mein Blick in den Westen

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19.01.2014 15:59
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#1
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viele Häuser standen im Grenzgebiet,
man schaut aus dem Fenster,was sieht man,
den Westen,zumindest in Berlin,
und doch unerreichbar,
hat man versucht,diese Blicke zu verhindern?
gruß Lutze


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19.01.2014 16:04
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#2
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Lutze,wie sollte man denn?Soviele Aufpasser gabs gar nicht!


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19.01.2014 16:18 (zuletzt bearbeitet: 19.01.2014 16:30)
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#3
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@Lutze So hoch hätte man die Mauer garnicht bauen können in Berlin.

Als Berliner hat man sich mehr oder weniger daran gewöhnt. Einerseits war der westliche Teil der Stadt weit weg. Anderseits war sie in bestimmten Situationen ganz nah.

Ich habe seit 1978 im Norden von Berlin gewohnt. Und wenn ich mit dem Fahrrad zur Konsumkaufhalle nach Rosenthal gefahren bin, hatte ich immer das Märkische Viertel mit seinen Hochhäusern im Blick. Alltag. Besonders nahe war mir aber das Märkische Viertel Silvester, wenn dort das Silvesterfeuerwerk in die Luft geballert wurde, das bunter und zahlreicher war als in Niederschönhausen. Da hat man sich nahe gefühlt. Egal ob Ost oder West, es wurde ausgelassen dasselbe Fest gefeiert.

Ab und zu war ich in der Wollankstraße beim Bäcker, der damals zu den besten der Umgebung gehört hatte. Und wenn man dort so in der Schlange stand, fuhr Wollankstraße die S - Bahn vorbei - mit damals einzigen Halt Richtung Norden. Mit den selben Geräuschen wie in Pankow. Da ist man ab und zu schon ins Grübeln gekommen.

Gearbeitet habe ich damals in Berlin Mitte und musste mit dem Bus ab Rosa - Luxemburg - Platz an der Heinrich - Heine - Straße vorbei Richtung Michaelkirchstraße fahren. Am Abend des 1. Mai habe ich in der Abendschau vom SFB Bilder von den Krawallen in Kreuzberg gesehen. Ganz weit weg war das. Wenn ich dann am 2.Mai morgens zur Arbeit gefahren bin, konnte man z.T. den Feuerschein von Bränden ahnen. Da war es auf einmal ganz nahe.

So gab es immer wieder Situationen, wo man im Alltag mit der Nase drauf gestoßen wurde.

LG von der Moskwitschka


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19.01.2014 16:21
#4
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In den 60er Jahren hat man Sichtblenden erstellt
aus aktuellem Anlass

http://www.jfklibrary.org/Asset-Viewer/K...dm2h_3icTg.aspx
oder an Orten, wo man gut nach Westberlin sehen konnte. Die Blenden waren aber eher für die Sicht von der Strasse gedacht und waren nach dem Bau der Hinterlandmauer nicht mehr nötig

Die Berliner Mauer kurz nach dem Bau im Jahre 1963
Theo


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19.01.2014 16:23
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#5
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Direkt an der Mauer in Berlin gab es Häuser, die waren auch Sperrgebiet. Da haben nur Überprüfte drin gewohnt und der Zugang war nur mit Passierschein möglich. Die durften dann nach dem Westen schauen.
Es gab schon Sichtblenden in Mauernähe, um zu verhindern das man den goldenen Westen sehen konnte. Nähe Friedrichstrasse gab es eine Sichtblende und 3m davor das Schild Sperrgebiet Betreten verboten. Da ein Loch in der Blende war, erlaubte ich mir, da mal nach Westberlin zu schauen. Nach 30s wurde ich in einen Polizeiwagen gezerrt und für die nächsten 3Stunden saß ich auf dem Polizeirevier 1 zur Vernehmung.


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19.01.2014 16:31
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#6
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Mensch Lutze , da gab es doch eine Belobigung vor der Grenzkompanie , Genosse..... ich belobige sie mit einem Blick zur Zonengrenze West


Es war doch ein komisches Gefühl, ein Zaun , ein paar Stacheldrähte ,du atmest die gleiche Luft , siehst die Sonne ,die Felder . Wiesen ,die Menschen ,andere Fahrzeuge ,keine 20 Meter weiter , aber um dort hinzukommen , in meinem Alter damals musste ich eigentlich noch 44 Jahre warten . Zum Glück waren es dann nur noch 20 Jahre und dann nahm ich es war , bin von Lockstedt über die Allerbrücke gefahren , habe mir dann vom Westen aus , den Anblick nach Osten zu Herzen gezogen .MfG ratata


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19.01.2014 16:35
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#7
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Wenn ich im Plänterwald war, bin ich immer noch mal eine Extrarunde mit dem Riesenrad gefahren...nicht 'Schiffe gucken' sondern 'Westberlin gucken'!


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19.01.2014 16:37
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#8
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Für 3.50M gab es auch eine Stunde Blick zum Klassenfeind. Vom Telespargel am Alex.


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19.01.2014 16:37
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#9
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das die Mauer an bestimmten Orten höher
als sonst gebaut wurde,mußte das sein?,
die Fotos im Thread"Geisterbahnhöfe"
machen mich nachdenklich
Lutze


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19.01.2014 16:50
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#10
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Zitat von Eisenacher im Beitrag #8
Für 3.50M gab es auch eine Stunde Blick zum Klassenfeind. Vom Telespargel am Alex.


Ich habe oft sowjetische Delegationen in Berlin betreut. Ein Horror war für mich mit ihnen der Besuch des Fernsehturmes. Ihr Interesse galt hauptsächlich dem Reichstag. Und automatisch wurde der Blick auf den Bahnhof Friedrichsstraße gelenkt. Und da begann das fast ungläubige Staunen, wenn sie dort in beiden Richtungen die S - Bahn ein und aus fahren gesehnen haben. Da stand ich nun und musste die geteilte Stadt erklären. Ich habe es gern getan. Doch immer mit einem gewissen Unbehagen, weil ich nicht wußte, wer noch zuhört. Und ich meist auch persönliche Erlebnisse einflocht, um dan Alltag in der geteilten Stadt besser erklären zu können. Zumal ich direkt danach gefrgt wurde.

Die sowjetischen Besucher sind dann meist sprachlos wieder in die Hauptstadt der DDR eingetaucht. Nur ein Offizier, der im Mai 1945 bei der Befreiung Berlins dabei war, sagte einmal ganz leise: "Das wollten wir damals nicht." Und ich habe ihm geglaubt.

LG von der Moskwitschka


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19.01.2014 17:58
#11
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Hallo,
von Berlin kann ich jetzt nicht mit reden dafür aber vom Südharz.
Wenn man in Ellrich gewohnt hat,was im ehemaligen Sperrgebiet liegt,konnte man schon öfter von verschiedenen Stellen einen
Blick in den "Westen" erhaschen.
Die Häuser von Zorge ( feindwärts) konnte man regelmäßig sehen.
Wenn man von Sülzhayn ( freundwärts) den Sandglinz runter nach Ellrich gefahren ist konnte man bis nach Walkenried
und zum Gipswerk Kutzhütte schauen ( beides feindwärts). Man hatte vom Sandglinz und einigen anderen Stellen einen wunderschönen
Blick in den Westharz. Desweiteren hat man vom Sandglinz den Stöberhai sehen können. ( ehemalige Abhörstation der Franzosen http://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6berhai ). Auch gleich nebenan den Ravensberg hatte man gut im Auge. http://de.wikipedia.org/wiki/Ravensberg_(Harz)
Wenn wir wir in der Schule waren konnte man den Aussichtspunkt Juliushütte der oberhalb vom Bahnhof Ellrich lag recht gut sehen.
Wenn die Westbesucher dort waren,konnte man vom Klassenzimmer gut erkennen welche Farben sie trugen. http://germany.eurocampsite.org/campingphoto.aspx?pid=64088.
Ein besonderes Highlight für die Einwohner war,wenn in Walkenried der letzte Tag vom Schützenfest war. Dann gab es immer ein großes Feuerwerk was von der Zorger Straße besonders gut zu sehen war. Wenn der Wind günstig stand konnte man sogar Die Kapelle mit dem Moderator hören.
Massen von Einwohnern zogen dann zur Zorger Straße und feierten ausgelassen und verfolgten das Feuerwerk am Montagabend.
Sicherlich hatten die Posten und der KGsi in dieser Zeit besonders viel Streß.

MfG Batrachos


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19.01.2014 20:10
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#12
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Ich wohnte ja direkt an einer Transitstrasse...jeden Tag fuhren "Westautos" vorbei....das war so alltäglich..ich kann mich nicht erinnern..das ich mich mal gefragt habe..warum fahren die solche schicken Autos und wir...halt..naja.
Die Insassen solcher schicker Wagen müssen manchmal ziemlich Mitleid mit mir gehabt haben..wenn ich auf dem Bürgersteig nach Hause lief(es ging ca 300 meter geradeaus)..hielten sie vorher kurz an und ich sah wie der Beifahrer etwas auf den B-Steig stellte. Meist war es ne Coca-Cola oder Schokolade.Naja...da hat sich die "kleine Rothaut" aber gefreut.

Ich hatte auch kurz vor dem Güst-Bereich (links ging es nach Lauen..gegenüber einem Gassentor) einen Lieblingsbaum...dieser trug herrliche Kirschen. Wenn ich oben sitzend die Kirschen verdrückte..konnte ich in den Yachthafen von Lübeck-Schlutup schauen (gegenüber BT-"Rotes-Haus"). Dort lagen so viele Boote das ich immer dachte..."die müssen aber alle Reich sein".
Was ich noch dachte?....einmal sich dort umschauen...aber niemals dort bleiben.(Gedanken eines 10/11 jährigen).

Manchmal hielten unter dem Baum GAK an und fragten mich was ich da oben mache...Antwort: "na Kirschen essen" und reichte ihnen dann auch welche. Ab und zu hielt auch ein LO an und ich versorgte die Soldaten mit Kirschen (bevor sie in den Abschnitt fuhren oder in die GK).

Einmal unterhielt ich mich an der Strasse mit einem GAK (dieser betreute uns in der AG "Junge Grenzhelfer").Ich hatte das Fahrrad meine Mutter dabei....da hielt in ca 200m Entfernung ein "Westauto" an...der Fahrer stieg aus und fotografierte ein paar Häuser..ich konnte gar nicht so schnell gucken..da riss mir der GAK das Fahrrad aus den Händen und strampelte wie ein Radrennfahrer dort hin. Naja..es wurden wohl ein paar Worte gewechselt..und dann bekam ich mein Fahrrad wieder und der GAK war aus der Puste.

2x festgenommen wurde ich auch..aber das ist eine andere Geschichte.

ich glaube es wird langsam OT.

Gruß Rothaut


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19.01.2014 21:20
#13
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Als Potsdamer zog es mich immer wieder nach Berlin auf den Fernsehturm und von dort suchte ich immer Stellen wo man die Berliner Mauer von der Westseite sehen konnte, ja solche Stellen gab es wirklich, besonders dort wo sie einen Knick machten. Das war schon recht aufregend, aber auch die Grenzuebergaenge konnte man recht gut beobachten, dafuer konnete man wunderbar die Fernglaeser auf dem Fernsehturm nutzen. Als junger Handwerker beim BMK-Ost Potsdam - wir hatten das Simulatorzentrum in Schoenefeld gebaut - konnte ich mal zu Weihnachten an einem Rundflug der Interflug teilnehmen, eine uralte IL18 flog uns von Schoenfeld - Dresden und zurueck. Alle Handwerker waren voll wie Nachttoepfe und als auf dem Rueckflug die Berliner Grenze zu sehen war ging die Groehlerei los: ''Pilot nach links, nach liiiiinks''


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20.01.2014 09:12
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#14
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( gelöscht )

Berlin, Falkensee - da wohnte meine Verwandtschaft.
Mein Onkel lud uns Anfang der Sechziger ein, meine ältere Schwester und meinem Cousin, auch älter, den Berliner Tierpark zu besuchen.
An die S-Bahnfahrt erinnere ich mich noch ganz genau:
Die Worte von meinem Onkel habe ich noch immer im Ohr:"....nehmt eure Ausweise mit..."!!!
Ich hatte damals noch keinen.
Die Fahrt mit der S-Bahn ging noch entlang des Stacheldrahtzaunes, mit erhöhter Geschwindigkeit, dann, Ausweiskontrolle.

Drüben sah man die weißen Neubauten:
...Onkel, was ist das..."?

"Ja, Junge, das ist Westberlin..." antwortete er etwas wehmütig.

Stacheldraht , Ausweiskontrolle, weiße Neubauten, Westberlin, daß war mein erster Blick in den Westen - vergesse ich nie !


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20.01.2014 09:25
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#15
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1975 als Praktikant hat man mich zu einer 4 wöchigen Urlaubsvertretung nach Sülzhayn verdonnert. Mit Passierschein ausgerüstet reiste ich täglich mit meinem Dienstmotorrad an.
In meiner Mittagspause, die unterschiedlich lang sein konnte, da ich als "Alleinunterhalter" mein Tagwerk schaffen musste, fuhr ich immer die Strasse Richtung Ellrich an eine Stelle am Waldrand, von der ich einen herrlichen Blick in das Tal nach Walkenried hatte. Für die Kenner der Gegend, zu meinem "Beobachtungsposten fuhr ich kurz vor dem Brechpunkt der Strasse rechts in den Wald. Links von der Strasse war ein Rinderstall.
Es war ein eigenartiges Gefühl. Da breitete sich unter einem die Landschaft bis zum Horizont aus, man konnte die Autos weit entfernt sehen, ein Kalkwerk (Kutzhütte) war am arbeiten, davor im Tal aber fast Totenstille in der Landschaft, und wäre ich nur ein paar hundert Meter weiter gefahren, ....?


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