Grüße aus dem Erzgebirge

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26.08.2009 07:44
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#1
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Hallo,

ich möchte mich mal kurz vorstellen:

Ich lese hier schon eine geraume Weile mit. An der Grenze habe ich nicht gedient - dazu war ich einfach noch zu jung. Ich war 1989 17 Jahre alt. Ich kann also wenig zum Thema beitragen. Ich war schon immer von der Grenze fasziniert und spielte schon eine Weile mit dem Gedanken die "DDR" zu verlassen. Der Sprung über die Mauer kam nicht in Frage - das war zu gefährlich. Das wußte eigentlich jeder. Auf der Penne mußte ich mich zu drei Jahren NVA verpflichten, hab die aber nicht angetreten, weil ja die Wende kam. Damals wurde ich glaube auch mal gefragt, ob ich die "Friedensgrenze" verteidigen wöllte. Das habe ich mit ja beantwortet wenn ich mich richtig erinnere und hatte da schon den Hintergedanken - vielleicht ergibt sich ja was... Die reelste Chance in den Westen zu kommen war aus meiner Sicht in Rumänien über die Donau zu schwimmen und dann von Jugoslawien aus. Ob die funktioniert hätte - keine Ahnung. Die Örtlichkeiten hatte ich mir auf Urlaubsreisen mit meinen Eltern schon angesehen. Wir waren auch in Rumänien mal in Grenznähe, wurden zwar kontrolliert, aber in die vermutliche Sperrzone gelassen - wir hatten uns verfahren... Der Weg führte uns nach 1-2 km wieder an einem Kontrollpunkt aus dieser Zone.

Dann kam der Herbst 1989. Ich habe auf meiner Erika-Schreibmaschine fleißig Flugblätter für das Neue Forum abgetippt - immer glaube so 10 Durchschläge und dann in Dresden auf den Montagsdemos verteilt. Dann kam der 11.11. - nachdem ich wie jeden Tag in der Schule war sah ich die Bilder im Westfernsehen und wußte ich müßte schnellstmöglich hin. Am nächsten Tag gab es kaum ein anderes Thema - die Straßen waren leer. Nur an den Bushaltestellen Richtung Dresden standen ungewöhnlich viele Menschen > die wollten alle in den Zug nach Berlin. Es hieß aber man benötige ein Visum. Also wieder mit dem Motorrad zur VP in die Kreisstadt - eine riesige Schlange. Dann hieß es im Nachbarort würde es schneller gehen. Dort auch eine Schlage aber es ging. Die Anträge habe ich heute noch da. Dann ging es wieder in die Kreisstadt: In der Sparkasse konnte man mit Visum 15,00 DM eintauschen - mein erstes eigenes Westgeld. Am Freitag abend traf man sich bei uns immer in der Kneipe zum Biertrinken und Skatspielen. An diesem Tag hatte man dort einen Fernseher aufgebaut. Nach ein paar Bier beschlossen wir noch am gleichen Abend nach Berlin zu fahren. Schnell bei den Eltern Bescheid gesagt: wir sind am Sonntag wieder da. Dann jemanden gesucht der uns nach Dresden gefahren hat. Der Bahnhof war nach Mitternacht völlig überfüllt. Wir schafften es trotzdem in den ebenso überfüllten Zug zu kommen, stiegen dann in Schönefeld aus und liefen bis Rudow und waren schneller als gedacht im Westen. Das war ein unglaubliches Gefühl. Und weil es so schön war, sind wir erst am Montag zurückgefahren. Handy gabs damals noch nicht, die Telefonnetze waren überlastet. Zu Hause dachten sie wir wären für immer in den Westen - entsprechend war die Stimmung, zumal mein Vater in der Partei war. Auf der Penne bekam ich und ein weiterer Klassenkamerad einen Verweis wg. unentschuldigtem Fehlen. Dieser wurde später zurückgenommen....

Viele Grüße

Sascha


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26.08.2009 07:59
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#2
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Herzlich Willkommen im Forum


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26.08.2009 08:18
#3
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Hallo Sascha (schlaudi),

herzlich willkommen im Forum und ein dickes Dankeschön für Deine umfangreiche und interessante Vorstellung. Aber eine Frage habe ich: Ihr habt Euch nach dem 09.11. wirklich noch ein Visum besorgt?! Dunnerschlach! Das hätte ich nicht gedacht. Nein - ich darf jetzt keine Scherze über das Tal der Ahnungslosen machen ... obwohl mir da einiges auf der Zunge liegt. - Sorry Sascha!

Ich freue mich auf mehr von Dir und
bis neulich im Forum!

ciao Rainman


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26.08.2009 08:37
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#4
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auch von mir herzlich willkommen, sascha.

zwei anmerkungen zu deinem einführungstext:

In Antwort auf:
spielte schon eine Weile mit dem Gedanken die "DDR" zu verlassen. Der Sprung über die Mauer kam nicht in Frage - das war zu gefährlich. Das wußte eigentlich jeder.


wenn du dich hier im forum einliest, wirst du feststellen, das dieses hier z.t. bestritten wird. dieses auch im zusammenhang mit dem jungen chris gueffroy.

deine ausführungen mit rumänien und "schwimmen durch die donau" habe ich sehr aufmerksam gelesen. mach mal diesbezüglich hier ein extra tread auf, das dürfte interessant werden, insbesondere wegen deiner chancen...

In Antwort auf:
Dann kam der 11.11.

die öffnung der ersten grenzübergangsstelle in berlin in der bornholmer str. (nachdem die polizei ihren aufgaben nicht mehr nachkam) war in der nacht vom 09.11.1989 zum 10.11.1989. alarm wurde zum teil für das mfs am 10.11. um 01.30 uhr ausgelöst.

hast du hier nen tipfehler ?


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26.08.2009 09:37
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#5
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Hi,

Zitat von Rainman2
Hallo Sascha (schlaudi),

herzlich willkommen im Forum und ein dickes Dankeschön für Deine umfangreiche und interessante Vorstellung. Aber eine Frage habe ich: Ihr habt Euch nach dem 09.11. wirklich noch ein Visum besorgt?! Dunnerschlach! Das hätte ich nicht gedacht. Nein - ich darf jetzt keine Scherze über das Tal der Ahnungslosen machen ... obwohl mir da einiges auf der Zunge liegt. - Sorry Sascha!
ciao Rainman


ja, der 10. war doch Donnerstag und er 11. Freitag? Am Freitag haben sich die Leute hier noch Visa geholt. Aus dem Fernsehen wußten wir zwar, dass die Leute in Berlin so über die Grenze sind, aber es war nicht klar ob dies nur vorübergehend so war und ob dann eventuell wieder kontrolliert wird. Hier war auf jeden Fall die Aussage: ohne Visum kommt man nicht rüber. Um allen Eventualitäten aus dem Weg zu gehen habe wir es geholt. Man mußte nur den kleinen Zettel ausfüllen und der Polizist hat das Visum ohne viel zu fragen in den Personalausweis gestempelt. Hat glaube nichtmal was gekostet. Ein zweiter Punkt waren die 15,00 DM die man als DDR Bürger umtauschen konnte. Die wollten wir uns auch nicht entgehen lassen und die gabs nur mit Visum im Ausweis. Was mich heute noch erstaunt ist, dass die Sparkasse überhaupt so viel DM hatte.

Ganz so ahnungslos waren wir im Gegensatz zu Dresden nicht. RIAS lag eigentlich immer an, Bayern3 meistens. Seit 1986 hatten wir eine Kabelfernsehanlage im Ort, mit der man auch Westfernsehen sehen konnte: ARD, ZDF und SFB. Später SAT1+RIAS TV und ab ca 1988 RTL und SAT1 in nie gekannter Bildqualität über Sat.

Viele Grüße

Sascha


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26.08.2009 09:47
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#6
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Hi,

Zitat von GilbertWolzow
auch von mir herzlich willkommen, sascha.

zwei anmerkungen zu deinem einführungstext:
In Antwort auf:
spielte schon eine Weile mit dem Gedanken die "DDR" zu verlassen. Der Sprung über die Mauer kam nicht in Frage - das war zu gefährlich. Das wußte eigentlich jeder.


wenn du dich hier im forum einliest, wirst du feststellen, das dieses hier z.t. bestritten wird. dieses auch im zusammenhang mit dem jungen chris gueffroy.


mag sein, dass dies bestritten wird. So viel wußte ich von der Westgrenze damals auf jeden Fall, dass es lebensgefährlich ist sich dort hinzubewegen. Meines erachtens haben wir das in der Schule gelernt, dass "Grenzverletzer" damit rechnen müssen, dass auf sie geschossen wird. Und das dies eher unangenehm ist war eigentlich jedem klar. Das war meines Wissens allgemein bei jedermann bekannt. In der Schule wurde das zwar so gelehrt, das auf den Klassenfeind im Zweifel geschossen wird, uns war aber klar, dass man automatisch zum Klassenfeind gezählt wird, wenn man versucht die Grenze zu überwinden.

Zitat von GilbertWolzow

deine ausführungen mit rumänien und "schwimmen durch die donau" habe ich sehr aufmerksam gelesen. mach mal diesbezüglich hier ein extra tread auf, das dürfte interessant werden, insbesondere wegen deiner chancen...



Nunja, das könnte man später mal diskutieren. War eigentlich der Plan für später, weil auch nicht so ganz einfach: Wie hinkommen, wie über die Donau usw. usf. Wenn ich mal genau suche, muß ich mal schauen, ob ich nicht sogar noch Bilder von der Donau in diesem Bereich von damals habe...

Zitat von GilbertWolzow

In Antwort auf:
Dann kam der 11.11.

die öffnung der ersten grenzübergangsstelle in berlin in der bornholmer str. (nachdem die polizei ihren aufgaben nicht mehr nachkam) war in der nacht vom 09.11.1989 zum 10.11.1989. alarm wurde zum teil für das mfs am 10.11. um 01.30 uhr ausgelöst.

hast du hier nen tipfehler ?


Ja, siehe oben.

Viele Grüße

Sascha


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26.08.2009 16:14
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#7
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Tag Sascha,schön das du hier bist,wir haben nicht soviele jüngere Gäste hier,deshalb-lass was von dir hören


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26.08.2009 18:11
avatar  muts
#8
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Hallo Herzlich Willkommen

Zitat von Zermatt
Tag Sascha,schön das du hier bist,wir haben nicht soviele jüngere Gäste hier,deshalb-lass was von dir hören


Hey der Mann ist immerhin 37


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26.08.2009 20:45
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#9
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Schlaudi, erstmal ein herzliches Willkommen hier im Forum und vielen Dank für Deine ausführliche Vorstellung!

Jetzt muß ich aber mal wieder meinem Ruf als Erbsenzähler gerecht werden und ein bißchen Aufklärung betreiben:
Der 09.11.1989 war ein Donnerstag, folglich der 10.11.89 ein Freitag und tags drauf am 11.11.89 war Samstag


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26.08.2009 21:27
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#10
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Auch von mir ein herzliches "Grüß Gott" aus Niederbayern - und da ich im weitesten Sinne auch aus dem Erzgebirge komme, zumindest vom nördlichen Rand...
Da hier schon alle am nörgeln sind, will ich meinen Senf auch noch dazugeben:
Keine Sau musste sich auf irgendeiner Penne zu drei Jahren NVA verpflichten. Verbindlich.
is mir wichtig, das festzustellen.
beste Grüße
mig29


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26.08.2009 21:55
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#11
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@mig29,
ich glaube, da bist Du schwer im Irrtum. Ich bringe Penne mit der EOS in Verbindung, d.h. spätestens, während der 11./12. Klasse, mußtest Du, wenn Du studieren wolltest, Dein Studienwunsch angeben. Und spätestens da waren 3 Jahre gefragt, natürlich nicht alle, aber sehr, sehr viel mußten JA sagen um den ersehnten Studienplatz zu bekommen!!
VG Affi


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26.08.2009 22:10
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#12
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Affi,

ich bin mit den Bräuchen in der ehemaligen DDR nicht so vertraut.

Heißt das: Ohne 3 Jahre NVA oder ähnlichem -----> kein Studium?

Ich habe einen guten Freund in Ost-Berlin wohnen, der bei der Deutschen Post nach Studium Rat war, aber nur Wehrpflicht abgeleistet hat.


Gruß LEGO


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26.08.2009 22:12
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#13
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Lieber Affi,
ich weiß, dass "Penne" für EOS steht, danke, wenn Du in mein Profil schaust, wirst Du feststellen, so Du mir glaubst, dass auch ich im Osten Abitur gemacht habe. Und nach dem GWD, der damals 18 Monate zählte, in Dresden genau das studieren konnte, was ich mir vorgestellt habe. Damals ging das Gerücht, man sollte an eine Uni gehen, die im Westen auch anerkannt ist, und Dresden war eine davon. Hat jedenfalls gereicht um in einem DAX Unternehmen in eine Leitungsebene zu kommen. Viel interessanter ist aber, dass es in unserer GK in Örlsdorf von Typen wie mir gewimmelt hat, dass die Grenztruppen offensichtlich gern Abiturienten ohne Berufsausbildung gezogen haben. Natürlich kenne ich alte Klassenkollegen, die 3 Jahre gegangen sind, weil sie im näherliegenden Studienjahr nicht angenommen wurden. Dann halt ein Jahr später bewerben, vielleicht hilft die Verpflichtung für 3 Jahre. Ich kenne Leute, die sind in die Partei eingetreten, weil sie dachten, sie brauchen dann nur 12 1/2 Jahre statt 13 Jahre auf den Trabi warten. Aber sie mussten nicht, genau wie andere Penne(r) (wer's nicht merkt: das ist ein Wortspiel, ich will hier keinen beleidigen) nicht 3 Jahre mussten ...
Gruß mig29


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26.08.2009 22:13
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#14
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Erstmal herzlich willkommen Sascha! Nun, was du nicht weißt, wir hätten uns schon an diesem denkwürdigen 9.11. treffen können.
Ich wohnte damals in Rudow und stand ab 22 Uhr dann an der Grenze- obwohl, es ging hin und her unde kein Grenzer fragte mich nach einem Visa, es war so viel los- ich werde es nie vergessen.

Sei froh, dass dir die Donau erspart geblieben ist. Bei dieser Strömung konnten es nur die besten Schwimmer schaffen. Unsere Nachrichtendame S. Daubner hatten wir hier schon mal dazu erwähnt.

Was die 3 Jahre Verpflichtung betrifft. Ich war einer der wenigen, die sich nicht auf 3 Jahre verpflichtet hatten- hatte Facharbeiter mit Abi gemacht. Und ich hatte einen Studienplatz. Allerdings bekam ich die Quittung für meine Weigerung. Man zog mich absichtlich nicht, Studienplatz weg. 2 Jahre später war ich weg.

Gruß, Augenzeuge


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26.08.2009 22:20
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#15
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@LEGO,
ja, ich sagte ja nicht alle, aber sehr, sehr viele. Ich habe mit einem kleinen Trick direkt im Anschluß an die EOS studiert und konnte somit pokern und brauchte sogar nur meinen Grundwehrdienst machen und den noch in einem Musikkorps. Aber natürlich wurde auch ich entsprechend bearbeitet und mir wurden "Traumstellen" angeboten, z.B. Erich Weinert Ensemble und dann sogar noch führende Positionen. Pech für die Jungs vom Wehrkreiskommando war nur, dass ich mit den Jungs vom EWE und von anderen Musiktruppen schon seit Jahren im zivilen Bereich zusammengespielt hatte und somit Bescheid wußte, dass diese Stellen besetzt sind, alles nur um mich für länger zu verpflichten.
VG Affi


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