Stasi-Mitarbeit von Reiseleitern

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10.08.2009 20:35
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#1
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Hallo zusammen,

nachdem ich bisher immer nur bei einzelnen Beiträgen meine mehr oder weniger sinnvollen Antworten eingeworfen habe, will ich hier mal eine Frage in den Raum stellen, die mich hin und wieder mal ankommt.

Ich habe in den 80er-Jahren mehrere Bildungsurlaube in der politischen Bildungsstätte Helmstedt mitgemacht, die sich, was auf Grund des Standortes logisch ist, sich in der Hauptsache mit der deutsch-deutschen Problematik befasst. Diese Bildungsurlaube gingen immer vom Montag bis Freitag, wobei, und das machte es ja interessant, am Mittwoch eine ganztägige Exkursion in die DDR stattfand. Das war natürlich eine günstige Gelegenheit, ohne übermässig viel Papierkram etwas mehr von der DDR zu sehen, als immer nur die Hauptstadt, was ich aus familiären Gründen ja mehrmals jährlich machte.

Jedenfalls habe ich ein Seminar im Jahr 1988 mit einer Exkursion nach Wismar und Schwerin und 1989 nach Eisenach gemacht. Zur Eingrenzung - das war jeweils im April/Mai - also Eisenach noch kurz vor der Wende. Bei der 88er Tour war in der Planung eigentlich Wismar und Ludwigslust vorgesehen, Ludwigslust wurde aber von DDR-Seite, warum auch immer, durch Schwerin ersetzt.

Nach den Vorschriften war es ja so, dass man zur Einreise den dem Reiseziel nächstgelegenen Grenzübergang nutzen musste, was einem gerade bei der Helmstedter Einrichtung paradox vorkam - sie lag keinen Kilometer von der Güst Helmstedt/Marienborn entfernt. Der Bus musste also bei der 88er-Fahrt westlich der Grenze hoch nach Lübeck/Schlutup, bei der 89er-Fahrt die andere Richtung nach Herleshausen/Wartha fahren.

Das war nun eine recht lange Einleitung zu meiner eigentlichen Frage, aber wenn die Erinnerung hochkommt, kommt man vom Hundertsten ins Tausendste, also sorry, wenns ein bisschen lang geworden ist.

Meine Frage ist nun: Nach der Grenzkontrolle in Selmstorf 88 bzw. Wartha 89 ist am Grenzübergang der Reiseleiter zugestiegen, wie wir auf der Rückfahrt sehen konnten, ist er dann an der Grenze in seinen PKW gestiegen, hatte also logischerweise die entsprechenden Genehmigungen für das Grenzgebiet. Waren diese Reiseleiter nun auch hauptamtlich dem MfS zugeordnet, oder waren es entsprechend bestätigte "Normal"-Bürger. Das sie so oder so nach der Tour entsprechende Berichte machen mussten, ist mir wohl klar.

Ich hoffe doch, dass mir einer der Experten hier etwas dazu sagen kann.

Gruss

icke


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10.08.2009 21:09
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#2
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@icke46, die von dir bezeichneten reiseleiter werden keine mfs mitarbeiter gewesen sein. eine im-anbindung bei der ha bzw. abt. VI wäre für mich schon eher denkbar.


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11.08.2009 02:24
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#3
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sehr kurzer Clip. Als ich diesen das erste Mal sah, glaubte ich schon damals es muesse von einem IM in der Bundesrepublik gedreht worden.

Berliner




Quelle: DDR Grenztruppen


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11.08.2009 04:44
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#4
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Zitat von GilbertWolzow
@icke46, die von dir bezeichneten reiseleiter werden keine mfs mitarbeiter gewesen sein. eine im-anbindung bei der ha bzw. abt. VI wäre für mich schon eher denkbar.

Biste da sicher? Im eigenen PKW bis an die GüSt? Waere das fuer einen einfachen IM nicht ein bisserl viel Risiko?
-Th


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11.08.2009 07:11
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#5
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Hallo Berliner,

ich habe mir den Clip angesehen und bin mir ziemlich sicher, daß es sich bei dem Reiseführer um einen BGS-Beamten handelt.
Auf dem Ärmel kann man doch sehr gut den Adler mit dem Schriftzug erkennen. Einzuschätzen also auf Anfang der 70er Jahre, da es erst zu dieser Zeit den Schriftzug "Bundesgrenzschutz" gab. Von der Uniform her schließe ich (trotz schwarz-weiß) auf die Alte Uniform mit der grau-grünen Uniform und dem blau-grauen Hemd - also vor Einführung der Ostergaard-Uniform/letztere grüne Uniform.

Meine Vermutung ist daher, daß die Reisegruppe sich um eine Grenzbesichtugung bemüht hat und nach der Einweisung in der entsprechenden Grenzabteilung zu den Grenzpunkten vor Ort fuhr, bzw. es einen Treffpunkt der Gruppe gab, an dem der BGS-Beamte zugestiegen ist.

Ausgeschlossen wäre in diesem Fall die Besichtigung der DDR-Anlage auf dem Gebiet der DDR (wo man sich bestimmt nicht so freimütig über die Sperranlagen geäußert hätte)!!!

Wie sehen das die BGS-Kameraden???

Gruß Stefan


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11.08.2009 07:30
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#6
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Zitat von stalag-gra
Ausgeschlossen wäre in diesem Fall die Besichtigung der DDR-Anlage auf dem Gebiet der DDR (wo man sich bestimmt nicht so freimütig über die Sperranlagen geäußert hätte)!!!

Ich glaub' da ist der Schalck-Golodkowski einfach nicht 'drauf gekommen.
-Th


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11.08.2009 08:48
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#7
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Zitat von stalag-gra


Wie sehen das die BGS-Kameraden???

Gruß Stefan

Genau so. Wobei noch hinzuzufügen wäre: Es gab zwar ab ca. 1978 die neue Uniform. Die alte wurde aber immer noch aufgetragen. Bei uns in BS jedenfalls wurden an der Grenze auch die grünen Kombinationen (leichter Stoff) getragen, oder im Sommer nur die Hose sowie das graue, kurzärmelige Hemd. Wer wollte schon schwitzen.


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11.08.2009 10:58 (zuletzt bearbeitet: 11.08.2009 11:00)
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#8
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In Antwort auf:
sehr kurzer Clip. Als ich diesen das erste Mal sah, glaubte ich schon damals es muesse von einem IM in der Bundesrepublik gedreht worden.

Berliner



Es handelt sich hier keinesfalls um einen Mitarbeiter der bewaffneten Organe der DDR, ob GT, PKE, Volkspolizei oder Staatssicherheit. Diese Uniform hat nichts mit denen der DDR gemein. Auch die Wortwahl selbst und der Dialekt ist nicht ostdeutscher Herkunft. Ein Mitarbeiter der Behörden der DDR hätte auch in dieser Form nicht zum Betrachten oder Besuchen der Grenzanlagen der DDR eingeladen. Das Video selbst hat meines Erachtens ein westdeutscher Tourist gedreht, denn der IM in der Bundesrepublik hat sicherlich Wichtigeres zu tun, als einen BGS-Beamten im Bus beim Plausch mit Fahrgästen zu filmen, während man Grenzsicherungsanlagen der DDR bestaunen lässt.

Zur Frage der Reiseleiter: die Reiseleiter waren normale Angestellte der DDR-Reisebüros oder Jugendtourist-Reisebüros. Er ist mit Sicherheit auch nicht in den Privat-PKW gestiegen, sondern es war ein Dienstwagen des Reisebüros. Mit dem kann er bis zur GÜST, wenn es seine Arbeit erforderlich macht. Er muss auch nicht zwingend IM gewesen sein, aber auszuschließen ist die Möglichkeit natürlich auch nicht. Den Bericht hätte er sowieso liefern müssen.

Wir lesen uns,
Thomas.


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11.08.2009 11:19 (zuletzt bearbeitet: 11.08.2009 11:21)
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Zitat von Bunkerkommandant
Zur Frage der Reiseleiter: die Reiseleiter waren normale Angestellte der DDR-Reisebüros oder Jugendtourist-Reisebüros. Er ist mit Sicherheit auch nicht in den Privat-PKW gestiegen, sondern es war ein Dienstwagen des Reisebüros. Mit dem kann er bis zur GÜST, wenn es seine Arbeit erforderlich macht. Er muss auch nicht zwingend IM gewesen sein, aber auszuschließen ist die Möglichkeit natürlich auch nicht. Den Bericht hätte er sowieso liefern müssen.
Wir lesen uns,
Thomas.

Na, ist aber seltsam. Da werden an die GÜSTen nur PKE (also Leute von der 'Firma') und extra streng bestaetigte Grenzer hingelassen, und gleichzeitig koennen da einfach Fuehrer vom Reisebuero aufkreuzen (Dienst- oder Privatauto ist da nicht so entscheidend, ich schaetz die wuerden sich beide gleich gut als Fluchtmittel eignen). Irgendwie erscheint mir das nicht ganz schluessig - was nicht heisst das ich das Dir nicht glaube. Ich nehm's halt mal zur Kenntniss.
-Th


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11.08.2009 11:52 (zuletzt bearbeitet: 11.08.2009 11:53)
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#10
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@captndelta, in güst´en gab es doch auch bestätigte fremdhandwerker. es war also nicht unüblich das sich betriebsfremde vor ort befanden.


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11.08.2009 12:29
avatar  icke46
#11
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Hallo noch mal,

nachdem so langsam die Erinnerungen an diese Fahrten wieder hochkommen, muss ich meine Aussage so erweitern, dass bei der Fahrt nach Schwerin und Wismar 1988 der Reiseleiter tatsächlich an der Güst selmstorf eingestiegen ist, während es bei der 89er-Tour nach Eisenach der Bus die Reiseleiterin vor dem Bahnhof in Eisenach zugestiegen ist. Allerdings ist bei der 88er-Fahrt der Reiseleiter tatsächlich bis zur Güst Selmstorf mitgefahren und dort in einen Pkw (wenn ich mich recht erinnere, ein Trabant) umgestiegen. Er hatte sich übrigens als Lehrer und nebenberuflicher Reiseleiter vorgestellt - und zu Fragen bezüglich Schule etc. konnte er auch erschöpfend Auskunft geben.

Ich muss gelegentlich mal meine Fotoalben scannen, möglicherweise gibt es ein paar schöne Bilder für die Galerie (nicht von den Reiseleitern, sondern von der DDR Ende der 80er-Jahre.

Gruss

icke


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11.08.2009 13:30
avatar  glasi
#12
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Zitat von GilbertWolzow
@captndelta, in güst´en gab es doch auch bestätigte fremdhandwerker. es war also nicht unüblich das sich betriebsfremde vor ort befanden.

hallo. 1984. ein grenzer vom güst wahrta lief auf dem dach der kontollstelle rum. was er da machte? keine ahnung? auf einmal gab es einen knall und er war mit dem linken reiterstiefel durch gebrochen. ich konnte mir mit mühe und not das lachen verkneifen. meine frage ist jetzt aber. habt ihr alle reparaturen selber gemacht? oder gab es dann fremdfirmen? ich hoffe das meine frage beantwortet wird. lg glasi


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11.08.2009 14:51
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#13
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Zitat von karl143
Genau so. Wobei noch hinzuzufügen wäre: Es gab zwar ab ca. 1978 die neue Uniform. Die alte wurde aber immer noch aufgetragen. Bei uns in BS jedenfalls wurden an der Grenze auch die grünen Kombinationen (leichter Stoff) getragen, oder im Sommer nur die Hose sowie das graue, kurzärmelige Hemd. Wer wollte schon schwitzen.


Hallo Karl,

danke für die Bestätigung. Wenn ich mir dein Atavar so betrachte ... warst du mal Reiseleiter??

Spaß beiseite, du trägst wahrscheinlich den gleichen Dienstanzug wie in dem Clip der Beamte - sogar die Bergmütze.

Gruß Stefan


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11.08.2009 15:11
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#14
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Hallo Stefan,
nur bei der Hose bin ich mir nicht sicher. Auf dem Avatar ist das ja die Sommerhose. Wir hatten Mitte der 70er dann diese außerordentlich praktischen Dienstanzüge aus dem sehr leichten Stoff, bei denen das Oberteil in die Hose gesteckt wurde. Und im Sommer wurden auch Dienste nur mit der Hose und grauen Sommerhemd verrichtet. Die Hose des Beamten ist in dem Film aber nicht zu erkennen. Sonst könnte man den Zeitrahmen vielleicht noch ein bißchen eingrenzen.


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11.08.2009 17:23
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#15
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...und ich möchte meinen Senf auch noch dazu geben:

Der Film zeigt eindeutig einen Beamten des BGS (HW?/PHW?) während einer Grenzführung bzw. Grenzeinweisung in den 70ern.

Der BGS sah ja eine seiner Grenzaufgaben u.a. darin, Personen in den Grenzverlauf und auf das richtige Verhalten im grenznahmen Raum hinzuweisen. Dies konnte z.B. während einer normalen Streife sein, dass man unvermittelt Zivilpersonen antraf und mit Ihen ins Gespräch kam.

Anderseits gab es auch bei uns viele geplante Besuche. Dann kamen Besuchergruppen mit ihrem Bus, bekamen eine theoretische Einweisung per Film, Foto und am Sandkasten, dann gings zum Mittagessen in den Speisesaal und abschließend mit dem zivilen Bus an die Grenze. Wir hatten dort ein/zwei Vorzeigestellen, wo man mit dem Bus hinkam und man auch ein bißchen was zeigen und erläutern konnte. Der Reisebus war in der Regel von einem Streifenwagen begleitet. Die Führung im Bus führte entweder unser I/S, sein Vertreter oder aber erfahrene Streifenführer aus der Abteilung durch. Und genau das zeigt dieser Film!


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