Grenzüberwachung an den Westgrenzen der "Alten Bundesrepublik"

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03.04.2014 21:56
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#1
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ABV

Über die Grenzen der DDR, insbesondere zu Westberlin und zur Bundesrepublik und den dort herrschenden Grenzregime wurde und wird viel geschrieben und diskutiert. Selbst wer diese mehr oder weniger spurlos verschwundenen Staatsgrenzen nie mit eigenen Augen sah, weiß wenigstens in Grundzügen über deren Aufbau, den Sicherungsmaßnahmen und über Vorkommnisse Bescheid.
Wie sah es denn aber an den westlichen. nördlichen und südlichen Grenzen der Bundesrepublik aus? Wurden diese Grenzen von BGS und Zoll überwacht? Oder beschränkte sich deren Präsenz ausschließlich auf die Grenzübergangsstellen? Was aus meiner Sicht keinen Sinn ergibt! Grenzübergänge verlieren zwangsläufig ihre Filterfunktion bei der Kriminalitätsbekämpfung, wenn diese Grenze ungehindert auch an jedem anderen Ort überschritten werden kann!
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.

Viele Grüße an alle
Uwe


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03.04.2014 22:10
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#2
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An Grenzübergängen oder in Zügen musste man darauf gefasst sein, manchmal einen Ausweis vorzeigen zu müssen. Ansonsten spielte die Grenze keine große Rolle. Da war auch nichts gesperrt, keine Zäune oder so. Man konnte einfach hin und hergehen.
Meine Tante aus dem Rheinland fuhr teilweise zum Supermarkt-Einkaufen nach Holland (macht sie noch heute). So mal eben schnell. Niemand kriegte das groß mit. Für einen West-Berliner wie mich faszinierend. Den Bierernst der DDR-Kontrolleure an ihrer Grenze konnte ich seitdem noch weniger nachvollziehen. Die wussten eben nicht, wie es im Rest der Welt zugeht.

Konnte man eigentlich damals von der DDR in die CSSR "querfeldein" und ungesehen hin- und herkommen? Durch Wälder oder so?


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03.04.2014 22:13
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#3
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Zitat von ABV im Beitrag #1
Über die Grenzen der DDR, insbesondere zu Westberlin und zur Bundesrepublik und den dort herrschenden Grenzregime wurde und wird viel geschrieben und diskutiert. Selbst wer diese mehr oder weniger spurlos verschwundenen Staatsgrenzen nie mit eigenen Augen sah, weiß wenigstens in Grundzügen über deren Aufbau, den Sicherungsmaßnahmen und über Vorkommnisse Bescheid.
Wie sah es denn aber an den westlichen. nördlichen und südlichen Grenzen der Bundesrepublik aus? Wurden diese Grenzen von BGS und Zoll überwacht? Oder beschränkte sich deren Präsenz ausschließlich auf die Grenzübergangsstellen? Was aus meiner Sicht keinen Sinn ergibt! Grenzübergänge verlieren zwangsläufig ihre Filterfunktion bei der Kriminalitätsbekämpfung, wenn diese Grenze ungehindert auch an jedem anderen Ort überschritten werden kann!
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.

Viele Grüße an alle
Uwe


Gute Frage.

Ich habe keine Ahnung wie es mal vor dem Beitritt war. Ich weiß nur das mit Schengen, das Ostgrenzenzen Problem auch an der Westgrenze eingetreten ist. Der Druck (z.B.) in Kehl, von Personen welche zu der Gruppe der Nichtsesshaften mit südosteuropäischen Hintergrund zählen und in Frankreich ihr Rückzugsgebiet haben ist enorm.


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03.04.2014 22:18
avatar  Mike59
#4
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Zitat von Harzwanderer im Beitrag #2
An Grenzübergängen oder in Zügen musste man darauf gefasst sein, einen manchmal Ausweis vorzeigen zu müssen. Ansonsten spielte die Grenze keine große Rolle. Da war auch nichts gesperrt, keine Zäune oder so. Man konnte einfach hin und hergehen.
Meine Tante aus dem Rheinland fuhr teilweise zum Supermarkt-Einkaufen nach Holland. So mal eben schnell. Niemand kriegte das groß mit. Für einen West-Berliner wie mich faszinierend. Den Bierernst der DDR-Kontrolleure an ihrer Grenze konnte ich seitdem noch weniger nachvollziehen. Die wussten eben nicht, wie es im Rest der Welt zugeht.


Entschuldigung für meinen Beitrag. Ich vergesse immer das es auch User in diesem Forum gibt die außer dem Einkaufen auf der anderen Seite keinen Bezug zu einer Grenze haben. mea culpa


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03.04.2014 22:18
#5
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Die Grenzbewachung Schweiz-Deutschland war minimal und erfolgte auf der Schweizer Seite durch Patrouillen des Grenzwachtkorps (bewaffnete Zöllner).
Theo


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03.04.2014 22:22
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#6
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #5
Die Grenzbewachung Schweiz-Deutschland war minimal und erfolgte auf der Schweizer Seite durch Patrouillen des Grenzwachtkorps (bewaffnete Zöllner).
Theo

Mal eine Frage dazu, machen die auch die Passkontrolle? Natürlich nicht auf Patrouille, aber am Grenzübergang?


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03.04.2014 22:24
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#7
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Die Grenzkontrolle Deutschland-Schweiz war in meiner Erinnerung strenger als Deutschland-Frankreich. Bei den Schweizern war in den Buden an der Grenze immer einer, der sich auch interessierte, wer da kommt. Nach Holland oder Belgien war manchmal gar keiner da. Dann fuhr man langsam durch. Ohne Kontrolle.


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03.04.2014 22:39
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#8
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ich kann über die Grenze nach Holland berichten. ca 60 km westlich Düsseldorfs ist die holländische Grenze- Dort gibt es hinter der Grenze direkt eine größere Stadt, das ist Venlo. Es war attraktiv dort zu kaufen, z.B. Kaffee war in Holland viel billiger. Ich war seit 1971 im Aussendienst tätig und da gab es eine Besonderheit, den Dieselpreis. In Holland kostete der Liter Diesel 17 Pfg/l. Dafür lohnte es sich, ca. 60 km nach Holland zu fahren und zu tanken ( in D war der Preis etwa 70 Pfg/l ). In 1974 kaufte ich mir den ersten " Heizöler " ( PKW mit Dieselmotor). Mein Tank fasste 60 l + 10 l Reservertank , dafür konnte ich 1000 km fahren. Die ersten Tankstellen waren direkt hinter Grenze mit Shop für Kaffee, Zigaretten und Tabak waren sehr billig in NL. So fuhren wir oft ein mal in der Woche zum Einkaufen dort hin. Grenzübergang war an der Autobahn, hin und wieder schauten sie in den Perso, der Zoll schaute eher selten in den Kofferraum, ob man nicht zu gierig war. Grenzbefestigungen = 0. Alles in allem nicht zu vergleichen mit unseren Ostgrenzen. Da erfuhr man noch was Abgrenzen bedeutet. Das war an der Grenze zu Holland wesentlich entspannter.


P.S es gab noch eine härtere Variante des Sparens mit Dieselautos, war aber Steuerhinterziehung. In den 70ern war das Heizöl noch nicht gefärbt und mit einem chemischen Indikator versehen. Meine damals älteren Kollegen mit EFH tankten an ihrer Ölheizung ohne Risiko. Für alle die es nicht wissen, leichtes Heizöl und Dieselkraftstoff sind die selbe Brühe. Das Heizöl kostete zu der Zeit etwa 8 - 10 Pfg/l Da war Autofahren billig


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03.04.2014 22:43
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#9
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Schön das da Beiträge kommen von Usern welche diese Grenze passierten.
Des Pudels Kern?

Zitat
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.



Gute Nacht


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03.04.2014 22:46
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#10
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Den meisten Ärger dürfte es mit dem Zoll gegeben haben. Etwa wenn sich jemand in Holland (legal) Haschisch kaufte und es dann (illegal) nach D einführen wollte. Also alles mehr Zollvergehen oder normale Rechtsverstöße, nicht grenzspezifisch. Sind wohl auch keine Holländer nach Deutschland geflüchtet.


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03.04.2014 22:52
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#11
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ABV

@Harzwanderer: ja man konnte ohne weiteres von der DDR in die CSSR "schleichen". Diese Grenze wurde lediglich von Grenzabschnittsposten überwacht. Und deren Gebiet war relativ groß.
Aber jetzt wieder zurück zum eigentlichen Thema: die West und Südgrenzen der Bundesrepublik hatten einen völlig anderen Charakter, als die zur DDR bzw zur CSSR. Was sich naturgemäß auf den Charakter der Kontrollen niederschlug. Aber ganz ohne ging es eben auch dort nicht. Nun noch einmal eine meine Eingangsfragen: wurde das Terrain zwischen den Grenzübergangsstellen, sprich die " Grüne Grenze" von BGS und / oder Zollstreifen überwacht? Für mich ein logischer Vorgang, wie bereits im Eröffnungsbeitrag geschrieben. Aber man findet so gut wie keine Hinweise darüber. Wenn vom Bundesgrenzschutz die Rede ist, dann stets im Zusammenhang mit der " innerdeutschen Grenze" Nie jedoch mit den anderen Bundesgrenzen.

Gruß Uwe


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03.04.2014 22:59
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#12
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Zitat von Mike59 im Beitrag #9
Schön das da Beiträge kommen von Usern welche diese Grenze passierten.
Des Pudels Kern?

Zitat
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.


Gute Nacht


@Mike59
also ich war kein Grenzer an der holländischen Grenze. Aber von Grenzverletzern hab ich nie gehört. Da hatte es niemand nötig, abseits der Strassen oder Eisenbahnlinien die Grenze zu passieren. Natürlich passten die am Kontrollpunkt auf, aber sehr oft konntest du in Schrittgeschwindigkeit vorbei rollen, der BGS winkte lässig durch. Ich glaube schon, dass sie einen Blick dafür hatten, wer ihre "Kunden" waren und diese dann näher betrachteten.
Die Grenze war völlig unbefestigt auch von holländischer Seite. Da konntest du einfach übern Acker oder durch den Wald in das andere Land laufen. Das war aber auch illegal, man war angehalten, die Übergänge zu nutzen.Ich hörte davon, das der Zoll Hinterlandkontrollen machte, selbst nicht erlebt


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03.04.2014 23:10
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#13
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ABV

Die holländische Grenze zu überwachen, dürfte wohl auch sehr schwierig gewesen sein. Ich bin da mal vor einigen Jahren entlangefahren. Mal war ich in den Niederlanden und die andere Straße führte mich zurück nach Deutschland. Ohne das ich bemerkte, eine Staatsgrenze überquert zu haben.
Ich kann mich aber daran erinnern gelesen zu haben, dass es in der Stadt Herzogenrath, wo die Grenze mitten durch den Ort verläuft, sogar eine Art "Grenzmauer" gegeben hat. Natürlich hat diese jetzt nichts mit der "Berliner Mauer" zu tun! Die Mauer in Herzogenrath sollte den Schmuggel, mit was auch immer, eindämmen. Über etwaige Erfolge ist mir nichts bekannt.
Und noch etwas habe ich irgendwann mal gelesen: nach Ende des Zweiten Weltkrieges, bis in die fünziger und sechziger Jahre hinein, sollen an der Grenze zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden regelrechte "Sperrzonen" gegeben haben. Deutsche durften sich der Grenze nicht näheren. Eine klare Folge der Erfahrungen welche das niederländische Volk mit dem deutschen Nachbar machen musste! Seitens der Niederlande wurde sogar die Abtretung von Teilen des westlichen Münsterlandes gefordert. Ebenfalls eine späte Reaktion auf den deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg.

Gruß an alle
Uwe


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03.04.2014 23:22
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#14
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Zitat von ABV im Beitrag #13
Die holländische Grenze zu überwachen, dürfte wohl auch sehr schwierig gewesen sein. Ich bin da mal vor einigen Jahren entlangefahren. Mal war ich in den Niederlanden und die andere Straße führte mich zurück nach Deutschland. Ohne das ich bemerkte, eine Staatsgrenze überquert zu haben.
Ich kann mich aber daran erinnern gelesen zu haben, dass es in der Stadt Herzogenrath, wo die Grenze mitten durch den Ort verläuft, sogar eine Art "Grenzmauer" gegeben hat. Natürlich hat diese jetzt nichts mit der "Berliner Mauer" zu tun! Die Mauer in Herzogenrath sollte den Schmuggel, mit was auch immer, eindämmen. Über etwaige Erfolge ist mir nichts bekannt.
Und noch etwas habe ich irgendwann mal gelesen: nach Ende des Zweiten Weltkrieges, bis in die fünziger und sechziger Jahre hinein, sollen an der Grenze zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden regelrechte "Sperrzonen" gegeben haben. Deutsche durften sich der Grenze nicht näheren. Eine klare Folge der Erfahrungen welche das niederländische Volk mit dem deutschen Nachbar machen musste! Seitens der Niederlande wurde sogar die Abtretung von Teilen des westlichen Münsterlandes gefordert. Ebenfalls eine späte Reaktion auf den deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg.

Gruß an alle
Uwe


hallo Uwe das mit Herzogenrath ist richtig. Die Grenze verläuft mitten durch den Ort, diese Mauer ist in der Strassenmitte und etwa kniehoch. Sieht so aus, wie auf den Autobahnen die Betonabtrennungen bei Baustellen mit verengten Fahrstreifen. Von den Sperrzonen habe ich nichts gehört. Muss dann in den Jahren nach dem Krieg gewesen sein. Als ich das erste Mal in Venlo war, ( Anf. 70erJahre ) waren wir Deutsche und vor allem unsere DMchen schon wieder herzlich willkommen.


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03.04.2014 23:31
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#15
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ABV

Hallo Gert!
Ja, das soll gleich nach dem Krieg gewesen sein. An der polnischen Grenze soll es ja angeblich auch Minenfelder, Stacheldraht und Beobachtungstürme gegeben haben. Wohlgemerkt auf polnischer, nicht auf der DDR-Seite- Obwohl ich an dieser Grenze aufgewachsen bin, habe ich so etwas nie gesehen. Außer ein paar Beobachtungstürmen. Von denen einer, gegenüber Reitwein, noch heute erhalten ist.
Ich denke mal, dass sowohl die Niederländer als auch die Polen, in der Nachkriegszeit ganz einfach Angst vor den Deutschen hatten. Aus Sicht dieser Völker absolut verständlich! Gegenseitiges Vertrauen musste sich erst entwickeln. Durch die Abschottung der DDR, auch nach dem Osten, konservierten sich etliche Vorurteile und Klischees regelrecht. Ganz offensichtlich lief das in der Bundesrepublik weitaus besser.

Gruß Uwe


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