Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

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07.07.2017 01:35 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 01:41)
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#331
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Zitat von Kalubke im Beitrag #330
Wenn ich mal meinen Senf als eingeborener Ostberlner dazu geben darf: Das Ahornblatt war m. E. damals keine Speisegaststätte sondern (neudeutsch) eine Location, in der Abends Disco-Veranstaltungen liefen. An das tschechische Knödelrestaurant in der Leipziger Straße kann ich mich auch noch erinnern, nur ncht mehr genau wo. Außerdem gabs da noch den Tschechenladen, in dem allerlei böhmische Raritäten verkauft wurden (Böhmisches Kristallglas, schwer zu bekommende Buch-Prachtausgeben von tschechischen Verlagen, etc.).

Gruß Kalubke
Zitat von Kalubke im Beitrag #330
Wenn ich mal meinen Senf als eingeborener Ostberlner dazu geben darf: Das Ahornblatt war m. E. damals keine Speisegaststätte sondern (neudeutsch) eine Location, in der Abends Disco-Veranstaltungen liefen. An das tschechische Knödelrestaurant in der Leipziger Straße kann ich mich auch noch erinnern, nur ncht mehr genau wo. Außerdem gabs da noch den Tschechenladen, in dem allerlei böhmische Raritäten verkauft wurden (Böhmisches Kristallglas, schwer zu bekommende Buch-Prachtausgeben von tschechischen Verlagen, etc.).

Gruß Kalubke


Mir tun die Volkspolizisten echt leid die im Aquarium sitzen mussten, aber da ich ein wenig schlaflos bin und du Berliner Ecken gebracht hast, von 80 bis 82 habe ich im Hans-Loch-Viertel logiert zwecks Berlinverschönerung, dort ging ganz schön die Post ab, ein Haufen Fremdarbeiter aus Mosambique und die Richtung und wir Hanseln mittendrin.
Für einen provinzialen Jüngling aus dem Erzgebirge wie mich war das so eine Art von New York oder so was ähnliches.
Eingekehrt sind wir oft zur Disko visavis ins "Bärenschaufenster", war so eine Art Kulturstätte wo abends echt der Bär steppte.
Kennst du das alles noch so irgendwie?
Der Tatort war Friedrichsfelde.


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07.07.2017 01:44 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 01:45)
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#332
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Unweit des U-Bahnhofes Tierpark! Letztendlich gegenüber dem Tierpark, Haupteingang!


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07.07.2017 01:45 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 01:51)
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#333
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Is ja nicht zu glauben, im Hans-Loch-Viertel bin ich aufgewachsen (wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich bis heute eigentlich noch nicht genau weiß, wer Hans Loch war (KPD-Reichtagsabgeordneter, SED-Volkskammerabgeordneter ???). Gibts auch heute nicht mehr ... haben irgentwelche postwendischen Lichtenberger Kommunalfuzzis in Sewan- Ontario- und Erisee Straße umbeannt. Disco im Kulturwürfel "Bärenschaufenster" sagt mir auch noch was. An dem Brunnen davor habe ich damals einen Schneidezahn eingebüßt, als ich etwas alkoholgeschwängert, einen Schluck aus dem Brunnen nehmen wollte.

Gruß Kalubke


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07.07.2017 01:48 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 01:52)
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#334
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Im Bärenschaufenster saß/stand ein Rausschmeißer der nicht von der FDJ war, sah aus wie ein alter Rummelboxer, wenn du da gezuckt hast waren die Zahnlücken auch gleich größer ganz ohne Brunnen


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07.07.2017 01:58 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 02:01)
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#335
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Kennste auch noch das "Druschba", das war auch so ein "Kulturwürfel" weiter hinten fast am Bahndamm? Da fand meine Jugendweihefeier statt. Ich bin später dann doch mehr nach "Eastberlin-Downtown" gezogen, z.B. in den "Krausnick-Club" in Mitte oder ins "Oranke" ehem. Gästehaus der DDR-Regierung am Orankesee in Berlin Hohenschönhausen, weil ich mehr auf Blues-Mugge stand.

Gruß Kalubke


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07.07.2017 02:10 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 02:19)
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#336
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Zitat von Kalubke im Beitrag #335
Kennste auch noch das "Druschba", das war auch so ein "Kulturwürfel" weiter hinten fast am Bahndamm? Da fand meine Jugendweihefeier statt. Ich bin später dann doch mehr nach "Eastberlin-Downtown" gezogen, z.B. in den "Krausnick-Club" inMitte, weil ich mehr auf Blues-Mugge stand.

Gruß Kalubke


Wir waren abends immer ganz schön kaputt, trotz gegenteiliger Gerüchte wurde ja auch in der DDR manchmal gegenständlich gearbeitet und wir hatten immer den Weg von Marzahn via S- u. U-Bahn hinter uns.
Meistens sind wir dann in die "Fischbüchse" abgetaucht, diese große Wellblechbude die sich Bauarbeiterversorgung nannte, kurz BAV im Sprachgebrauch.
Wenn wir mal Bock auf "Kultur" außerhalb hatten sind wir mit der Taxe ins Berliner Ballhaus gefahren, aber frag mich nicht, dort ging es so zur Sache das ich da echt Erinnerungslücken habe, eines ist hängen geblieben, also quasi der wiederkehrende Alptraum obwohl der besser ist als der wo du mit dem Schraubenschlüssel permanent durch die Kante rennst, ich 20 und eine üppige Dame im Panterkleid so mitte 40, die klingelte mich mit dem Tischtelefon an.
Mehr möchte ich lieber nicht verraten


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07.07.2017 17:36
avatar  Merkur
#337
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Hier gibt's bald eine Gesamtdarstellung der Thematik:
http://www.eulenspiegel.com/verlage/edit...in-der-ddr.html


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07.07.2017 19:50 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 19:53)
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#338
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Das wird aber nur der Blick von oben durch die Bosse. Der Witz hier im Forum ist ja die unverstellte Sicht auf die damalige Wirklichkeit durch ABV.
Diese üblichen Kader-Selbstdarstellungen und Rechtfertigungen gibt es doch zur Genüge? Gerade aus MfS-nahen Kreisen. Nur ganz selten gibt es mal Leute mit Selbstdistanz und kritischen Blick. Vielleicht sind die drei ja ganz anders:

Zitat

Hans-Joachim Dahl Hans-Joachim Dahl, Jahrgang 1932, Maschinenschlosser, Diplomkriminalist, von 1951 bis 1971 bei der K, von 1971 bis 1990 beim MfS in der Hauptabteilung II (Spionageabwehr), Referatsleiter, u. a. zuständig für US-Geheimdienste. Letzter Dienstrang: Major. Lothar Fröhlich Lothar Fröhlich, Jahrgang 1936, Diplomjurist, von 1954 bis 1990 beim MfS, In der HA II Stellvertretender Abteilungsleiter, zuständig für Schutz und Sicherheit ausländischer Vertretungen in der DDR. Benno Tuczek Benno Tuczek, Jahrgang 1931, Elektroinstallateur, Diplomstaatswissenschaftler, bei der Volkspolizei von 1949 bis 1990, Leiter des Wachkommandos Missionsschutz (WKM) von 1974 bis 1990. Letzter Dienst­rang: Oberst der VP.


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07.07.2017 20:09
avatar  Alfred
#339
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Man sollte das Buch wohl erst mal lesen, bevor man es wertet.


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07.07.2017 20:39
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#340
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Ich bewerte lediglich die Autoren, wenn hier schon ABVs-Meisterwerk für Werbung gekapert wird.


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07.07.2017 22:54 (zuletzt bearbeitet: 07.07.2017 22:54)
avatar  Alfred
#341
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Kennst Du die Autoren, dass Du diese bewerten kannst ?

Zwei von den Autoren kenne ich und zur aktiven Zeit waren dies sachliche Leute.

Aber warten wir das Buch ab.


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08.07.2017 10:14
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#342
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Zitat von Kalubke im Beitrag #330
Wenn ich mal meinen Senf als eingeborener Ostberlner dazu geben darf: Das Ahornblatt war m. E. damals keine Speisegaststätte sondern (neudeutsch) eine Location, in der Abends Disco-Veranstaltungen liefen. An das tschechische Knödelrestaurant in der Leipziger Straße kann ich mich auch noch erinnern, nur ncht mehr genau wo. Außerdem gabs da noch den Tschechenladen, in dem allerlei böhmische Raritäten verkauft wurden (Böhmisches Kristallglas, schwer zu bekommende Buch-Prachtausgeben von tschechischen Verlagen, etc.).

Gruß Kalubke

Im Ahornblatt befand sich eine recht große SB-Gaststätte, tagsüber fürs Ministerum für Bauwesen und für Schulen als Betriebsgaststätte.
Als wir damals in den Siebzigern im PdR arbeiteten, gab es dort Mittagessen.
Abends war das dann eine normale Gaststätte und auch Veranstaltungsort.
Eine Disco wurde dieses Bauwerk erst nach der Wende unter dem Namen "Exit".
Außerdem befand sich unter gleichem Dach eine Ladenpassage, in der dortigen Kaufhalle gab es jeweils mittwochs Negerküsse.
Ja, die hießen damals noch so, und es gab sie lose in der Tüte.

Gruß vom gebürtigen Ostberliner


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22.10.2017 22:40 (zuletzt bearbeitet: 22.10.2017 22:43)
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#343
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ABV

Nach längerer Auszeit, nun wieder eine Fortsetzung:

Das Jahr 1987 hatte ungewöhnlich warm, mit viel Regen begonnen. Gleich in den ersten Stunden des neuen Jahres "erschütterte" ein schweres Vorkommnis unsere Wachabteilung. Was war geschehen? Hauptmann Bosch, der erst seit kurzem an der Spitze der " Wachabteilung 4 B" in Berlin-Pankow stand, hatte den Posten vor der Niederlassung des ANC ( African National Congress" schlafend, obendrein völlig betrunken, in dessen Wachhäuschen erwischt. Bei dem besagten Wachtmeister handelte es sich um eine durchaus bemerkenswerte Persönlichkeit. Groß, schlank und dunkelhaarig, wirkte er wie der " Alain Delon der Volkspolizei". Ein regelrechter Frauentyp. Der alle Frauen haben konnte. Davon erfuhr jeder, egal ob er es nun hören wollte oder auch nicht, ausgiebig in den Pausengesprächen. Die Weisheit " ein Gentleman genießt und schweigt", gehörte nicht zu seinen Lebensmaximen. Seitdem bekannt wurde das ein nicht geringer Teil des für DDR-Verhältnisse durchaus üppigen Polizistengehaltes für Alimente drauf ging, hielt sich die Anzahl der Neider ohnehin sehr engen Grenzen. Man hielt ihn, nicht zu Unrecht und im doppelten Sinn, für ein " armes Würstchen".
Als die Dienstschicht am 01. Januar 1987 erneut zur Dienstschicht antrat, wollte Hauptmann Bosch das Vorkommnis vor versammelter Mannschaft auswerten. Verborgen geblieben war der Fauxpas ohnehin niemanden. Schließlich musste der "Zecher" aus dem Dienst herausgelöst und sein Bereich von einem anderen Posten übernommen werden.

Wenn es nach dem Hauptmann Bosch, von Hause aus ein sehr väterlicher Offizier der bedingungslos zu seinen Leuten stand, gegangen, wäre, wäre der " Alain Delon für Arme" mit einem mordsmäßigen Zusammenschiss davongekommen. " Ich habe selbst einige Male in einer Silvesternacht auf Posten gestanden", begann er seine Rede mit eindringlicher Stimme, " wer von sich behauptet, bei solchen Anlässen niemals im Dienst einen Schluck Alkohol getrunken zu haben, ist ein Lügner. Wer aber, als Waffenträger vor einer ausländischen Vertretung für deren Sicherheit er Verantwortlich ist, sich den Arsch derart vollsäuft das er nicht einmal mehr seinen Vorgesetzten erkennt, ist ein verdammter Idiot."
Unter den Umstehenden herrschte betretenes Schweigen. Mir fiel in diesem Moment die gemeinsam mit den jungen MfS-Leuten verputzte Flasche Sekt ein. Tatsächlich hatte wohl jeder ein Gläschen auf das neue Jahr geleert. Einige sogar mit einem der Botschafter. Ein Gläschen in Ehren konnte im WKM niemand verwehren.
Solange es bei dem einem Gläschen blieb.

Wer jetzt glaubt das "Alain Delon" schamvoll sein Haupt neigte, der irrte sich. " Genosse Hauptmann, das verbitte ich mir", rief er selbstbewusst. " Der Ton macht die Musik. Es wird sich wohl noch zeigen, wer hier der Idiot ist."
Zuerst glaubte ich mich verhört zu haben. Den anderen erging es ähnlich. Leises Raunen breitete sich aus. Das freundliche Gesicht des Hauptmanns verfärbte sich dunkelrot. " Sie verbleiben bis auf weiteres in der Dienststelle. Geben Sie ihre Waffe ab und warten auf weitere Anweisungen!"
Dem Hauptmann blieb, wenn er sein Gesicht wahren wollte, nichts anderes übrig als das Vorkommnis " an die Große Glocke zu hängen". Damit setzte er eine Lawine in Gang, die dem " Schönling" innerhalb weniger Wochen den Job bei der Volkspolizei kostete. Wie sich herausstellte, hatte es in dessen vorheriger Dienststelle, einem VP-Revier in Berlin-Mitte, mit ihm bereits ähnliche Vorkommnisse gegeben. Das war auch der Grund für seine Versetzung zum WKM. Die ihm Warnung und letzte Chance zugleich sein sollte.
Ich habe nie erfahren, was aus ihm geworden ist. Möglicherweise hat er sich von irgendeiner Frau aushalten und bedauern lassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass seine Kinder nicht unter etwaig ausfallenden Unterhaltszahlungen leiden mussten. Denn die Kleinen konnten nun wirklich nichts für ihren Erzeuger.

Das Jahr 1987 nahm seinen Lauf. Noch immer wurden die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen an allen diplomatischen Objekten der USA und Groß Britanniens fortgesetzt. An meiner Absicht so schnell wie möglich dem WKM den Rücken zu kehren, hielt ich unverändert fest. Salopp gesagt: Mich kotzte der Laden regelrecht an. Dieses öde auf einem Fleck stehen. Diese Hoffnung das endlich einmal etwas passiert. Obwohl ja eigentlich nichts passieren durfte. Mir fehlte auch die Kreativität eines VP-Meister Montag, aus jeder Nichtigkeit eine "Information" zu basteln.

An dieser Stelle noch eine interessante Anmerkung zu dem Verbleib der von den WKM-Posten gelieferten Informationen. Wir gingen davon aus, dass die so genannten Kfz-Zettel und die schriftlichen Informationen direkt in der Zentrale des WKM, im " Kommando Kaulsdorf" ausgewertet wurden. So hatte man es uns jedenfalls seitens der Vorgesetzten wissen lassen. Durch Zufall erfuhr ich viele Jahre später bei einer Recherche im Internet, dass sämtliche von den Posten gefertigte Unterlagen, direkt zur Hauptabteilung II des MfS gingen. Also, zur Spionageabwehr. Die selbe Truppe kümmerte sich auch um die " Sicherheit des WKM". Während die "normale" Volkspolizei von der Hauptabteilung VII "bearbeitet" wurde. Ungeachtet des gewöhnlich öden Alltags, besaß das WKM im Sicherheitskonzept der DDR einen durchaus einen hohen Stellenwert. Derart, dass es im MfS Überlegungen gab das WKM aus dem Verantwortungsbereich der VP-Präsidiums (Ost)-Berlin herauszulösen und ganz der Staatssicherheit zu unterstellen.

Pläne wie diese dürften jedoch bereits am hohen Personalaufwand gescheitert sein. Denn das MfS hätte zwar das WKM und dessen Aufgabenbereich als solches, nicht aber den überwiegend größten Teil des Mitarbeiterstammes übernehmen können. In den letzten Jahren seines Bestehens war das WKM mehr und mehr zu einem Auffangbecken für " gestrandete Existenzen" aus den Reihen der Volkspolizei, der Feuerwehr und des Strafvollzugs geworden. Vereinzelt fanden sich im WKM auch frühere MfS-Mitarbeiter wieder, die aus " kaderpolitischen Gründen" von der Staatssicherheit zur VP wechseln mussten. Sollte sich das MfS diese, aus ihrer Sicht, Sicherheitsrisiken, wieder zurück ins Boot holen? Wohl kaum!

Eines Tages zog ich mit "Arnold" auf Posten. Arnold war nicht sein richtiger Name. Da er jedoch ständig von dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger schwärmte, nannte ihn die Dienstschicht bald nur noch nach dem Vornamen des österreichischen Muskelpaktes.
Arnold, seinen richtigen Namen habe ich vergessen, stammte aus Erfurt. Dort hatte er bei der Berufsfeuerwehr gedient. Dorthin wollte er nach nun mehr drei Jahren Dienst im WKM auch wieder zurück. " Weißt du", vertraute er mir an, " was mich hier am meisten anstinkt? Das du von keinen geachtet wirst. Zuhause, wenn ich erzähle das ich bei der Berufsfeuerwehr bin, wollen mir alle ein Bier ausgeben. Jeder haut mir auf die Schulter, erkennt meine Arbeit an. Du kannst Menschen helfen, sogar Menschen retten. Und hier? Hier sitzt du dir den Arsch breit, oder stehst dir die Beine in den Bauch. Völlig sinnlos. Für die Leute hier bist du nur ein dämlicher Bulle. Mit denen keiner etwas zu tun haben will. Nicht einmal die anderen dämlichen Bullen aus den Revieren. WKM ist ja nun wirklich das letzte."

Der Mann hatte mir aus dem Herzen gesprochen. " Ich habe ja auch einen Versetzungsantrag zu laufen", erwiderte ich. " Oh, dass ist gut. Da kann ich dir nur alles Gute und einen langen Atem wünschen." " Aber du hast es doch auch geschafft." " Genau. Ich hatte mich aber von Anfang nur für drei Jahre verpflichtet. Bei Direkteinstellungen wie dir, sieht die Sache ein wenig anders aus."

Arnold warf mir einen bedauernden Blick zu. " Gib die Hoffnung nicht auf, mein Junge", versuchte er mich aufzumuntern. Ich fühlte mich wie eine Fliege im Spinnennetz. Es gibt wohl kaum etwas schlimmeres, als einen Job auszuüben, mit dem man sich immer weniger identifizieren konnte.
Meine Strategie mir die Wichtigkeit der Tätigkeit krampfhaft selbst zu suggerieren, löste bei Arnold Heiterkeit aus. Als ich aufmerksam nach links und rechts schauend, am Zaun der Residenz des US-amerikanischen Botschafters patrouillierte, schlug sich Arnold vor lauter Begeisterung auf die Schenkel. " Bravo, mein Junge. Gib dem Klassenfeind keine Chance!"

Spätestens jetzt wurde mir die Unsinnigkeit meines Tuns bewusst. Auf der einen Seite der Residenz-Garten und auf der anderen Seite Ödland. Dazwischen ein unbefestigter Weg auf dem Arnold und ich im Wechsel Streife liefen. Von potentiellen "Gefährdern" weit und breit keine Spur. Verdammt noch mal, ich würde verrückt werden, wenn mein Postendienst nun auch noch den letzten Sinn verliert!

Das der Dienst im WKM durchaus gefährlich sein konnte, zeigt dieses Beispiel. Dabei handelte es sich allerdings um keine der Gefahren, welche der Polizistenberuf gewöhnlich mit sich bringt:
VP-Meister Peter P. , von allen nur " Peter Paul" genannt, bewachte seit etlichen Jahren die in der Wilhelm-Wolff-Straße gelegene Residenz des Botschafters der CSSR. Die Lage der Residenz in einer ruhigen abgelegenen Seitenstraße passte zu deren " operativen Bedeutung. " Peters einzige Aufgabe bestand in seiner Anwesenheit. Anders als die Posten vor den Niederlassungen des " BBKF", des Bitterbösen Klassenfeindes, brauchte der VP-Meister kein Personal zwecks Informationsbeschaffung "abschöpfen", nicht die An und Abfahrtszeiten des Botschafters notieren und dem Diensthabenden melden. Ja, er hätte es nicht einmal gedurft. Schließlich gehörte die CSSR ´zu den besten Freunden der DDR. Abwechslung brachten allein die diplomatischen Empfänge, die der Botschafter in unregelmäßigen Abständen zu geben pflegte. Dann rückte ein Gruppenführer zusammen mit der Besatzung des WKM-eigenen Streifenwagens zur Absicherung der Feierlichkeit an.
Peters Privatleben verlief in ähnlich ruhigen Bahnen. Als bekennender Junggeselle lebte er völlig allein, in einer Neubauwohnung im Norden Berlins.
Im Frühjahr 1987 erkrankte Peter plötzlich. Er litt an immer wiederkehrenden Schwindelanfällen. Die Ärzte im VP-Krankenhaus gaben sich alle Mühe die Ursache der Beschwerden zu finden. Das EKG ergab auch unter Belastung keine Auffälligkeiten. Bei einem Blutdruck von 125:80 dürfte eigentlich niemandem schwindlig werden.
OK, Peter rauchte wie ein Schlot. Sollten die unheimlichen Attacken nur an den vielen Fluppen liegen?
Nein. Auch wenn einige "Weißkittel" gerne zunächst die Wurzel allen Übels in den Schwächen der Patienten suchen-Daran lag es definitiv nicht. Sondern am Stress, wie ein engagierter, fähiger Mediziner bald feststellen sollte.
Stress, wieso Stress, mag sich der aufmerksame Leser an dieser Stelle sicherlich fragen. Hatte ich doch weiter oben von Peters ruhigem Leben berichtet. Ihr habt richtig gelesen. Der Auslöser für Peters Schwindelanfälle war nicht ein Übermaß an Stress, sondern zu wenig Stress. Er litt quasi an " chronischer Unterforderung", was auf Dauer seine Gesundheit ruinierte.
Im Sommer 1987 erhielt Peter einen neuen Job bei der Sportvereinigung Dynamo. Sein weiterer Werdegang verlief im Dunkeln. Viele Jahre nach der Wiedervereinigung entdeckte ich seinen Namen, zu meiner großen Verwunderung, auf einen dieser " Stasilisten" im Internet. Eine Verwechslung oder Namensgleichheit schließe ich aus, da sein Nachname zu den seltenen in Deutschland gehört. Wahrscheinlich wird ihn das MfS nach seinem Wechsel zu " Dynamo" übernommen haben. Ein Schritt den er höchstwahrscheinlich bald bitter bereuen sollte.

Fortsetzung folgt..

Gruß an alle

Uwe

22.10.2017 23:57
#344
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Schön, dass Du die Zeit für eine Fortsetzung gefunden hast.

Gruss Wolfgang


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23.10.2017 10:14
avatar  Merkur
#345
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ABV schrieb:
"An dieser Stelle noch eine interessante Anmerkung zu dem Verbleib der von den WKM-Posten gelieferten Informationen. Wir gingen davon aus, dass die so genannten Kfz-Zettel und die schriftlichen Informationen direkt in der Zentrale des WKM, im " Kommando Kaulsdorf" ausgewertet wurden. So hatte man es uns jedenfalls seitens der Vorgesetzten wissen lassen. Durch Zufall erfuhr ich viele Jahre später bei einer Recherche im Internet, dass sämtliche von den Posten gefertigte Unterlagen, direkt zur Hauptabteilung II des MfS gingen. Also, zur Spionageabwehr. Die selbe Truppe kümmerte sich auch um die " Sicherheit des WKM". Während die "normale" Volkspolizei von der Hauptabteilung VII "bearbeitet" wurde. Ungeachtet des gewöhnlich öden Alltags, besaß das WKM im Sicherheitskonzept der DDR einen durchaus einen hohen Stellenwert. Derart, dass es im MfS Überlegungen gab das WKM aus dem Verantwortungsbereich der VP-Präsidiums (Ost)-Berlin herauszulösen und ganz der Staatssicherheit zu unterstellen."

Natürlich liefen die Informationen des WKM bei der HA II zusammen und wurden dort auch ausgewertet. Die meisten dieser Informationen waren doch für die VP letztlich nicht wirklich relevant und fielen eher in die Zuständigkeit der HA II des MfS (Bearbeitung legal abgedeckter Residenturen in diplomatischen Vertretungen, Gewährleistung des Schutzes und der Sicherheit diplomatischer Vertretungen vor Terror und anderen Gewaltakten, Bekämpfung feindlicher und subversiver Handlungen bevorrechteter Personen). Und die Führung des WKM war ja schließlich mit der Spionageabwehr eng vernetzt, was bei der Konstellation der Aufgaben logisch und richtig war. Hieraus ergab sich auch die Zuständigkeit für die Abwehrarbeit der HA II/11 im WKM.
Das es Gedanken gab, dass WKM dem MfS zu unterstellen, höre ich zum ersten Mal. Damit hätte man sich m.E. keinen Gefallen getan. Allein schon deswegen, weil man mit Sicherheit die Masse des Personals wohl nicht übernommen hätte und es den Apparat mit eher untypischen Aufgaben belastet und noch weiter aufgebläht hätte. Das man 1978 die äußere Sicherheit für die sowjetische Botschaft vom WKM (auf ausdrücklichen Wunsch der sowjetischen Seite) übernommen hatte und dadurch die HA II/20 bildete, stieß bei vielen Angehören der HA II auf Unverständnis.


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