Ausländer gestrandet in der DDR?

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07.08.2014 10:22von ( gelöscht )
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Ausländer gestrandet in der DDR?

Hallo,

Ich habe nun schon einige Zeit damit verbracht, im Internet nach einer Antwort auf meine Frage zu fahnden, konnte aber bisher leider nichts finden.

Ich frage mich was passiert wäre, wenn einem westlichen Touristen (der Einfachheit halber entweder Amerikaner, Engländer oder Franzose) innerhalb der DDR der Reisepass abhanden gekommen wäre (verloren oder gestohlen).

Ein amtliches Dokument, um sich zu auszuweisen, hätte es in diesem Fall ja nicht mehr gegeben, also wäre es sicherlich schwierig geworden, die DDR problemlos wieder zu verlassen.

Welche Optionen hätte ein ausländischer Touristen in dieser Situation gehabt, um letztlich wieder nach Hause zu kommen?


Vielen Dank schon einmal im Voraus für eure Antworten.

07.08.2014 11:34von eisenringtheo
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Wobei, der Trick mit dem falschen Pass war gar nicht so einfach, wenigstens bei Reisen mit Aufenthaltsvisum. Der Pass brauchte ein Ausreisevisum, das Foto musste meist *ausgewechselt werden, zu mindestens bei angeblich völlig Fremden. Zudem musste der Ausreisende einen Dialekt haben, der in etwa dem Wohnort entsprach. Andernfalls begannen die Passkontrolleure genauer zu kontrollieren.
Ein zweiter Ausweis hilft bei der Identitätsfeststellung und die Nummer des Passes ist wohl das wichtigste für die Polizei. Interessant wäre, in welchem Zeitrahmen die Passkontrolleure über "auffällige" Grenzübertrittsausweise informiert werden konnten.
*Eine Ausreise "auf Ähnlichkeit" war schon seit Oktober 1961 ohnehin praktisch ausgeschlossen.
http://www.fluchthilfe.de/begriffe.html
siehe "auf Ähnlichkeit"
Theo

07.08.2014 11:46von Sperrbrecher
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Zitat von Ferdinand83 im Beitrag #4
Da drängt sich bei mir aber auch die Frage auf, was passiert wäre, wenn den Behörden nicht sonderlich daran gelegen wäre, dem betroffenen Touristen zu helfen. Hätte ein Ausländer in dieser Situation eine Chance ohne die Hilfe der dortigen Behörden auszureisen oder wäre er mehr oder weniger den DDR-Organen ausgeliefert gewesen?

Es war ja doch hinreichend bekannt und wer hätte es nicht selbst erlebt, dass sich die Organe der DDR nicht durch übergroße Freundlichkeit gegenüber den Besuchern aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsraum auszeichneten.

Andrerseits war die DDR an diesen Besuchern als Devisenbringer interessiert und hat (davon bin ich überzeugt) ihre Diensthabenden sicher dazu angehalten, sich den Besuchern zwar nicht unbedingt freundlich, aber zumindest korrekt gegenüber zu verhalten. Da man auf internationale Anerkennung und Reputation aus war, hätte man den Betroffenen, nach Abwicklung des sicher recht umfangreichen bürokratischen Procederes und eingehender Befragung, doch wieder notgedrungenermaßen von hinnen nach dannen ziehen lassen müssen.

Besonders hilfreich gegenüber den Besuchern waren die "Organe" in außergewöhnlichen Fällen natürlich nicht, was ich im Falle einer Autopanne selbst erleben durfte.

Dieses grimmige Verhalten der "Organe" wurde dann aber wieder durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Handwerker in der Wekstatt wettgemacht, die alles stehen und liegen ließen, um das Westauto wieder flott zu machen. Nicht ohne vorher den versammelten Lehrlingen die speziellen technischen Eigenschaften eines Opels zu erklären (von denen ich bis dahin auch keine Ahnung hatte).

Kurzum, es hat sich für alle Beteiligten (außer für die Genossen) gelohnt. Mein Auto war (ohne Rechnungsstellung) wieder fahrtüchtig, der Automechaniker hatte paar (West)Märker in der Tasche und die Lehrlinge hatten was gelernt.

Im Übrigen gestaltete sich das Verhalten gegenüber des gemeinen Wessis (oder "Bundis" wie man damals sagte) doch recht unterschiedlich. Während ich als Alleinreisender (gelernter DDR-Bürger, Republikflüchtiger und nunmehriger Wessi) doch immer recht rüde angesprochen und intensivst kontrolliert wurde, änderte sich das schlagartig, als ich erstmalig mit meiner ausländischen, (auf mein anraten hin) exotisch gekleideten Ehefrau in die DDR einreiste. Man behandelte uns wie rohe Eier und ich war total verblüfft, als man sogar beim Zoll auf die gewohnte und ansonsten umfangreiche Kontrolle verzichtete, die man mir als Einzelreisenden bisher immer zuteil werden ließ.

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07.08.2014 11:52von Sperrbrecher
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #12
Es wurde in der Schweiz und sicher auch in D damals (und auch heute noch) empfohlen, einen zweiten Ausweis mit Lichtbild sowie eine Fotokopie mitzunehmen und getrennt vom anderen aufzubewahren.
Theo

Das mache ich bei jeder Auslandsreise so. In jeden meiner Gepäckstücke befindet sich mindestens eine Passkopie, die mir beim Passverlust und der Ausstellung von Ersatzpapieren gute Dienste leisten könnte.

07.08.2014 12:17von ( gelöscht )
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Zu meinem Beitrag #14 ergänzend !

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07.08.2014 12:42von Sperrbrecher
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Zitat von Ferdinand83 im Beitrag #8
Wäre man ohne Ausweis problemlos in seine jeweilige Botschaft gekommen?

Mit der amtlichen Verlustanzeige der VP sicherlich.

Zitat von Hapedi im Beitrag #15
Wurde der Reisepass nicht abgestempelt . Inder Kopie fehlt dan doch der Stempel.

Dieser fehlende Einreisestempel wurde doch durch das, in den Ersatzreisepass eingestempelte, Ausreisevisum der DDR-Behörde ersetzt.

07.08.2014 12:49von eisenringtheo
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Eine Flucht via CSSR und BRD Botschaft, CSSR Polizei? Wäre das möglich gewesen? Muss ich mal überlegen. Und wen hätte man da alles schmieren müssen?
Theo

07.08.2014 13:22von ( gelöscht )
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Bei der Einreise wurde man ja erfasst. Bei Verlust eines Passes bekam man nach Überprüfung ein neues Visum. Kann mir gut vorstellen das die Grenzorgane der CSSR informiert wurden das Person X besonders genau kontrolliert wird. Mit dem selben Namen zwei Personen wäre sicherlich aufgefallen. Mit meinem Ersatzpass dauerte die Kontrolle nicht länger wie mit dem Original. Nachgefragt wurde bei der Ausreise auch nicht. Daher nehme ich an das die Kontrollorgane informiert waren.

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07.08.2014 13:25von Sperrbrecher
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #21
Eine Flucht via CSSR und BRD Botschaft, CSSR Polizei? Wäre das möglich gewesen? Muss ich mal überlegen. Und wen hätte man da alles schmieren müssen?

Der Pass selbst wahrscheinlich weniger, denn jede Deutsche hat das Recht auf einen deutsche Pass.

Das eigentliche Problem dürfte wohl eher das Ausreisevisum der CSSR-Behörden gewesen sein. In solchen Fällen haben die (in brüderlicher Hilfe zur DDR) sicher ganz genau hingeguckt. Zudem wurde ja wohl die Einreise der Ausländer an der GÜST der CSSR registriert (Einreisekarte).

07.08.2014 13:41von Paramite
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@turtle der Grenzübergang Cheb ist mir wohl bekannt. Ich reise dort oft rüber. Ist nichts mehr so wie es mal war. Du hast nicht zufällig Bilder, wie es dort mal aussah zu Zeiten des eisernen Vorhang? Das Zollhaus ist jetzt ein Spielcasino und die Passkontrollbuden hat man entfernt.

07.08.2014 13:50von ( gelöscht )
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Zitat von Paramite im Beitrag #24
@turtle der Grenzübergang Cheb ist mir wohl bekannt. Ich reise dort oft rüber. Ist nichts mehr so wie es mal war. Du hast nicht zufällig Bilder, wie es dort mal aussah zu Zeiten des eisernen Vorhang? Das Zollhaus ist jetzt ein Spielcasino und die Passkontrollbuden hat man entfernt.


Nein ich habe keine Fotos vom Grenzübergang Cheb. Hätte mir auch nicht getraut damals da Fotos zu machen. Allgemein war ja bekannt das militärische Bereiche etc. nicht fotografiert werden durften. Im übrigen ich musste damals den Umweg von Hamburg über Bayern nehmen da mir die DDR wieder einmal eine DDR Sperre auferlegt hatte. Nicht einmal die Transitstrecke durch die DDR durfte ich nehmen. Wurde mir verweigert.
In der CSSR war damals die einfachste Gelegenheit sich mit Angehörigen aus der DDR zu treffen.

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07.08.2014 14:21von Batrachos
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Zitat von Lutze im Beitrag #7
Zitat von Freienhagener im Beitrag #6
Ein Ausländer ohne Reisepaß wurde selbstverständlich in seiner Botschaft vorstellig.


als Bundesbürger ohne Ausweis-Papiere in die ständige Vertretung der BRD?,
vor dem Eingang standen doch Uniformierte der DDR,
ob diese Bundesbürger so einfach reinkonnten?
Lutze


@Lutze

hätte man das nicht auch am Dialekt und an der Kleidung erkennen können ob es ein Bundesbürger gewesen wäre?
Ich Denke schon,gerade bei Schwaben Pfälzer und Bayern wäre es doch eindeutig gewesen.

MFG Batrachos

07.08.2014 15:07von eisenringtheo
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Zitat von Batrachos im Beitrag #26
(...)
@Lutze

hätte man das nicht auch am Dialekt und an der Kleidung erkennen können ob es ein Bundesbürger gewesen wäre?
Ich Denke schon,gerade bei Schwaben Pfälzer und Bayern wäre es doch eindeutig gewesen.

MFG Batrachos


Ich denke, das ging streng nach Dienstvorschrift. Zudem gab es auch Eingebürgerte und Doppelbürger. Ich habe einen kennengelernt, der vor vielen Jahren in die DDR gezogen ist, weil er in der BRD "einen Blödsinn" begangen hat, wie er sagte. Der sagte allen, dass er zurück wolle.
Theo

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07.08.2014 17:17von passport
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #2
Westliche Ausländer waren doch unter besonderer Beobachtung und in jedem Fall registriert.

Wenn deren Botschaft mit der Identifikation Schwierigkeiten gehabt hätte, dann hätten die DDR-Behörden sicherlich helfen können...

Im Zweifelsfall hätte man den abgeschoben, keinesfalls zum DDR-Bürger gemacht.




Suuupi @Freienhagener , Wahrsager war mein 2 Beruf



passport

07.08.2014 17:58von passport
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Zitat von Ferdinand83 im Beitrag #4
Danke Freienhagener, das macht natürlich Sinn und ja, ich glaube auch, dass die DDR-Behörden sicherlich gut informiert wären :-)

Da drängt sich bei mir aber auch die Frage auf, was passiert wäre, wenn den Behörden nicht sonderlich daran gelegen wäre, dem betroffenen Touristen zu helfen. Hätte ein Ausländer in dieser Situation eine Chance ohne die Hilfe der dortigen Behörden auszureisen oder wäre er mehr oder weniger den DDR-Organen ausgeliefert gewesen?

Wie gesagt, das ist alles sehr hypothetisch, aber es würde mich mal interessieren, wie die "Machtverhältnisse" lagen, da ich nach Gesprächen mit einigen Westdeutschen/Engländern/Franzosen zu der Ansicht gelangt bin, dass viele von denen Angst hatten in die DDR zu reisen, weil sie im Zweifelsfall einfach "einkassiert" worden wären.

Ist an der Hypothese was dran?





@Ferdinand83

Die entsprechenden DDR-behörden waren verplichtet den Reisenden zu helfen !


lt. Wiki

Verkehrsleistungen Transit BRD - WB

Jahr PKW LKW Busse Schiffe Personen
1988 6.762.522 1.236.583 96.314 13.103 23.978.322
1989 7.282.071 1.312.808 105.387 12.896
25.865.216



Dese Personen hatten keine Angst !

Dabei sind die Personen im Einreiseverkehr bzw. Transit 3. Staaten hier noch nicht erfasst.



passport

07.08.2014 18:14von ( gelöscht )
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Woher weißt du das die keine Angst hatten? Masse der Einreisenden = keine Angst?

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