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#21

RE: Tiere und Grenze

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.09.2014 23:29
von FRITZE (gelöscht)
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Sei Dir sicher Peter ,das Fleisch wurde in jedem Fall der kulinarischen Verwertung zugeführt !

So ein Frischling passte zerteilt auch in die Teiltasche !


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#22

RE: Tiere und Grenze

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.09.2014 23:57
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Hartmut!

Zitat von utkieker im Beitrag #18
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß Muffel-, Rot-, Reh-, oder Dammwild so alt werden können, daß sie sich noch an die Grenze erinnern können.
Gruß Hartmut!

Tiere sind gerade in Ihren Sinnen sehr stabil, aber eben auch in ihren "Gruppenerfahrungen".
Ratten vererben laut US Studie sogar erworbenes Wissen!
(OT- Was sich in Betracht auf die Vorstellungen der "Entwicklung" der biologischen Rassetheorie im dritten Reich, als überaus Interessant darstellt!)

Schöne Grüße,
Eckhard


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#23

RE: Tiere und Grenze

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.09.2014 00:41
von S51 | 3.831 Beiträge | 594 Punkte
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Na ja, man darf nicht außer Acht lassen, das Tierpopulationen ihre natürlichen Grenzen haben. Bestimmte Raubtiere wie Wölfe oder so mal ausgenommen oder Tiere, die naturgemäß sehr weit wechseln wie Wildschweine und Elche, sind die hier in Mitteleuropa ansonsten vorhandenen Wildarten recht standorttreu. Damit meine ich Rotwild und Rehwild aber eben auch Mufflon und oft Damwild.
Die Grenze orientierte sich eben an alten Ländergrenzen, die sich nun wiederum oft an geographischen Grenzen orientierten. Ich meine damit Gewässer, Landschaftslinien, Höhenzüge aber auch Wetterscheiden. Das sind Bereiche, in denen sich Luftmassen natürlich abgrenzen weil Luftdruckgrenzen auch wieder durch geographische Besonderheiten stabil sind. Eben daran orientieren sich auch Reviergrenzen von Wildtieren und dann ist es nicht unbedingt ein Wunder, wenn diese auch heute eher selten überschritten werden.
Mit der damaligen Grenze hat dies eher nur zufällig zu tun.


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#24

RE: Tiere und Grenze

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.09.2014 09:06
von turtle | 6.961 Beiträge | 130 Punkte
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Es muss doch alte Aufzeichnungen geben über den früheren Wildwechsel in den späteren Grenzgebieten . Finde die Ausführungen von S51 interessant.



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#25

RE: Tiere und Grenze

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.09.2014 00:21
von S51 | 3.831 Beiträge | 594 Punkte
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Solche Aufzeichnungen sind eher unwahrscheinlich. Im Feudalismus war die hohe Jagd ein Vorrecht des Adels, der die Organisation dem Forst- und Jagdbediensteten überließ. Da wurde vieles nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben. Begrenzt gültig für die jeweiligen, oft kleinen Reviere. Denn durch dieses Wissen war man nicht so einfach ersetzbar. Einstände zum Beispiel von Bannforsten waren mitunter sogar weitläufig durch Zäune abgeriegelt. Revierübergreifend jagende Wildschützen hatten auch kein Interesse Beweismittel gegen sich anzulegen. Ganz abgesehen von der oft mangelnden Kenntnis des Schreibens und Lesens. Es gibt also nur Überlieferungen. In der Zeit zwischen 1848 und der Gültigkeit der ersten Jagdgesetze, teilweise bis 1934 war die Jagd Vorrecht der einzelnen Grundbesitzer bei jedem für sich. Egal, wie klein das Stückchen Land war und entsprechend eifersüchtig gegeneinander. Die großen Grundbesitzer wie Kirche, Adel und reiches Bürgertum hatten wenig Interesse, Wissen auszutauschen. Ist wie bei den Pilzsuchern. Was du nicht weißt nutzt mir... Entsprechend wusste man oft nicht, was wenige Kilometer weiter Sache war. Ergebnis: Auch nur Überlieferungen. Hr. von Raesfeld war einer der wenigen, die damals zum heimischen Wild und dessen Gewohnheiten grenzüberschreitend forschte und um 1900 bis weit nach 1914 darüber Literatur veröffentlichte. Der Grundgedanke, das Wild ein edles Lebewesen ist, dem Achtung geboten ist und nicht nur ein zeitweise lebender Fleischlieferant und Schädling, der geht auf ihn zurück. Ebenso der Respekt vor Raubtieren wie Wolf, Bär, Adler, Fuchs und andere, deren Existenzrecht er vertrat aber auch die Grundsätze der Hege, die Ausgewogenheit im Revier. Etwas, was Naturschützer aber auch Tierschützer heute wieder total vermissen lassen weil sie immer irgend etwas gegen etwas anders bevorzugen. Jäger wie er waren die ersten, die den Gedanken des Tierschutzes aufbrachten weil es ihrem Verständnis von Jagd zuwider lief Tiere bis zur Ausrottung zu verfolgen. Ganz gegen den Tenor in der sonstigen Bevölkerung Für die alles was Zähne hatte am besten im Stall oder eben bei Manitou wohnte.
Auch davor gab es Untersuchungen aber eben meist lokal, isoliert. Die Wechsel des Wildes interessierten nur den jeweiligen Revierjäger. Dieses Wissen sicherte ihm seinen Status, das ging sonst keinen etwas an. Das hat er sehr begrenzt überliefert. Unter den Bedingungen der preußischen Jagdverordnung, dem eigentlich direkten Vorgänger des durchaus fachlich guten Reichjagdgesetzes 1934 wurde erstmals die kleinteilige deutsche Kleinstaaterei im Jagdrecht aufgehoben. Was sich wo aufhielt aber blieb Sache der Revierinhaber. Man kann an Streckenunterlagen nur indirekt erkennen, das einzelne Wildbestände sich eben nicht austauschten sondern eher isoliert blieben. Nur kriegerische Ereignisse und Waldbrände aber auch Handlungen des Menschen wie der Bau von Eisenbahn oder eingeschränkt Straßen konnte daran oft nur zeitweise etwas ändern. Soll heißen, verdrängtes Wild zog mehrheitlich wieder zurück in alte Bestände, sobald dort wieder Leben möglich war. Alte Wechsel wurden wieder aufgenommen aber neue entstanden nicht. Wenn doch, geographisch bedingt, dann erloschen sie sobald die Ursache beseitigt war. Untersuchungen zu Verwandtschaften beim Wild gab es eben nicht. Mangels Vergleichsmöglichkeiten, es gab noch keine Blutuntersuchungen, kaum Markierungen und freilich keine revierübergreifenden Erhebungen, war das auch bis in unsere 50-er Jahre hinein kaum möglich. Man erkannte, das Raubwild wie Wölfe, die ja durchaus einen Bereich "leerfressen" und dann notgedrungen weiterziehen, weit wandern. Wildschweine auch oder Elche mit ihrem gleichfalls enorm hohen Nahrungsbedarf aber anderes Wild eben doch standorttreu ist, weil es sein Umfeld eben weitaus weniger beansprucht. Wobei Standorttreu sehr relativ sein kann. Rotwild kann sich auch im Umkreis von 100 Kilometern bewegen, Rehen sind schon 10 Kilometer arg viel. Elche wandern hunderte von Kilometern. Ganz anders als im Glauben der Tierschützer verankert gibt es in der Tierwelt durchaus "Raubbau" und daraus folgende hungerbedingte Wanderbewegungen. Nur eben nicht bei allen Wildarten gleichermaßen.
In der Neuzeit gab es Forschungen. In der DDR nicht unwesentlich durch Hr. Wagenknecht. Doch begrenzten die sich nach wie vor auf geographisch begrenzte Gebiete. Naturschutzgebiete, Schorfheide, Insel Hiddensee, heutzutage Naturparks... also eben auch nur im Detail. So lautete eben bis 2006 in einer Forschungsarbeit der Hannover Tierärztlichen Hochschule, das man von lokalen, einzelnen Informationen, besonderen Beispielen abgesehen eigentlich nichts weiß. Auch deren Studie umfasste anders als postuliert nur isolierte Bereiche von denen man auf die Allgemeinheit schloß
Jäger freilich geben heute mehr Informationen preis. Durch die allgegenwärtige Bürokratie, durch Verbandsarbeit und Medien.
Als ab den 50-er die Grenzanlagen gebaut wurden hat sich manches Wild um manche Anlagen oder Zäune überhaupt nicht gekümmert. Egal, wie viele dabei zum Beispiel in den Minensperren zugrunde gingen. Danach auch nicht. Doch galt das nicht für alle Wildarten gleichermaßen. Für Wildschweine ja, Rotwild schon viel weniger und Rehwild dann kaum. Ich habe nie einen Fuchs in der 501 gefunden, auch kein Mufflon obwohl es von beiden dort (Vorharz nördlich des Brockens, Raum Ilsenburg bis Abbenrode) große Bestände gab und der berühmte "Sprungigel" war halt nur eine Ausrede. Andere Anlagen hat Wild so gut wie nie getestet. Wurde darauf vorher wie nachher nicht gesehen. Daneben aber schon. Das war denn auch häufig dort wo es heutzutage immer noch nicht "rübergeht". Für manche Tierarten war der Schutz durch die Grenzanlagen ein Segen, weil es dort nicht oder nur selten gestört wurde. Es hat diese Bereiche aber nicht mal bei Arbeiten verlassen.
Wenn dagegen Zäune in die Wechsel gebaut wurden, wie ab Ende der 80-er Jahre im Harz oberhalb der Haarnadelkurfe am Fuße des Brockens, dann gingen ganze Rudel dort zugrunde. Und haben die Wechsel doch sofort wieder aufgenommen, als die Zäune weg waren. Bis heute ist das so.
Fazit: Im Wesentlichen ist das immer wieder für die einzelnen Bereiche isoliertes Wissen. Nach wie vor. Es gibt keine Aufzeichnungen, nur örtliches Wissen mit allen, dadurch bedingten Ungenauigkeiten. Nur wenige tragen über die Jagdverbände etwas zusammen und tauschen sich in Medien aus. Nicht unwesentlich auch deshalb, um irgendwelchen pseudoreligiösen Tierschützern nicht in die Hände zu spielen. In Zeiten der Genuntersuchungen und Markierungssender wären solche Aufzeichnungen zwar möglich aber eben auch sehr teuer. Das erscheint für solche nationalen grauen Kuscheltierchen gerechtfertigt, für einzelne Miezekatzen auch, für die Masse des Wildes eher nicht.
Oder, wie Donnertier sagen würde, Man hat gehört, das jemand das weiß aber genaues weiß man nicht... So würde ich die Meldung über die in der Tierwelt bestehende DDR-Grenze durchaus einsortieren.
Wir Jäger, so wir Reviere über Jahrzehnte hinweg haben und betreuen, kennen unser Wild. Wissen, was es macht und wo eben nicht. Die kleine zeitliche Ungenauigkeit, das dies eben selten zu der Zeit passiert, wo wir auch jagenderweise dort sind, mal rausgerechnet. Aber wir können nur von unserem lokalen Wissen darauf schließen, wie es woanders sein kann. Und warum. Denn die Jäger dort schießen ihre Hirsche doch gerne alleine. Wie wir bei uns halt auch.


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