Letzten Stunden an der Grenze

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10.10.2014 13:02
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#1
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Hallo,an alle hier im Forum!

Kurz zu mir...Ich habe meine Kindheit in Genthin,der ehem.DDR erlebt.Die Zeit war schön aber ich war sehr froh als die Grenze geöffnet wurde,weil auch die ganze Verwandtschaft im Westen lebte.
Man hat sich je älter man wurde immer mehr und intensiver mit dem Thema Grenze nach Berlin-West und zur BRD beschäftigt.
Ich habe eine Frage...Wann wurde denn die komplette Beleuchtung im Todesstreifen in Berlin oder auch an der innerdeutschen Grenze abgeschaltet und wie fühlten die Grenzer sich und vor allem was fühlten sie als sie ihren BT und auch die Grenzanlage für immer verlassen mussten.

Vielleicht kann mir das der ein oder andere beantworten der an der Grenze gedient hatte.

Gruß Tobias


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11.10.2014 09:24
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#2
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Hallo @Tobias76,

Ich war von 1978 bis 1981 Grenzer an der Grenze zwischen der Altmark (Ost) und dem Wendland (West). Gerade hier war die Lichtertrasse eher die Ausnahme als die Regel. Was den Beobachtungsturm (BT) anbelangt, waren sie nicht ständig von einem Posten besetzt. Die Posten wurden auch nicht immer an einem BT abgesetzt sondern an einer Waldkante an einer Lichtung oder anderen markanten Punkten. Nachts sollten BT's ohne hin nicht benutzt werden, wir taten es trotzdem um in einer kalten Winternacht uns ein bisschen aufzuwärmen. Ich kann aber auch nur für die innerdeutsche Grenze sprechen, die Grenze zu Westberlin ist differenziert zu betrachten.
Die jungen Wehrpflichtigen, welche 1990 die Grenzanlagen abbauten, beneide ich regelrecht für sie war es sicherlich eine riesengroße Freude dabei zu sein als Geschichte geschrieben wurde. Viele Berufssoldaten indes, welche an der Grenze Dienst taten, fielen häufig ins Bodenlose. Wenn sie nicht gerade von Bundeswehr oder Bundesgrenzschutz aufgefangen wurden blieb ihr Grenzerleben als Berufssoldat oft wie ein Kainsmal in ihrer Biografie, auch wenn sie sich sonst nichts zu Schulden kommen lassen haben.

Gruß Hartmut!


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11.10.2014 09:38
#3
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Meine mich zu erinnern, dass irgendwo mal im Forum stand, dass die BT auch tagsüber oft nicht besetzt waren, weil bei Helligkeit wenig Fluchtaufkommen zu erwarten war. Wenn in deiner Zeit und deinem Abschnitt nachts auch kaum jemand drauf war, wie lässt sich das erklären?


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11.10.2014 09:44
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#4
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Hallo willkommen hier!

An der grünen Grenze: Beleuchtung weitgehend Fehlanzeige, BT-Benutzung im Dunkeln fiel befehlsmäßig aus (wie oben schon erwähnt).

Den Dienst an der grünen Grenze darfst Du Dir grob so vorstellen: 50 bis 60 Prozent der Dienstzeit im Finstern draußen herumgehockt oder Postenbereiche abgelatscht.
In manchen Nächten war die Glut der Zigarette das einzige Licht, das "Abwechslung" in das allumfassende Schwarz der Nacht brachte. Vollmondnächte durfte man da schon als Luxus betrachten.

Leicht nachzuempfinden: setz Dich mal eine ganze Nacht lang in den Wald (ohne Lampe, Mobiltelefon u. ä.),
lausche den Geräuschen der Natur,
spüre, wie die Kälte und Feuchte kommt,
suche nach windärmeren Ecken,
ertrage, wie sich die Stunden hinziehen,
widerstehe der Müdigkeit und
rede Dir dann noch ein, es könnte jederzeit jemand kommen, der Dir Böses will.

So sah zumindest bei mir mindestens die Hälfte des Grenzdienstes aus.

Viel Spaß bei diesem "Naturerlebnis"!

Elch

"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"


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11.10.2014 09:50
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#5
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Zitat von manudave im Beitrag #3
Wenn in deiner Zeit und deinem Abschnitt nachts auch kaum jemand drauf war, wie lässt sich das erklären?


Wenn der Beobachtungsbereich nicht beleuchtet war, was willst Du dann da oben. Und hören tust Du da meist auch weniger, als im Bodenbereich (Stichwort: Schallwellenausbreitung und -reflexion). Und wenn im Fall einer Lage vom BT abgesessen werden muß, verlierst Du erstens Zeit und zweitens den Überblick über das Geschehen, während Du durch die Röhre nach unten kletterst.

Wünsche allen dienstfreies WE!
Elch

"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"


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11.10.2014 09:50 (zuletzt bearbeitet: 11.10.2014 09:51)
#6
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Zitat von Elch78 im Beitrag #4
Hallo willkommen hier!

An der grünen Grenze: Beleuchtung weitgehend Fehlanzeige, BT-Benutzung im Dunkeln fiel befehlsmäßig aus (wie oben schon erwähnt).

Den Dienst an der grünen Grenze darfst Du Dir grob so vorstellen: 50 bis 60 Prozent der Dienstzeit im Finstern draußen herumgehockt oder Postenbereiche abgelatscht.
In manchen Nächten war die Glut der Zigarette das einzige Licht, das "Abwechslung" in das allumfassende Schwarz der Nacht brachte. Vollmondnächte durfte man da schon als Luxus betrachten.

Leicht nachzuempfinden: setz Dich mal eine ganze Nacht lang in den Wald (ohne Lampe, Mobiltelefon u. ä.),
lausche den Geräuschen der Natur,
spüre, wie die Kälte und Feuchte kommt,
suche nach windärmeren Ecken,
ertrage, wie sich die Stunden hinziehen,
widerstehe der Müdigkeit und
rede Dir dann noch ein, es könnte jederzeit jemand kommen, der Dir Böses will.

So sah zumindest bei mir mindestens die Hälfte des Grenzdienstes aus.

Viel Spaß bei diesem "Naturerlebnis"!

Elch


@Elch78, sehr gut zusammen gefasst, häts nicht besser machen können.Rot: wen meinst Du? Kontrolle vom Stab??

gruß h.


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11.10.2014 09:58
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#7
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Zitat von manudave im Beitrag #3
Meine mich zu erinnern, dass irgendwo mal im Forum stand, dass die BT auch tagsüber oft nicht besetzt waren, weil bei Helligkeit wenig Fluchtaufkommen zu erwarten war. Wenn in deiner Zeit und deinem Abschnitt nachts auch kaum jemand drauf war, wie lässt sich das erklären?

Im Dunkeln ist gut Munkeln! Da unsere Abschnitte nachts nicht beleuchtet waren, war es völlig sinnlos den BT in der Nachtzeit als Beobachtungsturm zu nutzen, man sieht dann weniger als nichts. Würde aber Sinn ergeben, wenn ich die Scheinwerfer auf dem Turm einschalte. Sporadisch wurde der Turm tagsüber doch schon mal besetzt.

Gruß Hartmut!


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11.10.2014 10:01
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#8
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"...Rot: wen meinst Du? Kontrolle vom Stab?? ..."

Der Phantasie will ich keine Grenzen setzen:
...ja Postenkontrollen,
aber auch der immer beschworene "Ede",
ausgeflippte Wildschweine,
bei Sturm herabfallende Äste ...

Putzige Erinnerung: in einer nebligen Frostnacht haben mein Posten und ich mal mehrere Stunden damit zugebracht, ein unregelmäßiges aber immer wiederkehrendes kurzes leises Klopfen aus nicht zu ortender Richtung zu identifizieren.

Quizfrage: Was könnte das gewesen sein?
Dem erfolgreichen Rater winkt die Befriedigung, das Rätsel gelöst zu haben!

Elch

"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"


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11.10.2014 10:03
#9
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Ein Specht aber kein Mauerspecht

Nimm dir Zeit für deine Freunde,sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde !


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11.10.2014 10:05
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#10
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Zitat von katerjohn im Beitrag #9
Ein Specht aber kein Mauerspecht


aber doch nicht nachts ...!
Danke, 'nen Versuch war's wert.

"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"


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11.10.2014 10:08
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Hm.

Nebel und Frost scheinen ja dabei eine wichtige Rolle gespielt zu haben, aber bei der Lösung des Rätsels hat mich diese Annahme auch nicht weiter gebracht.

Ich passe.


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11.10.2014 10:18
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#12
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Bemerke gerade, daß ich dabei bin, das Thema zu zerschießen (siehe Überschrift)!

Daher werde ich lösen:
Auf dem nebenliegenden unbewachsenen Acker war ein HASE (gesuchtes Lösungswort!) dabei, in Abständen kurze Sprints zu vollführen.
Das trommelnde Geräusch seiner Pfoten wurde wohl sowohl vom Erdreich wie auch von der feuchten Luft transportiert (Entfernung zu uns etwa einhundert Meter). Da man als Normalbürger eine solche Geräuschkulisse niemals zu hören bekommt, brauchten wir zur Identifikation sehr lange und letzten Endes auch unseren optischen Sinn (mit DF im Restlicht erkannt).
Ob der Hase die Damenwelt mit seinen Vorführungen beeindrucken wollte oder anderes im Sinn hatte, kann ich nicht erklären.

Elch

"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"


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11.10.2014 10:27 (zuletzt bearbeitet: 11.10.2014 10:32)
#13
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Bei uns (Grenze zu WB im Bereich Niederneuendorf, 1967/68) gab es noch die hölzernen B-Türme. Mache waren nur sporadisch besetzt, manche aber auch ganztägig. Erinnern kann ich mich noch an eine Sturmnacht. Auf dem Zwischenpodest stand ein Scheiwerfer. Hat ganz schön gerüttelt. Als sich der Scheinwerferstrahl plötzlich drehte und es laut polterte, wusten wir, daß es Zeit wird, den BT zu verlassen. Mann, hat der Sturm uns fast von der Leiter gefegt. Es gab auch diese Regelung, daß wir als BT-Besatzung zwischendurch einen Abschnitt ablaufen mußten.
Was das Erlebnis Natur betrifft, war es doch sehr interessant. Als Posten, welches den Abschnitt regelmäßig ablief (ca. 3 km im Sommer 67) lernte man nachts mit der Zeit an der Art des Raschelns ziemlich genau unterscheiden, ob es sich um ein Reh, einen Dachs, eine Maus oder einen Igel und was sonst noch herumkroch handelte. Auch Glühwürmchen hatte ich dort das erste Mal gesehen. Es war der wildreichste Abschnitt um WB, sodaß auch der Stadtkommandant, GM Poppe,ab und zu zum Jagen kam. Wilschweinrotten aus erster Nähe. Klappern mit dem MPi-Schloss, und sie rannten davon. Für die war der wackelige Stacheldraht kein Hinderniss, die hatten ihre Wildwechselpfade. Wer die Stellen kannte, konnte mit dem "Guten Anzug" durchkriechen. Als Astronomie-Interessierter waren für mich vor allem bei sternklaren Nächten die Sternbilder und ihre typischen Hauptsterne interessant. Den Andomeda-Nebel gesucht und als kleines Nebelfleckchen gefunden, dgl. auch den Orion-Nebel. Letzteren kann man auch mit bloßem Auge sehen, wenn man weiß, wo man suchen muß (einer der drei Sternchen, die von den Gürtelsternen des Orion senkrecht nach unten abzweigen).
Im November wurde ich dann leider Kradfahrer (ca. 7.000 km im Winter 67/68). Am Beschis.....sten war die Nachtschicht am Schlagbaum zum Grenzgebiet. 20 Uhr Beginn, dann kam noch hin und wieder eine Anwohner und den Rest der nacht hing man übermüdet und frierend über dem Schlagbaum unddie einzige Abwechslung war, wenn so alle ca. 20 Minuten die Kradstreife (wie ich eben auch) dort wendete, um nach einem kurzen Plausch wieder ihre Strecke abzufahren und am anderen Ende beim sich ebenfalls langweilenden und frierenden anderen Postenpaar wieder kehrt zu machen. Alles im 1. Gang, der Sozius, eine Vize, die Spurenlampe in der Hand. Einer von denen hätte mich beinahe erschossen, weil er nicht abwarten konnte, an der Wendestelle mal den Leuchtcolt mit 1-Stern gelb abschießen zu können und das Ding falsch benutzte (wahrscheinlich Finger schon am Abzug, als die Patrone drin war und er den Lauf hochklappte).
Wir waren aber Ende April die letzte Schicht mit den alten EK´s. Mit frischen Birkengrün im Lauf und lautem "Hallo, es geht nach Hause" eine Extrarunde in Hennigsdorf gedreht.


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11.10.2014 11:04 (zuletzt bearbeitet: 12.10.2014 15:16)
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Im Bereich Sickenberg und Asbach waren die BT meist nur am Tag besetzt. Nachts wurde Streife gelatscht oder wenn`s warm genug war, sich hingesetzt und Horchposten gemacht. Wir hatte zwar schon Beleuchtung, die diente aber mehr der Abschreckung. Wirklich was erkennen konnte mann bei dem diffusen Licht nicht viel.
Ich hatte öfters Nachtschichten mit einem Posten der älter war als ich und regelmäßig auf Jagd gegangen war. Der hat mir unwahrscheinlich viele Geräusche im Wald und das Verhalten von Wild erklärt. Er war auch ein exzellenter Schütze und hatte einen 7. Sinn im dunkeln. Die Schichten mit ihm waren nie langweilig.
Meine letzten Schichten habe ich aber fast alle nur Kontrollstreife gefahren.


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11.10.2014 12:13
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#15
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Nachts war es wirklich oft langweilig und vor allem auch ganz schön gruselig, bei diversem Knistern und Knacken wenn du im Wald gehockt hast ging dir ganz schön die Düse.
Abwechselung war immer die 501 mit der Bahnlampe ableuchten um zu schauen ob alle Splitter-Puster noch am Zaun hängen.


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