Rummel, Kirmes, Volksbelustigung in der DDR

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02.09.2014 19:33 (zuletzt bearbeitet: 02.09.2014 19:38)
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#1
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Als Kind freute ich mich immer riesig, wenn die vielen bunten Wagen der Schausteller durch die Stadt fuhren und dann endlich auf dem großen Sportplatz an der Jutespinnerei einbogen. Wir wohnten damals ganz in der Nähe vom Platz und so mussten alle Fahrzeuge bei uns vorbei.
Wenn dann aufgebaut wurde, standen wir meist dabei und rätselten, was das denn nun für ein Fahrgeschäft wird wenn alles fertig war. Oder war es gar eine Losbude?

Interessant waren immer die Bezeichnungen für solche Veranstaltungen auf den Plakaten. Das stand oft "Volksbelustigung" aber alle sagten Rummel, Jahrmarkt oder Kirmes dazu. Die Fahrgeschäfte waren immer etwas besonderes und eben auch spottbillig. 10 Pfennig für das Kinderkarussell und fünf Lose für eine Mark. Es gab Kahnschaukeln sogar mit Überschlag, eine Geisterbahn, Autoscooter, ich glaube man nannte sie damals schon so, aber in Sachsen waren das "Schkodabahnen". Ach lange ist es her, doch ich kann mich noch an viele Details erinnern. Zum Beispiel gingen die älteren Herrschaften nur im Anzug und mit Schlips, damals gab es noch die ganz schmalen aus Leder, zum Jahrmarkt. Mutter verwaltete das Geld, aber es reichte doch immer für eine Portion Zuckerwatte. An der Bude roch es doch so schön nach Karamel durch den Zucker. Die Fahrgeschäfte waren oft noch aus der Vorkriegszeit, aber bereits aufgepeppt. So zierten Micky Maus und Donald Duck meist das ganze Karusell, obwohl es die Beiden sonst nicht zu sehen gab. Auf dem Rummel war vieles möglich. Die Losbuden hatten Siegerfotos von den Motorrad-WM zu gewinnen oder große Plüschtiere, welche sicherlich für den Export hergestellt waren. Ich gewann einmal einen großen Stundenlutscher mit mehreren bunten Schichten. Das hatte ich damals noch nie gesehen. Der musste ja praktisch aus dem Westen sein! Als meine Mutter auf das Etikett blickte stand "Elbdom Meissen" darauf.

Wie war das bei Euch, welche Dinge waren bei Euch die Attraktion? Welche Erinnerungen habt Ihr noch vom Rummel in der DDR?

Gruß vom Glatten


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02.09.2014 19:44
avatar  PF75
#2
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Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


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02.09.2014 19:46
avatar  Pit 59
#3
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Zitat von PF75 im Beitrag #2
Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


Gibst Du wirklich 750.- Euro an einem Rummeltag aus ,das wäre dann wirklich ein bischen viel


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02.09.2014 19:50
avatar  Krepp
#4
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Zitat von der glatte im Beitrag #1

...... Autoscooter, ich glaube man nannte sie damals schon so, aber in Sachsen waren das "Schkodabahnen".

Hallo,
also bei uns in Sachsn ("Leipziger Kleinmesse") waren die Autoscooter
in meiner aktiven Zeit so 65-75 auch schon bzw. nur die Autoscooter.
Kann mich beim besten Willen nicht an den begriff Schkodabahn erinnern.
Die Fahrt für 50Pf/Person später dann 1Mark/Wagen.
Noch später blieb zwar der Preis, aber die Uhren liefen wahrscheinlich schneller

Dann gabs noch die "Kotzmühlen", Achterbahn und auch Bierzelte.
Fast wie Oktoberfest - aber das 2x im Jahr

Gruß aus Leipzig
I/1979-II/1979 GAR05 GAK9
II/1979-II/1980 GR6 3.GB 10.GK Zarrentin


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02.09.2014 19:51
avatar  PF75
#5
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Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Zitat von PF75 im Beitrag #2
Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


Gibst Du wirklich 750.- Euro an einem Rummeltag aus ,das wäre dann wirklich ein bischen viel




Also von diesen Zahlen (750 € ) kann ich nur träumen,und man ist ja mitunter nicht allein und Rummel ist nicht nur einen Tag .


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02.09.2014 20:06 (zuletzt bearbeitet: 02.09.2014 20:08)
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#6
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Ich kann mich noch gut an die Leipziger Kleimesse erinnern.
Als fleissiger Altstoffsammler,hatte ich manchmal für damalige Verhältnisse beachtliche Ergebnisse erzielt.
So waren da manchmal 10 .-M keine Seltenheit.
Also noch Opa und Mama agebettelt,so das noch ein erheblicher Betrag dazu kam.
Straßenbahn 0,20 M,los gings.
Endstelle 28,bis Hauptbahnhof,dann den Rest Laufen.
Die kleinmesse war aus damaliger Sicht ein großes Areal.
Karrussel,Autoscooter,Losbuden usw.
Aber was mich komischerweise am meisten interessierte waren diese Spielautomaten .(warum mich gerade diese so anzogen,,kann ich nicht mehr sagen)
Da standen solche Einarmigen Banditen,vorher musste man Geld in Spielmarken umtauschen und dann ratter,ratter.
Als ich fast alles verspielt hatte,gab ich auf,anstatt es zu sparen, ging ich an die nächste Losbude und kaufte ein Los .
Und siehe da ich hatte den Hauptgewinn,freie Auswahl.
Suchte mir dann einen grossen Teddy heraus,den ich dann meiner kleinen Schwester schenkte.
Das machte natürlich Eindruck.


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02.09.2014 20:16
#7
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Diese alten Spielautomaten haben mich auch immer fasziniert. Vor allem die, wo oben eine Kugel rauskam und die dann unten mit einem Männchen mit einer Art Trichter auf dem Kopf auffangen musste.


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02.09.2014 20:22
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#8
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Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Zitat von PF75 im Beitrag #2
Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


Gibst Du wirklich 750.- Euro an einem Rummeltag aus ,das wäre dann wirklich ein bischen viel


Er schrieb von Wochenlohn und nicht Monatslohn!
Grüsse steffen52


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02.09.2014 22:13
#9
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Zitat von Pit 59 im Beitrag #3
Zitat von PF75 im Beitrag #2
Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


Gibst Du wirklich 750.- Euro an einem Rummeltag aus ,das wäre dann wirklich ein bischen viel



Du hast echt 750,-Ocken die Woche in cash ??

In meinem nächsten Leben werde ich auch Krankenpfleger....

....................................
Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !


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02.09.2014 22:16 (zuletzt bearbeitet: 02.09.2014 22:18)
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Zitat von PF75 im Beitrag #2
Rummel war immer gut,da konnte man sich für geringe Ausgaben eine ganze Weile verlustieren (oder wie heißt das )
Wenn man heute da mal hin geht ist ruck.zuck mal ein ganzer Wochenlohn weg .


Von was für einem Wochenlohn (netto ) redest Du denn, sonst spekulieren wir hier noch lange rum?


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03.09.2014 00:24
#11
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Ach Wochenlohn hin oder her ...

Die hier schon erwähnte Kleinmesse in Leipzig - Jahnallee am Cottaweg - war auch mein Himmel des Rummels. Ich habe hier viele Bierkrüge und sogar einen Bierstiefel (1,5 Liter) geschossen. An den Bierstiefel, käuflich eigentlich nicht zu erwerben mit "normalen" Mitteln, kann ich mich gut erinnern. Ich verschoss etwas mehr als 40 Mark für das Ding. Das war aber im Endeffekt kein so schlechtes Geschäft. Die Schießröllchen waren "wie das Wetter". Einige zersprangen mit einem einzigen Treffer. Aber im Durchschnitt brauchte ich doch 3 Schuss für ein Röllchen. Die ekligsten Dinger waren die, wo der Abdruck der Kugel mittendrauf zu sehen war, aber das Röllchen blieb ganz. Da gab es ganz böse Gerüchte ... war mir aber egal. Ich hatte meinen Spaß und am Ende einen Bierkrug oder eben besagten, noch heute bisweilen genutzten Stiefel.

Den Überflieger für mich gab es aber nicht in der DDR, sondern in der CSSR. Unsere Quartiereltern hatten groß angekündigt, nach Abertamy, oder in der alten deutschen Bezeichnung Abertam, käme ein Lunapark. Mir wurde der Platz gezeigt, auf dem er stehen sollte. Nunja, es waren entweder sehr kleine oder sehr wenige Buden. Letzteres stimmte: Eine Schießbude, eine Losbude mit Zuckerwatteverkauf und ein kleines Karussell. Das war der Lunapark. Ich war damals noch ein junger Leutnant und voller Stolz auf meine Schießkünste. Ich ging also an die Schießbude, orderte 5 Schuss und bekam einen Knicklader mit 5 Diabolos. Ich lud, zielte und drückte ab. Das Gewehr machte ein unbeschreibliches Geräusch. Unbeschreiblich, weil es unwirklich war und durch den nachfolgenden visuellen Eindruck sofort ins Hintertreffen geriet: Das Korn verschwand vor meinen Augen und nach unten blickend sah ich noch den vorderen Teil des Laufes hinter dem Tresen verschwinden. Mir war das im ersten Moment ungeheuer peinlich, zumal mein Tschechisch nicht imstande gewesen wäre, eine irgendwie geartete brauchbare Erklärung abzugeben. Ich hielt mit großen Augen der Unschuld dem Mann hinter dem Tresen das neuerdings kurzläufige Gewehr hin. Dieser sah es an, nickte, winkte ab und gab mir ein neues. Ich schoss, glaube ich, noch irgendein Blümchen, und wandte mich danach den Bieren zu, die es allerdings nicht im Lunapark von Abertamy gab, sondern in der Kneipe nebenan. Ein interessantes Erlebnis und merkwürdigerweise wesentlich präsenter, als viele Besuche auf der "Kleinmesse".

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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03.09.2014 00:57 (zuletzt bearbeitet: 03.09.2014 00:58)
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#12
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Ja die Kleinmesse in den 60ern ,das war was für uns Halbstarke. Es dröhnten aus den Boxen The Beatles und Rolling Stones, und ab in die Raube zum knutschen. Die Geisterbahn war auch beliebt ,taten die Mädels wenigstens so ,als hätten sie Angst. So konnten wir schützend den Arm darum legen. Mit 16 /17 Jahren war das schon was. Nicht zu vergessen als Kind das typische Foto mit dem Eisbären.


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03.09.2014 05:26
#13
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Ja, das war immereine schöne Zeit für uns Kinder schnell war das Taschengeld alle.... dann besuchte man die Oma und weiter gings. Später wurden die Schießbuden interessant.. und noch später ging man hauptsächlich hin um sich zu "treffen".

ohne es böse zu meinen, es war ein Stück "heile" Welt

gruß h.


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03.09.2014 08:05
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#14
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Mit 2 € braucht man heute kein Kind zum Rummel schicken.
Ich hatte selten mehr als 2 Mark (erarbeitet Dank Sero)


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03.09.2014 08:53
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#15
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Mal wieder ein Thema, bei dem die Wessis ausge"grenzt" werden . Ich schreibe trotzdem was:

Teile meiner Kindheit und meine gesamte Jugend habe ich im durchaus feierfreudigen Rheinland, konkret in Neuss, zugebracht. Dort veranstaltete (ob es heute noch so ist, weiß ich nicht) jedes, aber auch wirklich jedes Dorf sein eigenes Schützenfest mit angeschlossener Kirmes. Ich kann mich an ein Kaff erinnern, das so ca. 250 Einwohner hatte und bei dem der Schützenumzug vermutlich nach 3 Minuten vorbei gewesen wäre, wenn die nicht Gastvereine aus anderen, umliegenden Dörfern mit eingeladen hätten.

Eines der größten Schützenfeste weltweit findet traditionell am letzten Augustwochenende in Neuss statt, mit einer entsprechend großen Kirmes. Allein der Weg zum eigentlichen Festplatz ist ca. 1,5 km lang und rechts und links mit Buden aller Art gesäumt. Ich habe keine Ahnung, wie viele "Fahrgeschäfte" auf diesem Festplatz stehen, aber so 25, 30 dürften es sein.

Den Neussern bedeutet ihr Schützenfest ungefähr gleich viel wie den Kölnern der Karneval - was sie allerdings nicht daran hindert, auch den Karneval kräftig zu feiern.


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