Besuche in der DDR als amnestierter 213er

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10.03.2014 15:08von ( gelöscht )
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Besuche in der DDR als amnestierter 213er

Wie war eigentlich das Verhalten der Kontrollierenden gegenüber den Reisenden geregelt bzw. befohlen ?

Nach meiner Amnestie und Einstellung des Ermittlungsverfahrens wegen § 213 war ich häufiger Besucher in der DDR und habe die unterschiedlichsten Behandlungsweisen durch die Grenzbediensteten erfahren.

Oftmals fanden die Kontrollen im recht rüden Ton statt, andrerseits wieder in auffallend höflichen, ja sogar freundlichen Gesprächen.

Mir war natürlich klar, daß man bei meinem Erscheinen als amnestierter Straftäter und Grenzverletzer am Grenzübergang nicht unbedingt vor Freude an die Decke sprang, denn dem Kontrollierenden war ja wohl meine Historie als vormaliger DDR-Bürger sicher nicht unbekannt und zumindest durch meinen in den Dokumenten ersichtlichen Geburtsort und meinen Dialekt erklärlich.

Trotzdem hat es mich immer wieder verwundert, wie unterschiedlich doch der Empfang bei der Einreise und letztendlich auch die "Verabschiedung" bei der Ausreise vonstatten ging.

Man gewann bald den Eindruck, daß der Umgangston per Tagesbefehl entsprechend der politischen Großwetterlage vorgegeben wurde, zumal mir die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Grenzbeamten von anderen Besuchern ohne DDR-Vergangenheit auch immer wieder bestätigt wurden.

Die obligatorischen Zollkontrolle fand meistens weniger intensiv statt, weil, wie es aus meiner Akte nunmehr ersichtlich ist, nicht um originäre Zollbeamte, sondern um MfS-Mitarbeiter in Zolluniform gehandelt hat. Denen ging es in den Gesprächen während der Zollkontrolle immer nur um meine "Auswanderung" aus der DDR.

Obwohl sie sich immer recht unwissend darstellten, war denen natürlich mein illegales Verlassen der DDR wohl bekannt. Durch das Studium meiner Akte habe ich dann im Nachhinein erfahren, daß es ihnen wohl um die Ermittlung meines genauen Fluchtweges aus der DDR in die Bundesrepublik ging, um meine MfS-Akte erfolgreich abschließen zu können.

Direkt gefragt haben sie mich natürlich nicht, möglicherweise hätte ich es ihnen sogar gesagt, nun müssen sie wohl dumm sterben (oder sind es bereits), insofern sie es nicht hier im Forum mitgelesen haben.

Diese Befragungen unter dem Deckmantel der Zollkontrolle fanden abrupt ihr Ende, als ich frisch verheiratet, zusammen mit meiner (ausländischen) Frau in die DDR einreiste. Man wollte wohl gegenüber Ausländern als weltoffener Staat einen guten Eindruck hinterlassen.

Kurz danach wurde auch meine MfS-Akte mit der Begründung "...da keine weiteren Erkenntnisse über den Fluchtweg zu ermitteln waren..." geschlossen und im Archiv abgelegt.

Diese Erkenntnisse konnte ich mir selbstverständlich erst nach dem Lesen meiner Akte zusammenreimen. Sollte ich damit falsch liegen oder Wesentliches falsch interpretiert haben, dann würde ich mich über Richtigstellungen oder Ergänzungen von Insidern freuen.

Ich hatte diesen Beitrag vor geraumer Zeit schon mal im NVA-Forum eingestellt.
Leider sind befriedigende Antwort dort ausgeblieben.

11.03.2014 21:56von ( gelöscht )
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Ich weis zwar nicht wie es an den DDR Übergängen war, aber eins weis ich aus meinem Beruf heraus.
Und das ist das ich die Aussagen der PKE hier bestätigen kann, Beamte/Bedienstete sind auch nur Menschen mit all ihren Fehlern und Launen und eins darf man nicht vergessen, sie haben Dienstanweisungen, deswegen stehn sie da und machen ihren Job, auch wenns einen als Reisender manchmal arg nervt.
Wer wirklich glaubt gefühlte Schikane gabs nur an der DDR Grenze, der war wohl noch nie mit dem Auto in den "richtigen" Ländern.
Ich fahre seit 20 Jahren mit dem Lkw international, also rein in Drittländer, rein in die EU, ich muss manchmal schmunzeln wenn DDR Reisende über die "Schikanen" berichten die ihnen zuteil wurden.
Morgen gehts z.B. nach Serbien, dass ist ob des ganzen Kontrollprozeders sehr easy, naja der Ungar ist bischen bissig aber mittlerweile kennt man sich ja sozusagen auch schon und man wird von kleinen Spielchen verschont.
Beim Serben wars von jeher easy sowohl bei der Einreise nach Serbien als auch bei der Ausreise aus Serbien egal in welche Richtung.
Und das trotz das ich Deutscher bin und es ja eigentlich heisst die Serben hätten ein Problem mit den Deutschen, geschichtlich aus dem 2.WK als auch aus der Zeit nach 1990 als dort unten Krieg war, aber nix.
Aber wehe ich reise in die EU ein, ob nach Ungarn oder nach Kroatien, wobei Kroatien da noch erträglicher ist.
Dort läuft man ein Programm ab, selbst mit leerem Lkw, obwohl man als EU Bürger, als Schengen Bürger in die EU einreist.
Reise ich z.B. in Torjanovka/Valimaa von Russland nach Finnland ein, Halte ich am finnischen Kontrollposten, gehe mit meinem Pass ins Gebäude und bin nach 1 Minuten wieder draussen und das wars.
Beim Ungarn stehe ich erstmal im Stau wegen dem Zirkus, selbst wenn mal kein Stau ist brauche ich mit einem leeren Fahrzeug ohne Zollabwicklung eine ganze Stunde für die Einreise in die EU.

Einmal mit mir mit dem Lkw auf den Pflüchtlingspfaden mit gefahren, also Strecken wo eine starke Flüchtlingsbewegung stattfinden, oder Hauptwege des Drogenschmuggels, wer dann noch meint er wurde an der DDR Grenze absichtlich schikaniert, der hat scheinbar eher ein politisches Problem als das eines Reisenden.

Das nur mal als Beipsiel für all die die meinen, an der DDR Grenze wurden sie "besonders" behandelt.
DAS mags auch gegeben haben, ich glaube schon das es auch PKE gab die sich ihren Teil dachten und entsprechend "sorgfältiger" waren, aber auch sowas ist mir schon passiert und ganz ohne 213er oder anderes.
Vor etwa 7 Jahren, Einreise von der Türkei nach Bulgarien mit leerem und ganz neuem Lkw, 6 Stunden Drogenkontrolle, Beginn mit XRay, Ende mit Einräumen ALL meiner Sachen, also wirklich alles, ich musste die ganze Hütte leer räumen, die ich im Lkw habe, was man so dabei hat wenn man 4-8 Wochen unterwegs ist.
Und der Kontrolleur, ein Kriminalbeamter der Drogenfahndung, war mir gegenüber gewiss nicht negativ eingestellt, wir haben uns dabei ganz prima und friedlich unterhalten, auch über privates. Der machte seinen Job, dafür bekommt er seine Kohle. Klar war das nervig, ich hatte halt Pech, ich war eben dran.
Als ich dann beim Bulgaren ankam, gings wieder in die XRay(Röntgenanlage), als das fertig war sollte ich wieder ausräumen, das war wohl nicht mein Tag. :-D
Als ich dem Bulgaren um Erbarmen bat, lachte er, machte nur eine grobe Sichtkontrolle und wünschte mir gute Fahrt.

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15.03.2014 02:26von ( gelöscht )
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Elster hat schon alles dazu gesagt. Wenn deine Sperre gelöscht war, dann bist du raus gewesen. Sollte noch was anderes gelaufen sein, dann kann durchaus auch noch eine Übergabe an den Zoll oder eine Meldung drin gewesen sein. Allerdings ging dann die Übergabe an den normalen Zoll. War aber eine absolute Ausnahme.

Bei der Frage nach Berechtigungsschein: Da haben manche gemogelt. Es ist richtig, dass (häufig) nach Geburtsort geschaut wurde. Verdrehte Geburtsdaten war da nicht selten. Es gab auch Fälle, wo man (oder Frau) durch Heirat den Namen änderte. Manche wurden dann entdeckt und zurück geschickt. Mehr als ein "Ihre Einreise in die DDR ist nicht gestattet" gab es aber nicht.

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22.03.2014 11:06von ( gelöscht )
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Habe mich gestern Abend mit meiner Frau darüber unterhalten wie viele Freunde und Bekannte uns ab Mitte der 80er doch durch offizielle Ausreise durch Antrag abhanden gekommen waren.
Ich meinte das welche noch vor dem Mauerfall wieder zu Besuch gekommen wären, sie beharrte darauf (machen ja Frauen manchmal) das ein offiziell Ausgereister nicht mehr in die DDR durfte, man hätte sich nur z.B. in der CSSR heimlich treffen können.
Wisst ihr noch wie das gehandhabt wurde?

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22.03.2014 11:28von ( gelöscht )
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18

Wisst ihr noch wie das gehandhabt wurde?


Ich glaube nicht, dass es da eine allgemein gültige Regelung gab.
Das wurde wohl eher von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt.

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24.03.2014 19:03von ( gelöscht )
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Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #19
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18

Wisst ihr noch wie das gehandhabt wurde?


Ich glaube nicht, dass es da eine allgemein gültige Regelung gab.
Das wurde wohl eher von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt.


Sie wurden ja offiziell aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen, war ja keine Straftat und ich dachte sie durften daher zu Besuch kommen.
Haben sich aber damals wirklich viele in der Tschechei getroffen, steht dem wieder etwas entgegen, weiß keiner was genaues?

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24.03.2014 20:28von ( gelöscht )
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #20
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #19
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18

Wisst ihr noch wie das gehandhabt wurde?


Ich glaube nicht, dass es da eine allgemein gültige Regelung gab.
Das wurde wohl eher von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt.


Sie wurden ja offiziell aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen, war ja keine Straftat und ich dachte sie durften daher zu Besuch kommen.
Haben sich aber damals wirklich viele in der Tschechei getroffen, steht dem wieder etwas entgegen, weiß keiner was genaues?





wenn ich mich recht entsinne wurde uns damals beim rat des kreises gesagt wir brauchten die nächsten 5 - 6 jahre nicht damit rechnen in die ddr eingelassen zu werden

Gruß Hapedi

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24.03.2014 22:16von ( gelöscht )
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #20
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #19
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #18

Wisst ihr noch wie das gehandhabt wurde?


Ich glaube nicht, dass es da eine allgemein gültige Regelung gab.
Das wurde wohl eher von Fall zu Fall unterschiedlich gehandhabt.

@Grenzwolf62
Sie wurden ja offiziell aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen, war ja keine Straftat und ich dachte sie durften daher zu Besuch kommen.
Haben sich aber damals wirklich viele in der Tschechei getroffen, steht dem wieder etwas entgegen, weiß keiner was genaues?



Das rot markierte ist richtig, damit waren sie raus. Allerdings konnte die DDR auch eine Einreise verweigern, wenn sie dafür Gründe hatte. Wie ich damals so hörte, hat sie verschiedentlich davon auch Gebrauch gemacht. Also vorne rausgehen bedeutete nicht unbedingt, zum Lieferanteneingang wieder reinkommen. Das sind 2 Paar verschiedene Schuhe
Mir ist es nicht passiert, ich konnte bis zum Mauerfall von Herbst 1972 an jederzeit fahren, das Visum wurde niemals verweigert. Hab mich imme rordentlich aufgeführt in der DDR

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