dreigestirn die neben dem Hauptfeld als einzige mit Genosse Dienstgrad angesprochen wurden, war der Polit derjenige wo man mal hingehen konnte wenn der Schuh irgendwo gedrückt hat, um den KC und dem Stellvertreter hat man lieber einen Bogen gemacht.
Klar musste der seine Schäfchen politisch auf Linie halten, war ja sein Job, hauptsächlich sah er aber drauf das es den GWD'lern relativ gut ging, wollte ja keiner das welche über den Zaun auf den ewigen Westurlaub gingen.


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04.02.2015 17:53
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#5
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In der GAK Hauptmann T. als Polit nicht die Welt hatte in meinen Augen keine Menschenführung,in der GK Oberleutnant Sch. war damals in unsern alter und hatte verständnis für die Verheirateten und versuchte sie wen möglich so oft wie möglich in den Urelaub zuschicken und verstand es auch mit uns zusprechen was mitunter auch hilfreich war


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03.03.2015 03:55
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#6
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Zitat von andy im Beitrag #1
Ich bin hier ja einer von denen, der die Grenze im Dienst zwar hautnah erlebt hat, mit dem Grenzdienst selbst und dem Leben in einer Grenzkompanie bis auf eine vierwöchige Ausnahme aber nur wenig bis gar nichts zu tun hatte.
Der Arbeit der jeweiligen Politstellvertreter der Komandeure auf den jeweiligen Ebenen wurde ja eine grosse Bedeutung zugewiesen. Ich selbst habe an der US VI in Perleberg die GWA (gesellschaftswissentschaftliche Ausbildung) erlebt und habe dazu meine eigene Meinung.

Wie habt ihr die Arbeit der Polit's auf Kompanie-, Batalions- oder Regimentsebene erlebt? Kam der Polit des Regiment's oder des Bat. überhaupt bei den Linieneinheiten an bzw. zu Wort?

andy


Andy ich komme spät, aber ich bin da. Ein saugutes Thema. Ich kann eigentlich nur für Glöwen sprechen, obwohl ich im Bereich GKN alle GK gesehen
habe (nur stundenweise), das wäre aber schon wieder ein neues Thema, wie "Oberst P.... und die Inspektionen"
Ein weiteres neue Thema könnte in Abwandlung des aktuellen lauten "Politoffiziere in den Einheiten der GT- was ist aus ihnen geworden?)
Dir ist ja bekannt,das ich mich etwas mit den GT beschäftige.
Rollkragenpullover, damit man das Gewinde nicht sieht? Um Gottes Willen, nicht verallgemeinern!!!!!!!!
- Polit 1, ganz oben angesiedelt, die SED war out => Versicherungsvertreter mit S-Klasse vor der Tür, Die Linke kommt in Mode und da haben wir einen neuen Fraktionsvorsitzenden der Linken in einem Kreistag. Bild und Name könnte ich liefern. Google=> SV Einheit Glöwen tut es auch.
- Polit 2, nicht so weit oben angesiedelt, die Grenze war noch gar nicht richtig auf (der Schlüssel steckte noch) sitzt der bei "Radio Bremen" und verliest
Staumeldungen. Nachzulesen auch in Grenzalarm
Die Rundfunkanstalten waren Auffangstationen für die Polits, naja gelernt ist gelernt.
Weitere Ehemalige sind mir bekannt, vom NDR
- Polit 3, nicht das Vorzeigemodell, Hauptamtlicher FDJ- Sekretär in Glöwen, 2 Kneipen gibt es in Glöwen, in beiden Hausverbot.
Und Hut ab vor den Genossen die eine Übernahme durch die BW abgelehnt haben. Kann man sehen wie man will, dahinter steht ein Charakter.
Micha


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03.03.2015 07:50
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#7
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Hatte ich schon einmal eingestellt:

„Halt, Grenzposten,Parole“ ? 1975
Unser Polit, Hauptmann Udo A. wollte ein ganz Harter sein, natürlich immer Dienst nach Vorschrift.
Im Winter ohne „Oma“ im Grenzgebiet unterwegs, die Ohren schon blau, fast zu Glas erstarrt.
Sollte er als Diensthabender in der Nacht geweckt werden, Vorsicht ! , denn Udo schlief immer mit der Dienstwaffe unter‘m Kopfkissen.
Ich war gerade frisch dabei.
Zur Vergatterung hieß es, mit dem Postenführer G. Abschnitt Unterweid .
Oh, prima, denn Postenführer G. fuhr den Trabi Kübel.
Alle überflüssigen Klamotten hinten rein und gemütlich Richtung Unterweid- ein schöner Frühlingsabend.
Nach der Meldung gegen 21:00 Uhr übers GMN kam der Befehl, wechsel zur RTL , dort absichern.
An der RTL angekommen, war es schon dunkel. Postenführer G. kannte natürlich das Gelände aus dem ff. Er hatte eine günstige Stelle, mit Anschluß ans GMN, ausgewählt.
Schnell das Gummiohr rein und mithören.
Aus Erfahrung wußte er, daß, wenn Udo Dienst hatte, er es sich nehmen lässt, auf Postenkontrolle zu gehen.
Nach einiger Zeit nickte G., es war soweit, Udo näherte sich.
Die Spannung stieg, man vernahm Geräusch, die nicht zur Nacht passten.
Jetzt sah man, daß sich 2 dunkle Schatten näherten.
Dann mein Postenführer: „Halt, Grenzposten, Parole“?
Nichts…Ruhe…..Stille
Er riss die Kaschi durch – ein wunderbares Geräusch in der Nacht !!!
„Ich bin‘s doch, euer Polit“, stammelte Udo.
„Hände hoch“ befahl mein Postenführer.
„Udo, eurer Polit, Ihr kennt mich doch“ krächste Udo.
Die Spannung legte sich und so langsam konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Udo hatte tatsächlich die Parole vergessen!
Mein Postenführer übergab mir die Sicherung und meldete den „Vorfall“ zum FÜpu.
Der Antwortete mit: „Entwarnung, Hptm. A. ist im Gebiet auf Postenkontrolle“.
MeinPostenführer meldete dann dem Udo: „Keine besonderen Vorkommnisse“ auch mit einem Lächeln im Gesicht.

Später wurde Postenführer G. mit einem „Brief an die Eltern“ belobigt.


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03.03.2015 08:08
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#8
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Ja, das war draussen am Kanten.........,
mehr hat man da vom Polit nicht gemerkt.

Anders sah es zur Ausbildung aus:
Eisenach1974, eingezogen zum Winterhalbjahr.
Da war ich froh, wenn Politunterricht auf dem Programm stand: nicht raus zu müssen, schön im warmen sitzen und mit dem Schlaf kämpfen, nicht mit dem Klassenfeind !!!
Den Propagandaunterricht führte damals ein Hauptmann durch- Name entfallen, aber er ging doch auf die Belange (Kleinigkeiten- wie ich mich noch erinnere) der Soldaten ein, soweit es seine Möglichkeiten erlaubten...also kann ich vom "menschlichen" her nichts negatives berichten.
Mehr war dann auch nicht bezgl. Polit.....


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03.03.2015 17:35
#9
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Klar wollten die mit den Leuten reden. Gehört ja zu ihrem Beruf.

Die Mannschftsdienstgrade waren auf solche Gespräche jedoch nicht erpicht, weil man ausgehorcht oder agitiert wurde. Das war ja deren Aufgabe.

Mit seelischen Belastungen mußte man selbst klarkommen. Truppenseelsorger gabs ja nicht.

Aktiv wurden die Polits erst, wenn seelische Dinge den Grenzdienst beeinträchtigen konnten.

"Gerade heraus" war eher bei anderen Dienststellungen möglich. Mit Unbequemen, die aber gerade heraus waren, habe ich mich lieber auseinandergesetzt.


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03.03.2015 17:54
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#10
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Kann eigentlich auch nichts Negatives über unseren Polit sagen. Wärend der Dienstzeit hat er seinen Job gemacht, das war seine Aufgabe.
Viel Interessanter war die Freizeit.
Unser Polit war ledig, wohnte also ständig im Objekt. Auch wenn er keinen Dienst hatte. Dadurch gab es so einige Aktionen die sonst wahrscheinlich nicht stattgefunden hätten.
Wie z.B. regelmäßige Filmvorführungen in der einzigen Dorfkneipe für die Dorfbewohner, Volleyballtuniere mit der Dorfjugend auf Firmeneigen Platz.
Ich kann mich sogar noch an einen Dicobesuch im Nachbarort erinnern, der für uns Ausgangstechnich tabu war, weil Ausgang nur am Standort gewährt wurde. Er hat organiesiert, Lo fertig gemacht und los gings. Er war natürlich auch mit dabei. War eine schöne Abwechslung, zumal man dort mal andere Mädels gesehen hat.


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03.03.2015 17:58
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Ja, klar. Negativ war unser Polit auch nicht. Man ist ihm aus dem Weg gegangen und er hat uns normalerweise in Ruhe gelassen.

Er war nur keine Vertrauensperson, was er theoretisch hätte sein müssen.


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03.03.2015 18:28
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#12
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Politunterricht in Eisenach 1978/79: man sass warm und trocken, fern der Kälte und Nässe von Böller und Sturmbahn, kämpfte gegen den Schlaf anstatt gegen den Klassenfeind und den inneren Schweinehund. Der Politoffizier als Person ist aus meinem Gedächtnis.
GK Kaltenwestheim Sommer 79: nur noch selten Politunterricht, Schichtdienst und Bataillonssicherung.
Der Polit war ein Offizier wie jeder andere - führte die Kompanie im Grenzdienst ab und an, im Wechsel mit KC und Stellvertreter. Ich kann mich nicht erinnern, zu ihm irgendwie ein Vertrauensverhältnis gehabt zu haben - zwar waren wir beide SED-Mitglieder - aber er war Offizier, ich Soldat. Punkt.
GK Vacha 1979/80 - das Gleiche. Der Polit war so eine kleiner, schmächtiger, unscheinbarer.
OT:
Wenn ich ein Vertrauensverhältnis zu einem Offizier hatte, dann war es mein Zugführer in Vacha, Unterleutnant Andreas E. - Abiturient, Anfang 20, auf 3 Jahre verpflichtet. Auch Parteimitglied, soweit ich mich erinnere.
Ich war damals 26, Ingenieur-Diplom, verheiratet - und einer seiner beiden Gruppenführer, als Gefreiter.
Wir konnten uns wirklich bedingungslos aufeinander verlassen, vom ersten Tage an - und waren keine einzige Schicht zusammen im Grenzdienst... Logisch - wir hatten beide ja hohe "Blutgruppen".

Aber die Frage hiess ja "Polits..."

Gruss Hartmut


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03.03.2015 18:57
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#13
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Die Geschichte von Hardy 24 könnte ich fast genau so bringen. Unser Polit war Kettenraucher und hat die Parole auf die Zigarettenschachtel (Salem gelb) geschrieben. Nach der halben Schicht war die Zigarettenschachtel im Müll und die Parole nicht auf die neue übertragen. Ich konnte mir ausrechnen wann er bei mir ist, er war auf Hufstreife und ich ständig am GMN. Wir raus aus dem P 3 und in den Busch. Er kommt, schaut in den P 3 und geht enttäuscht weiter. Zwei Meter an mir vorbei. Nach einigem Abstand habe ich gerufen "halt Grenzposten Parole", keine Reaktion. Dann "Halt Grenzposten, stehenbleiben oder ich schieße", keine Reaktion. Also einen eingefädelt. Dann gings. "nicht schießen Oltn...... Polit, verheiratet, ein Kind.
Der hat mich nie wieder kontrolliert.

Der Hesselfuchs


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03.03.2015 20:01
avatar  Linna
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Von meinem Politoffizier in der Grenzkompanie kann ich eigentlich nur Gutes berichten. Er hatte von allen Offizieren das mit Abstand
höchste Bildungsniveau und man konnte sich mit ihm über klassische Literatur, höhere Mathematik und andere anspruchsvolle
Dinge zwangslos unterhalten. Er hat nie versucht mich zu agitieren oder die vorgegebene Linie aufzudrängen, sondern hat meine eigene
Meinung akzeptiert. Er wäre wohl an anderer Stelle besser aufgehoben gewesen.
Gruß-Linna


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03.03.2015 21:02
avatar  Dassi
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Wir hatten damals 1972/1973 in Veltheim einen Polit, welcher von den Mannschaften anerkannt war. Er hat im Grenzdienst und im Innendienst sicher auf alles ein Auge geworfen. Im Gegensatz zum KC war er aber in allen Situationen immer fair gegenüber den Untergebenen. Auch Ihm zufällig bekannt gewordene Verfehlungen hat er für sich behalten können! Es gab dann umgehend eine persönliche "Abreibung mit Worten" im kleinsten betreffenden Personenkreis (Postenführer und Posten) und dann war wieder Ruhe. Auf sein Wort war Verlass. Ich habe unseren damaligen Polit nur gut in Erinnerung.
Ich denke, daß diese damals gezeigte Stärke Ihm im weiteren Leben oft geholfen hat. Ich freute mich jedenfalls für Ihm, daß er nach der Wende auch im Zivilleben mit einer Firmengründung laut dem Internet gut Fuß gefasst hat. Einen schönen Gruß an Ihm (N. Sch..... In der Lausitz) falls er auch in Diesem Forum die Zeilen lesen sollte.
MfG.
Da.


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