Aus dem Alltag einer Gutmenschin

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23.02.2014 14:27
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#16
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Zitat von RudiEK89 im Beitrag #14
Welches Strafmaß würdest du denn vorschlagen @Lutze?

ein paar Sozialstunden wären angebracht
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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23.02.2014 14:31
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#17
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Mahlzeit, Gemeinde.....
Also...... An der Stelle mit dem Klammereimerchen mußte ich Ganz toll grinsen!
73 Hans


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23.02.2014 15:29
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#18
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Die Höchststrafe war für ihn, dass er 4 Tage später in Begleitung eines Erziehungsberechtigten auf dem Polizeirevier zur Befragung erscheinen sollte. Er stand auf dem Standpunkt, dass es sein Ding gewesen sei und er das auch ohne Mama oder Papa durchsteht. Zumal er mich kannte und er befürchtete, dass ich mich einmischen würde. Auf dem Weg zum Polizeirevier habe ich dann auch Verhaltensregeln von meinem Sohn bekommen – Mama, du sagst nichts. Mein Mann ist daher lieber gleich im Auto geblieben.

Und da saßen wir nun beide dem Polizeibeamten gegenüber. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, teilte uns der Polizeibeamte die Erkenntnisse über den Hergang mit und ob mein Sohn dazu noch Ergänzungen hätte. Nein, sagte er. Auf de Frage, wer denn die anderen gewesen seien, die auch beobachtet wurden, sagte mein Sohn, dass er sie nicht kenne, da sie rein zufällig auf meinen Sohn und dessen Freund getroffen wären und spontan die Aktion unterstützt hätten. Dann kam die Frage, warum er diese Aktion durchgeführt hat. Im ruhigen Ton erklärte mein Sohn, dass er darauf aufmerksam machen wollte, dass es auch Menschen gibt, denen die Gewalt die von rechtsradikalen Jugendlichen ausgeht, nicht egal ist.

Die Befragung kippte in dem Moment, als der Polizeibeamte meinem Sohn empfahl, sich einer demokratischen Partei anzuschließen. Mein Sohn fragte nämlich darauf, ob er ihm ernsthaft den Vorschlag machen würde, sich der PDS anzuschließen. Der Beamte schluckte kurz und meinte, es gäbe ja noch andere. Mein Sohn darauf hin – Und genau die nehmen das Problem nicht ernst. Alle sind immer nur erschüttert, wenn was passiert.

Sowohl der Beamte als auch ich, waren erstaunt über die Reaktion meines Sohnes. Da er dem nichts entgegensetzen konnte, wurde ich ins Gespräch einbezogen. Ob es denn für mich normal sei, dass mein Sohn in der Nacht durch die Stadt zieht. Ich wies ihn darauf hin, dass es bei uns Regeln gibt, die mein Sohn einhält. Und wäre er nicht festgenommen worden, wäre er pünktlich um 22 Uhr wie verabredet zu hause gewesen. Ob ich denn wisse, was mein Sohn in seiner Freizeit macht. Ja war meine Antwort, aber nicht im Detail, was er minütlich denkt und macht. Ich kenne seine Freunde schon seit Jahren muss mir daher keine unnötigen Sorgen machen oder ständig kontrollieren. Ob ich den billigen würde, was mein Sohn getan hat. In dem Moment musste ich innerlich grinsen. Denn die Handzettel hatte ich ja vervielfältigt und auch mein Eimerchen spendiert.

Ich könne es nicht rückgängig machen, sagte ich. Es war eine Entscheidung meines Sohnes, bei der er mich nicht um Rat gebeten hat. Wahrscheinlich, weil ich ihm zu einen anderen Weg geraten hätte. Aber es sei das Recht der Jugend auf ihrem Weg auch Fehler zu machen. Es sei für ihn eine wichtige Erfahrung. Auch jetzt her bei ihnen zu sitzen und zu merken, dass alle hilflos dem Problem rechtsradikaler Gewalt gegenüber stehen.

Der Beamte klärte uns auf, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet hat und wir dann vom Gericht Bescheid bekämen, ob und wann es zu einer Verhandlung kommt.

Einen Tag vor Weihnachten erhielten wir Post vom Staatsanwalt. Das Verfahren sei aufgehoben worden, weil alle Geschädigten auf eine Anzeige wegen Sachbeschädigung verzichtet haben und es das erste Mal gewesen sei, dass mein Sohn diesbezüglich auffällig und aktenkundig geworden sei.

Noch mal Glück gehabt, sagte ich zu meinem Sohn. Knapp ein halbes Jahr später war es kein Glück, auch kein Unglück, sondern pure Gewalt.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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23.02.2014 15:59 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2014 16:49)
#19
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Zitat von passport im Beitrag #15

@Sperrbrecher
Na, dann berichte mal über deine Erlebnisse ! Für solche Dinge habe ich immer ein offenes Ohr !
passport

Was soll denn das jetzt noch bringen ?
Was geschehen ist, ist geschehen, lässt sich nicht mehr rückgängig machen..

Meine Frau, die bereits vor unserer Eheschließung viel gereist war und sich mit den Gepflogenheiten der Grenzer/Zöllner
in etlichen Ländern auskannte, war vom rüden Umgangston der DDR-Grenz-Bediensteten jedenfalls geschockt.

Das hatte sie in einem Land, das sich sozialistisch nannte, nicht erwartet. Ihre politischen Ambitionen in Richtung
Sozialismus/Kommunismus hat sie dann nach ihren Erfahrungen im "real existierenden Sozialismus" auch recht
bald abgelegt. Da stellte sich dann doch etwas anders dar, als sie es in der einschlägigen Fachliteratur gelesen
und von den jeweiligen Parteifunktionären erzählt bekommen hatte.

Sicher habe ich mit meiner persönlichen Haltung zur DDR auch einiges dazu beigetragen, um sie
von ihrer vorherigen Fehleinschätzung zu kurieren.

Da die DDR das erste Land im damaligen Ostblock war, welches sie besuchte, hat der dort herrschende Sozialismus
und die gemachten Erfahrungen mit ihm, einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen.

Ebenso erging es ihr mit der Behandlung ihrer Person in der DDR-Gastronomie, wobei wir mit Sicherheit nicht in
irgendwelchen Kaschemmen verkehrten, sondern eher in der gehobenen Interhotel Umgebung. Die dort gemachten
Erfahrungen als Dunkelhäutige, hatte sie noch nirgendwo in einem anderen Land erlebt.

Natürlich hat sie diese Erkenntnisse beim nächsten Heimatbesuch, den sozialistisch Begeisterten Vertretern dieser
politischen Richtung auch prompt unter die Nase gerieben. Sie hat somit erhebliche Reklame für die DDR und dieses
politische System gemacht. Wenn auch etwas anders, als es wohl erwünscht gewesen wäre.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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23.02.2014 16:14
#20
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Der gute Willen und der Tiefere Sinn dieser Zettelaktion mag löblich sein, spontan einem unausgereiften Verstand entsprungen.
Glücklicherweise ohne größere Konsequenzen, aber: Würde jeder seine Meinungen, Proteste, Wünsche mittels Zettelkleben
offenbaren, sähe es in den Städten bald aus wie in der Bronx. Die Zeit der Wahlplakate genügt bereits, um aus einem sauberen
Stadtteil bald eine Papierhalde zu machen. Besonders, weil diese Plakate selten nach den Wahlen abgeräumt werden, was
mit den Anti-Nazi-Zetteln gewiß ebenfalls nie passiert wäre.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
.Die geistige Blindheit breitet sich weiter aus: Immer mehr sehen nur noch, was ihnen ins Auge springt.
.E.Ferstl

.

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23.02.2014 17:37 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2014 19:08)
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#21
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Irgendwann im Frühjahr 1995 reichte mir mitten in einer dienstlichen Besprechung unsere Sekretärin einen Zettel rein. Es ist wirklich wichtig sagte sie noch und schaute mich traurig an. - Komm bitte schnell nach hause. Es ist dringend. Unser Sohn braucht uns jetzt. - Als ich versuchte zu hause anzurufen, habe ich keinen erreicht – immer nur besetzt Zeichen. Ich fragte unsere Sekretärin, was denn mein Mann gesagt hätte. Mach hier einfach Schluss und fahr nach hause, sagte sie nur.

Und dann war ich zuhause. Und da lag mein Sohn auf der Couch und ich hätte ihn beinahe nicht wieder erkannt. Das eine Auge geschwollen, auf der Stirn der Abdruck eines Schuhs, von roten Flecken am ganzen Körper, die ich erst später entdeckte, ganz zu schweigen. Als er mich sah, liefen ihm die Tränen, denn sagen konnte er nichts. Mein Mann nahm mich in den Arm und sagte nur, doppelter Kieferbruch, oben und unten.

Wer, fragte ich nur. Rege dich bitte nicht auf, das können wir später alles klären, sagte mein Mann. Nach ersten Zeugenaussagen – Faschos. Ich war fassungslos. Was mich aber noch fassungsloser machte, es war am helllichten Tag auf dem Schulweg passiert, ca. 50m von der Schule entfernt.

Mein Mann hatte recht. Wir mussten uns erst um das Wohl unseres Sohnes kümmern. Und das war bei doppelten Kieferbruch schon Problem genug. Was wird mein Sohn in den nächsten 6 Wochen essen können? Die nächste Frage war, was wird mit dem Unterricht in der Schule, wo mündliche Leistungen ein nicht unwesentlicher Bestandteil bei der Bewertung von Leistungen ist?

Und vor allen Dingen, was geht jetzt in seinem Kopf vor? Wohin gehen seine Gedanken, wenn er die Gewalt erlebt hat, gegen die er sich gewehrt hat und ihm eine Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingebracht hat.

In dem Moment den eigenen Zorn zu zügeln war das schwerste. Quälend war auch die Frage, hat man selbst alles richtig gemacht bei der Erziehung seiner Kinder. In solch einem Moment sind wohl Selbstzweifel normal.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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23.02.2014 19:08
avatar  Lutze
#22
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bei solchen schweren Verletzungen,
liegt man da nicht im Krankenhaus?
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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23.02.2014 19:31
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#23
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@Lutze Es waren keine lebensgefährlichen Verletzungen. Daher hat mein Mann nach Rücksprache mit dem Arzt spontan entschieden, dass mein Sohn mit seinen "nicht sichtbaren" Verletzungen besser zu hause, im Kreise seiner Familie, aufgehoben ist. Im Rückblick war es eine sehr gute Entscheidung, denn bei allem was danach passierte, bzw. in die Wege geleitet werden musste, war er dadurch unmittelbar beteiligt. Denn eins war meinem Mann und mir damals schnell klar - wir mussten alles tun, damit aus dem Schmerz der Niederlage kein Hass wird, der zur Radikalisierung hätte führen können.

LG von der Moskwitschka


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23.02.2014 23:05 (zuletzt bearbeitet: 23.02.2014 23:18)
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#24
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Nur was macht man in solch einer Situation?

Bei dem ersten Gespräch auf dem Polizeirevier sagte man uns, dass es sehr schwer sein würde die Täter zu ermitteln. Es gebe zwar eine Zeugenaussage von dem Freund meines Sohnes, der auch angegriffen wurde, jedoch nicht so schwer verletzt wurde. Zwei Spaziergänger, die die ganze Szene in einiger Entfernung beobachtet haben sollen, konnten nicht ermittelt werden, bzw. haben sich noch nicht gemeldet. Zudem sind die Ermittlungen von der Kripo übernommen wurden, das sich in den letzten Monaten in der näheren Umgebung mehrere Vorfälle, jedoch nicht mit solchen Folgen ereignet hätten. Ob es sich um die gleichen Täter handeln könnte, würde jetzt ermittelt.

Unser zweiter Gang führte uns zum Schuldirektor. Der bedauerte zutiefst was vorgefallen sei und sagte die Haftpflichtversicherung des Landes alle Kosten übernehmen würde, da der Vorfall sich auf dem Schulweg bzw. Heimweg von der Schule ereignete. Ich war erst mal geplättet, denn das war das letzte woran wir gedacht haben. Unsere Sprachlosigkeit ausnutzend, wies er uns darauf hin, dass wir doch auf unseren Sohn einwirken sollten, darüber nachzudenken, ob sein Aussehen nicht auch provozieren könne. Ich sagte darauf, dass ich eher überlegen würde, ob das hier die richtige Schule für unseren Sohn sei.

Da war er nämlich der Vorwurf, dass die Opfer von Gewalt die Täter provozieren würden, alleine dadurch, dass sie anders aussahen und damit zum Ausdruck brachten, dass sie anders dachten. Hinzu kam, dass man mit dem Begriff "rechter Gewalt" das Phänomen scheinbar nach Belieben aufblasen oder klein reden konnte. Einerseits war nicht jeder brutale Überfall auf einen Ausländer "rechts", andererseits war ein erschlagener Obdachloser nicht schon deswegen "normales" Gewaltopfer, weil die Täter darauf verzichtet haben, die Tat ideologisch zu begründen. Deswegen war es auch sehr schwer in der Öffentlichkeit mit dem Problem umzugehen bzw. ein Problembewusstsein zu entwickeln. Noch schwieriger wurde es, wenn sich Jugendliche im Kiez gegenüber standen. Da hat man es dann mit ganz normalen Reibungen von unterschiedlichen Gruppen abgetan.

An der Stelle wussten wir, dass wir uns nicht einfach auf den "Staat" verlassen konnten, sondern selbst aktiv werden mussten. Zumindest hat uns an diesem Tag der Schulleiter seine Unterstützung zugesagt.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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23.02.2014 23:21
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#25
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #24
Unsere Sprachlosigkeit ausnutzend, wies er uns darauf hin, dass wir doch auf unseren Sohn einwirken sollten, darüber nachzudenken, ob sein Aussehen nicht auch provozieren könne.



Den Quatsch hab ich aus so erleben dürfen. Das war 1994 oder 93, weiß ich nicht mehr genau. Ich hab in einem Viertel gewohnt wo nur (die Masse) Rechte gewohnt haben. Um zur Schule zu kommen, musste ich durch ein Viertel wo die Punks in der Überzahl waren. Meine Bekleidung war schon immer: Sneaker, Jeans usw. also eher sportlich und auf den Ohren immer Musik. Hip Hop. Auf dem Weg zur Schule musste ich oft flitzen weil die Punks dachten ich gehöre, weil ich ja aus dem Viertel kam, zu den Rechten. Und in meinem Viertel dachten die ich bin links weil ich immer "Negermusik" gehört habe.

Nachdem ich ein paarmal mit dicken Augen von der Schule kam, sind meine Eltern mit mir zum Schulamt. Sie wollten das ich auf eine andere Schule gehen kann, um so diesen Weg nicht mehr zu haben. Die Antwort: zieh dich neutral an und höre andere Musik. Ein Wechsel der Schule war nicht möglich.

Meine Lösung bestand dann darin, mich einer anderen Gruppe anzuschließen, die bei beiden Lagern Respekt hatte. So hatte ich meine Ruhe, aber andere Probleme.

War schon ne komische Zeit, so kurz nach der Wende. ^^


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24.02.2014 10:41
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#26
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Zitat von g.s.26 im Beitrag #25
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #24
Unsere Sprachlosigkeit ausnutzend, wies er uns darauf hin, dass wir doch auf unseren Sohn einwirken sollten, darüber nachzudenken, ob sein Aussehen nicht auch provozieren könne.



Den Quatsch hab ich aus so erleben dürfen. Das war 1994 oder 93, weiß ich nicht mehr genau. Ich hab in einem Viertel gewohnt wo nur (die Masse) Rechte gewohnt haben. Um zur Schule zu kommen, musste ich durch ein Viertel wo die Punks in der Überzahl waren. Meine Bekleidung war schon immer: Sneaker, Jeans usw. also eher sportlich und auf den Ohren immer Musik. Hip Hop. Auf dem Weg zur Schule musste ich oft flitzen weil die Punks dachten ich gehöre, weil ich ja aus dem Viertel kam, zu den Rechten. Und in meinem Viertel dachten die ich bin links weil ich immer "Negermusik" gehört habe.

Nachdem ich ein paarmal mit dicken Augen von der Schule kam, sind meine Eltern mit mir zum Schulamt. Sie wollten das ich auf eine andere Schule gehen kann, um so diesen Weg nicht mehr zu haben. Die Antwort: zieh dich neutral an und höre andere Musik. Ein Wechsel der Schule war nicht möglich.

Meine Lösung bestand dann darin, mich einer anderen Gruppe anzuschließen, die bei beiden Lagern Respekt hatte. So hatte ich meine Ruhe, aber andere Probleme.

War schon ne komische Zeit, so kurz nach der Wende. ^^



kurz OT:
Darf ich dich fragen, was für eine Gruppe war das?
.


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24.02.2014 11:56
#27
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Mein Sohn war ca 16 Jahre alt und wollte unbedingt hohe Schuhe. Ich bin mit ihm zum Schuster, der in der selben Partei wie ich war. Also kannte er meine politische Gesinnung.
Er fragte Johannes welche Farbe die Schnürsenkel haben sollten, mein Sohn ist doch völlig egal.. Der Schuster klärte uns dann auf, was die Farben bedeuten und verkaufte uns dann schwarze Bänder


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24.02.2014 13:06
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#28
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Was damals erschwerend hinzu kam, war mein Mißtrauen den ehemaligen Volkspolizisten gegenüber, die nach der Wende zum Teil in eine neue Uniform geschlüpft sind. Zum einen fragte ich mich immer wieder, sind es die, die mir im Oktober 1989 gegenüberstanden? Sicher war die Situation auch für sie nicht einfach. Da ich ja nun öfters mit ihnen zu tun hatte, habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie selbst sehr verunsichert waren und stets bemüht waren nicht anzuecken oder was falsches zu sagen. Bevor sie etwas falsches tun, am besten die Füße still halten. Das mag ein Vorurteil gewesen sein. Daher hat auch diese Forum sehr viel beigetragen meine eigene Haltung zu überdenken, nicht zuletzt durch die vielen Beiträge von @ABV und @RudiEK89 .

Das erste offene Gespräch über die Problematik von „rechter“ Gewalt, habe ich dann mit dem Kriminalbeamten der Polizeidirektion geführt, der in dem Fall meines Sohnes ermittelte. Obwohl ich auch da zugeben muss, dass er mit seinen langen Haaren, das er zum Schwänzchen zusammengebunden hat, auch das gängige Klischee vom Wehrdienstverweigerer, der vor dem Mauerfall in Westberlin Jura studiert hat und dann in den Polizeidienst eingetreten ist, bedient hat.

Er war aber der erste, der zugehört hat. Und durch die Fragen, die er stellte, auch vermittelte, dass er wusste, wovon ich spreche. Und dann nannte er ein Problem, dass ich bis dahin so nicht wahr genommen habe. Viele würden Straftaten im rechten Milieu gar nicht zur Anzeige bringen, weil nicht selten die nicht ganz unberechtigte Angst mitspielte, dass ihnen daraus weitere massive Probleme erwachsen könnten. Andere mieden wiederum wegen bestehender Vorurteile die Zusammenarbeit mit der Polizei. Und dann gibt es noch Zeugen, die Angst haben, sich zu melden, weil sie denken, sie hätten sich strafbar gemacht, weil sie in bestimmten Situationen keine Hilfe geleistet haben.

Und dann gab er mir einen wichtigen Rat. Wir sollten auf jeden Fall einen Anwalt mit der Wahrung unserer Interessen beauftragen. Zum einen, damit mein Sohn erfährt, dass nicht Gewalt die Antwort sein kann, sondern die volle Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel in solch einem Fall. Zum anderen, dass falls die Ermittlungen erfolgreich sein sollten und es zu einem Strafprozess kommt, der Anwalt ihn als Nebenkläger vertritt. Und wenn es nur darum geht, Vorwürfe der Verteidiger zu entkräften, dass unser Sohn durch Aussehen und politische Haltung, provozierend auftreten würde.

Oh Mann dachte ich damals. Aber es war schon beruhigend zu wissen, dass man ernst genommen wurde.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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24.02.2014 15:16
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #24
Da war er nämlich der Vorwurf, dass die Opfer von Gewalt die Täter provozieren würden, alleine dadurch, dass sie anders aussahen und damit zum Ausdruck brachten, dass sie anders dachten.

Wie Du kommst gegangen, so wirst Du empfangen.

Ein Jude wird mit Sicherheit auch auf seine Kippa verzichten, wenn er einen moslemisch-bereicherten Stadtteil aufsuchen muss und an seinem gesundheitlichen Wohlbefinden interessiert ist. Genau wie eine junge Frau dort sicher nicht im Minirock und unbekopftucht in Erscheinung treten wird, um damit die Scharia-Wächter zu provozieren.

Klugerweise werden beide, wie auch jeder andere Normalbürger, diese Stadtbezirke nach Möglichkeit grundsätzlich meiden.

Das mag man ja alles bedauern und nicht schön finden, aber das sind nun mal die Realitäten. Wenn sich schon nicht mehr die Polizei mit ihren Streifenwagen in diese Gegenden traut und dort nur noch mit erhöhter Mannschaftsstärke in Erscheinung treten kann, sollte man als Normalbürger nicht den Helden spielen wollen.

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst.


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24.02.2014 15:54 (zuletzt bearbeitet: 24.02.2014 15:55)
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#30
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mir tut es sehr leid @Moskwitschka was deinem sohn passiert ist. das erinnert mich an meine kindheit und jugend und an eine sache die ich niemals vergesse(zeitzeuge).......
nämlich an : Amadeu Antonio Kiowa
geschichte:

Zitat
Am Abend des 24. November 1990 hatten sich neonazistische Skinheads aus mehreren Ortschaften in der Wohnung eines Eberswalder Neonazis versammelt. Sie taten sich mit etwa 50 weiteren Jugendlichen aus einer Diskothek zusammen, mit dem Vorhaben „irgendwelche Andersaussehenden zusammenzukloppen“. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1990 traf die Gruppe auf Kiowa und zwei Männer aus Mosambik.[2] Kiowa wurde von Mitgliedern der Gruppe brutal zusammengeschlagen. Einer der Täter sprang dem am Boden liegenden Kiowa mit beiden Füßen auf den Kopf. Der 28-Jährige erlitt schwerste Kopfverletzungen. Er erwachte nicht mehr aus dem Koma und erlag elf Tage später den Folgen des Angriffs. Die zwei von derselben Gruppe angegriffenen Mosambikaner, die auch mit Messern attackiert wurden, konnten schwer verletzt flüchten.

Während der Tat hielten sich 20 voll ausgerüstete Polizisten in der Nähe auf, ohne einzugreifen. Drei bewaffnete Zivilpolizisten, die der Gruppe gefolgt waren, griffen ebenfalls nicht in das Geschehen ein. Einer der Polizisten sagte aus, er habe seine beiden Kollegen zurückgerufen, da er „verhindern wollte, daß diese mit der Gruppe in Konflikt geraten.“ Eine Anklage gegen die Polizisten wegen „Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen“ wurde 1994 vom Landgericht Frankfurt (Oder) unanfechtbar zurückgewiesen.


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