Das MfS in der DDR-Öffentlichkeit

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23.04.2014 18:59 (zuletzt bearbeitet: 23.04.2014 19:02)
avatar  Merkur
#1
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In einer Diskussion habe ich sinngemäß gelesen, dass der Bevölkerung die Arbeitsweise des MfS unbekannt war. Innerhalb des MfS gab es eine Diensteinheit, die sich mit der Öffentlichkeitarbeit beschäftigt hat. Dort wurden Buch- und Filmprojekte erarbeitet bzw. unterstützt, Ausstellungen durchgeführt usw.Dort sind Filme (mit-)entstanden wie:
- Geheimcode B 13
- For eyes only
- Reserviert für den Tod
- Radiokiller
- Die letzte Begegnung
- Schwarzer Samt
- Irrläufer
- Das unsichtbare Visier u. a.

Ähnlich wie Filme wurden auch Buchprojekte unterstützt und realisiert. Ich nenne auszugsweise:
- Werner Bauer "Der Kundschafter"
- Otto Bohnhoff "Die letzte Begegnung"
- Herbert Schauer "Im Namen des Kranichs"
- Hans Siebe "Aktion Januskopf"
- Günter Karau "Go oder Doppelspiel im Untergrund"
- Rudolf Weiß "Die Spur führt nach Bombay"
- Otto Bohnhoff/Herbert Schauer "Das unsichtbare Visier".

In den 60er Jahren gab es auch eine lesenswerte Heftreihe der Abteilung Agitation.
Bekannt sein dürften auch mehrere Bücher von Julius Mader. Ich habe alle diese Bücher zu DDR-Zeiten gelesen und die Filme vor und nach dem Ende der DDR gesehen. Aktuell sind "Radiokiller" und "Die letzte Begegnung" erschienen. Das sind m. E. gute Filme, die doch ein Stück weit Einblick in die Arbeit der Staatssicherheit geben. Daher denke ich, wer mit offenen Augen und Ohren durch die DDR gegangen ist, wusste zwar nicht am Detail aber doch ein Stück weit über die Arbeit und die Arbeitsweise des MfS Bescheid.


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23.04.2014 19:06 (zuletzt bearbeitet: 23.04.2014 19:10)
avatar  Alfred
#2
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Merkur,

Du kennst ja sicher dieses Buch.

"Die Aussage"

Wurde dies auch außerhalb vom MfS verlegt ?


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23.04.2014 19:10 (zuletzt bearbeitet: 23.04.2014 19:52)
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#3
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( gelöscht )

Ich bin auch mal bei sonem Straßenfest in den 80ern in Ost-Berlin gewesen, da wurde in einem Zelt die Arbeit der "K" genauestens und sehr professionell vorgestellt. Hintenrum war es natürlich teilweise auch die Arbeit des MfS. Spurensicherungskoffer, schicke Funkgeräte und so. Jedenfalls sprach die aufwändige Aufmachung nicht für ne normale VP-Werbeaktion. Es gab auch sehr nette Zivilisten, die einem alles erklärt haben. Habe aber nichts unterschrieben.

Nicht zu vergessen ist auch der ganze Sport. Dynamo und Co. Das war auch teilweise Stasi-Öffentlichkeitsarbeit.


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23.04.2014 19:11
avatar  matloh
#4
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Wurde in der Öffentlichkeitsarbeit auch erwähnt, warum es notwendig war, so eine große Zahl an IMs einzusetzen, wie deren Arbeitsweise war und warum das Überwachungsnetz des MfS dichter war als in den meisten anderen Staaten?

cheers matloh

Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)


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23.04.2014 19:14
avatar  Alfred
#5
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Hier das Buch.


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23.04.2014 19:20
avatar  ( gelöscht )
#6
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( gelöscht )

@Harzwanderer , bei jedem Pressefest der Märkischen Volksstimme in Potsdam gab es ein Zelt, in welchem die Arbeit der K vorgestellt wurde.
Da diese Leute in Zivil arbeiteten, waren sie auch dort nicht in Uniform vertreten.
mfgg Jan


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23.04.2014 19:22
avatar  Alfred
#7
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Zitat von matloh im Beitrag #4
Wurde in der Öffentlichkeitsarbeit auch erwähnt, warum es notwendig war, so eine große Zahl an IMs einzusetzen, wie deren Arbeitsweise war und warum das Überwachungsnetz des MfS dichter war als in den meisten anderen Staaten?

cheers matloh


Stand immer alles im Stat. Jahrbuch der DDR, Anhang, besonderer Teil.


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23.04.2014 19:23
avatar  Merkur
#8
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Zitat von Alfred im Beitrag #7
Zitat von matloh im Beitrag #4
Wurde in der Öffentlichkeitsarbeit auch erwähnt, warum es notwendig war, so eine große Zahl an IMs einzusetzen, wie deren Arbeitsweise war und warum das Überwachungsnetz des MfS dichter war als in den meisten anderen Staaten?

cheers matloh


Stand immer alles im Stat. Jahrbuch der DDR, Anhang, besonderer Teil.




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23.04.2014 19:29
avatar  ABV
#9
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ABV

Den Film "Irrläufer" habe ich 1988, spät Abends im DDR-Fernsehen gesehen. Er ist mir deshalb so in der Erinnerung geblieben, weil der Film in Küstrin-KIetz, ,meinem jetzigen Wohnort, spielte. Dabei ging es um einen Agenten des britischen Geheimdienstes, der die Aktivitäten auf dem Grenzbahnhof ausspionierte.
Interessanterweise beruht die Story auf einen tatsächlichen Fall, der sich jedoch bereits in den fünziger Jahren abspielte. Und weit weniger spektakulär als im Film gezeigt. Der im Dorf wohnende Eisenbahner Wilhelm S., sein Haus befindet sich übrigens in meiner direkten Nachbarschaft, hatte für den englischen Geheimdienst die Waggons der sowjetischen Militärzüge gezählt. Die Informationen hatte er dann einem Kontaktmann in Westberlin übergeben. Das ganze brachte ihm fünfzehn Jahre Haft ein.
Im Film verhielt sich das MfS völlig anders: der erkannte Spion wurde lediglich weiter oberserviert, jedoch nicht festgenommen. Mit der Begründung, dass es besser ist einen erkannten Spion unter Kontrolle zu halten, als Gefahr zu laufen, dass ein neuer Spion nachrückt. Ob dieses Vorgehen der Realität entspricht, wage ich zu bezweifeln.
Für den Sohn des "Spions" hatten die Aktionen seines Vaters ein bemerkenswertes Nachspiel: Trotz mehrfachen Antrags, durfte er, unter Hinweis auf die Vergangenheit seines Vaters, kein Kandidat der SED werden.

Gruß an alle
Uwe

23.04.2014 19:31
#10
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Für meine Begriffe eher Desinformation und Selbstdarstellung i.S. Kundschafter für den Frieden und Schild und Schwert der Arbeiterklasse. Dass sich die schützenswerte Arbeiterklasse auf die Partei reduzierte und innerhalb der Partei auf einen kleinen Zirkel wurde schon nicht mehr so gross herausgehängt.

Ich hatte Dokumente der MFS Öffentlichkeitsarbeit in der Hand, da wurde bei denen, die tatsächlich Informationen enthielten, zuerst einmal die Öffentlichkeit definiert, die sie noch zu sehen bekommen durfte.


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23.04.2014 19:32
avatar  Alfred
#11
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Zitat von ABV im Beitrag #9

Im Film verhielt sich das MfS völlig anders: der erkannte Spion wurde lediglich weiter oberserviert, jedoch nicht festgenommen. Mit der Begründung, dass es besser ist einen erkannten Spion unter Kontrolle zu halten, als Gefahr zu laufen, dass ein neuer Spion nachrückt. Ob dieses Vorgehen der Realität entspricht, wage ich zu bezweifeln.
Gruß an alle
Uwe


Entsprach aber der Realität.


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23.04.2014 19:36
avatar  Alfred
#12
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Zitat von diefenbaker im Beitrag #10
Für meine Begriffe eher Desinformation und Selbstdarstellung i.S. Kundschafter für den Frieden und Schild und Schwert der Arbeiterklasse. Dass sich die schützenswerte Arbeiterklasse auf die Partei reduzierte und innerhalb der Partei auf einen kleinen Zirkel wurde schon nicht mehr so gross herausgehängt.

Ich hatte Dokumente der MFS Öffentlichkeitsarbeit in der Hand, da wurde bei denen, die tatsächlich Informationen enthielten, zuerst einmal die Öffentlichkeit definiert, die sie noch zu sehen bekommen durfte.




Es kam immer auf die Art der Information an.

So konnte eine Information auch so beendet sein.


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23.04.2014 19:43
avatar  ( gelöscht )
#13
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( gelöscht )

Zitat von Merkur im Beitrag #1
In einer Diskussion habe ich sinngemäß gelesen, dass der Bevölkerung die Arbeitsweise des MfS unbekannt war. Innerhalb des MfS gab es eine Diensteinheit, die sich mit der Öffentlichkeitarbeit beschäftigt hat. Dort wurden Buch- und Filmprojekte erarbeitet bzw. unterstützt, Ausstellungen durchgeführt usw.Dort sind Filme (mit-)entstanden wie:
- Geheimcode B 13
- For eyes only
- Reserviert für den Tod
- Radiokiller
- Die letzte Begegnung
- Schwarzer Samt
- Irrläufer
- Das unsichtbare Visier u. a.

Ähnlich wie Filme wurden auch Buchprojekte unterstützt und realisiert. Ich nenne auszugsweise:
- Werner Bauer "Der Kundschafter"
- Otto Bohnhoff "Die letzte Begegnung"
- Herbert Schauer "Im Namen des Kranichs"
- Hans Siebe "Aktion Januskopf"
- Günter Karau "Go oder Doppelspiel im Untergrund"
- Rudolf Weiß "Die Spur führt nach Bombay"
- Otto Bohnhoff/Herbert Schauer "Das unsichtbare Visier".

In den 60er Jahren gab es auch eine lesenswerte Heftreihe der Abteilung Agitation.
Bekannt sein dürften auch mehrere Bücher von Julius Mader. Ich habe alle diese Bücher zu DDR-Zeiten gelesen und die Filme vor und nach dem Ende der DDR gesehen. Aktuell sind "Radiokiller" und "Die letzte Begegnung" erschienen. Das sind m. E. gute Filme, die doch ein Stück weit Einblick in die Arbeit der Staatssicherheit geben. Daher denke ich, wer mit offenen Augen und Ohren durch die DDR gegangen ist, wusste zwar nicht am Detail aber doch ein Stück weit über die Arbeit und die Arbeitsweise des MfS Bescheid.


Gern antworte ich auf die aufgeworfenen Frage,

aufgewachsen in einer mittelgroßen Arbeiterstadt im Süden des ehem. Bezirkes Schwerin, ich meine die 60er/70er Jahre wußte man schon von der Existenz dieses Sicherheitsorgans.
In den großen Betrieben ging es um den Schutz vor Spionage und Sabotage, im Allgemeinen war die Nähe zur ehem. Staatsgrenze, wir lebten kurz vor dem ehem. Sperrgebiet, gegenwärtig.
In unserer Stadt gab es auch, obwohl wir nicht Kreisstadt waren eine Kreisdienststelle des MfS, und jeder wußte, wo sie war.
In meiner Schulklasse ca. 1967 bis 1977 war die Tochter eines "MdI-Behördenangestellten", der in unserer späteren Zeit an der EOS so etwa 1975 über seine Arbeit sprach an der Transitautobahn Berlin-Hamburg, natürlich ohne Details zu benennen. Es ging um Menschenhandel, den, wie er es beschrieb, und wie wir es heute wissen im grossen Maßstab gab, auch wenn man es heute anders bezeichnet.

Kurzum, bis zu meinem 18.Lebensjahr war für mich selbst das MfS ein Abwehrorgan nach außen, dass die Belange der DDR und seiner Bürger schützte im Interesse des Friedens.

Wie sich diese Erkenntnis verhärmte, auch später verbitterte, steht auf einem anderen Blatt. Diesbezüglich möchte ich dem Ersteller des Threads nicht in die Quere kommen, wie man bei uns sagt.

VG Klaus


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23.04.2014 19:43
avatar  ABV
#14
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ABV

Ungeachtet der erwähnten Bücher und Filme: über die tatsächliche Arbeit des MfS war in der DDR so gut wie nichts bekannt! Da änderten auch die Bücher und Filme nichts. Weil sie zwar spannend, aber eben nicht real waren. Außerdem fanden diese Medienprodukte nicht unbedingt das Interesse der breiten Bevölkerung.
Im wesentlichen gab es eine Menge Gerüchte, die entweder zur Mystifizierung oder zur Verteufelung des MfS beitrugen. Aber auch diese erwiesen sich nicht selten als " heisse Luft".

Gruß Uwe

23.04.2014 19:49
avatar  Merkur
#15
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Zitat von ABV im Beitrag #14
Außerdem fanden diese Medienprodukte nicht unbedingt das Interesse der breiten Bevölkerung.
Gruß Uwe


Ich ging bisher immer davon aus, dass beispielsweise "For Eyes Only" oder "Das unsichtbare Visier" sog. Straßenfeger waren und auf breites Interesse stießen.


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