Wie gefährlich war der Dienst an der Grenze für den Grenzsoldaten wirklich ?

  • Seite 6 von 48
13.02.2015 13:21
avatar  Lutze
#76
avatar

Zitat von DoreHolm im Beitrag #74
Zitat von Geierfahrer-P3 im Beitrag #71
Also geschlafen hat bei uns keiner, aber gegrillt bzw. die Dosen auf dem Heizdackel
(die elektrische Heizung auf dem Turm) aufgewärmt, das gabs schon...klar.
Postenkontrollen waren bei unserem Alten jeden Tag ! Keiner hat da gepennt, denn
er schlich sich immer so weit, wie möglich ran. Wenn er dicht genug dran war, konnte
er meist sehen, ob man rauchte oder schlief. Dann nahm er einen Stein und warf ihn
an die Postenhütte !!!
Ein Posten von uns hat mal alle 30 Schuß vor Schreck in die Nacht
geballert und der Alte lag inzwischen flach im Straßengraben am KP ... kein Scheiß !
Da hat der Alte vom Regimenter Einen drüber bekommen, ich war dabei ... ca.100 m weiter
an der nächsten Sprechsäule ... hab mit meinem Posten auch den Kopf eingezogen.


Grün: Gedeckte Kontrollen war zu meiner Zeit und ich glaube, auch davor und danach, verboten. Ist in unserem Regiment auch mal passiert, daß ein Offz. flach auf dem Boden lag, weil er sich angeschlichen hat und die Grenzer aber glücklicherweise (für ihn) sofort erkannten, wer sich da anschlich.
An einer Kontaktstelle zwischen zwei Kradstreifen im Wald bei Stolpen hatte ich mal ein Bedürfnis. Also paar Meter rein in den Wald und was fand ich: Eine gut getarnte Kuhle. Aha, von hier aus werden wir beobachtet. Also, Hintern blank und einen Berg reingesetzt. Hoffentlich hat jemand nachts versucht, sich da reinzulegen. Ich hab´s nie erfahren, werden die auch wegen der Blamage für sich behalten haben.


gemein
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


 Antworten

 Beitrag melden
13.02.2015 17:11
avatar  VNRut
#77
avatar

Geschlafen wurde im Grenzdienst nie, ein Auge war immer auf Wacht

GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle

 Antworten

 Beitrag melden
13.02.2015 18:07 (zuletzt bearbeitet: 13.02.2015 18:07)
#78
avatar

Zitat von VNRut im Beitrag #77
Geschlafen wurde im Grenzdienst nie, ein Auge war immer auf Wacht


Das läßt sich nicht verallgemeinern.

Man fragt sich aber, was länger munter hieltD Diensteifer oder Angst .

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


 Antworten

 Beitrag melden
13.02.2015 18:37
avatar  ( gelöscht )
#79
avatar
( gelöscht )

Es gab schon welche, die immer mal fest geschlafen haben. Ich denke aber das war nicht der Regelfall. Mir sind auch manchmal die Augen zugefallen, aber direkt geschlafen habe ich nicht.

Der Hesselfuchs


 Antworten

 Beitrag melden
13.02.2015 18:43 (zuletzt bearbeitet: 14.02.2015 20:17)
#80
avatar

Mir ging es wie Dir........

Zufallende Augen entziehen sich dem Willen.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


 Antworten

 Beitrag melden
16.02.2015 11:12 (zuletzt bearbeitet: 16.02.2015 11:13)
avatar  ( gelöscht )
#81
avatar
( gelöscht )

Nachts war bei uns ein Postentreff fast nicht möglich, da wir meist nur 2 bis 4 Postenpaare draußen hatten und die ganz relativ weit voneinander entfernt eingesetzt waren. Als Kommandeur GSi habe ich versucht, die WR-Zeiten der Posten so zu legen, dass sich nicht alle Postenpaare sich mit einmal melden mussten und die Zeitabstände nicht zu groß wurden. So habe ich auch der Müdigkeit, die mich auf der Füst befallen konnte entgegen gewirkt.
Zur Gefährlichkeit. Wachsam sind alle meist durch ein Vorkommnis oder eine Lage geworden. Z.B. abgängige Russen, Fernaufklärer aus Mühlhausen, die manchmal wochenlang gesucht wurden oder der fahnenflüchtige Unteroffizier aus Neustrelitz, der in Eigenrieden eine Zivilperson erschoss und glücklicherweise festgenommen wurde, bevor er nachts im Bereich Hildebrandshausen den Durchbruch versuchen konnte. Oder der Skoda-Fahrer der im Bereich Sandkopf - Bebendorf/Döringsdorf um ein Haar fast 2 x einen Grenzposten (unterschiedliche), der ihn anhalten wollte, überfahren hätte. Und natürlich allein die 4 verhinderten Grenzdurchbrüche und eine Fahnenflucht während meiner Zeit von 86 - 89.
Und das war nur im Bereich der 2.GK/1.GB/GR-1 Hildebrandshausen.
Jeder, der sich einredet, dass es ungefährlich war, lebte leichtsinnig und realtätsfern.


 Antworten

 Beitrag melden
16.02.2015 12:06
#82
avatar

Zitat von elcramo im Beitrag #81
Nachts war bei uns ein Postentreff fast nicht möglich, da wir meist nur 2 bis 4 Postenpaare draußen hatten und die ganz relativ weit voneinander entfernt eingesetzt waren. Als Kommandeur GSi habe ich versucht, die WR-Zeiten der Posten so zu legen, dass sich nicht alle Postenpaare sich mit einmal melden mussten und die Zeitabstände nicht zu groß wurden. So habe ich auch der Müdigkeit, die mich auf der Füst befallen konnte entgegen gewirkt.
Zur Gefährlichkeit. Wachsam sind alle meist durch ein Vorkommnis oder eine Lage geworden. Z.B. abgängige Russen, Fernaufklärer aus Mühlhausen, die manchmal wochenlang gesucht wurden oder der fahnenflüchtige Unteroffizier aus Neustrelitz, der in Eigenrieden eine Zivilperson erschoss und glücklicherweise festgenommen wurde, bevor er nachts im Bereich Hildebrandshausen den Durchbruch versuchen konnte. Oder der Skoda-Fahrer der im Bereich Sandkopf - Bebendorf/Döringsdorf um ein Haar fast 2 x einen Grenzposten (unterschiedliche), der ihn anhalten wollte, überfahren hätte. Und natürlich allein die 4 verhinderten Grenzdurchbrüche und eine Fahnenflucht während meiner Zeit von 86 - 89.
Und das war nur im Bereich der 2.GK/1.GB/GR-1 Hildebrandshausen.
Jeder, der sich einredet, dass es ungefährlich war, lebte leichtsinnig und realtätsfern.



Ich bleibe dabei, als gefährlich für mein Leben habe ich den Dienst an der Grenze nicht empfunden.

Signatur ->
Der größte Mangel eines Menschen ist und bleibt der Informationsmangel.
Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage bzw. schreibe - nicht dafür, was andere verstehen!

 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 17:57
avatar  OfwWaGF
#83
avatar

Wenn ich auf dem BT9 war, durfte mein Posten sich hinlegen und "dösen", DENN zum Einen hatte ich nicht vor, fahnenflüchtig zu werden, zum Anderen war da oben ja die Gefahr minimiert und außerdem war mein Posten immer der Kraftfahrer (in der Zeit, wo wir noch III.GB waren). Es wäre ja unverantwortlich gewesen, wenn mein Kraftfahrer nachts 8 Stunden die "Action" in der Lärchenfeldsiedlung beobachtet und dann auf der Rückfahrt mit 16 Mann auf dem LO eingepennt wäre, oder?
Wenn wir Fahndungen nach GSSD-Leuten erhielten, hatten die meisten Posten von meinem Aufzug nach dem Absetzen im Postenbereich immer einen "kalten" im Lauf. Und dann noch Neumond......
Ich glaube auch nicht, dass es ungefährlich war, denn kennt ihr noch den Spruch über GV's...... " Wenn jemand die Grenze durchbrechen will, hat er mit allem abgeschlossen und nichts zu verlieren". Wenn man diesen Spruch im Hinterkopf hatte, ist man sicher anders in den Dienst gegangen.....
Zum Thema Posten treffen ich im Abschnitt... Wir hatten einen Grenzabschnitt von ca 21km. Da war manchmal nur ein Posten mit Krad und ein Posten zu Fuß (in der Nähe der GK) unterwegs. Sich da zu treffen, wäre anstrengen gewesen.


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 18:53
avatar  B Man
#84
avatar

Moin

Wie real war die Gefahr wirklich auf Fahnenflüchtige GSSD Angehörige zu treffen ?

Hat man das nicht eher dazu genutzt den Grenzern Angst / Wachsamer zu machen ?

Was ich bis jetzt über geflüchtete GSSD Soldaten gelesen habe waren das meist junge Wehrpflichtige die einfach nur nach Hause wollten.
Ohne Vorstellung wo sie eigentlich wirklich waren. Vorm Klassenfeind hatten die genauso viel Angst wie vor ihren Vorgesetzten. Eine Flucht in Richtung Westen war eigentlich eher unwahrscheinlich.

Gruss Andreas


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 19:17 (zuletzt bearbeitet: 30.04.2016 19:20)
#85
avatar

Hier mal eine Antwort von KaPe :

Zitat von Rainman2 im Beitrag RE: Fahnenfluchten russischer Soldaten
Hallo zusammen,

ich kann nicht bestätigen, dass die Fahndungsmeldungen gegenüber Soldaten der GSSD (Gruppe der sowj. Streitkräfte in Deutschland) auch eingesetzt wurden, um die Wachsamkeit zu erhöhen. Diese Meldungen waren echt. Die DDR-Führung war nicht daran interessiert, dass ein schlechtes Bild der sowjetischen Streitkräfte in der DDR entsteht. Wäre es also um die Wachsamkeit gegangen, dann hätte man sich ein anderes Objekt gesucht, als den "Großen Bruder". Die Fahnenfluchten wurden generell ernst genommen, da kaum absehbar war, in welche Richtung der Fahnenflüchtige fliehen wollte. Die meisten wollten Richtung Heimat. Aber die Fahndungen gingen aber alle raus, auch an die Grenztruppen.

Es wurde auch informiert, wenn die Fluchtrichtung bekannnt war. 1983 kam die Meldung, dass ein Fahnenflüchtiger in Richtung Meiningen unterwegs war, damit war auch unser Abschnitt in seiner Bewegungsrichtung. Es kam der Befehl: Grenzdienst mit Stahlhelm. Wenn ich ein Wort für die Stimmung in der Kompanie an diesem Tag wählen sollte, würde ich mich für bedrückend entscheiden. Alle sprachen nur das Notwendigste, keiner wollte auch nur ungefähr zeigen, was er dachte oder fühlte. Ich war zu diesem Zeitpunkit gerade zur Kompanie versezt worden. Der alte Politstellvertreter, den ich ablösen sollte, war noch im Amt. Ich hatte kaum Grenzdiensterfahrung. Ich erinnere mich an eine Angespanntheit. Angst war es, glaube ich, nicht. Dazu war ich wahrscheinlich wirklich noch "zu grün". Am nächsten Tag kam dann die Information, dass eine sowjetische Spezialeinheit den Fahnenflüchtigen in der Nähe von Meiningen "gestellt hatte". Mehr Information dazu gab es nicht. Die Auskunftsbereitschaft der Waffenbrüder endete meist, wenn die Situation "bereinigt" war.

ciao Rainman2


EDIT Fahnenfluchten russischer Soldaten


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 19:19
avatar  Pit 59
#86
avatar

Moin

Wie real war die Gefahr wirklich auf Fahnenflüchtige GSSD Angehörige zu treffen ?

Hat man das nicht eher dazu genutzt den Grenzern Angst / Wachsamer zu machen ?..................................................


1.Nie was davon gehört,keinen einzigen Russen gesehen
2.Wenn die gewusst hätten wie wir Ihre Grenze sichern,die wären Wahnsinnig gewurden


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 19:21
avatar  ( gelöscht )
#87
avatar
( gelöscht )

Zitat von B Man im Beitrag #84

..Eine Flucht in Richtung Westen war eigentlich eher unwahrscheinlich.


Wieso ?
Sollten die Jungs sich durch Polen in die Heimat, dort vielleicht bis zum Ural oder weiter durchschlagen?
Als Fahnenflüchtlinge?

Ich denke, die einzige Chance war Richtung Westen...

Siggi


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 20:09 (zuletzt bearbeitet: 30.04.2016 20:10)
avatar  ( gelöscht )
#88
avatar
( gelöscht )

Ich glaub mal nicht das die scharf darauf waren in ihre Heimat zu gelangen.
War wohl auch bei denen so, Dienst nähe BRD letzte Chance auf Zug Freiheit.


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 20:15
avatar  ( gelöscht )
#89
avatar
( gelöscht )

Zitat von B Man im Beitrag #84

Moin

Wie real war die Gefahr wirklich auf Fahnenflüchtige GSSD Angehörige zu treffen ?




Hatte so ein Muschkote im Normalfall überhaupt ne Ahnung, wie der Grenzbereich insgesamt gesichert bzw. unerkannt zu überwinden war? Als DDR- Mensch wußte man ja kaum was. Wie sollte es denn jemand aus der SU wissen? Mit Waffengewalt durchschlagen halte ich da auch für etwas aussichtslos. Man musste ja davon ausgehen, dass die Grenzabschnitte bei flüchtigen Rotarmisten noch mehr bewacht wurden.


 Antworten

 Beitrag melden
30.04.2016 20:21
avatar  ( gelöscht )
#90
avatar
( gelöscht )

Zumindest war uns bewusst, das es einen relativ sorglosen Umgang mit Bewaffnung und Munition bei der Sowjetarme
gab. Daher das hämische Lachen, wenn die Meldung kam: Mit Waffe,aber ohne Munition.
Und das ein Menschenleben für einen Bewaffneten nicht sehr viel zählte, war uns auch klar.
Inwieweit ein Wissen um die Grenzsicherung bei den Sowjetsoldaten vorhanden war, oder um die Grenzsicherung um Berlin
vorhanden war, die Frage habe ich mir nie gestellt, ich habe das Wissen einfach vorausgesetzt, klingt heute sicher seltsam, war aber so.


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!