der Todesurteil in der DDR

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21.07.2009 19:43von ( gelöscht )
Frage
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der Todesurteil in der DDR

Da es kein Forum zum Thema "Fragen an geheime Mitarbeiter/MfS-Mitarbeiter" gibt, stelle ich sie hier rein samt Videoclip.

Hier ein Link zum Museum der Runden Ecke in Leipzig mit der Frage:

"Was habt Ihr damals davon mitbekommen, wenn jemand zum Tode verurteilt wurde" ?

Berliner



Quelle: DVD DIE FIRMA - Das Ministerium fuer Staatssicherheit

21.07.2009 20:07von Pitti53
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der typ nimmt sich sehr wichtig.wieviele werden heute noch in den usa oder china hingerichtet?nur mal als vergleich

21.07.2009 20:07von ( gelöscht )
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Hallo Berliner,
Eine Frage stellt sich da zur Todesstrafe. Haben sich der Staatsanwalt oder Richter eigentlich strafbar gemacht, wenn sie die Todes-
strafe verhängt haben ? Schließlich haben sie ja nach geltendem Recht gehandelt. Wenn das geltende Recht unrecht war, sind doch
die verantwortlich, die Gesetze erlassen haben. Also Volkskammer, Ministerrat, und was weiß ich für Beteiligte auch Mittäter.
Ich kann doch nicht den Henker verantwortlich machen ,wenn er nach geltendem Recht handelt. Es ist schon sehr verzwickt und brauch eine lange
Aufarbeitung.

Tiroler

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21.07.2009 20:16von ( gelöscht )
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Hallo Berliner,
danke für diesen wichtigen Beitrag. Wichtig deshalb, weil der Normalbürger nie etwas über eine Hinrichtung in der DDR erfahren hat. Das Thema war in der Presse tabu. Letztlich waren es doch meist nur Stasi-Mitarbeiter, die die Fronten wechseln wollten. Weil dies im MfS sicher propagandistisch verwertet wurde- kann hier eine Antwort nur ein MfS-Mitarbeiter geben.

Hier noch 2 Links dazu:

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_172995.html
http://books.google.de/books?id=K9r5ocIV...result&resnum=3

Gruß, Augenzeuge

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21.07.2009 20:47von ( gelöscht )
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Zitat von tiroler
Hallo Berliner,
Eine Frage stellt sich da zur Todesstrafe. Haben sich der Staatsanwalt oder Richter eigentlich strafbar gemacht, wenn sie die Todes-
strafe verhängt haben ? Schließlich haben sie ja nach geltendem Recht gehandelt. Wenn das geltende Recht unrecht war, sind doch
die verantwortlich, die Gesetze erlassen haben. Also Volkskammer, Ministerrat, und was weiß ich für Beteiligte auch Mittäter.
Ich kann doch nicht den Henker verantwortlich machen ,wenn er nach geltendem Recht handelt. Es ist schon sehr verzwickt und brauch eine lange Aufarbeitung.
Tiroler


Hi Tiroler,
die Todesstrafe wurde in der DDR erst 1987 aufgehoben, das letzte Urteil schon 1981 vollstreckt. Von daher haetten wohl die Richter nach geltenden Recht gehandelt. Allerdings ist im letzten deutschen Todesurteil (Werner Teske) das Urteil von Mielke schon praktisch 'vorgegeben' worden.

-Th

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21.07.2009 20:50von icke46
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Hallo, Augenzeuge,

vielleicht interpretiere ich ja Deine Antwort falsch - nur, dass es sich bei den zum Tode Verurteilten und Hingerichteten meist nur um Stasi-Mitarbeiter handelte, die die Fronten wechseln wollten, kann man so nicht stehen lassen. Abgesehen von den NS-Tätern ist eine sehr bekannte Hinrichtung der Fall Hagedorn, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Hagedorn .

Was ich - unabhängig von der DDR-Geschichte - sagen möchte, ist, dass ich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe bin, und zwar aus zwei Gründen: Bei einem Justizirrtum - der immer vorkommen kann - ist eine Wiedergutmachung nicht möglich, und der zweite: Es handelt sich bei den meisten zum Tode Verurteilten - speziell in den USA - wohl um Mörder, dennoch hat kein Mensch das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen - auch wenn er es nach den Buchstaben des Gesetzes legal tun kann.

In dem Zusammenhang vielleicht eine Frage an die Forumsmitglieder aus den USA: Es sind ja Fälle bekannt, in denen in den USA Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, deren Unschuld nachträglich festgestellt wurde. Nach meiner Logik hätte man dann den Richter und die Jury, die dieses Urteil fällte, wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes anklagen müssen.

Das entfernt sich nun stark von der Thematik dieses Forums - aber das sind so Sachen, über die ich auch nachdenke.

Gruss

icke

21.07.2009 21:01von ( gelöscht )
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Hallo icke46, ok, der Fall Hagedorn ist bekannt- ich schließe ihn auch ein. Es gab in den 50er Jahren auch mehrheitlich andere- die Stasi war ja noch im Entstehen... Allerdings habe ich die Jahre nach Mauerbau gemeint.
Und da waren die meisten wohl doch Stasi-Mitarbeiter....Wird das nicht auch im Film so gesagt?


Gruß, Augenzeuge

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21.07.2009 22:01von ( gelöscht )
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Hallo icke46,

auch ich bin gegen eine Todestrafe - aus ähnlichen Gründen wie du sie angibst.
Allerdings kann man Richter und Anwälte deshalb nicht strafbar machen. Wenn es nunmal Beweise gab (und die konnten ja in diesen Fällen falsch/gefälscht sein), dann ist das Urteil deshalb so getroffen worden - ohne jetzt alles über einen Kamm scherren zu wollen.
Dann müsste ja jede Revission vor einem Gericht mit einem anderen Urteil, als dem des Vorgängergerichts, zu dessen Anklage führen.

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21.07.2009 22:14von icke46
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Hallo, Manudave,

danke für Deine Antwort. Das man Richter und Jury (ok und Staatsanwalt) nicht haftbar machen kann, wie Du es sagst, ist mir eigentlich klar. Der Punkt bleibt aber, das ein Todesurteil nach Vollstreckung immer unumkehrbar ist, und ich wäre schon der Meinung, dass man das den Urteilenden klar machen muss. Ich habe immer das ungute Gefühl - was hoffentlich falsch ist - das man es in diesen Gerichten mit Leuten zu tun hat, die eigentlich ganz gerne töten möchten, und nun einen legalen Weg dafür gefunden haben.

Man kann es nicht oft genug wiederholen, und da sind wir uns wohl auch einig: Wenn jemand 20 Jahre zb. unschuldig im Knast war, kann man versuchen, es mit Entschädigungen wieder gut zu machen - das bringt ihm die Jahre nicht zurück - aber einem unschuldig hingerichteten das Leben wieder zu geben, ist unmöglich.

Gruss in die Vorderrhön
icke

21.07.2009 22:17von ( gelöscht )
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Zitat von Pitti53
wieviele werden heute noch in den usa oder china hingerichtet?nur mal als vergleich

Zitat von icke46
dass ich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe bin

auf dieses Thema wollte ich eigentlich nicht eingehen, Augenzeuge hat richtig erkannt worum es mir ging:

Zitat von Augenzeuge
Hallo Berliner,
danke für diesen wichtigen Beitrag. Wichtig deshalb, weil der Normalbürger nie etwas über eine Hinrichtung in der DDR erfahren hat. Das Thema war in der Presse tabu. Letztlich waren es doch meist nur Stasi-Mitarbeiter, die die Fronten wechseln wollten. Weil dies im MfS sicher propagandistisch verwertet wurde- kann hier eine Antwort nur ein MfS-Mitarbeiter geben.


Ich wuenschte nur zu wissen aus der Sicht des MfS, ob das stimmt was der Mann sagt. D.h., das Publikum bekam von einer Hinrichtung nichts mit, aber es wurde unten den Reihen des MfS (und vielleicht auch unter den Grenzern) "propagandistisch verwertet".

Ob jemand ein Gesetz entwirft, dass moralisch verwerflich ist, ist nicht Bestandteil der Frage. Doch interessant ist diese Hinrichtung zu benuetzen um die eigenen Mitarbeiter zu einer Ueberzeugung zu zwingen, das finde ich ziemlich hart...

Berliner

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21.07.2009 22:30von ( gelöscht )
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Als letzter in der DDR Hingerichteter gilt der Stasi-Hauptmann Werner Teske, der sich in die Bundesrepublik absetzen wollte. Er starb am 26. Juni 1981 durch Genickschuss, obwohl er selbst nach DDR- Recht nicht hätte zum Tode verurteilt werden dürfen. Im Juli 1998 verurteilte das Berliner Landgericht einen früheren DDR- Militärrichter und einen Militärstaatsanwalt wegen Totschlags und Rechtsbeugung beziehungsweise Beihilfe zu vier Jahren Haft. Sie hatten an Teskes Verurteilung mitgewirkt.

Ein Großteil der DDR-Bürger erfuhr erst nach der Wende, dass diese Strafe angewendet wurde. Lediglich in den 50er und 60er Jahren wurden Schauprozesse gegen Mörder, NS-Verbrecher und Spione noch in der Öffentlichkeit für Propaganda-Zwecke genutzt. "Teilweise fanden die Verhandlungen sogar auf Bühnen im Kulturhaus eines Ortes statt", sagt Historikerin Fiedler. Später sollte die Öffentlichkeit nicht mehr erfahren, dass es Polizisten oder Armee-Angehörige gab, die gegen den Staat arbeiten.

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21.07.2009 22:32von ( gelöscht )
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Zitat von Pitti53
...wieviele werden heute noch in den usa oder china hingerichtet?nur mal als vergleich

Nun, die USA ist ein bisschen groesser als die DDR, aber ganz Unrecht hast Du da nicht. Uebrigens, Du musst zwischen 'von den USA' und 'in den USA' unterscheiden, 'von den USA (Federal Government)' sind in den letzten 40+ Jahren sehr wenige Todesurteile ausgesprochen und noch weniger ausgefuehrt - Timothy McVeigh (Oklahoma Bombing), Juan Garza (7facher Mord) und Louis Jones(aggravated assault und Mord).

Die Lage ist in den verschiedenen Staaten und Jurisdiktionen der USA anders, etwa nicht ganz die Haelfte der Staaten hat keine Todestrafe, ein paar weitere Staaten fuehren keine Hinrichtungen aus weil die Methode eine 'ungewoehnliche Strafe' (cruel and unusual punishment) darstellt. Von daher muss man die USA so aehnlich wie Europa sehen, wobei natuerlich bei weiten weniger Staaten in Europa die Todesstrafe immer noch anwenden.

Das Problem, wie es sich hier in Kalifornien darstellt (da wohn ich) ist eben das Kreuz mit der Demokratie: Alle paar Jahre gibts wieder mal eine 'Proposition' das die Todesstrafe abgeschafft wird, allerdings wird die halt jedesmal recht gruendlich ueberstimmt, von daher kann man mal davon ausgehen das die Mehrheit der wahlberechtigten Bevoelkerung fuer die Todesstrafe it, das laesst sich nun nicht so einfach unter den Teppich kehren. Sogar unser Governator Schwarzenegger, der eigentlich gegen die Todesstrafe ist, hat bis jetzt noch keine Todesurteil in Lebenslaenglich umgewandelt (obwohl er das machen koennte, falls ein Gnadengesuch vorliegt). Er wird sich hueten, es waer fuer ihn praktisch der politische Tod.

Zitat von icke46

Was ich - unabhängig von der DDR-Geschichte - sagen möchte, ist, dass ich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe bin, und zwar aus zwei Gründen: Bei einem Justizirrtum - der immer vorkommen kann - ist eine Wiedergutmachung nicht möglich, und der zweite: Es handelt sich bei den meisten zum Tode Verurteilten - speziell in den USA - wohl um Mörder, dennoch hat kein Mensch das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen - auch wenn er es nach den Buchstaben des Gesetzes legal tun kann.



Ich bin auch gegen die Todesstrafe, auch mit den von Dir angesprochenen Gruenden, aber auch weil es einfach sehr hohe Kosten verursacht, und gleichzeitig eigentlich die Strafe verringert. Ich muss mal die Quelle wieder suchen, hab' aber hier mal gelesen das die meisten Todeskandidaten sowieso eines natuerlichen Todes sterben, weil einfach der Verwaltungsweg und der Revisionsprozess so lang ist - z.B. "Federal Habeus Corpus". Man hat auch 'on death row' ganz andere legale und publizistiche Moeglichkeiten als einfache 'Lebenslaengliche', von daher haben death row inmates eher noch einen 'Prominentenstatus', der dann auch oft ausgenutzt wird. Das war wohl nicht im Sinne der eigentlichen Hoechststrafe.

Also so was wie bei Teske, dem 1981 das Urteil vorgelesen wurde, und der sofort danach mittels Kopfschuss hingerichtet wurde isses hier bei weitem nicht, von daher hinkt der Vergleich mit der DDR ein wenig.

Zitat von icke46
In dem Zusammenhang vielleicht eine Frage an die Forumsmitglieder aus den USA: Es sind ja Fälle bekannt, in denen in den USA Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, deren Unschuld nachträglich festgestellt wurde. Nach meiner Logik hätte man dann den Richter und die Jury, die dieses Urteil fällte, wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes anklagen müssen.
...


Im Effekt agieren sowohl der Richter als auch die Jury auf Verlangen (on behalf of) des Staates und seiner Bevoelkerung, von daher traegt auch der Staat die Verantwortung wenn was schief geht -- vorrausgesetzt das keine eklatanten Verfahrensfehler gemacht wurden (welche man dann nachweisen muesste). Von daher kann man also weder den Richter noch die Jury anklagen. Im Falle eklatanter Verfahrensfehler werden durchaus Strafen gegenueber dem Richter ausgesprochen (ich glaub 1996), weil der Richter fuer das Verfahren verantwortlich ist. Allerdings kann man da wohl weniger von Vorsatz ausgehen, welcher fuer eine Mordanklage gegeben sein muss. Fuer die Jury besteht straffreiheit. Man wird allerdings bei der Juryauswahl gefragt ob man die Todesstrafe anwenden wuerde, falls so ein Fall zur Verhandlung kaeme. Wenn man da 'nein' sagt, ist man automatisch draussen (zumindest hier in CA)

-Th

PS: Hier ein blog von Dean Carter, der sitzt in San Quentin (hier in der Naehe) 'on death row' http://www.deadmantalking.com/

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21.07.2009 22:39von ( gelöscht )
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Zitat von Augenzeuge
Hier noch 2 Links dazu:

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_172995.html
http://books.google.de/books?id=K9r5ocIV...result&resnum=3

Gruß, Augenzeuge


Hallo Augenzeuge, gerade habe ich die Links gelesen, sehr zutreffend.

Es erschuettert mich nicht soviel die Todesstraffe selbst, sondern die Art und Weise wie damit umgegangen ist. Das ist m.E. erschreckend.

Berliner

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21.07.2009 22:43von Rostocker
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Ich wuenschte nur zu wissen aus der Sicht des MfS, ob das stimmt was der Mann sagt. D.h., das Publikum bekam von einer Hinrichtung nichts mit, aber es wurde unten den Reihen des MfS (und vielleicht auch unter den Grenzern) "propagandistisch verwertet".

Ob jemand ein Gesetz entwirft, dass moralisch verwerflich ist, ist nicht Bestandteil der Frage. Doch interessant ist diese Hinrichtung zu benuetzen um die eigenen Mitarbeiter zu einer Ueberzeugung zu zwingen, das finde ich ziemlich hart...

Berliner
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Ich würde mal so sagen-man hat es in den eigenen Reihen dazu propagandistisch verwertet.Um zu zeigen und zu sagen,so gehen wir mit Verrätern und Leuten die ,die Seiten wechseln um.Es war Einschüchterung,weil man sich in den eigenen Reihen nicht traute.

21.07.2009 22:45von ( gelöscht )
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Ich habe erstmals in meiner Haftzeit in Leipzig von Hinrichtungen gehört! Ich war im selbem Gefängnis wo diese durchgeführt wurden!Da sickert schon mal etwas durch.

Der letzte Henker der DDR Hermann Lorenz (aus damals im Osten)

"Für Gefühle war kein Platz"
Der zum Tode Verurteilte wurde von zwei Wärtern in einen etwa 12 Quadratmeter großen Raum geführt. Der Raum war fensterlos und leer. Der Henker wartete hinter der Tür. Wenn die Wärter einige Schritte zurückgetreten waren, trat der Henker leise hervor und schoss dem Verurteilten mit einer schallgedämpften Armeepistole in den Hinterkopf. "Ich habe keinen erlebt, der geschrieen oder Widerstand geleistet hätte. Dafür ging alles viel zu schnell", erinnerte sich der Henker Hermann Lorenz 1991 in einem Fernsehinterview.





Hermann Lorenz im PorträtKorrekt und pflichtbewusst
Hauptmann Hermann Lorenz war Abteilungsleiter in der Strafvollzugseinrichtung in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße. Er galt als korrekt, pflichtbewusst und überpünktlich. 1968 vollzog er zum ersten Mal eine Exekution. "Ich war aufgeregt", sagte Lorenz, "aber später handelte es sich um eine Aufgabe, die ich erhalten hatte, danach habe ich mich gerichtet. Für Gefühle war da eigentlich nicht viel Platz." Für welches Vergehen er die Menschen liquidierte, hat ihn nie interessiert.




"Mit dem Schuss war das für mich vorbei"
Bis 1980 erschoss Lorenz zwanzig Menschen durch den so genannten "unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt". Die meisten von ihnen waren Schwerbrecher – Mörder und Sexualstraftäter -, einige waren wegen "Spionage" oder "Landesverrats" zum Tode verurteilt worden. Auf die Frage, welche Gefühle er gehabt hätte, als er die Leichen gesehen habe, antwortete Lorenz: "Mit dem Schuss war das für mich vorbei."




150 Mark pro Exekution
Von seinem Nebenberuf als Henker wusste, abgesehen von seinem Auftraggeber, niemand etwas. Auch Lorenz' Frau nicht. Seine Arbeit war streng geheim. Mit niemandem durfte er darüber sprechen. Für jede Exekution erhielt er eine Prämie in Höhe von 150 Mark. Gebraucht habe er das Geld eigentlich nicht, sagte Lorenz, sein Einkommen als Abteilungsleiter sei ausreichend gewesen. Zum Schluss ist er auch noch befördert worden – zum Major.




Späte Reue
1980 wurde Hermann Lorenz wegen einer Krankheit pensioniert. Seit er Zeit zum Nachdenken habe, sagte Lorenz in dem Fernsehinterview, plagen ihn Schuldgefühle. Er würde gerne alles ungeschehen machen. Nach dem Fernsehauftritt verschwand Hermann Lorenz für immer aus der Öffentlichkeit. Der letzte Henker der DDR starb 2001 in Leipzig.


Anmerkung: Die Zitate von Hermann Lorenz stammen aus einem Interview, das Roger Willemsen 1991 mit Lorenz führte.




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