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#381

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.10.2017 07:40
von Mart | 898 Beiträge | 637 Punkte
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Zitat von Merkur im Beitrag #364
Die HA II hatte ...
Und dazu verfügte sie im Sicherungsbereich Berlin-Mitte über professionelle Terrorabwehrkräfte, die jederzeit hätten eingreifen können.
Die II/18 hatte 39 Planstellen, im Jahr 1988 20 bekannte MA.

Wie schätzt Du den Ausbildungsstand und den Kampfwert im Vergleich zu AGM/S (später XXII) und zur (zentralen) DE IX ein?


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#382

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.10.2017 08:32
von Blitz_Blank_Kalle | 878 Beiträge | 2183 Punkte
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Irgendwie schon komisch. Mal an Hand des Volkspolizisten vor der US -Botschaft. Da wird einen eingebläut, dass das der böse Imperialist ist und dann muss man sich auch noch hinstellen und den grüßen? Für nen Aussenstehenden könnte das etwas paradox klingen.

Ich weiß natürlich, wie ein normalsterblicher DDR-Bürger gedacht hat (inkl. vielen VP-Angehörigen), aber wie war es nun wirklich?
Ich bleibe mal bei der Ami- Embassy: Habt ihr die Leute ein wenig beneidet (geht ja schon bei den Autos los), oder habt ihr die wirklich als die Bösen betrachtet ?


zuletzt bearbeitet 28.10.2017 08:33 | nach oben springen

#383

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.10.2017 11:40
von Merkur | 1.226 Beiträge | 861 Punkte
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Der Ausbildungsstand der Mitarbeiter der II/18 war hoch und sie hätten ihren Auftrag unter allen Lagebedingungen erfüllen können. Auch bei der II/18 wurde hoher Wert auf eine intensive sportliche Ausbildung, insbesondere Zweikampfausbildung, taktische Ausbildung und Schießausbildung gelegt. Dazu kam aber im Unterschied zur AGM/S, dass die II/18 nicht nur militärisch-operativ sondern auch operativ tätig war und IM gemäß der Aufgabenstellung der einzelnen Referate führte. Die militärisch-operative Ausbildung erfolgte u.a. in Zusammenarbeit mit der AGM/S. Auch die Bewaffnung mit persönlichen Waffen und Einsatzwaffen entsprach dem Stand der AGM/S.
Die II/18 hatte eine ständige Verfügungsbereitschaft der Einsatzkräfte im Schichtsystem zu gewährleisten, bei gleichzeitiger systematischer Ausbildung. Dabei musste eine Einsatzgruppe ständig abrufbereit sein.



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#384

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 28.10.2017 16:08
von Mart | 898 Beiträge | 637 Punkte
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Interessant, danke @Merkur . Die Kräfte der II hat man da tatsächlich eher selten im Blick. Die Einsatzgruppe kann eigentlich nicht groß gewesen sein, wie groß war die?


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#385

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 07:44
von Alfred | 7.775 Beiträge | 3322 Punkte
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Hallo,

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ? War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde. Als erstes waren dies Diplomaten, mit dem entsprechenden Hintergrundwissen, dass es dann noch "andere " gab.



zuletzt bearbeitet 29.10.2017 08:55 | nach oben springen

#386

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 11:42
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Zitat von Alfred im Beitrag #385

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ?
War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde.

Glaubst Du etwa, dass es bei den Vertretungen (Missionen, Konsulaten, Botschaften) anderer Staaten und denen der sozialistischen Länder nicht der Fall war ?


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#387

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 12:06
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@Blitz_Blank_Kalle

Die Diplomaten waren für uns in erster Linie Repräsentanten eines anderen Staates, denen den internationalen Gepflogenheiten entsprechend, eine besonders höfliche Behandlung zustand. Uns wurde ständig eingebläut, dass wir selbst sozusagen " kleine Diplomaten in Uniformen" wären, die den eigenen Staat vetreten. Für das Ansehen des eigenen Staates wäre es wohl schlecht bestellt, wenn sich die Posten wie " Axt im Wald" benehmen. Einem Botschafter und dessen Ehefrau, von mir aus auch einer Botschafterin und deren Ehepartner, stand nun einmal die militärische Ehrenbezeugung zu. Egal aus welchem Land die Diplomaten kamen und wie diese nun politisch zur DDR oder dem Rest des sozialistischen Weltsystems standen.

Das es sich bei einem "westlichen" Diplomaten um keinen "Freund" handelte, liegt auf der Hand. Wir wussten auch, ohne Details zu kennen, dass die diplomatischen Vertretungen vieler Staaten so etwas wie " legal abgedeckte Geheimdienststellen waren." Die DDR und die anderen sozialistischen Staaten haben diese Praxis in ihren jeweiligen Gastgeberländern ebenfalls unterhalten. Das wussten wir damals natürlich offiziell nicht! Wir waren ja stets " die Guten".
Aber die DDR benötigte internationale Anerkennung und diplomatische Zusammenarbeit wie die Luft zum Atmen. Da wollte man sich keinen Ärger einhalten, nur weil ein Volkspolizist die "Benimmregeln" nicht einhalten wollte, oder konnte.

Zum Begriff Feind: Die Posten hatten es zumeist mit dem selben Personenkreis zu tun. Vielmehr Konversation als ein paar belanglose Sätze oder freundliche Grüße kam ohnehin kaum zustande. Trotzdem betrachtete kaum jemand diese Leute tatsächlich als Feind, im militärischen Sinn. Ich kann mich auch an niemand erinnern, der einen echten Hass auf die Diplomaten verspürte. Warum auch? Sie hatten uns ja persönlich nichts getan. Wir konnten uns aber auch nicht näher kennenlernen, um etwaige Sympathien zu vertiefen.

Gruß Uwe


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#388

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 12:16
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@Merkur Im März 1986, nach dem Attentat auf Olov Palme, sicherte das WKM den Eingang der schwedischen Botschaft für einige Zeit rund um die Uhr mit einem Standposten. Ich hatte ebenfalls "die Ehre", eine Nacht vor der Botschaft, die sich fast gegenüber der " Wache Mitte" befand, mir dort die Beine in den Bauch zu stehen.
Von meinen Vorgesetzten wurde angekündigt, dass das MfS in der Nacht eine Kontrolle im Innern der Botschaft durchführen wird. Tatsächlich erschienen irgendwann zwei sehr sportliche junge Männer, hielten mir einen MfS-Dienstausweis unter die Nase, ehe sie im Innern der Botschaft verschwanden. Nach einigen Minuten kamen sie wortlos wieder heraus. Gehörten sie der von dir erwähnten "Truppe" an?
Im WKM war bekannt, dass das MfS in einigen Botschaften Nachts Kontrollen durchführt. Was ja bedeutet, dass das MfS Zugang zu Botschaftsgebäuden besaß.
Wir haben das damals als normal angesehen, heute kommen mir aber doch einige Zweifel. Oder erfolgten die nächtlichen Begehungen der Objekte mit dem Wissen und dem Einverständnis der Botschafter?

Gruß Uwe


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#389

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 12:42
von Alfred | 7.775 Beiträge | 3322 Punkte
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Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #386
Zitat von Alfred im Beitrag #385

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ?
War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde.

Glaubst Du etwa, dass es bei den Vertretungen (Missionen, Konsulaten, Botschaften) anderer Staaten und denen der sozialistischen Länder nicht der Fall war ?


Es gab wohl schon einen Unterschied zwischen der Botschaft der VR Polen, der CSSR und der Botschaft der USA.

Das muss man wohl hier nicht ausführen.



zuletzt bearbeitet 29.10.2017 13:15 | nach oben springen

#390

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 12:47
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Die entsprechenden Regierungsstellen der Gastgeberländer wussten das in den Botschaften und Konsulaten LAR tätig waren. Natürlich nur dort wo es für den Entsenderstaat von Interesse war.



passport


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#391

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 12:48
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Ich kann es Dir nicht mit Sicherheit sagen ABV. Aber meine Logik lässt den Schluss zu, dass die nächtlich-konspirative Maßnahme nicht mit der Botschaft abgestimmt war.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#392

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 13:01
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Interessant, danke @Merkur . Die Kräfte der II hat man da tatsächlich eher selten im Blick. Die Einsatzgruppe kann eigentlich nicht groß gewesen sein, wie groß war die?

Naja @mart, die bieten sich für Verschwörungstheorien mit supergeheimen Spezialkräften auch eher weniger an.
Stärke: 5 Einsatzgruppen 1:9. Davon 4 Gruppen im ständigen Schichtsystem, 1 Gruppe in der Ausbildung.



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#393

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 16:06
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Zitat von Alfred im Beitrag #389
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #386
Zitat von Alfred im Beitrag #385

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ?
War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde.

Glaubst Du etwa, dass es bei den Vertretungen (Missionen, Konsulaten, Botschaften) anderer Staaten und denen der sozialistischen Länder nicht der Fall war ?


Es gab wohl schon einen Unterschied zwischen der Botschaft der VR Polen, der CSSR und der Botschaft der USA.

Das muss man wohl hier nicht ausführen.
Das geht so in die Richtung Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Wenn ich statt Polen und CSSR die UdSSR nehme, dann werden deren geheimdienstlichen
Aktivitäten die der USA wohl eher übertroffen haben.

Gruss Wolfgang



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#394

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 29.10.2017 16:26
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Zitat von ABV im Beitrag #387

Zum Begriff Feind: Trotzdem betrachtete kaum jemand diese Leute tatsächlich als Feind, im militärischen Sinn.
Ich kann mich auch an niemand erinnern, der einen echten Hass auf die Diplomaten verspürte.

Ich und die Personen in meinen Umfeld haben eher die Repräsentanten und Funktionsträger der DDR als unsere Feinde betrachtet,
als die Vertreter, Diplomaten oder Missionsangehörigen der westlichen Staaten.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


ABV und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#395

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 31.10.2017 21:25
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Hier mal zwei gänzlich unterschiedliche Verhaltensweisen zweier Mitarbeiter einer solchen "Firma";

http://mdsauthor.thejohncarterfiles.com/warsaw-poland-1980
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Aldrich_Ames


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#396

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 02.11.2017 16:26
von ABV | 4.325 Beiträge | 963 Punkte
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@Sperrbrecher: So hatten wir eben damals alle unser ganz persönliches Feindbild. Ist es nicht schön, dass wir heute diese Feindbilder auf den Müllhaufen geworfen haben und ganz entspannt miteinander diskutieren können? Ich finde ja

Gruß an alle
Uwe


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diefenbaker, 94, EK87II und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#397

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 05.11.2017 18:29
von ABV | 4.325 Beiträge | 963 Punkte
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Ein gigantischer Irrtum!



Der Monat September brachte für 4.Wachabteilung der WKM-Wache "Pankow" zwei überörtliche Einsätze. Willkommene Abwechslung im täglichen Einerlei. Der erste Einsatz sollte am 07. September in Berlin-Mitte stattfinden. Über den genauen Einsatzort und den Grund der Maßnahme hielt man uns vorerst noch im Unklaren. 1987 musste unsere Abteilung ungewöhnlich oft an größeren Einsätzen teilnehmen. In den meisten Fällen hieß das entweder auf der Ladefläche eines Mannschaftstransportwagens ( MTW), Marke "W50", oder im Speisesaal der " Wache Mitte", auf den "Ernstfall" zu warten.

Auch im WKM konnte man die sich ständig verschärfenden Spannungen innerhalb des Landes spüren. Bei vielen Kollegen die bei den "Pfingstkrawallen" am Brandenburger Tor Unmut und Ablehnung von Teilen der DDR-Jugend geradezu körperlich zu spüren bekamen, saß der Schock darüber noch immer in den Knochen.
Hinter vorgehaltener Hand, in kleinen Gruppen, wurde darüber diskutiert warum die Partei daraus nicht nicht die notwendigen Schlussfolgerungen zieht. Statt sich hinter den altbekannten Phrasen zu verstecken. Diese Meinung vertraten natürlich längst nicht alle. Einige meinten noch immer , " dass der Westen solche Krawalle inszeniert, um dem Ansehen der DDR zu schaden."

Ausgerechnet in dieser explosiven Situation konnte sich der oberste Staatsmann der DDR, Erich Honecker, einen seiner sehnlichsten Wünsche erfüllen: Ein Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland. Sowohl bei der Bevölkerung der DDR als auch bei den " Schutz & Sicherheitsorganen" löste dieser Besuch heftige Diskussionen aus. Das Spektrum reichte von A wie Ablehnung über H wie Hoffnung bis Z wie Zustimmung. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, dass der in außenpolitischen Dingen zunehmend selbstbewusster werdende Staatsratsvorsitzenden in Kauf nahm, mit diesem Besuch den "Großen Bruder in Moskau" zu brüskieren. Zeichen eines zunehmenden Dissens zwischen der DDR und der Sowjetunion.

Am 05. September erfuhren wir aus dem Mund des Wachabteilungsleiters was zu diesem Zeitpunkt bereits jeder ahnte-Der Einsatz stand im direkten Zusammenhang mit dem Besuch Honeckers in der BRD. Anders als sonst üblich, sollten wir uns nicht in der " Wache Mitte", sondern beim dem " Objekt 80" in der Hannoverschen Straße melden.
" Objekt 80" , im allgemeinen Sprachbebrauch gewöhnlich nur " Achtziger" genannt, war die WKM-interne Bezeichnung für die " Ständige Vertretung der Bundesrepublik". Die dort tätigen Posten verfügten über eine eigene Wache, die jedoch von unserer Abteilung noch niemand betreten hatte. Wir wussten nur, dass sich die Dienststelle in einem Haus gegenüber der "STÄV" befinden soll.
" Weiß man schon, was unsere Aufgabe dort sein wird?", erkundigte sich Hauptwachtmeister Bernhard Vogt. Hauptmann Bosch verzog seine Lippen zu einem flüchtigen Lächeln: " Na wie immer: Abwarten. Abwarten. Abwarten. Alles andere wird sich ergeben. Einsatzbeginn ist um 10:00 Uhr. Abfahrt vom Hof unserer Wache ist um 09:00 Uhr. Wer möchte kann auch selbstständig zum Einsatzort kommen. Hauptsache, ihr seid alle pünktlich dort. Anzugsordnung: Dienstuniform, Regenmantel, dazu der ausziehbare Schlagstock und die Führungskette. Die Dienstwaffe wird an diesem Tag nicht mitgeführt. Alles weitere erfährt direkt vor Ort. Habt ihr mich verstanden?" " Ja, Genosse Hauptmann", antwortete die zur Einweisung angetretene Dienstschicht wie aus einem Mund.

Am Morgen des 07. September 1987 fuhr ich gemeinsam mit ein paar anderen Polizisten aus dem Wohnheim Biesdorf, mit der S-Bahn zum Bahnhof Friedrichstraße. Von dort gingen wir zu Fuß in die Hannoversche Straße. Berlin zeigte sich an diesem durchaus bedeutsamen Morgen nicht anders als sonst. Beinahe jeder Fahrgast las in der überfüllten S-Bahn die " Berliner Zeitung", kurz " BZ". " Honecker hat it jut. Der kann in den Westen fahren", frozzelte ein kräftiger Mann. " Lass ihn doch. Schließlich is ja Rentner. Gleichen Recht für alle. In dem Alter war unse Opa schon dreimal beim Klassenfeind. Irgendwann dürfen wa alle det KDW von innen sehen. Bloß die Knechte des Systems müssen ewig auf der Ostseite der Mauer bleiben. Dafür kriegen sie ja auch einen Haufen Kohle fürs nischt tun", witzelte sein Begleiter in bestem " Berlinerisch" zurück. Beide Männer trugen die weißgraue Arbeitskleidung der Maurer. Mit einer knappen Kopfbewegung warf uns der " Vertreter des Proletariats" einen abschätzigen Blick zu, wohl um die Wirkung seiner Worte in unseren Gesichtern zu testen.

Bemerkungen dieser Art gegenüber Volkspolizisten gehörten in der Berliner S-Bahn zum Alltag. Man musste eben lernen damit umzugehen, oder Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, zumindest in Uniform vermeiden. Keine einfache Sache. Denn bei der Volkspolizei bestand auf dem Weg zum und vom Dienst Uniformpflicht.
Ohne weitere "Vorkommnisse" gelangten wir schließlich zum S-Bahnhof Friedrichstraße. Von dort aus ging es, am " Tränenpalast" vorbei, in die Hannoversche Straße.

Mein Herz schlug voller Erwartung. Was würde mich gleich erwarten? Täuschte ich mich, oder standen heute mehr Posten vor der " STÄV" als sonst üblich? Auf den Gehwegen patroullierten, paarweise, die fast schon legendären Windjacken, Handgelenktaschen und Regenschirme tragenden jungen Männer. Mitarbeiter des MfS, die sich hier entgegen ihrer Profession, alles andere als Unauffällig verhielten.
Da wir noch immer nicht wussten wo sich unser eigentlicher Einsatzort befand, fasste sich der aus Dresden stammende Hauptwachtmeister König ein Herz und sprach einen der zivilen " Handgelenktaschenträger" einfach an: " Guten Morgen Genossen. Wir sollen uns hier zum Einsatz melden, wissen aber nicht wo sich die WKM-Wache befindet."
Überrascht schauten uns die beiden MfS-Leute an. Offenbar hatten sie nicht oft mit Fragestellern zu tun. Schon gar nicht mit Fragen stellenden Volkspolizisten. " Da durch die Tür. Dann die Treppe hoch in den zweiten Stock. An der linken Tür müsst ihr dann klingeln."

Neugierig betraten wir das Treppenhaus. Auf dem ersten Blick unterschied sich dieses Treppenhaus nicht von vielen anderen Berliner Treppenhäuser. Auf dem zweiten Blick fiel jedoch die hier herrschende Stille auf. Nirgends dudelte ein Radio. Nirgends bellte ein Hund, lachte ein Kind oder schimpfte eine Frau. Selbst der Geruch von Putzmitteln und Bohnensuppe fehlte völlig. Also, doch kein normales Treppenhaus! Aber hatten wir etwas anderes erwartet?

Endlich standen wir vor der besagten Tür. Nichts, aber auch gar nichts wies darauf hin, dass hinter der schmucklosen Eingangstür ausgerechnet eine Dienststelle der " Deutschen Volkspolizei " befand. Warum auch? Es handelte sich schließlich um keine normale Polizeieinrichtung, die den Bürgern Schutz und Hilfe gewährte. Wer hier Dienst tat, folgte nur einer einzigen Aufgabe: Die " Ständige Vertretung der Bundesrepublik" vor den eigenen Bürgern abzuschirmen. Mißbrauch und Perversion der Polizeiarbeit schlechthin. So gesehen konnte das " geheime Getue" ein klein wenig auch als Ausdruck von Scham angesehen werden.
Nach dem Klingeln öffnete sich die von innen zusätzlich mit einer Knebelkette gesichterte Tür. Dahinter stand ein Volkspolizist. " Guten Tag. Sie wünschen bitte?", erkundigte er sich gelangweilt. " Pankow, 4. Wachabteilung. Wir sollen uns hier zum Einsatz melden." Der Einlassposten nickte, verlangte dann aber sofort nach unseren Dienstausweisen. Aufmerksam prüfte er jeden einzelnen Ausweis, erst dann nahm der ältere VP-Meister die Knebelkette zur Seite. " Kommt rein und setzt euch in den Pausenraum. Dort haben sich schon ein paar andere von eurer Truppe versammelt."

Die "Dienststelle", "Wache" oder wie man die Einrichtung auch immer nennen mag, war tatsächlich nichts anderes als eine stinknormale, gut sechzig oder siebzig Quadratmeter große Wohnung. Irgendwann hatte hier sicherlich eine Familie gelebt. Vielleicht haben hier Kinder gespielt. Hier haben Menschen gefeiert und zuweilen auch getrauert. Das ganze Spektrum des Zusammenlebens eben. Bis der Staat die Wohnung für seine Zwecke entdeckte und die Menschen aus ihren " Vier Wänden vertrieb". Später, viel später, erfuhr ich, dass die Wohnung einst sogenannten "Dissidenten" gehörte. In der Wohnung unter der " VP-Dienststelle", residierte 1987 die für die Überwachung der " STÄV" zuständige Diensteinheit des MfS. Bis zu seiner Ausbürgerung soll dort der Liedermacher Wolf Biermann gewohnt haben.
Wie gesagt, von seiner ungewöhnlichen Nutzung abgesehen, handelte es sich hier um eine ganz normale Wohnung. Sofern man den Begriff normal in diesem Zusammenhang überhaupt in den Mund nehmen darf.

Nach und nach trafen alle Angehörigen der 4. Wachabteilung am Einsatzort ein. Unsere Aufgabe bestand zunächst darin, den Einlassdienst an der Tür zu stellen. Das hieß auf einem Stuhl Platz nehmen, Ausweise kontrollieren, Tür öffnen und schließen. Die Ablösung erfolgte halbstündig. An der Tür herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Schließlich mussten die regulären Posten draußen regelmäßig abgelöst werden.

Mich traf es als erstes. " Major Regner,** unser Chef muss in der nächsten Stunde von einer Beratung aus Kaulsdorf zurückkommen. Wenn ich dir den guten Rat geben kann, kontrolliere den bloß ordentlich. Lass den bloß nicht rein, ohne dass er dir seinen Dienstausweis gezeigt hat", gab mir einer der strukturmäßigen "Torwächter" auf den Weg. " Das Austesten der Posten gehört zu den Steckenpferden des Majors. Wehe dem, der auf seine Spielchen eingeht."
Tja, wer keine Probleme hat, der schafft sich eben selbst welche. Zehn Minuten später klingelte es an der Tür. Vorsichtig wie ich es bei den anderen gesehen hatte, öffnete ich die Tür. Ich erblickte einen ungefähr vierzig Jahre alten Offizier. Die geflochtenen "Raupen" auf seinen Schultern wiesen ihn als Major aus. Es konnte sich also nur um den mir eingehend avisierten "Dienststellenleiter" handeln. " Nun machen Sie schon Genosse Hauptwachtmeister", herrschte mich der Major an. " Kennen Sie mich etwa nicht?" Nein, ich kannte ihn nicht. " Ich bin Major Regner. Der Wachenleiter". Ich zeigte mich nach außen unbeeindruckt. Innerlich bebte ich jedoch. Typen wie dieser Major erwiesen sich gewöhnlich als unberechenbar. " Zeigen Sie mir bitte erst ihren Dienstausweis", verlangte ich mit verkrampfter Stimme. Über das breite Gesicht des Offiziers huschte ein zufriedenes Lächeln. " Sehr gut, Genosse Hauptwachtmeister. Solche wachsamen Genossen wünschen wir uns." Arschloch, schoss es mir unwillkürlich den Kopf. Ohne die eindringlichen Worte meines Vorgängers an der Tür hätte ich den " scharfen Hund" wohl tatsächlich ohne weiteres passieren lassen.
Was nicht ohne disziplinarische Konsequenzen geblieben wäre. Zumal ich erst wenige Wochen zuvor " den Weltfrieden gefährdet hatte".
Wie solche Konsequenzen aussehen können, erlebte ich zwei Stunden später, als mir ein von der VP-Schule her flüchtig bekannter Oberwachtmeister, der seitdem Schulbesuch vor der "STÄV" Dienst verrichtete, in der Küche begegnete. Ich hatte den früheren NVA-Feldwebel nämlich als Hauptwachtmeister kennengelernt. Aus irgendeinem Grund war ihm der Stern " abhanden gekommen". " Das geht hier auf dem Achtziger ganz schnell", erklärte mir wie zur Entschuldigung als Reaktion auf meinen erstaunten Blick.

Major Regner übernahm die offizielle Begrüßung der zusätzlichen Einsatzkräfte. Nach einer weitschweifigen Erörterung über die hohe außenpolitische Bedeutung des Besuches des Genossen Staatsratsvorsitzenden in der Bundesrepublik, ließ der Offizier endlich bezüglich unseres Einsatzes die berühmte Katze aus dem Sack: " Genossen, eure Aufgabe für die kommenden Stunden besteht darin, euch für etwaige Demonstrationen von Ausreiseantragstellern oder anderen Feinden unserer Republik vor dem Gebäude der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik, bereitzuhalten . Momentan liegen keine Hinweise vor, dass solche oder ähnliche Demonstrationen geplant sind. Wir können und dürfen aber nichts dem Zufall überlassen! Demonstrationen dieser Art sind, ganz besonders an einem Tag wie heute wo der Genosse Erich Honecker, ja die gesamte DDR vor ihrem größten außenpolitischen Erfolg steht, unbedingt zu verhindern! Ein einziges negatives Bild in den Westmedien kann die Arbeit von Jahren zerstören. Das MfS hat ausreichend Kräfte im Umfeld der Ständigen Vertretung im Einsatz. Wenn sich irgendwo negative Kräfte zusammenrotten, dann wird diese Zusammenrottung sofort, aber ohne Aufsehen, aufgelöst. Die Genossen des MfS besitzen darin ausreichend Erfahrungen.
Bei Notwendigkeit, werden sie hinter den Einsatzkräften der Staatssicherheit handeln. Ihre Aufgabe besteht einzig und allein darin, " den Dreck zusammenzufegen." Sie sorgen dafür das die Krawallmacher auf die Fahrzeuge verladen und der Wache Mitte zugeführt werden."

Wir sollten also " den Dreck zusammenfegen". Zynischer konnte man das " polizeiliche Gegenüber" nicht abkanzeln. Unwillkürlich zuckten bei den Worten des Majors etliche der anwesenden Polizisten zusammen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt niemand von uns Sympathien gegenüber Ausreiseantragstellern verspürte, alles andere wäre an dieser Stelle gelogen, empfanden die meisten die Aussage mehr als unpassend. Regner erfreute sich ohnehin bei seinen Untergebenen keiner allzu großen Beliebtheit. Trotz allem, oder gerade deshalb, war Regner wohl der " beste Mann auf diesen Posten". Die jüngere deutsche Geschichte kennt leider nicht nur einen Offizier vom Schlag eines Major Regners.

Im Anschluss an die Einweisung rückten wir in das zum Pausenraum umfunktionierte frühere geräumige Wohnzimmer ein. Dort stand ein Scharz-Weiß-Fernseher auf dem wir den stolzen Auftritt Erich Honeckers live verfolgen konnten. Als das Wachbataillon der Bundeswehr die Nationalhymne der DDR intonierte, Honecker gemeinsam mit dem sichtlich pikierten Bundeskanzler Helmut Kohl die Front der angetretenen Soldaten abschritt, ging ein lautes Raunen durch den Raum.
" Genossen, ihr erlebt gerade die Anerkennung der Deutschen Demokratischen Republik durch die Bundesrepublik", rief der VP-Obermeister Jochen Bayer, Gruppenführer und Parteisekretär, frenetisch aus. Widerspruch brauchte Obermeister Bayer in diesem Moment nicht zu befürchten. Scheinbar eindeutiger konnte eine von Politikern übermittelte symbolische Botschaft wohl nicht sein. Erich Honecker war schließlich in Bonn wie jeder andere hohe Staatsgast der Welt empfangen worden. Sicher, man könnte den sichtbaren physischen Unterschied zwischen dem eher schmalen DDR-Politiker und dem großen stattlichen BRD-Politiker auch als Versinnbildlichung der Bedeutung und Stärke ihrer jeweiligen Länder ansehen. Man konnte sich aber auch der Überzeugung hingeben, dass sich über vierzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa Realitäten entwickelt hatten, die einfach nicht mehr negiert werden konnten. Dazu gehörte auch die " deutsche Frage", die nun " für alle Zeiten beantwortet schien".
Was in diesem Moment niemand wahrhaben wollte: Die Politik ist eine Rechnung mit sehr vielen Unbekannten. Die immer wieder Überraschungen bescheren. Zu diesen Unbekannten gehört auch die Zustimmung der eigenen Bevölkerung für ihren Staat. In dieser Hinsicht sah es für die DDR von Beginn nie gut aus. Weiterhin übersah wohl nicht nur Honecker, dass die DDR " am Tropf der Sowjetunion hing". Also, von ihrem Wohl und Wehe abhing. Da half auch kein selbstbewusster, staatsmännischer Auftritt-Die DDR war und blieb eine Marionette der Sowjetunion.

Als der Reporter erwähnte das Erich Honecker seine Heimat im Saarland und bei dieser Gelegenheit seine dort noch immer lebende Schwester und deren Familie besuchen wollte, stellte ich mir die Frage, warum Volkspolizisten keine Westverwandtschaft haben durften, der erste Mann im Staate jedoch schon. Ja, er durfte sie nicht nur haben, er durfte seine Verwandten obendrein sogar selbst besuchen. Je mehr ich darüber nachgrübelte, desto absurder erschien mir das ganze.
Vielleicht sollte ich nicht soviel nachdenken, beschloss ich. Sinnloses Grübeln führt zumeist in die mentale Sackgasse. Ein Problem, dass ich mit vielen Vertretern meiner Generation teilte.
Inneren Widerspruch löste bei mir weiterhin eine Bemerkung Honeckers zur Staatsgrenze zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen aus. Auf die drückende Situation an der " Innerdeutschen Grenze" angesprochen, antworte Honecker kryptisch, " dass möglicherweise einmal der Tag kommen wird, dass diese Grenze die Menschen vereint, aber nicht mehr teilt. Das eine Situation eintritt, wie wir sie an der Grenze zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen heute schon haben."
Für jemanden wie mich, der an dieser und mit dieser Grenze aufgewachsen ist, klangen die Worte Honeckers mehr als befremdlich. Wo bitte einte die Staatsgrenze zwischen der DDR und Polen die dort lebenden Menschen? Gegenseitige Vorurteile, uralte Klischees und Abneigungen bestimmten das Klima zwischen den (Ost)-Deutschen und Polen. Wusste Honecker das nicht?

Irgendwann am frühen Abend wurde der Einsatz ohne Vorkommnisse beendet. Während der Fahrt nach Biesdorf diskutierten wir weiter über die Ergebnisse des Honecker-Besuches in Bonn. Am selben Abend stießen wir mit einem Bier auf die " Inoffizielle Anerkennung der DDR durch die Bundesrepublik" an. Knapp drei Jahre später solte die deutsche Wiedervereinigung stattfinden und der eben noch gefeierte "Staatsmann" Erich Honecker zuerst zum letzten Flüchtling der DDR und später zu einem Fall für die Justiz werden. So spannend kann Politik sein!

Wird fortgesetzt


** Name geändert


Gruß an alle

Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

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#398

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 11.11.2017 22:29
von jollentreiber | 4 Beiträge | 82 Punkte
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Hallo und guten Abend @ ABV

Vielen Dank für die spannend geschriebenen Berichte zu deiner WKM Zeit.
Nach der ersten Seite habe ich mir die Zeit genommen und alle Berichte am Stück gelesen.
Ich kann nur sagen das Du mit der Schilderung deiner Berliner Zeit in dem angenehm und mitnehmenden Schreibstiel "ganz großes Kino" lieferst.

DANKE......in der Hoffnung bald die Fortsetzung lesen zu dürfen.


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#399

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 22.11.2017 00:03
von Mart | 898 Beiträge | 637 Punkte
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@ABV
Kann das wohl sein, dass ich Dich grad im Fernseh gesehen habe?


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#400

RE: Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"

in DDR Zeiten 22.11.2017 06:19
von damals wars | 15.624 Beiträge | 11987 Punkte
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Zitat von Alfred im Beitrag #389
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #386
Zitat von Alfred im Beitrag #385

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ?
War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde.

Glaubst Du etwa, dass es bei den Vertretungen (Missionen, Konsulaten, Botschaften) anderer Staaten und denen der sozialistischen Länder nicht der Fall war ?


Es gab wohl schon einen Unterschied zwischen der Botschaft der VR Polen, der CSSR und der Botschaft der USA.

Das muss man wohl hier nicht ausführen.
Zitat von Alfred im Beitrag #389
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #386
Zitat von Alfred im Beitrag #385

als was sollte man denn die Angehörigen der Botschaft der USA betrachten ?
War es doch bekannt, dass diese Botschaft auch von den Geheimdiensten genutzt wurde.

Glaubst Du etwa, dass es bei den Vertretungen (Missionen, Konsulaten, Botschaften) anderer Staaten und denen der sozialistischen Länder nicht der Fall war ?


Es gab wohl schon einen Unterschied zwischen der Botschaft der VR Polen, der CSSR und der Botschaft der USA.

Das muss man wohl hier nicht ausführen.


Das ist heute noch so.


Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
Heinrich Heine: Fatal ist mir das Lumpenpack, das, um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau, mit allen seinen Geschwüren.
https://www.youtube.com/watch?v=_fh8j2mULzc
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