Letzten Stunden an der Grenze

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11.10.2014 23:53 (zuletzt bearbeitet: 12.10.2014 00:37)
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#16
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Hallo Hartmut (@utkieker),

erstmal danke für deine Antwort.Du hast erwähnt das du an der innerdeutschen Grenze Dienst geschoben hast und ich geh mal davon aus das ihr schon die neueren BT's hattet. Wie waren die eigentlich so eingerichtet? Ich war vor langer Zeit mal in Helmstedt und habe mir die Anlage und alles drum herum soweit angeschaut wie es ging und hatte auch die Möglichkeit auf einen großen Turm BT6,denke das es mal eine Führungsstelle war,aufzusteigen.Ausser einer Eisentreppe die nach oben führte war der Turm leer.Wie habt ihr das im Winter gemacht?Hattet ihr eine Heizung oder ähnliches drin oder musstet ihr es so aushalten?
Ich denke wenn die Grenze nicht gefallen wäre,hätte ich bestimmt auch irgendwann im gewissen Alter versucht aus der DDR abzuhauen. Wie ich schon erwähnt hatte war meine Kindheit recht gut,aber da ich sehr viele Sachen aus dem Westen bekam, war es nicht immer leicht für mich in der Schule,wegen meiner Sachen.Ständig die Aufforderungen meiner Lehrerin,die bei der Stasi war,ich solle mir gefälligst Sachen aus der Sprowa kaufen.Da baut man echt einen Hass auf.Und dann diese öden Hemden der JP,TP.Das nervte immer mehr.

Gruß Tobias


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12.10.2014 00:16
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#17
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #15
Nachts war es wirklich oft langweilig und vor allem auch ganz schön gruselig, bei diversem Knistern und Knacken wenn du im Wald gehockt hast ging dir ganz schön die Düse.
Abwechselung war immer die 501 mit der Bahnlampe ableuchten um zu schauen ob alle Splitter-Puster noch am Zaun hängen.



mit unterhalten war in der Nacht im Wald auch nicht viel hat man da ja sehr weit gehört . Also sehr schnell mal die Augen zugezogen . Wieder aufgewacht und der erste Blick ob der Posten noch da ist .

gruß Hapedi


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12.10.2014 00:17
#18
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@Tobias76

wir beide sind ja nun fast in einem Alter.
Westsachen hatte ich früher auch in der Schule an.
Bei uns an der Schule gab es mit Sicherheit auch genügend IM.
Bin im ehemaligen Sperrgebiet zur Schule gegangen.
Aber das Lehrer uns wegen Westsachen angemacht haben kann ich mich nicht daran erinnern.
Komisch sind sie nur geworden wenn einer mit einem Bundeswehrparker mit Deutschlandfahne drauf zur Schule kam.
Der musste sofort wieder nach Hause sich um ziehen.
Und im Sportunterricht war Einheitskleidung angesagt, Rotes Jersey mit schwarzer Sporthose.
Nur bei den Turnschuhen war freie Wahl.
Die einen hatten halt die Essensgeldturnschuhe an für 4,50 Mark der DDR und andere hatten halt Westturnschuhe.

MFG Batrachos

Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach


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12.10.2014 00:45
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#19
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Hallo @Batrachos,

ja daran kann ich mich auch noch sehr gut erinnern.Ich wurde auch des öfteren nach hause geschickt ich solle mich umziehen und angepasst zurückkommen.Ich bin dann nach Hause,blieb dann ca eine 1Std zu Hause und bin dann mit den gleichen Sachen die ich zuvor an hatte wieder in die Schule.Kannst dir ja vorstellen was dann los war... Aber was sollte ich machen,hatte ja nur vernünftige Sachen


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12.10.2014 00:56
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#20
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Ich hatte mal ein Plastetüte mit für die nassen Klamotten nach dem Schwimmunterricht. Die Tüte war bedruckt mit irgendwas aus dem Westen. Ich durfte dann auch Tage später mit meiner Mutter zur Direktorin gehen und wir mussten uns erklären. Dafür gab es einen Tadel - 89 kurz vorm Ende. Lächerlich.


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12.10.2014 09:14
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#21
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Ein Erlebnis aus meiner Schulzeit , 8. Klasse, auch eine POS im Grenzgebiet :

Ein Mitschüler kam mit T Shirt - US Symbol Stars and Stripes in die Klasse.

Der Klassenlehrer belehrte den Schüler, dass die gleichen Symbole auf den US Bombern waren, welche Vietnam mit Napalm und Bomben vernichten
wollten. Auf die Frage nach der Herkunft sagte der betroffene Schüler :

" Ich habe das T Shirt von Fitschis " ( Vietnamesen ) aus Seebach ( bei Eisenach ) für 30 Mark letzte Woche gekauft. Sie haben noch weitere Sachen dieser Art im Angebot... "

Die Belehrung war sofort beendet. Jedoch musste der Schüler sein T Shirt zu Hause ablegen und hatte Trageverbot in der Schule.

Den Vietnamesen war es egal, welches Logo da genäht und verkauft wurde. Hauptsache es gab Kohle dafür


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12.10.2014 09:24
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#22
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@UvD815

ach das kenn ich auch noch.Normalerweise hätte man damals zum Lehrer sagen sollen" Finden Sie das gut,dann besorg ich Ihnen auch eins"


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12.10.2014 09:27
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#23
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Aber zurück zum eigentlichen Thema :

Die letzten Stunden an der Grenze .....

Schon mit der Grenzöffnung im November 89 gab es Hoffnungen auf Veränderungen auch bei der GT in der Truppe selbst.

Im Januar 90 wurde mit der Militärreform der NVA auch der Wehrdienst der GT von 18 auf 12 Monate gekürzt, UaZ von 36 auf 24 Monate.

Der Personalbestand verringerte sich stark bei der GT.

Die Aufgaben in unserer GK Untersuhl zum damaligen Zeitpunkt :

Abbau von Grenzsperranlagen, Unterstützung von Kontrollmaßnahmen an den neuen Übergängen,
Die eigentliche Streifentätigkeit rückte immer mehr in den Hintergrund.

Beobachtungstürme wurden kaum noch benutzt. Lichtertrassen waren schon lange aus ( wenn überhaupt nur noch in den Nachtstunden an Übergängen ).

Gedanken :

Was wird das Jahr 1990 bringen ? Welche Zukunft haben wir ?

Da ein Befehl oder Weisung den vorhergehenden Befehl ausser Kraft setzte, Weisungen untergingen, gab es kaum eine geordnete Planung für die Grenztruppe mehr.

Im Juni 90 gab mir der letzte KC unserer GK seinen Kleidersack für die B/A Kammer und sagte mir, Tschüß, ich habe ab Juli einen Job im Westen.

Da offiziell zum 01. 07 .90 die Grenzüberwachung eingestellt wurde, gab es nur noch einige " Fototermine " mit BGS/ Zoll u.a. an der einstigen
Grenze. An Grenzstreifen im Juni 90 dachte da schon Keiner mehr.

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.


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12.10.2014 09:56
#24
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Meine letzten Stunden an der Grenze fallen in genau 3 unterschiedliche Zeiträume:
- 1984, als ich aus Stedtlingen abgezogen wurde wegen angedrohter Fahnenflucht,
- 1989, als ich in Bärenburg noch einmal zur Unterstützung der politisch-ideologischen Arbeit bei den Sicherungskräften an der tschechoslowakischen Grenze über den 40. Jahrestag eingesetzt wurde
- und 1990 als ich die Grenzeruniform aus- und mich umzog.

Der letzte Akt war zwar nicht an der Grenze, aber für mich war es eine Grenzüberschreitung. Ich hatte 11 Jahre lang Grenzeruniform getragen, war inzwischen Hauptmann. Da ich gerade an der Militärpolitischen Hochschule einen Diplomlehrgang besuchte, konnte ich über die Auflösung der Grenztruppen hinweg in Uniform bleiben. Ich galt durch meine dreijährige Abkommandierung zum Studium als offiziell zur NVA versetzt. Üblicherweise behielten wir aber alle unsere Waffenfarben bei. Aber offiziell war ich zu dieser Zeit kein Grenzer. Daher bot man uns an, NVA-Uniform anzuziehen, das ungeliebte Weiß der Mot.-Schützen auf den Schulterstücken, um das Studium noch abschließen zu können. Und so ging es irgendwann im Juni zur Einkleidung. Ich gab ein paar alte Grenzeruniformen ab und erhielt die neuen, mit weißen Biesen besetzten Uniformteile. Da ich mich an das Ereignis nicht mehr direkt erinnern kann, muss es für mich damals eher unspektakulär und folgerichtig gewesen sein. Da waren zwei andere Ereignisse prägender gewesen: Vorher der Wechsel der Kokarde und im Oktober der kurzzeitige Wechsel in die Bundeswehruniform. Aber das sind andere, schon erzählte Geschichten.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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12.10.2014 11:05
avatar  andyman
#25
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[quote=UvD815|p395058]

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.

@UvD815
Hallo.Kann man diese Aufnahmen im Forum sehen?Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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12.10.2014 11:23
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#26
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( gelöscht )

Zitat von andyman im Beitrag #25
[quote=UvD815|p395058]

Ich zog mir noch einmal meine FDU an und lief ein letztes Mal mit Videocamera ( ausgeliehen ) den alten Abschnitt unserer GK ab.

Die eigentliche Aufarbeitung / Erinnerungen an die Zeit an der Grenze finden jedoch heute bei Wandertouren am Grenzstreifen auch nach 25 Jahren noch statt.

@UvD815
Hallo.Kann man diese Aufnahmen im Forum sehen?Lgandyman





Hallo Andyman,

leider sind diese Aufnahmen noch auf VHS. Müssen mal irgendwann digitalisiert werden, wie soviele andere Aufnahmen aus dieser Zeit von mir.


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12.10.2014 11:45
avatar  andyman
#27
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Zitat von UvD815 im Beitrag #26

Hallo Andyman,

leider sind diese Aufnahmen noch auf VHS. Müssen mal irgendwann digitalisiert werden, wie soviele andere Aufnahmen aus dieser Zeit von mir.


@UvD815
na dann besteht ja noch Hoffnung,ich benutze zum digitalisieren einen Video/DVD recorder von Panasonic mit Kopierfunktion in beide Richtungen,geht nur mit VHS Kassette ansonsten über PC.Das nur zur Info,du kennst dich sicher aus.Lgandyman

Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius


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12.10.2014 12:00 (zuletzt bearbeitet: 12.10.2014 12:10)
avatar  OfwWaGF
#28
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Ja, wie war das damals...
An einem schönen Nachmittag saß ich mit meiner Frau und ein paar Freunden hinter unserem Wohnhaus (was ja genialerweise gleich neben der Kompanie stand) und wir gönnten uns eine Tasse Kaffee. Eine Bekannte aus dem Nachbardorf kam ganz aufgeregt zu uns und sagte... die Grenze ist auf! Naja... ICH als Grenzer müßte das wohl besser wissen.. Aber dem war nicht so. Keiner aus unserer Kompanie wußte von der Grenzöffnung. Nun von dem Tag an, bis zu meiner Kündigung bei den GT der DDR, war der Dienst so locker und unnötig, dass es eigentlich keinen mehr von uns interessiert hat. Nach Dienstschluß an der Grenze hast du dich umgezogen und bist nach "drüben" gefahren zum Schaufensterbummel.
Mal die Grenzsäulen von der anderen Seite zu sehen... war schon komisch.
Tja und BT's... Ich saß meist die ganze Zeit auf einen. Das war ja meine mobile Führungsstelle (FüSt). Im 3.GB war man ja immer in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Ich selbst war im Bereich Dedeleben bis rüber nach Ilsenburg unterwegs. Dort gab es keine FüSt. Da habe ich meine 8 Stunden im LO gesessen. Mein Sicherungsposen, der arme Kerl mußte draußen hocken.
Ich habe Bereiche gehabt, da hat man die Hand vor Augen nicht gesehen - wie z.B. im Wald oberhalb Ilsenburg. Um sich da zu orientieren mußte man nach oben schauen, um an Hand des Unterschieds zwischen Himmel und Wald den Weg zu finden. Anderenfalls gab es dann wieder Abschnitte, die waren so hell erleuchtet, da ist es wohl nie Nacht geworden. Hier fällt mir spontan die Lerchenfeldsiedlung bei Stapelburg ein. Das war ein Dorf zwischen den Zäunen.


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12.10.2014 13:24
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#29
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Als am 09. November 89 die ersten DDR Bürger über die offiziellen GÜST en in die BRD oder nach WB reisten, waren auch in unseren Abschnitt die
Posten sehr überrascht.

Gerade der Posten auf dem BT 9 - POP 808 - Bahnlinie Untersuhl / Obersuhl hatte Zweifel am Kampfauftrag, als auf der anderen Seite vom Grenzzaun DDR Fahrzeuge und DDR Bürger auftauchten und den Grenzern zu winkten.

Fragen über Fragen... Verhaltensweisen ... zurück winken ? Kontaktaufnahme mit DDR Bürgern im Westen ?

Leider gab es keine politische Aufarbeitung in der Einheit. In anderen Einheiten war es bestimmt auch so.

Dazu überschlugen sich nun die Ereignisse von Tag zu Tag.

Jeder musste nun damit alleine fertig werden und seine eigene Meinung bilden.


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12.10.2014 13:27
avatar  Lutze
#30
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es gab keine politische Aufarbeitung?,
was machte nur der Polit-Offizier?
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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