Beerdigte Geldscheine im Harz

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15.01.2014 23:23
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Habt Ihr einmal einen 200 Mark-Schein und einen 500-Mark-Schein der DDR gesehen? Natürlich nicht, denn im Umlauf waren diese Banknoten nie. Allerdings gab es sie in Massen. Später, nach der Wende wollte man dann das Geld der DDR schnell los werden. Doch so einfach war das nicht. Aber lest selbst.


Beerdigte Geldscheine im Harz wurden wieder exhumiert und dann doch verbrannt.


Der Brockengipfel im Harz ist bekannt durch sein raues Klima und nur selten zeigt er sich in seiner ganzen Schönheit. Meist ist der Gipfel von dichten Nebelschwaden eingehüllt, als würde er sich vor den vielen Wanderern verstecken wollen. Der Harz mit seinen Hochmooren und dunklen Tälern war schon immer ein Schauplatz von Mythen, Spuk- und Geistergeschichten. Hexen soll es hier geben, die gern einmal dem Wanderer in den ausgedehnten Wäldern einen Streich spielen. In Thale gibt es sogar einen Hexentanzplatz und wer einmal den Hexen beim Tanz zusehen will, der sollte sich in der Walpurgisnacht warm anziehen. Hier mitten im Harz, im Inneren der Thekenberge bei Halberstadt, lagen einst Milliarden an Bargeld. Geldscheine, vorschriftsmäßig einst 1990 eingezogen, gezählt und erfasst. Verpackt, wieder gezählt, verladen und schließlich eingelagert. Das war das Schicksal der Banknoten aus der ehemaligen DDR.


Fotoquelle: Deutsche Bundesbank

Milliarden im Berg
Hier tief im Stollen, welcher einst im Zweiten Weltkrieg von KZ-Häftlingen, zu einem unterirdischen Labyrinth von riesigen Hallen und kilometerlangen Straßen und Gängen, ausgebaut werden musste, lag nun der große Teil aller DDR-Banknoten beerdigt. Über 50 Meter tief unter der Erde lagen nun die Geldscheine. Alte und neue Scheine, ungültige, druckfrische, original verpackte und Banknoten, welche man nie ausgegeben hatte. Gerade über diese, nie ausgegebenen 200- und 500-Mark-Scheine der DDR, wird später noch die Rede sein. Alle hier lagernden Banknoten sollten nach der Meinung von Experten, und da war man sich absolut sicher, in kürzester Zeit verrottet sein und nur noch ein kläglicher Haufen von Papierresten übrig bleiben. Die damals für die Aktion noch zuständige Staatsbank der DDR fuhr also ca. 300 Tonnen Papiergeldscheine in den Stollen bei Halberstadt ein. Dabei muss man wissen, dass man im inneren der Anlage, durch seine unzähligen verzweigten Gänge, ohne eine sachkundige Führung, nach wenigen Schritten hoffnungslos verloren sein soll. Es gibt dort unten Gänge die man durchaus mit einem Panzer befahren könnte, so wird berichtet. Auch sind schnurgerade Straßen von mehreren Kilometern keine Seltenheit und immer wieder gehen Seitenstollen in das Gebirge ab. In einem der Seitenstollen brachte man die Banknoten zur letzten Ruhe. Versperrt wurde der Stollen durch eine zwei Meter dicke Stahlbetonwand um eventuelle Hobby-Bergleute den Ausflug in die Unterwelt zu vermiesen. Abschließend wurde das Geld-Depot über einen Schacht noch mit Kies aufgefüllt, fertig und Ruhe Sanft!

Geheimnisvolle Banknoten
Einige Jahre vergingen, die DDR hatte aufgehört zu existieren und war mit ihren fünf Ländern ein Bestandteil der Bundesrepublik geworden. 1994 hatte die KfW-Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) die Staatsbank der DDR übernommen und erbte somit auch die finanzielle Altlast im inneren der Thekenberge. Anfangs war das obere Gelände noch bis 1995 vollkommen abgeriegelt und wurde streng militärisch bewacht. Man wusste zwar nichts über den Zustand der Geldscheine, verkaufte aber trotzdem in dieser Zeit die Stollen an einen privaten Unternehmer. Der Inhalt des Geldstollens war nach Meinung der Experten schon lange verrottet und alles sei nun unbrauchbar geworden. Wenn nur das kleine Wörtchen „aber“ nicht wäre! Denn das dem nicht so war, sollte nun bald an das Tageslicht kommen. Plötzlich und es wurden immer mehr, tauchten auf Sammlerbörsen die nie ausgegebenen 200- und 500-Mark-Scheine der DDR in druckfrischer Qualität auf. Dieses war schon verwunderlich, doch dachte noch keiner an eine undichte Stelle in der zwei Meter dicken Stahlbetonmauer. Weil die Scheine noch so selten waren, kostete ein „Scheine-Pärchen“ zwischen 300- und 500 D-Mark und dieses wurde auch gern gezahlt. Als dann immer mehr in den „Sammlerumlauf“ kamen, breitete sich sehr schnell eine Legende aus und man wusste zu berichten, dass damals beim Transport der Scheine durch die NVA, gern von den Soldaten „zugegriffen“ wurde. Die den Transport begleitenden Offiziere sollen dabei immer sehr großzügig weggeschaut und sich nicht selten selbst bedient haben. Dieses kann nicht bestätigt werden, denn so lax ging es damals nicht zu. Schließlich wurden schon Banknoten eingelagert, als diese noch gültiges Zahlungsmittel waren! Man wusste daher schon ganz genau wie man damit umzugehen hatte und was beim Transport zu beachten war.
Als man kurze Zeit später feststellen musste, das Geld doch „stinken“ kann, entschied man sich bei den Zuständigen, sehr schnell zu einem Kontrollgang im Stollen.


Fotoquelle: Deutsche Bundesbank

Stinkende Geldscheine
Was nur „Offiziellen“ bekannt war ist die Tatsache, dass die Mitarbeiter der Staatsbank kurz vor dem gezielten Auffüllen des Depots mit Kies, noch ordentlich Buttersäure über die ausgedienten Geldscheine gekippt hatten. Ein Kontrollgang bestätigte die Annahme der Experten, hier unten gab es auch „Mauerspechte“, welche ein großes Loch in den Stahlbeton gemeißelt hatten und anscheinend gegen den beißenden Geruch von Buttersäure immun waren. Außerdem musste man nun zugeben, dass die Geldscheine nicht verrotten wollten und Karl Marx noch immer auf einen druckfrischen 100-Mark-Schein seinen Betrachter anlächelte. Ein völlig luftdichter Raum hatte die Geldmengen nicht erledigt sondern konserviert! Nur die „oberen Lagen“ waren durch Kies und Säure nicht mehr als „kassenfrisch“ zu bezeichnen, diese waren eher etwas rötlich gefärbt. Es begann eine deutschlandweit ausgedehnte Fandung nach den Tätern, dabei kam es auch zu Durchsuchungen, die immer wieder „stinkendes Geld“ an das Tageslicht brachten. Der geheime Stollen bei Halberstadt war vermutlich ein heimlicher Besuchermagnet geworden. Die „Mauerspechte“ vom Harz wurden schnell gefasst, denn man musste sich nicht lange auf die Lauer legen. Zwei junge Männer wurden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, denn das Gericht war nicht davon überzeugt, dass diese beiden alleine ein so gewaltiges Loch in die dicke Mauer gehackt hatten. Die Diebe hätten dazu schweres Gerät gebraucht! Allerdings blieb die Suche nach weiteren Dieben erfolglos und wurde abgebrochen.

Ein neuer Mauerfall und die Endlösung
Fakt war auf alle Fälle, dass dort unten keine Ruhe eingekehrt war und man schnell zu einer Lösung kommen musste. Die KfW handelte flink und verkündete in den Medien: „Das Geld muss verschwinden, diesmal für immer. Wir wollten eine endgültige Lösung und den Mythos des vergrabenen Schatzes ein für alle Mal beenden". Man beschloss einen „zweiten Mauerfall“. Von März bis Juni 2002 wurde der aus Stahlbeton bestehende Schutzwall vor dem DDR-Geldberg abgerissen. Die Banknoten wurden exhumiert, von Sand und Erde befreit und in 298 Stahlcontainer verpackt. Dann ging alles gut bewacht auf „seinen letzten Gang“ nach Niedersachsen. Dort wurden zum ersten Mal Banknoten mit normalem Hausmüll vermischt und endgültig verbrannt.

„Pecunia non olet“, Geld stinkt nicht, sagt der Lateiner. Nachweislich soll aber dieses Geld, Dank der Buttersäure, doch gestunken haben! Ob sich damals die umliegende Bevölkerung in der Nähe der Verbrennungsanlage von Niedersachsen, über eine zeitweilige Geruchsbelästigungen beschwert hatte ist leider nicht bekannt geworden.


Soweit mein Bericht über die DDR-Banknoten. Eventuell gibt es noch Zeitzeugen, welche die Transporte von DDR-Banknoten erlebt haben?

Gruß Reiner


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16.01.2014 09:47
avatar  Lutze
#2
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wann wurden eigentlich diese Geldscheine gedruckt?
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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16.01.2014 18:50
#3
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16.01.2014 19:16
avatar  Mike59
#4
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Zitat von Lutze im Beitrag #2
wann wurden eigentlich diese Geldscheine gedruckt?
Lutze

Steht drauf.


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16.01.2014 19:18
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#5
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Warum wurden die Scheine nicht ausgegeben?


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16.01.2014 19:30
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#6
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16.01.2014 19:54
avatar  Greso
#7
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Zitat von Zermatt im Beitrag #6
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #3

http://www.mdr.de/damals/waehrungsunion/...c-03c27fd5.html
http://www.wk-banknoten.de/index.php/cat/c9_DDR.html
Theo


Haben die Sammlerwert ?

Für den Schein,bekommst du kein Glas Kölsch.
P,S.die haben keinen Sammlerwert.


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16.01.2014 19:54
#8
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #5
Warum wurden die Scheine nicht ausgegeben?


dazu kam es wohl aus geschichtlichen Gründen nicht mehr, ich habe sie nicht vermisst!!

h.


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16.01.2014 19:57
#9
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Nicht wirklich. Es sind davon zuviele vorhanden. Diese Reserveserien (200 und 500 M) sind in grossen Zahlen gedruckt worden und nicht wenige sind wohl vor der Vernichtung "verschwunden". Der Grund für die hohe Auflage ist, dass beim erwarteten "Beitritt" der westdeutschen Länder zur DDR die Gesamt- Umlaufmenge an DDR Mark wegen der 70 Millionen Westdeutschen sofort um das Mehrfache hätte erhöht werden müssen.
http://www.ebay.de/bhp/500-mark-ddr
Theo


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16.01.2014 20:14 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2014 20:17)
avatar  GZB1
#10
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Evtl. wegen der Inflation der DDR-Mark bei einer möglichen Konföderation.


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16.01.2014 21:15 (zuletzt bearbeitet: 16.01.2014 21:16)
avatar  Mike59
#11
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Zitat von Greso im Beitrag #7
Zitat von Zermatt im Beitrag #6
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #3

http://www.mdr.de/damals/waehrungsunion/...c-03c27fd5.html
http://www.wk-banknoten.de/index.php/cat/c9_DDR.html
Theo


Haben die Sammlerwert ?

Für den Schein,bekommst du kein Glas Kölsch.
P,S.die haben keinen Sammlerwert.



Kann ich mir gar nicht vorstellen, von wegen keinen Sammler wert. Da diese durch eine "Straftat" in Umlauf gekommen sind, werden sie wohl nur auf dem grauen Markt gehandelt. Für so etwas finden sich immer Sammler die auch gerne richtig Kohle hinlegen. Wenn ich nur bedenke was für fake Uniformen hingelegt wird, dann für einen echten Schein der Serie 200er und 500er erst recht.


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17.01.2014 00:01
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#12
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Hier tauchen ja einige Fragen auf, welche ich nun einzeln beantworten werdee, so wie es mein Wissen und die Kataloge erlauben.

Gruß Reiner


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17.01.2014 00:21 (zuletzt bearbeitet: 17.01.2014 01:09)
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#13
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Zitat von Lutze im Beitrag #2
wann wurden eigentlich diese Geldscheine gedruckt?
Lutze


Hallo Lutze,

mit den Jahreszahlen auf Banknoten und Münzen ist es in Deutschland nicht immer einfach. Die Jahresangabe auf den Münzen und Banknoten muss nicht mit dem Jahr der Herstellung übereinstimmen, wie es in anderen Ländern sogar per Gesetz festgeschrieben ist.

Beispiel: Bereits im Jahre 1997 begann man mit der Prägung von Euromünzen in Deutschland. Man wird allerdings keine deutsche Euromünzen mit den Jahreszahlen 1999, 2000, 2001 finden, wie es sie von anderen Länder aber gibt. Alle deutschen Euromünzen tragen das Prägejahr 2002 oder später.

Zu den beiden Geldscheinen: Es liegen Druckproben vom 500-Mark-Schein vor, welche aus dem Jahre 1981 stammen. Man kann aber davon ausgehen, dass die beiden Scheine um 1985 gedruckt worden sind.

Gruß Reiner


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17.01.2014 00:44
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#14
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #5
Warum wurden die Scheine nicht ausgegeben?


Berechtigte Frage. Man hat die Scheine also um 1985 gedruckt und dann doch gezögert sie auszugeben. Man hatte am Ende dann doch Bedenken im Finanzministerium. Zum Einen hatte man die Furcht, dass in der DDR selbst, die Ausgabe der beiden Scheine, zur Spekulationen über eine Inflation in der Bevölkerung führen könnte. Zum Anderen schielte man auch in Richtung Westmedien, welche sicherlich die Ausgabe als "Inflation im Osten" ausgeschlachtet hätte. Ohne Zweifel. Nach internen Absprachen mit dem ZK, einigte man sich auf das Abwarten und hielt diese Scheine in Reserve. Die Ausgabe war allerdings auch nicht zwingend notwendig, denn es war ja genügend Bargeld im Umlauf vorhanden. Man wartete auf einen günstigen Augenblick, der aber bis 1989 nicht kam oder verpasst wurde.

Warum druckte man diese Scheine überhaupt? Auch hier könnte man sich an der BRD orientiert haben, ich schreibe bewusst könnte, den große Erkenntnisse gibt es nicht dazu. In der BRD existierten ja auch schon ewig 500- und 1000-Mark-Scheine und keiner brachte das mit einer Inflation in Verbindung.

Gruß Reiner


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17.01.2014 00:50
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#15
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Zitat von Greso im Beitrag #7
Zitat von Zermatt im Beitrag #6
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #3

http://www.mdr.de/damals/waehrungsunion/...c-03c27fd5.html
http://www.wk-banknoten.de/index.php/cat/c9_DDR.html
Theo


Haben die Sammlerwert ?

Für den Schein,bekommst du kein Glas Kölsch.
P,S.die haben keinen Sammlerwert.



Oh doch sie haben Sammlerwert! Der 200er in perfekter Erhaltung (sollte auch so sein, waren ja nie im Umlauf) 15-35 EUR. Der 500er so um die 15-25 EUR. Proben mit der "AA 0000000" bringen es bis 2.500 EUR.

Pionierehrenwort.

Gruß Reiner


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