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Der Teufelsgraben bei Seeburg, nur ein alter Rieselfeldgraben oder vielleicht auch ehemalige Grenzschleuse?

in Spurensuche innerdeutsche Grenze 05.06.2014 10:35
von Kalubke | 3.253 Beiträge | 3809 Punkte
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Im Bereich des GR-34 Groß Glienicke im SiA II südlich des PoP „BT9 Gatower Weg“ kreuzt der Teufelsgraben die ehemaligen Sperranlagen, die Grenze nach Westberlin und die Potsdamer Chaussee (siehe Karte). Im Bereich der ehem. Sperranlagen ist der Graben zugeschüttet und verrohrt worden (siehe Foto 1). Als früher die Berliner Abwässer noch auf die Rieselfelder und Klärteiche rund um das ehemalige Gut Karolinenhöhe geleitet wurden, diente er als Sammelgraben zur Rückführung der behandelten Abwässer nach Westberlin. Als später die großen Klärwerke in Westberlin und im DDR-Umland gebaut wurden, verloren die Rieselfelder und Grabensysteme ihre Bedeutung für die Abwasserbeseitigung.

Die Ein- und Auslaufbauwerke auf östlicher und westlicher Seite sowie der verrohrte Abschnitt weisen einige Eigentümlichkeiten auf, die vermuten lassen, dass er später auch anderen Zwecken gedient haben könnte.

Der verrohrte Abschnitt besteht auf östlicher Seite aus zwei parallel laufenden runden Betonröhren mit je ca. 1 m Durchmesser. Von den beiden Rohröffnungen im Einlaufbauwerk auf der DDR-Seite wurde nach der Stilllegung des Teufelsgrabens eine Öffnung vermauert die zweite aber offen gelassen (Foto 2, Foto 3). Die sonst für grenzüberschreitende Kanäle und Fließgewässer typischen eisernen Absperrechen fehlen hier. Dafür wurden aber seltsamerweise im Auslaufbauwerk auf der Westberliner Seite die Querschnitte der eiförmigen ca. 1 m hohen Kanäle mit je zwei eingemauerten kleineren Rohren verengt und damit unpassierbar gemacht (Foto 6). Kurz vor der Grenze befindet sich im vorgelagerten DDR-Gebiet noch ein gemauerter, quadratischer und mit lose aufgelegten Stoltedielen abgedeckter Übergabeschacht (ca. 2x2 m im Querschnitt und ca. 3 m tief), in den von Osten her die zwei DN 1000-Betonrohre und von Westen her die eiförmigen Kanäle einbinden (Foto 4, Foto 5). Die Sicherung des Übergabeschachtes durch eine separate Umzäunung wie es z.B. beim Wassmannsdorfer Klärgraben an der Grenze nach Rudow der Fall ist, fehlt hier ebenfalls. Dafür wurden aber im Schacht Steigeisen eingebaut. Der Rohrdurchmesser auf der DDR-Seite lässt m. E. das Passieren des unvermauerten Rohres vom DDR-Einlaufbauwerk bis zum Übergabeschacht und umgekehrt zu.

Kennt vielleicht jemand vom GR-34 diesen Grenzabschnitt aus seiner Dienstzeit und hat evt. dort den oft mit Schleusungen verbundenen Postenabzug erlebt?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Roman „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ von J. M. Simmel, zwar eine fiktive deutsch-deutsche Agentengeschichte aus den 60er Jahren aber mit erstaunlich detailliert beschriebenen realen Schauplätzen. Unter anderem ist dort auch von einem MfS-Schleusungstunnel im Bereich des Gutes Karolinenhöhe die Rede. Purer Zufall? Oder hat Simmel evt. Erkenntnisse aus westlichen gND-Kreisen über dieses Gebiet in seinem Buch verarbeitet?

Gruß Kalubke


Lageplan Teufelsgraben


Foto 1: Verlauf des verrohrten Grabenabschnittes unter den Sperranlagen (Blick aus Richtung Norden; dunkler, abgetauter und leicht eingesenkter Geländesteifen)


Foto 2: Einlaufbauwerk auf DDR-Seite


Foto 3: Einlaufbauwerk auf DDR-Seite (linkes Rohr vermauert)


Foto 4: Übergabeschacht von der Westberliner Seite aus gesehen (Grenze verläuft direkt hinter dem Geländer)


Foto 5: Innenansicht Übergabeschacht


Foto 6: Auslaufbauwerk auf Westberliner Seite


andyman, Harzwanderer, VNRut, PKE und Schlutup haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.06.2014 13:02 | nach oben springen


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