Krank im ( zum) Grenzdienst

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15.03.2014 21:21von Batrachos
Frage
Krank im ( zum) Grenzdienst

Hallo,

Wie sah es eigentlich damals aus wenn ein Posten im Grenzdienst plötzlich schwer erkrankte.
Nehmen wir mal an Posten und Postenführer müssen zur Spätschicht in den Abschnitt
und essen vorher noch zu Mittag z.B. Kassler und Sauerkraut. Irgendetwas war nicht mehr ganz so genießbar.
Nach einiger Zeit schlägt es dem Postenführer extrem auf den Magen und er bekommt starken Durchfall und Magenkrämpfe
mit Fieber.
So nun meine Fragen:
Konnte die Person problemlos aus dem Grenzdienst ausgelöst werden?
Mußte er die Schicht egal wie zu Ende bringen?
Wer hat solche Erfahrungen von euch gemacht und ist plötzlich im Dienst krank geworden(oder sein Kamerad) so das es sofort ärztlicher Hilfe bedarf?
Wie lange hat es im Regelfall gedauert den Kameraden abzulösen?
Möchte hier auch noch mal ehemalige Angehörige der Passkontrolleinheiten ansprechen,wie sah es da an den Grenzübergangsstellen aus?
Kann mir gut vorstellen bei einer Fahrzeugkontrolle wenn auf einmal der Magen rebelliert.
Mußte man auch dort durchhalten,oder wurde man gleich vom Kollegen abgelöst?
Es geht ja manchmal recht schnell und die Hosen sind dann voll.
Auf eure ersten Antworten freue ich mich.

MFG Batrachos

17.03.2014 22:13von ( gelöscht )
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Ich kann mich nur auf meine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen beziehen.

Bei Kleinigkeiten ging es halt zur Mutter der Kompanie samt Schreiber. Der Hauptfeldwebel war bekanntlich der Vorgesetzte aller Soldaten und konnte als Innendienstleiter auf direktem Dienstweg erreicht werden.
Bei dem gab es während meiner Grenzzeit nötigste rezeptfreie Medikamente aus der sogenannten Hausapotheke, mit denen man einem Zipperlein zu Leibe rücken konnte.

Bei akuten Fällen wie Knochenbrüchen, bakterieller Ruhr, Blinddarmentzündung oder Fensterstürzen inklusive Beckenbruch, Harnröhrenabriss und Schmetterbruch des Armgelenks (einige meiner Mitgefährten erwischte so etwas) lief die Sache selbstverständlich medizinisch-professionell ab.

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18.03.2014 18:09von PF75
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Ich hatte einmal Fieber nach dem Nachtschießen,da gabs eine Frühschicht frei und die anschließende Tagschicht auf die Füst und alles war wieder gut (,freiauch nur weil alle leute in der GK waren und keiner auf Urlaub )

18.03.2014 19:04von ( gelöscht )
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Wie ich mehrfach schrieb, war ich Sani-Uffz. im GAR-5 in Glöwen, also nie an der Grenze...
Trotzdem zum Thema, man kann davon ausgehen, dass die Kameraden, vor allem die GWDler, ohne wesentliche chronische Erkrankungen einberufen worden waren, und somit medizinische Probleme allenfalls bei etwaigen Erkältungs- oder Durchfallerkrankungen, vor allem aber durch Verletzungen entstehen konnten.
Wenn auch in den GK´s keine Ärzte stationiert waren, gab es meines Wissens dort aber sanitätsmäßig ausgebildete Kameraden, die durchaus den Schweregrad einer Erkrankung oder Verletzung einschätzen konnten. Jene wußten auch, auf welchem Wege den betroffenen Kameraden entsprechende Behandlung zuteil wurde.
Und, was auch hier sehr oft zu lesen ist, die Grenzer hatten durchaus den Ehrgeiz und den Kameradschaftswillen, nicht wegen jeder Lapalie den Dienstplan, den Urlaub oder Ausgang von Kameraden zu gefährden!
Dazu noch die Selbstmedikation...

Durchaus erwähnenswert, finde ich!

VG Klaus

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18.03.2014 19:10von ( gelöscht )
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Danke für die Antworten.
Meine Zivilistenlogik wäre: Wenn einer krank ist, schnell zum Arzt und schnell erholen, damit man schnell wieder einsatzfähig ist und niemanden ansteckt. Gerade bei den Grenztruppen hatte man doch eine friedensmäßig aufgebaute Infrastruktur zur Verfügung. Lazarette, Ärzte, zivile Krankenhäuser, Medikamente, alles was das Herz begehrt.

Wozu diese "falsche" Härte? Hätte man so mehr "Grenzverletzter" erwischen wollen? Mit Leuten, die dann eben mal auf dem letzten Loch pfeifen? Oder dachte man sich insgeheim, auch noch jede kranke "Mumie" kann Grenzdienst schieben, ist ja "nur" Wachdienst? Oder war das das Denken, man ist ständig im Gefecht und da müssen eben härtere Regeln gelten?

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18.03.2014 19:19von RudiEK89
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Mir fällt zu deiner Frage nur eins ein, Kameradschaft bzw Freundschaft untereinander, war oberstes Gebot. Und das war jedenfalls bei mir in der Gk so.

Andreas

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18.03.2014 19:19von PF75
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Kommt mir gerade in den Sinn,wir hatten gefechtsmäßige Grenzsicherung undin der 2. Nacht klagte unserer ZF über Schmerzen im Arm,morgens dann mal bei tageslicht nachgeschaut und siehe da er hatte eine schöne Blurvergiftung .
Da wurde ruckzuck ein LO aus dem Grenzdienst gelöst und er ins Krankenhaus nach Boitzenburg verbracht, nach einer Woche ? was er wieder da.

PS.unser Zugstützpunkt war die örtliche Müllkuhle des Dorfes Zweedorf

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18.03.2014 22:20von ( gelöscht )
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Zitat
… man kann davon ausgehen, dass die Kameraden, vor allem die GWDler, ohne wesentliche chronische Erkrankungen einberufen worden waren, und somit medizinische Probleme allenfalls bei etwaigen Erkältungs- oder Durchfallerkrankungen, vor allem aber durch Verletzungen entstehen konnten.

Um es profan auszudrücken: Das kommt so hin. Außerdem waren wir sehr junge Leute, die noch nicht von gesundheitlichen Problemen späterer Lebensjahre betroffen waren.
Zudem wurden wir Impfungen unterzogen, wogegen alles weiß ich nicht mehr, es hat auch keiner groß gefragt.

Zitat
Wenn auch in den GK´s keine Ärzte stationiert waren, gab es meines Wissens dort aber sanitätsmäßig ausgebildete Kameraden, die durchaus den Schweregrad einer Erkrankung oder Verletzung einschätzen konnten. Jene wußten auch, auf welchem Wege den betroffenen Kameraden entsprechende Behandlung zuteil wurde.

Zu uns kam in regelmäßigen Abständen ein Feldscher in die Kompanie, der medizinischer Ansprechpartner war, Tipps zum Erkennen von und Vorbeugen vor Krankheiten gab.
Ich kann mich noch erinnern wie dies während einer Hitzewelle und bei einem Fall von Bakterienruhr ablief.

Zitat
Und, was auch hier sehr oft zu lesen ist, die Grenzer hatten durchaus den Ehrgeiz und den Kameradschaftswillen, nicht wegen jeder Lapalie den Dienstplan, den Urlaub oder Ausgang von Kameraden zu gefährden!
Dazu noch die Selbstmedikation...

Dem muss ich beipflichten.
… hinzu kam zu meiner Dienstzeit, dass die Kompanie personell unterbesetzt war – etwa ein Drittel der Mannschaftsstärke war nicht wirklich vor Ort. Jede Menge Leute waren irgendwohin abkommandiert, da waren Dienstplan, Urlaub und Ausgang entsprechend "sensibilisiert" und hatten durchaus einen gewissen Einfluss auf das Krankheitsverhalten.

Zitat
Meine Zivilistenlogik wäre: Wenn einer krank ist, schnell zum Arzt und schnell erholen, damit man schnell wieder einsatzfähig ist und niemanden ansteckt. Gerade bei den Grenztruppen hatte man doch eine friedensmäßig aufgebaute Infrastruktur zur Verfügung. Lazarette, Ärzte, zivile Krankenhäuser, Medikamente, alles was das Herz begehrt.

Nun, Zivilistenlogik ist die eine Sache, doch das Soldatsein eine andere Wirklichkeit. Natürlich existierte in dieser Wirklichkeit medizinische Versorgung, nur dass diese sich nicht in einem Schlaraffenland manifestierte, in welchem dem Patienten der Hintern hinterher getragen wurde. Von wegen überall alles was das Herz begehrt.

Zitat
Wozu diese "falsche" Härte? Hätte man so mehr "Grenzverletzter" erwischen wollen? Mit Leuten, die dann eben mal auf dem letzten Loch pfeifen? Oder dachte man sich insgeheim, auch noch jede kranke "Mumie" kann Grenzdienst schieben, ist ja "nur" Wachdienst? Oder war das das Denken, man ist ständig im Gefecht und da müssen eben härtere Regeln gelten?

Um das Pferd mal von hinten aufzuzäumen: Grenzdienst inklusive Wachdienst waren Gefechtsdienst. Strengere Regeln herrschen hier schon.
Trotz dessen, dass einem am Kanten besonders viel abverlangt wurde, hieß das nicht, dass temporär völlig Dienstuntaugliche verheizt wurden. Dies wäre ja total kontraproduktiv gewesen.
In diesem Zusammenhang ging es da nicht um "falsche" Härte, sondern um einfache militärische Härte bzw. eine Art von Selbstüberwindung/Selbstdisziplin.

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