Psychologische Hilfe?

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15.12.2013 20:16
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#16
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( gelöscht )

Hallo,
unabhängig vom Grenzdienst, ich habe oft den Eidnruck daß heute Leuten mit hoher und sich deren bewußter Resilenz versucht wird einzureden psyschich krank zu sein.

Daß sich die Psaychohelfer versuchen Arbeit zu beschaffen.


ich mag mich irren, aber so sehe ich es


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15.12.2013 20:18 (zuletzt bearbeitet: 15.12.2013 20:20)
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#17
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Zitat von KARNAK im Beitrag #7
Zitat von ABV im Beitrag #5
Der Staat sorgt sich weniger um das Seelenheil des Schützen Sondern viel mehr darum, dass der Vorfall nicht bekannt wird.




Genau so,weil der Einzelne eigentlich nichts galt sondern nur die gemeinsame Sache für die man kämpft.Manchmal bis zu dem Zeitpunkt,dass es einen selber traf,da kam die Ernüchterung,wusste man plötzlich,dass die Dinge doch etwas komplizierter sein können.
An mir ist dieser Kelch zum Glück vorbeigegangen.



Es passt zwar nicht eins zu eins hier zum Thema, aber es ist ja schon verschiedentlich auch auf andere Berufsgruppen eingegangen worden.

Und wie @Grenzgängerin schon festgestellt hat, ist man erst (aber endlich!) seit ca. 10 Jahren ernsthaft bemüht, sich mit doch mittlerweile guter psychischer und seelsorgerischer Betreuung um die Menschen zu bemühen, die mit dieser Art gewaltsamen Tod verstärkt zu tun haben.

Für heutige Begriffe haarsträubende Beispiele aus meiner Berufsgruppe Eisenbahner gibt es da genug, die ich aus Unfallberichten, Schilderungen von Kollegen und auch Betroffenen weiß oder gar selbst miterlebt hab.

Und glaubt mir, auf Dauer geht das an Niemanden spurlos vorbei. Auch wenn man nur als Bereitschaftsdienst zu einer Unfallstelle hinzugezogen wird. Hatte selbst erst im Juli diesen Jahres dieses zweifelhafte "Vergnügen". Aber bestimmte Dinge im Leben kann man sich nun mal schlecht aussuchen.

Früher wurde ein Lokführer nach einem tödlichen Unfall oder auch Suizied meißt nur gefragt, ob er denn wenigstens die Schicht noch zu Ende fahren könnte oder den Zug von der Strecke bis zum nächsten Bahnhof weiterbefördern könne, weil es da leichter sei, eine Ablösung heranzuholen...!

Heute undenkbar! Und das ist auch gut so!
Wehrmutstropfen heute ist nur wieder die Versicherungsbranche, egal. ob Berufsgenossenschaften oder andere Versicherungen, die sich nur zu oft richtig querstellen, wenn ein Mitarbeiter berufsunfähig wird. Im ungünstigsten Fall droht ihm die Arbeitslosigkeit oder gar Hartz-IV. Auch das sind Tatsachen!

Denn früher sind allzu oft diese Kollegen im Alkohol versunken, ihre Familien sind zerbrochen oder es gab anderes Unheil, weil man sie mit ihren seelischen Nöten und Qualen total allein gelassen hat! Es klingt makaber, aber es gab auch teilweise aus Kollegenkreisen bis in Chefetagen hinein herabwürdigende Äußerungen wie Weichei..., wenn Betreffender sich z. Bsp. länger krankschreiben ließ!
Das ist kein Quatsch, auch das sind traurige Tatsachen!

Zum unrühmlichen Verhalten von Vorgesetzten gerade bei den GT ist mir der Fall des erschossenen 16- jährigen im Bereich der ehem. GK Sorge im Harz aus dem Jahre 1979 noch bekannt, genauer gesagt passierte das Ganze am 08.12.1979, also vor genau 34 Jahren.
Hier im Forum ist schon mehrfach über diesen Fall berichtet wurden. Nachweislich und von mehreren Zeuge ist bestätigt, das z. Bsp. der damals schon berühmt- berüchtigte Kompaniechef der GK Sorge Major P. seine Soldaten mit den Worten vergattert hat: "Bei Anruf Magazinwechsel...!". Nach den tödlichen Schüssen auf den damals 16- jährigen hat der Polit dieser GK über das Grenzmeldenetz die Äußerung abgelassen "...jetzt blutet das Schwein aus!" Auch diese extrem krasse Verhaltensweise ist durch mehrere Zeugenaussagen belegt. Belegt ist auch, das man weder zu DDR- Zeiten noch in dem Prozess um diese tödlichen Schüsse im Jahr 1996 vor dem Landgericht Magdeburg weder Kompaniechef noch den Polit für diese menschenrechtsverachtende Verhaltensweise zur Verantwortung gezogen hat...

josy95

Sag niemals nie.
Sagte schon James Bond. Britischer Filmheld


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15.12.2013 20:25
avatar  Lutze
#18
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ein Schwein blutet aus,
ich kann es nicht fassen,
mir fehlen die Worte
Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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15.12.2013 20:38
avatar  josy95
#19
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Zitat von Lutze im Beitrag #18
ein Schwein blutet aus,
ich kann es nicht fassen,
mir fehlen die Worte
Lutze



...ja, @Lutze, es ist aber leider so.

Für mich tun sich da extreme(!!!) menschliche Abgründe auf. Traurig, das solche Menschen damals wie heute frei herumlaufen und sich für ihren extrem kranken Geist nicht verantworten müssen!

Belegt durch mehrere übereinstimmende Zeugenaussagen u. a. in besagten Prozess vor dem Magdeburger Landgericht. Aussagen, die wohl auch unter Eid gemacht wurden und nicht nur aus den unteren Manschaftsdienstgraden der damals Beteiligten und Zeugen stammten...

josy95

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16.12.2013 08:52 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2013 08:54)
avatar  ABV
#20
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ABV

Hallo an alle!
Ich kenne diesen Politoffizier nicht und mir liegt es auch verdammt fern, den Kerl zu verteidigen. Aber ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass "markige Sprüche" mit unter auch ein Versuch sein können, dass eigentlich unfassbare zu verarbeiten. Während meiner Tätigkeit als Polizist habe ich viele schreckliche Dinge erlebt, die anderen normalerweise im Leben erspart bleiben. Nicht jeder verarbeitet solche Erlebnisse gleich. Der eine schweigt, der andere versucht durch flapsige Bemerkungen das Ereignis abzuwehren. Klappt aber meistens nicht.

Ich gebe mal ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Funkstreifenbesatzung wird zu einem schweren Verkehrsunfall gerufen. In den Autowracks wimmern schwer verletzte Kraftfahrer um Hilfe. Rettungssanitäter und Feuerwehrmänner wuseln herum. Der Dienstgruppenleiter in der Wache verlangt über Handy einen ersten Lagebericht.
" Wie sieht es bei euch draußen aus?", fragt der Dienstgruppenleiter. " Au, au, hier hat es verdammt viel Ketchup gegeben", stöhnt der Polizist, völlig unter dem Eindruck des Geschehens stehend. " Dann nimm dir mal ein Brötchen und wische den Ketchup auf", erwidert der Vorgesetzte trocken.

Das mag für den Außenstehenden zynisch klingen. Alles klar! Aber für den Polizisten war es das Signal, sich zusammenzureißen und auf den Job, den er nun mal erledigen muss, zu konzentrieren!

Aber wie bereits gesagt: ich kenne diesen Politoffizier natürlich nicht. Möglicherweise war er tatsächlich nur ein verblendetes, Menschen verachtendes A...... Dann trifft für ihn mein Erklärungsversuch nicht zu! Andererseits habe ich große Schwierigkeiten damit, mir vorzustellen
das dieser Offizier wirklich solch eine enorme Gefühlskälte besessen hat, Angesichts eines erschossenen Jugendlichen, dass es sich um einen solchen handelte dürfte ihm kaum entgangen sein, solch grausame Worte aus voller Überzeugung abzusondern!
Diese Frage wird letztendlich einzig und allein der besagte Offizier beantworten können. Wobei zu befürchten ist, dass er die Antwort darauf wohl schuldig bleiben wird.

Gruß an alle
Uwe

16.12.2013 10:22 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2013 10:24)
#21
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Am 2.07.2013 als ein Fahrgast bei mir mit 50€ eine Kurzstrecke bezahlen wollte, was wir Busfahrer nicht annehmen dürfen, (Gefahr einer Blüte) ...ich ihn dann darauf 3x hinwies. Verschwand er nach hinten und nahm Platz.
Daraufhin machte ich ihn klar den Bus zu verlassen und irgendwo zu wechseln.Gelegenheiten wie diverse Läden in der Umgebung gab es genügend. Sprintete er vor zu mir und knallte mir eine mit voller Wucht so das ich ein Schädelhirntrauma hinnehmen musste.
Der Typ ein 1,90cm Kleiderschrank mit Migrationshintergrund verschwand nach dem Übergriff ins Nirgendwo.
Polizei, DRK und die Dienstaufsicht der BVG und das ganze Programm war nach dem ich den stillen Alarm auslöste innerhalb von 5min vor Ort.
Ende der Geschichte, ich war 3Wochen krank geschrieben und erhielt vom Arbeitgeber das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrsorgepflicht

Sven

PS: Ach so ja! Er blätterte vor meinen Augen abgeschätzte 5000€ aus...die ich sehen sollte!

Kein Zeuge ist besser als die eigenen Augen.

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16.12.2013 15:24 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2013 15:25)
#22
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Einer meiner Kameraden starb nach anstrengender Schicht einen plötzlichen Herztod.
Ich hab das bei der Objektwache miterleben müssen.

Gleich darauf bekam ich Herzbeschwerden.

Der KC war besorgt und ich wurde im Krankenhaus untersucht, um eine organische Erkrankung auszuschließen.

Daß die Beschwerden psychosomatisch waren, konnte ich mir denken. Gesagt hat es mir der Arzt nicht - nur daß ich (organisch) gesund bin.

Ich hab meine Beschwerden schnell überwunden. Aber die psychologische Betreuung war gleich null.
Wie bereits gesagt: Das war damals nicht üblich.

Gruß

Micha

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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16.12.2013 15:32 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2013 15:35)
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#23
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( gelöscht )

Die einzigen mit einer in Ansätzen psychologische Ausbildung auf den Kompanie waren die Politoffiziere. Ich hatte mir dazu mal ein Buch von meinen Polit ausgeborgt. Als junger Uffz.war ich ja auf diesem Gebiet völlig unbeleckt.


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16.12.2013 15:36
#24
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Ja, aber eher in psychologisch-ideologischer Beeinflussung - nicht in psychischer Hilfe, oder?

Der Polit war gewiß kein "Vertrauensmann".

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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16.12.2013 15:54
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#25
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ABV

Nach einem traumatischem Erlebnis hilft am besten, wenn man darüber redet. Gerade das konnten, oder viel mehr durften die betroffenen Grenzsoldaten jedoch nicht! Man kann sich wohl unschwer den psychologischen Ballast vorstellen, der sich im Laufe der Zeit auf deren Seelen angehäuft hat.
Jetzt stellt sich aber auch die Frage, wie eine psychologische Behandlung eines Grenzsoldaten, nach einem Gebrauch der Schusswaffe, verlaufen wäre?
Hätte der Psychologe, möglicherweise wider besseren Wissen, dem Schützen suggerieren sollen, dass seine Handlung rechtmäßig war? Wäre der Psychologe während der Behandlung wirklich frei gewesen? Oder hätte die Staatssicherheit im Hintergrund " Regie geführt"?
Schließlich sollte doch alles unternommen werden, dass die Umstände des Vorfalls eben nicht an die Öffentlichkeit geraten. Aber ist ein psychisch labiler Mensch nicht weit unberechenbarer als ein psychisch stabiler?
Fragen über Fragen. Wobei man objektiver Weise nicht außer acht lassen sollte, dass die psychologische "Einsatznachsorge" zur damaligen Zeit noch nicht den Stellenwert wie heute besaß. Weder in der DDR, noch in der Bundesrepublik!

Gruß an alle
Uwe

16.12.2013 16:31 (zuletzt bearbeitet: 16.12.2013 16:38)
#26
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Diese Suggerierung gab es selbstverständlich, aber nicht vom Psychologen, sondern von höheren Vorgesetzten.
Auszeichnung und Belobigung waren natürlich ungeeignet, innere Konflikte anzugehen.

Seelischen Beistand brauchte ab und zu jeder, auch ohne extreme Vorkommnisse.
Den brachten nur, ganz inoffiziell und unprofessionell, die gleichrangigen Kameraden.

Gruß
Micha

Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)


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17.12.2013 08:50 (zuletzt bearbeitet: 17.12.2013 08:51)
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#27
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ABV

Professionelle Hilfe wird heute, nach bestimmten Ereignissen zwar gewährt, wird aber nicht immer angenommen. Weil das Annehmen von Hilfe mitunter als Schwäche missdeutet wird. Wer möchte schon nach einem harten belastenden Einsatz als "Weichei" dastehen? Als jemand, der den täglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen ist. Da wird viel lieber vieles mit sich selbst abgemacht. Probleme werden "heruntergeschluckt". Wenn dann noch mit Alkohol "nachgespült" wird, ist die Katastrophe so gut wie vorprogrammiert.
Wie schon angedeutet, aus meinem Dienst bei der Polizei kann ich mit vielen Beispielen aufwarten, wo man direkt an die psychische Belastungsgrenze gekommen ist.
Mir fällt da zum Beispiel ein Schulbussunfall mit mehreren verletzten und getöteten Kindern, kurz vor Weihnachten 1999 bei Altlandsberg ( LK Märkisch-Oderland) ein. Gemeinsam mit meinem Kollegen hatte ich die undankbare Aufgabe, die Zufahrt zur Unfallstelle abzusperren. Und zu verhindern, dass die Eltern der Kinder zum Ort des Geschehens gelangen.
Aus Sicht der Rettungskräfte eine notwendige Maßnahme. Die vor lauter Angst und Panik völlig konfusen Eltern hätten die Rettungsarbeiten erheblich behindert oder gar unmöglich gemacht. Aus der Sicht der Eltern musste diese Verweigerung geradezu unmenschlich erscheinen.
Besonders verrückt: in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mich, wenn ich einer der Eltern gewesen wäre, ganz genau wie diese verhalten hätte! Auch ich hätte die Polizisten beschimpft und alles, aber auch alles versucht, zur Unfallstelle vorzustoßen! Solch eine "Denke" konnte ich mir in diesem Moment nicht leisten! Ich hatte meine Weisungen auszuführen und absolut korrekt zu funktionieren.
Ein Ereignis wie dieses vergisst man nie wieder. Ich sehe noch heute die Flotte der unablässig startenden und landenden Rettungshubschrauber, zwischen all den flackernden Blaulichtern. Wie in einem schlechten "Vietnamfilm". Und ich höre noch heute das Betteln und Flehen der verzweifelten Eltern. So etwas brennt sich regelrecht ins Gedächtnis ein.
Das ganze war aber nichts, zu dem was die zuerst am Unfallort eingetroffenen Kollegen der Polizeiwache Neuenhagen erleben mussten. Einem Polizisten ist ein Mädchen, dass er kurz zuvor aus den Trümmern gezogen hat, regelrecht in den Armen gestorben. Dazu das vielstimmige Schreien und Wimmern der Kinder.
Stunden später, als wir dann nach Strausberg zurückfuhren, wurden bei den Bergungsarbeiten aufgefundene Spielsachen übergeben, die protokolarisch erfasst und sichergestellt werden sollten. Ich sah einen Teddy, voller Blut. Und einen Walkman, an dem ebenfalls noch Blut haftete. Normalerweise wird bei Begegnungen mit den Kollegen anderer Dienststellen immer ein wenig gescherzt und getratscht. Nicht aber an diesem Abend. Die Kollegen sahen unglaublich grau im Gesicht aus, waren kaum eines Wortes fähig.
Das verrückteste erwartete uns in Strausberg. Nach und nach waren alle Businsassen in einer Liste namentlich erfasst worden. Aus der Liste ging hervor, in welchem Krankenhaus sich das verletzte Kind befand. Oder, welches Kind bei dem Unfall vor Ort verstorben war. Die vor Ungewissheit und Sorge vor dem Rand des Wahnsinns stehenden Eltern wurden zur Polizei nach Strausberg geschickt. In eben dieses Gebäude. Ich habe gesehen, wie eine Frau, deren Kind bei dem Unfall getötet wurde, schreiend über den Hof lief.
Und das alles verrückteste: vor dem Eingangstor der Polizeiwache standen Fernsehteams mit aufgebauten Kameras und filmten den Gefühlsausbrauch!!
Das war Wahnsinn pur! Zwischen meiner damaligen Dienststelle bis zu meinem Wohnort lagen sechzig Kilometer. Eine Stunde Autofahrt. Über die ich mich normalerweise nicht freute. Aber an diesem Tag wäre ich am liebsten noch weitere Stunden durch die Gegend gekutscht. Nur um wieder "herunterzukommen". und von dem erlebten Wahnsinn wenigstens etwas Abstand zu bekommen.
Damals wurde allen Beteiligten Einsatzkräften psychologische Hilfe angeboten. Die jedoch "mannhaft" abgelehnt wurde. Heute würde ich mich anders entscheiden. Und wenn man nur einfach darüber redet.

Gruß an alle
Uwe

17.12.2013 09:21
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#28
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( gelöscht )

Meine größte Angst war damals jemanden an der Minensperre zu finden.


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17.12.2013 10:23
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#29
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Jeder Rettungsdienstbereich hält auch Notfallseelsorger vor,meist Ehrenamtlich,welche bei Bedarf Nachalarmiert werden. In den meisten Fällen werden diese für Ehrenamtliche Helfer (Feuerwehr,THW u.s.w. benötigt) oder natürlich auch für Verwandte welche einen Schicksalsschlag erlitten haben.
Für uns Hauptamtliche bleibt eigentlich dafür überhaupt keine Zeit,denn nach den Einsatz ist vor dem Einsatz wo man das Vorangegangene Ereignis Ausblenden muss,um wieder einen guten Job zu machen.
Ich kenne einige Hauptamtliche welche dieses nicht verkraftet haben und den Job aufgeben mussten.


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17.12.2013 11:26 (zuletzt bearbeitet: 17.12.2013 11:27)
avatar  ABV
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ABV

Um wieder auf die Grenzsoldaten zurückzukommen: wenn sogar Menschen, die beinahe alltäglich oder zumindest des Öfteren mit extremen Situationen fertig werden müssen, in psychische Not geraten können, wie mag es denn in den noch sehr jungen Grenzsoldaten ausgesehen haben?
Im Prinzip hat sich der Staat DDR in punkto Grenzsicherung gleich drei Verbrechen schuldig gemacht:

1. Gegenüber den Flüchtlingen, weil es überhaupt eine gesetzlich verankerte Option gab, die Schusswaffe anzuwenden.
2. Gegenüber den an die Grenze gestellten Soldaten, weil sie durch diese Option, die ja viel mehr für die Soldaten einen Zwang darstellt, überhaupt erst in die Situation kamen, auf unbewaffnete zu schießen.
3. Ebenfalls gegenüber den eigenen Soldaten, weil er (der Staat) sie nach solch einer Extremsituation, mit all dem psychischen Chaos und dem Gefühl der Schuld, auch noch alleine lies.

Wer an der Grenze geschossen hat, unter welchen Umständen auch immer, sieht sich einer ganz besonderen Konstellation ausgeliefert. Während für "normale Täter" die Angelegenheit irgendwann einmal abgeschlossen ist, muss er immer wieder damit rechnen, dass die Tat, auf Grund des hohen gesellschaftlichen Interesses, immer wieder ans Licht der Öffentlichkeit geholt wird. Auf diese Weise werden die ohnehin kaum verheilten Narben auf der Seele, immer wieder aufgerissen.
Jetzt kann man natürlich sagen, dass das ganze im Interesse der Opfer geschieht. Weil diese niemals in Vergessenheit geraten dürfen. Ganz meiner Meinung!
Aber muss denn beispielsweise ein zum Zeitpunkt des Vorfalls neunzehnjähriger Soldat, selbst nach vielen Jahrzehnten, unter voller Namensnennung, öffentlich als Totschläger bezeichnet werden?
Genügt es denn nicht wenn man an den Vorfall und das oder die Opfer erinnert und die Namen der Schützen anonymisiert? Es sei denn, es handelt sich, wie leider auch geschehen, tatsächlich um feigen Mord.
In allen anderen Fällen sind die Täter zugleich auch Opfer. Wie bei dem des Öfteren angeführten Beispiel des im Jahre 1979 im Zuständigkeitsbereich der Grenzkompanie Sorge getöteten fünfzehnjährigen Jungen.

Gruß Uwe

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