#1

Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 06.02.2014 23:47
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo aus dem Norden unseres Landes!

Als ich zu unserer Gegend im Internet recherchierte, stieß ich auf diese Seite und las erst einmal einige Zeit den einen, oder anderen Beitrag.
Nach den Eindrücken aus diesen Beiträgen beschloß ich sodann selbst aktiv zu werden und registrierte mich im Forum.
Nun denn zu mir.
Geboren in der DDR, über ein Vierteljahrhundert dort gelebt und nun für meinen Enkel auf der Suche nach den visuellen und persönlichen Fakten der realen Geschichte, die man leider in Schulbüchern nicht findet.
Aber das war ja leider schon immer so, daß man in Geschichtsbüchern zwischen den Zeilen mehr Wahres findet, als in den zusammengestellten Buchstaben in den Druckerzeugnissen :o)
So wie ich von meinen Großeltern wußte, daß die "Freunde" durchaus ambivalent zu betrachten waren, wurde mir durch unsere "Westverwandtschaft" auch ebenso klar, daß das Paradies nicht zwischen Rhein und Elbe zu hause war.

Es gibt leider Wenige unter uns Deutschen, die differenziert mit der einen wie der anderen Historie des deutschen Volkes umgehen (können oder wollen). Aber gerade dieser Umgang ist es, bei dem man der historischen Realität am nächsten kommt. Denn ein klein wenig persönlicher Subjektivismus bleibt immer und beeinflußt das eigene Geschichtsbild.

Ich lebte direkt an der Grenze, oder wie man es damals auch gerne nannte, dem antifaschistischen Schutzwall. Als Kind sah ich die andere Seite der Grenze noch mit eigenen Augen, bis die Absicherungen durch eine Mauer von über drei Metern Höhe nicht mehr einsehbar war. Aber das fand ich damals nur unverständlich und bestenfalls lästig. Zumal einem meiner Hobbys, dem Angeln, damit wahrlich eine zusätzliche Grenze gesetzt wurde. Man durfte nun auf 20 Meter nicht mehr an die guten Fangplätze des Flusses heran :o(

Die Schule lag in Sichtweite der Grenze und in der dritten Klasse wurden wir sogar einmal in guter Sichtposition auf das grenznahe Gewässer darauf hingewiesen, daß die „bösen“ Leute bei zugefrorenem Grenzgewässer bis an den Zaun kommen und vergiftete Konserven herüber werfen würden, damit die Grenzsoldaten davon Schaden nehmen würden. Naja, jede Zeit hat ihre Grimms und Andersens … ;o)
Auch heute gibt es sie noch und sie heißen nicht mehr Schnitzler, sondern Knopp und Co.
Glücklicher Weise hatte man damals ja noch die Großeltern, um die Realitäten zurecht gerückt zu bekommen. Das werde ich bei meinem Enkel auch tun :o))

Als die Schulzeit vorbei war und der sogenannte Ernst des Lebens begann, hatte man auch seine Entscheidung zu treffen, ob man für, mit oder gegen den Staatsapparat sein Leben gestalten wollte.
Das war aber ebenso auf der anderen Seite des Landes der Fall. C'est la vie :o)
Ich entschied mich mit dem Staat mein Leben zu arrangieren. Von Situation zu Situation zu entscheiden ob es angebracht war, es auch einmal „für“, bzw. ein anderes Mal „ohne“ ihn zu gestalten. Es gegen ihn zu gestalten war für mich keine Position, denn ich kam in keine Situation in der dieses nötig gewesen wäre. Das mag für andere unter uns sicher nicht immer so gewesen sein, aber hier geht es ja um meine Vita ;o)

Also beschloß ich mich für einen freiwilligen Dienst zu entscheiden, zumal mir dadurch noch eine gewisse Einflußnahme auf diese Zeit zur Verfügung stand. Diese Zeit spielte sich dann an der Wasser seitigen Grenze ab und ich lernte dort mehr über Staat und Staatsdiener, sowie auch über die Menschen im allgemeinen, als ich mir je hätte vorstellen können.
Man mußte! nicht (wie von den Herren Knopp und Co. insistiert) schießen, grimmig dreinschauen, oder gar anderen Menschen schaden. Wenn, … ja wenn man das Ding auf seinem Hals auch nutzbringend gebrauchte! Das mag in anderen Situationen nicht immer möglich gewesen sein, aber ich für meinen Teil kam nie in eine solche Zwickmühle.

Aber für das sog. „Geschichtsverständnis“ der politisch korrekten Claqueure und Bequemlichkeitsopportunisten, ist es scheinbar unerlässlich alle Grautöne zu löschen. Wo man sonst mit dem großen Quastpinsel der Verschleierung alles mögliche an Klarheiten und Offensichtlichem übertüncht, holt man in Bezug auf die Geschichte des unliebsamen Staates auf der „anderen Seite“, gerne den politisch korrekten Geschichtsradiergummi heraus.

Sei es drum.
Ich halte mich an das alte Sprichwort: Sie haben die Uhren und wir haben die Zeit!
Denn ich kenne ja selbst genau das, was die „Geschichtsabschreibung“ der meisten Historiker gerne wegläßt, oder umdeutet.

Kurz vor Ende der DDR Existenz „durfte“ ich noch einmal die OHS in Suhl besuchen. Ich hatte die Wahl zwischen „Panzerhinterherläufer“ im Sommer (na hallo, ich hatte Familie und Garten!), oder der OHS in Suhl im Winter.
Die Entscheidung war also klar :o)
Und mein Praktikum konnte ich dann im GR6 leisten.(9. GK)
Das war allerdings um so interessanter, da ich dort meine Kindheit und Jugendzeit verbrachte und jetzt manchmal sehen durfte, was ich selbst bei genaustem Hinsehen nicht wahrgenommen hatte :o)
Das ist einer der großen Vorteile, die man im Rückblick als DDR Bürger hat.

Denn heute können die Dienste und die mit ihnen mehr oder weniger zusammenhängenden Politschranzen dem sog. „Ottonormalverbraucher“ den größten Unsinn auftischen und diese glauben es selbst nach den Enthüllungen des Herrn Snoden immer noch recht brav.
Scheinbar sind die Menschen doch eher nicht sehr lernfähig, sondern vor allem eher anpassungsfähig.

Als ich einen Tag nach der Grenzöffnung im Zug Richtung Lübeck fuhr (welches ja Jahrzehnte lang für mich weiter entfernt war als Moskau) erschrak mich doch die Ungezügeltheit der ausufernden Emotionen. Wenige der Mitreisenden mochten, oder konnten diesen so historischen Augenblick als solchen wahrnehmen und gaben sich dem Strudel der neuen Verheißungen ungehemmt hin.
Durch unsere Verwandten kannte ich die andere Seite der Medaille schon recht genau und wußte, daß das Paradies auch nicht zwischen Elbe und Rhein zu finden war, wie ich schon oben schrieb :o)

Naja und der Rest ist wie man so schön sagt, Geschichte!

Ich hoffe das war nicht zu langatmig und zu persönlich eingefärbt.

Schöne Grüße.
Eckhard


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 00:17 | nach oben springen

#2

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 06.02.2014 23:52
von Schlutup | 5.440 Beiträge | 13016 Punkte

Hallo Antaios

Gruß aus Lübeck Schlutup. Viel Spaß hier.

Und mein Praktikum konnte ich dann im GR6 leisten. Wo warst du da genau?

ah sehe gerade 9Kp


zuletzt bearbeitet 06.02.2014 23:54 | nach oben springen

#3

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 06.02.2014 23:54
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo kurz vor dem Bett!
Ich habe es schon verbessert ;o)
Schöne Grüße,
Eckhard


Zitat von Schlutup im Beitrag #2
Hallo Antaios
Gruß aus Lübeck Schlutup. Viel Spaß hier.
Und mein Praktikum konnte ich dann im GR6 leisten. Wo warst du da genau?


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#4

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 07.02.2014 08:16
von ABV | 4.386 Beiträge | 1551 Punkte

Ein herzliches Willkommen auch von mir

Der Uwe aus dem Oderland


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#5

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 07.02.2014 08:38
von elster427 | 790 Beiträge | 5 Punkte

Tolle Vorstellung , also herzlich Willkommen von der elster aus Potsdam!


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
1990 GT GR 44
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#6

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 07.02.2014 09:31
von hundemuchtel 88 0,5 | 3.306 Beiträge | 5802 Punkte

@ Antaios, herzlich willkommen hier im Forum, wünsche Dir viel Spass hier.
Tolle und interessante Vorstellung!

gruß h.


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#7

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 07.02.2014 11:40
von VNRut | 1.510 Beiträge | 236 Punkte

@ Antaios, herzlich Willkommen und viel Spaß

Gruß Wolle


GKM - 05/05/1982 bis 28/10/1983 im GAR 40/1.Abk/2.Zug (Oranienburg 17556) & GR 34/1.Gk/2.Zug (Groß-Glienicke 85981)
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit. (William Somerset Maugham, britischer Schriftsteller 1874 - 1965)
Ohne die Kälte und Trostlosigkeit des Winters gäbe es die Wärme und die Pracht des Frühlings nicht. (Ho Chi Minh)

http://www.starsofvietnam.net/
https://www.youtube.com/watch?v=OAQShi-3MjA
Gruß Wolle


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#8

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 07.02.2014 16:16
von Rothaut | 1.458 Beiträge | 6598 Punkte

Hallo Antaios...

Bist Du in Dassow groß geworden?
Die 9.GK war ja in Lütgenhof...also eigentlich Dassow.
Mein Vater war auch im GR-6....und der Bat.-Kommandeur des III.GB ist ein gute Bekannter der Familie.

Hast Du auf der Füst am Dassower See Dienst gemacht?

Herzlich Willkommen..
es grüßt....ein Selmsdorfer


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#9

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 08.02.2014 06:04
von berlin3321 | 4.017 Beiträge | 6293 Punkte

Morjen,

jo, tolle Vorstellung. Danke.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !

Ein Holder geht durch dick und dünn...

Der Holder auf dem Acker, der kleine Racker schlägt sich wirklich wacker....

Ich frage mich wie man derart bescheuert sein kann. Das Verhalten ist einfach nur krank !


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#10

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 10.02.2014 11:35
von silberfuchs60 | 1.468 Beiträge | 99 Punkte

Hallo Antaios,
Interessante Lebensgeschichte und Lebenseinstellung.
Herzlich Willkommen.
Gruß silberfuchs60


xxx
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#11

RE: Geschichte besteht aus Geschichten :o)

in Vorstellung neuer Zeitzeugen im Forum DDR Grenze 10.02.2014 21:23
von hslauch | 339 Beiträge | 2616 Punkte

Hallo Antaios.
Auch ein herzliches Willkommen von mir im Forum.

PS: Und es war weder langatmig, noch zu persönlich eingefärbt (wenn ich dich mal teilweise zitieren darf), sondern einfach nur treffend formuliert.


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