Grenzüberwachung an den Westgrenzen der "Alten Bundesrepublik"

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03.04.2014 23:31
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#16
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Moin,

ich habe die Grenzen zwischen der Bundesrepublik und Frankreich, Belgien, Holland, Schweiz, Österreich oft als Kind /Jugendlicher miterlebt.
Das ging immer Korrekt ab. Ausweise raus, durchgewunken.
Meine Eltern hatten immer etwas Muffensausen, wenn wir wieder in die Bundesrepublik einreisten, waren doch meistens ein paar Fortunas, (Kippen) und ein paar Liter Cientotres (Weinbrand) zuviel im Kofferraum. Nicht zu vergessen den guten Penedes Wein. Wir Kinder hatten sich schlafend zu stellen, Mutter fuhr. (hatte sich vorher aufgebrezelt)
Hat immer geklappt. Die Schweizer fragten schonmal nach und da musste auch mal der Kofferraum aufgemacht werden. Der gefundene Schnaps und die Kippen waren denen egal, war ja nicht aus der Schweiz. Auf Bundesrepublikanischer Seite wurde dann durchgewunken.
England war bei der Einreise etwas speziell. Die schauten genau ins Auto wegen Tieren. (Tollwut) - Der Rest war egal.
Einmal hat mich der BGS gef..t... - Da war ich 19 und kam nach einer Tagesreise aus Holland (Venlo) - Klar, was war aus heutiger Sicht zu auffällig.
Naja, sie haben die Kippen unter dem Rücksitz gefunden und wir beiden Kumpels hatten danach ein Benzinproblem, da nach dem Strafzoll Pleite.
Nach dem Erlebniss sind wir dann immer über die Grüne Grenze aus Holland raus gefahren. Da war nix, kein BGS, kein Holländischer Zoll.
Als ich 86 das erste mal im Transit nach Westberlin mitfuhr, hatte ich allerdings den Arsch auf Grundeis! Ich kannte ja Grenzen und das mulmige Gefühl, aber bei der Grenze, mit einem solch martialischen auftreten, massig Betonbarrieren, mit Grenzern und geschulterter Kaschi, da wurde einem echt anders. Man hatte das Gefühl denen völlig ausgeliefert und völliger Willkür denen gegenüber zu sein. Dieses Gefühl gab es bei den Westgrenzen nicht.
Das ging schon los, wie die einen anschauten. Völlig ausdruckslos, zwar Korrekt, aber halt völlig, ich bezeichne es als "kalt" begegnet sind.
Da waren selbst die überkorrekten Schweizer immer zu einem Scherz gut drauf und haben gegrinst als ich mit meinem Steinalten Auto fragte: Was wollen se denn hier finden? - Waffen, Drogen, Geld? - Zweierlei habsch nicht und mit letzterem würde ich nicht diese Karre fahren!
Selbst als mich der BGS gefilzt und die Kippen gefunden hatte, ging das völlig locker ab. Geldabdrücken, freundliche Belehrung, weiter gings.
Die Westgrenzen waren teilweise nicht ohne, aber wesentlich menschlicher.

Viele Grüße
Carsten


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04.04.2014 00:26
#17
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Zitat von Mike59 im Beitrag #6
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #5
Die Grenzbewachung Schweiz-Deutschland war minimal und erfolgte auf der Schweizer Seite durch Patrouillen des Grenzwachtkorps (bewaffnete Zöllner).
Theo

Mal eine Frage dazu, machen die auch die Passkontrolle? Natürlich nicht auf Patrouille, aber am Grenzübergang?

Passkontrolle macht die Grenzpolizei. Das sind Dienststellen der jeweiligen Kantonspolizei. Ja nach Kanton sind das Beamte oder Angestellte. Der Zoll ist eine Bundesbehörde und das sind alles Angestellte, weil man das Beamtentum in einer Volksabstimmung im Jahre 2000 abgeschafft hat. Offenbar hatten Beamte keine grosse Sympathie beim Schweizer Stimmvolk...
Theo


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04.04.2014 01:44
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#18
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ABV
04.04.2014 09:13
#19
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Zitat von Gert im Beitrag #14
Zitat von ABV im Beitrag #13
Die holländische Grenze zu überwachen, dürfte wohl auch sehr schwierig gewesen sein. Ich bin da mal vor einigen Jahren entlangefahren. Mal war ich in den Niederlanden und die andere Straße führte mich zurück nach Deutschland. Ohne das ich bemerkte, eine Staatsgrenze überquert zu haben.
Ich kann mich aber daran erinnern gelesen zu haben, dass es in der Stadt Herzogenrath, wo die Grenze mitten durch den Ort verläuft, sogar eine Art "Grenzmauer" gegeben hat. Natürlich hat diese jetzt nichts mit der "Berliner Mauer" zu tun! Die Mauer in Herzogenrath sollte den Schmuggel, mit was auch immer, eindämmen. Über etwaige Erfolge ist mir nichts bekannt.
Und noch etwas habe ich irgendwann mal gelesen: nach Ende des Zweiten Weltkrieges, bis in die fünziger und sechziger Jahre hinein, sollen an der Grenze zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden regelrechte "Sperrzonen" gegeben haben. Deutsche durften sich der Grenze nicht näheren. Eine klare Folge der Erfahrungen welche das niederländische Volk mit dem deutschen Nachbar machen musste! Seitens der Niederlande wurde sogar die Abtretung von Teilen des westlichen Münsterlandes gefordert. Ebenfalls eine späte Reaktion auf den deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg.

Gruß an alle
Uwe


hallo Uwe das mit Herzogenrath ist richtig. Die Grenze verläuft mitten durch den Ort, diese Mauer ist in der Strassenmitte und etwa kniehoch. Sieht so aus, wie auf den Autobahnen die Betonabtrennungen bei Baustellen mit verengten Fahrstreifen. Von den Sperrzonen habe ich nichts gehört. Muss dann in den Jahren nach dem Krieg gewesen sein. Als ich das erste Mal in Venlo war, ( Anf. 70erJahre ) waren wir Deutsche und vor allem unsere DMchen schon wieder herzlich willkommen.


Das habe ich auch so in Erinnerung. Es muß in den frühen 90er Jahren gewesen sein, ich glaube, bei Kerkrade. Da sind wir so eine Straße langgefahren, einen Holländer zu besuchen, den wir kennengelernt haten. War schon irgendwie faszinierend. Auch als ich die dankbare Aufgabe hatte, mit unseren Geschäftspartnern aus SE-Asien (zwei Damen und zwei Herren von Reebok) nach Paris zu fahren (1998), wurden die nicht wieder, als wir so ganz ohne Kontrolle und ohne wesentliche Geschwindigkeitsreduzierung die Grenze überfuhren. Sowas kannten die auch nicht.


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04.04.2014 09:48
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#20
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Zitat von ABV im Beitrag #15
Hallo Gert!
Ja, das soll gleich nach dem Krieg gewesen sein. An der polnischen Grenze soll es ja angeblich auch Minenfelder, Stacheldraht und Beobachtungstürme gegeben haben. Wohlgemerkt auf polnischer, nicht auf der DDR-Seite- Obwohl ich an dieser Grenze aufgewachsen bin, habe ich so etwas nie gesehen. Außer ein paar Beobachtungstürmen. Von denen einer, gegenüber Reitwein, noch heute erhalten ist.
Ich denke mal, dass sowohl die Niederländer als auch die Polen, in der Nachkriegszeit ganz einfach Angst vor den Deutschen hatten. Aus Sicht dieser Völker absolut verständlich! Gegenseitiges Vertrauen musste sich erst entwickeln. Durch die Abschottung der DDR, auch nach dem Osten, konservierten sich etliche Vorurteile und Klischees regelrecht. Ganz offensichtlich lief das in der Bundesrepublik weitaus besser.

Gruß Uwe


moin Uwe, das mit den Grenzsicherungen der Polen war wohl unterschiedlich. Ich schrieb es schon mal, als ich bei der 6.GBK war, hatte ich auch 6 Wochen Dienst in der GK Ahlbeck. Da sind wir zwischen Ahlbeck im Norden und Kamminke im Süden an der Grenze Streife gelaufen. Die DDR hatte keiernlei Sicherungsmassnahmen außer unserer Streife. Die Polen hatten einen Stacheldrahtzaun mit Lichtschranken ( Infrarot oder ähnlich ?)


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04.04.2014 14:39
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#21
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ABV

@Gert : der von dir erwähnte Sperrzaun bei Ahlbeck hat offenbar noch bis zum Schengen-Beitritt Polens, im Jahre 2007, gestanden. Es gab ihn zumindest noch in den Neunziger Jahren. Ich kann mich an einen Bericht bei "Spiegel-TV" erinnern. Dort wurde von dem besagten Zaun berichtet. Immer wenn "illegale Einwanderer" oder wer auch immer den Zaun in Richtung Deutschland überwinden wollte, löste das beim Diensthabenden der polnischen Grenzwache Alarm aus. Also so ähnlich wie die Signalzäune an der ehemaligen Westgrenze der DDR.
Jedenfalls informierte der polnische Grenzschutz bei jeder Auslösung umgehend den Bundesgrenzschutz. Viele Auslösungen hat es dort oben aber anscheinend nicht gegeben. Das Kamerateam erwischte einen in einer Sanddüne abgeparkten BGS-Bully. Dessen Besatzung selig dem Feierabend entgegen schnarchte. Über die heimlich gedrehten Bilder dürften die Kollegen ganz sicher nicht glücklich gewesen sein!
Meines Wissens nach stellt der besagte Grenzzaun in der Gesamtheit der früheren Staatsgrenze zwischen der DDR und Polen, eine absolute Ausnahme dar. Normalerweise gab es dort keinerlei Sperranlagen. Außer den natürlichen "Sperranlagen" wie Oder und Neiße.

Aber jetzt wieder zurück zu den Westgrenzen der "alten" Bundesrepublik:
Für mich gibt es einen weiteren fulminanten Unterschied zu den Grenzen der DDR: diese Grenzen bestehen in aller Regel bereits seit Jahrhunderten. Sie sind geschichtlich begründet und wurden nicht von "Siegern" willkürlich gezogen! An diesen Völkern entwickelte sich im Laufe der Zeit ein enges Miteinander, dass eine strenge Grenzüberwachung von vornherein überflüssig machte. Die Bundesrepublik grenzte an Staaten, die über ein beinahe identisches Wirtschaftssystem mit einem annähernd gleichen Wohlstandsniveau. Darüberhinaus gab es dort, auf Grund des langen Miteinanders an diesen Grenzen, relativ starke persönliche Kontakte.
Gegenwärtig erleben wir erst jetzt und nicht etwa in der DDR, an der deutsch-polnischen Grenze eine Annäherung der Bevölkerung. Bei uns im Ort wohnen beispielsweise immer mehr Polen. Während sich Deutsche auf der anderen Seite der Oder niederlassen. Grenzgebiete, nicht zu verwechseln mit Sperrgebieten, leben ja von der Durchmischung der Bevölkerung. Echte Grenzstädte erkennt man daran, dass man auf den Straßen, beim Einkauf oder wo auch immer, beide Sprachen hört. Und spricht! Allmählich, ganz langsam, verschwinden die gegenseitigen Klischees aus den Köpfen. Wobei, auf Grund der ansteigenden Kriminalität, gegenwärtig in dieser Hinsicht eher ein Rückschritt zu beobachten ist!

Gruß an alle
Uwe

04.04.2014 16:14
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#22
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Ich hab hier mal einen Auszug aus dem damaligen BGSG (Bundesgrenzschutzgesetz):

Neben dem Schutz der Innerdeutschen Grenze hatte der Bundesgrenzschutz folgende Aufgaben:
Grenzpolizeilicher Schutz des Bundesgebietes: polizeiliche Überwachung der Grenzen zu Lande, zu Wasser und aus der Luft; polizeiliche Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs einschließlich der Überprüfung der Grenzübertrittspapiere und der Berechtigung zum Grenzübertritt sowie der Grenzfahndung; die Abwehr von Gefahren, die die Sicherheit der Grenzen beeinträchtigen, im Grenzgebiet bis zu einer Tiefe von 30 km und von der seewärtigen Begrenzung an bis zu einer Tiefe von 50 km

Die Grenzen zu den westlichen Nachbarländern wurden auch vom BGS überwacht. Durch die grenzpolizeilichen Kontrollen an den Grenzübergangsstellen, auch durch Kfz-Streifen im grenznahen Bereich und entsprechende Kontrollen. Zusätzlich gab es auch Kräfte des Zolls im entsprechenden Zollgrenzbereich.
Der BGS verrichtete diese Tätigkeiten in der Regel durch Kräfte des Grenzschutzeinzeldienstes an den Grenzübergangsstellen und durch Kräfte
des Grenzschutzkommandos West.

Ich selber habe während meines 2.ten Ausbildungsjahres an einer 2 tägigen Ausbildung im Bereich des damaligen Grenzüberganges Aachen-Nord
teilgenommen. Diese bestand durch Verlegung der Kräfte mittels Hubschrauber (Puma) von Bad Hersfeld nach Aachen. Am Grenzübergang wurden von uns Paßkontrollen sowie Fahrzeugkontrollen durchgeführt. Dabei wurden überwiegend Lkw`s auf Verkehrssicherheit überprüft. So kam es bei einem Autotransporter aus Holland zu einer Untersagung der Weiterfahrt da das Fahrzeug mit einem etwa 1 cm breiten Rahmenriß und mehreren total abgefahrenen Reifen in die Bundesrepublik einreisen wollte.
Das Ende vom Lied war, daß der Fahrer des Lkw`s nach mehreren Telefongesprächen mit seinem Chef ein verkehrstüchtiges Fahrzeug anforderte.
Dieses traf dann am nächsten Tag ein und wurde nach genauer Inaugenscheinnahme mit den acht Fahrzeugen des stillgelegten Lkw´s beladen.
Der von uns stillgelegte Lkw wurde später wieder zurückgeschleppt.

Gruß Willie


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04.04.2014 17:55 (zuletzt bearbeitet: 04.04.2014 17:56)
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#23
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Zitat von ABV im Beitrag #21
@Gert : der von dir erwähnte Sperrzaun bei Ahlbeck hat offenbar noch bis zum Schengen-Beitritt Polens, im Jahre 2007, gestanden. Es gab ihn zumindest noch in den Neunziger Jahren. Ich kann mich an einen Bericht bei "Spiegel-TV" erinnern. Dort wurde von dem besagten Zaun berichtet. Immer wenn "illegale Einwanderer" oder wer auch immer den Zaun in Richtung Deutschland überwinden wollte, löste das beim Diensthabenden der polnischen Grenzwache Alarm aus. Also so ähnlich wie die Signalzäune an der ehemaligen Westgrenze der DDR.
Jedenfalls informierte der polnische Grenzschutz bei jeder Auslösung umgehend den Bundesgrenzschutz. Viele Auslösungen hat es dort oben aber anscheinend nicht gegeben. Das Kamerateam erwischte einen in einer Sanddüne abgeparkten BGS-Bully. Dessen Besatzung selig dem Feierabend entgegen schnarchte. Über die heimlich gedrehten Bilder dürften die Kollegen ganz sicher nicht glücklich gewesen sein!
Meines Wissens nach stellt der besagte Grenzzaun in der Gesamtheit der früheren Staatsgrenze zwischen der DDR und Polen, eine absolute Ausnahme dar. Normalerweise gab es dort keinerlei Sperranlagen. Außer den natürlichen "Sperranlagen" wie Oder und Neiße.


Gruß an alle
Uwe




Die polnischen Anlagen muss es auch nach 2007 noch gegeben haben. Die BGS Beamten wurden dort oben immer mal von der polnischen Seite informiert das ihre Anlage ausgelöst hat. Die BGS Streife wurde dann in diesen Bereich zum Einsatz gebracht und der Zoll hat genau an der entgegengesetzten Richtung die Illegalen aufgegriffen. Das ist ein paar mal so gewesen, danach hat man die Infos der Polen ignoriert.


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04.04.2014 21:38
#24
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Zitat von Gert im Beitrag #12
Zitat von Mike59 im Beitrag #9
Schön das da Beiträge kommen von Usern welche diese Grenze passierten.
Des Pudels Kern?

Zitat
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.


Gute Nacht

@Mike59
also ich war kein Grenzer an der holländischen Grenze. Aber von Grenzverletzern hab ich nie gehört. Da hatte es niemand nötig, abseits der Strassen oder Eisenbahnlinien die Grenze zu passieren. Natürlich passten die am Kontrollpunkt auf, aber sehr oft konntest du in Schrittgeschwindigkeit vorbei rollen, der BGS winkte lässig durch. Ich glaube schon, dass sie einen Blick dafür hatten, wer ihre "Kunden" waren und diese dann näher betrachteten.
Die Grenze war völlig unbefestigt auch von holländischer Seite. Da konntest du einfach übern Acker oder durch den Wald in das andere Land laufen. Das war aber auch illegal, man war angehalten, die Übergänge zu nutzen.Ich hörte davon, das der Zoll Hinterlandkontrollen machte, selbst nicht erlebt



Rot: Ja Danke, kenn ich zu genüge. Als Langhaariger aus Holland kommend war man regelmäßig "fällig".......... Nur gefunden haben sie nie was .....

Intellektuelle spielen Telecaster


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05.04.2014 10:04
#25
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Persönlich erlebt haben diese Grenze die meisten aus der DDR erst in der Neuzeit - so auch ich.

Wir waren z. B. im Elaß. Solch eine Grenze und Nachbarschaft ist wirklich eine Freude.

Das hätten die Bewohner entlang unserer Ostgrenze gewiß auch gern.

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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30.04.2014 18:25
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#26
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Zitat von ABV im Beitrag #1
Über die Grenzen der DDR, insbesondere zu Westberlin und zur Bundesrepublik und den dort herrschenden Grenzregime wurde und wird viel geschrieben und diskutiert. Selbst wer diese mehr oder weniger spurlos verschwundenen Staatsgrenzen nie mit eigenen Augen sah, weiß wenigstens in Grundzügen über deren Aufbau, den Sicherungsmaßnahmen und über Vorkommnisse Bescheid.
Wie sah es denn aber an den westlichen. nördlichen und südlichen Grenzen der Bundesrepublik aus? Wurden diese Grenzen von BGS und Zoll überwacht? Oder beschränkte sich deren Präsenz ausschließlich auf die Grenzübergangsstellen? Was aus meiner Sicht keinen Sinn ergibt! Grenzübergänge verlieren zwangsläufig ihre Filterfunktion bei der Kriminalitätsbekämpfung, wenn diese Grenze ungehindert auch an jedem anderen Ort überschritten werden kann!
Kam es an den westlichen Grenzen der Bundesrepublik zu spektakulären Vorkommnissen? Nach welchen Richtlinien verlief der Dienst der dortigen Grenzüberwachungsorgane? Gab es illegale Grenzübertritte? Wenn ja, wie ging man mit ertappten "Grenzverletzern" um?

Ihr lieben Kollegen von BGS und Zoll, jetzt seid ihr gefragt. Lasst bitte einen früheren VOPO nicht dumm sterben.

Viele Grüße an alle
Uwe



Hallo Uwe;

ich habe von 1978-1984 im Grenzabschnitt Gifhorn (Niedersachsen) Dienst versehen. Gegenüber lag der Abschnitt von Nord=Radenbeck bis Süd= Grasleben. Der BGS Gifhorn hatte seinen Bereich in drei Abschnitte eingeteilt, welche sich überlappten. Die Streifentätigkeit war zeitgleich immer nur in einem Abschnitt, es sei denn, eine Kontrollstreife war auch unterwegs. Der Dienst vor Ort an der DML war ca. 8-9 Stunden und wechselte von motorisierter Abfahrt mit Haltepunkten über Fußstreifen in sehr unzugänglichen Abschnitten. In der Regel waren die Streifen mit 3-4 Beamten besetzt. Führungen von Besuchergruppen und Einweisungen von neuen Kräften gehörten auch zum Aufgabenfeld. In der Regel war damals der VW-Buli das Fahrzeug der Wahl, da der praktisch überall (bei guten fahrerischen Fähigkeiten) hinkam. Vereinzelt, im Winter, auch mal der VW 181 (Kübel) oder für die K-Streife der Mercedes GE oder VW Passat Kombi. Es war ein offener Beobachtungsdienst (Aufklärung) bei dem die Gegenseite nicht provoziert werden sollte. Kontaktaufnahme mit dem Grenzzolldienst war auf der Streife üblich und sehr beliebt. Grundsätzlich wurden alle Bewegungen (Luft und Land) beobachtet und im Streifenbefehl dokumentiert. Falls Fragen, einfach mailen. Viele Grüße Michael


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30.04.2014 18:43
#27
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Darf ich auch mal eine Frage stellen? Wie war das beim BGS, war im Ernstfall auch eine militärische Grenzverteidigung vorgesehen? Wenn ja, mit welchen Mitteln?

Intellektuelle spielen Telecaster


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01.05.2014 18:32
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #27
Darf ich auch mal eine Frage stellen? Wie war das beim BGS, war im Ernstfall auch eine militärische Grenzverteidigung vorgesehen? Wenn ja, mit welchen Mitteln?

Nein.

Es wurde ja im Gegensatz zur anderen Seite keine Grenze verteidigt sondern kontrolliert. Und das auch nicht rund um die Uhr.

Solche Begriffe wie "Feindwärts" gab es beim BGS nicht.


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01.05.2014 19:25 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2014 19:47)
#29
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Auch wenn der BGS dem Bundesinnenministerium unterstellt und ein staatlicher paramilitärischer Verband war , besaß er lange den Kombattantenstatus. Die Länderpolizei der einzelnen Bundesländer hatte diesen Status nicht.
Dh. dem BGS war nach Völkerrecht erlaubt in kriegsmäßigen Konflikten einzugreifen und zu handeln. Daher standen den Angehörigen des BGS bei Gefangennahme entsprechend der Genfer Konvention der Status als Kriegsgefangener zu.
Im Verteidigungsfall hätte der BGS mit den eigentlichen Streitkräften militärische Aufgaben erfüllt.


passport


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01.05.2014 19:28 (zuletzt bearbeitet: 01.05.2014 19:30)
avatar  Mike59
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Zitat von Schuddelkind im Beitrag #27
Darf ich auch mal eine Frage stellen? Wie war das beim BGS, war im Ernstfall auch eine militärische Grenzverteidigung vorgesehen? Wenn ja, mit welchen Mitteln?

Hab ich auch noch nicht gehört, das es da eine Grenzverteidigung gab bzw. vorgesehen war. Deine Frage bezieht sich ja auf den E Fall.
Aus der Grenzüberwachung in eine Grenzverteidigung war eigentlich keine Aufgabe des BGS. So wie die meisten User hier im Forum ihn kennen gelernt haben.
Die Zeiten ändern sich eben und mit ihnen die Aufgaben.
Beim BGS der "ersten Stunde" waren die Prioritäten eventuell etwas anders.
Video: 2th ACR und BGS? bei einer Übung.
Eine solche "Verteidigungssituation" entsteht ja nicht über Nacht - die GT wurde z.B. in späterer Zeit Ihrer "Teilselbstständigkeit" verlustig und wurde dem für den Bereich verantwortlichem "richtigem" Militär (NVA/GSSD) unterstellt.
Ich kann mich noch an meine Anfangszeit erinnern - da sollte der Gegner durch die GT in der Grenzschlacht (für x+ ? sec.) gebunden werden - lächerlich.


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