Warum kamen an den Westgrenzen nicht ausschließlich Berufssoldaten zum Einsatz?

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01.12.2013 21:13 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2013 21:17)
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#1
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ABV

Ich greife hier mal einen Gedanken von @Studfri auf: warum wurde die Westgrenze der DDR, bzw die " Berliner Mauer", nicht ausschließlich von Profis, sprich speziell ausgebildeten Berufssoldaten bewacht?
Die Frage könnte man mit dem hohen Kräftebedarf der an diesen Grenzen herrschte, beantworten.
Aber ist es nicht trotzdem ein Widerspruch, dass an den, vergleichsweise bedeutungslosen Grenzen zur VR Polen und zur CSSR tatsächlich ausschließlich Profis auf Wacht standen, während der an der Nahtlinie zweier unterschiedlicher Weltsysteme angeblich chronisch bedrohte Weltfrieden, in den Händen blutjunger, meist noch unfertiger Menschen lag?
War das nicht allein schon ein Indiz dafür, dass sich die Grenzsicherung mehr nach innen als nach außen richtete? Wäre nicht sogar eine polizeiliche Grenzüberwachung alle Mal besser gewesen, als eine rein militärische Grenzsicherung? Zumal die Grenzanlagen keinen Angreifer ernsthaft aufgehalten hätten.


Gruß an alle
Uwe

01.12.2013 22:48
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#2
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@ABV,weil dafür schlicht und einfach das Personal fehlte?.....


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01.12.2013 22:52
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#3
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ABV

Zitat von ek40 im Beitrag #2
@ABV,weil dafür schlicht und einfach das Personal fehlte?.....


Wie war das aber vorher, vor dem Mauerbau, geregelt? Dort wurde doch die Grenze überall von der "Deutschen Grenzpolizei" gesichert. Und das waren ja auschließlich Berufskader. Hätte man diese Form nicht beibehalten können?

Gruß Uwe

01.12.2013 23:11
#4
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Aus politischen Gründen ("Wiedervereinigungs"initiativen der UdSSR und der damit verbundenen offenen Grenzen in Berlin) hatte die Grenzbewachung West noch keine grosse Bedeutung und es gab auch relativ wenig Personal und Sperren, verglichen mit der Situation nach dem 13. August 1961: Wer die DDR verlassen wollte, reiste nach Berlin. Dort gab es noch kein Grenzgebiet, wo man hätte (ohne Passierschein) hätte abgefangen werden können.


Theo


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01.12.2013 23:14 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2013 23:15)
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#5
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Das Problem wäre gewesen,ausreichend Berufssoldaten zu rekrutieren.Dann kämen auch noch die immensen Kosten dazu.Wer hätte sich das für ein Appel und ein Ei angetan.Und dann auch noch unter diesen Bedingungen.Sehen wir uns die Bundeswehr an,da wills ja auch nicht so recht mit der Berufsarmee.


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01.12.2013 23:23
#6
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Teil 3 und 4 der italienischen Reportage


(Weil offenbar zuviele Leute herumstehen, kommen zwei Grenzpolizisten, der eine eher bedrohlich, der andere bleibt eher locker, Teil 4, ab Sekunde 48).
Theo


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01.12.2013 23:33
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#7
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Zitat von ABV im Beitrag #3
Zitat von ek40 im Beitrag #2
@ABV,weil dafür schlicht und einfach das Personal fehlte?.....


Wie war das aber vorher, vor dem Mauerbau, geregelt? Dort wurde doch die Grenze überall von der "Deutschen Grenzpolizei" gesichert. Und das waren ja auschließlich Berufskader. Hätte man diese Form nicht beibehalten können?

Gruß Uwe
Wie von @eisenringtheo in #4 schon erwähnt,zu dieser Zeit war die Grenze noch nicht endgültig dicht.
Nach den geschaffenen Tatsachen in 61' sah das m.E. anders aus.
Jetzt war das mit der "Deutschen Grenzpolizei" nicht mehr zu stemmen.....
Genug "überzeugtes" Berufspersonal war nicht vorhanden,um den "Antifaschistischen Schutzwall" und die eingesperrten Bürger dahinter (oder davor?) zu sichern und zu "beschützen".
Von Nord nach Süd ....und Westberlin als "Stachel",das war zu viel.
Jetzt musste nach "Blutgruppen" GT-Personal "geschaffen" werden,immer mit dem Risiko,dass der "gemeine Moschkote" stiften gehen könnte.........

Gruß ek40


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01.12.2013 23:36 (zuletzt bearbeitet: 01.12.2013 23:42)
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#8
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Kennt jemand das Buch Dienst an der Mauer. Der Alltag der Grenztruppen rund um Berlin von Jochen Maurer, der nach Recherche zu folgender Aussage kam:

Der Großteil der Wehrpflichtigen durchlief den Dienst in den Grenztruppen eher mit einer inneren Ablehnung als mit dem Gefühl einer Überzeugung. Diese Erkenntnis lässt die berechtigte Annahme zu, dass dieser Teil der Wehrpflichtigen noch weniger bereit war, seine Waffe gegen Flüchtlinge einzusetzen. (...) Die Zahl der Fälle, in denen Grenzsoldaten nachweislich auf den Gebrauch der Waffe verzichteten oder aber gezielt an den Flüchtenden vorbeischossen, stützt diese Annahme zusätzlich.

In der Rezension zu dem Buch findet man auch folgende Aussage

Maurer untersucht auch die Motivation der Berufssoldaten in den Grenztruppen. Er findet in den Akten kaum politische, sondern hauptsächlich persönliche Motive für einen Dienst in den Grenztruppen: Karrierechancen, relativ hohes Einkommen,...

http://www.deutschlandfunk.de/vorbildlic...icle_id=194431#

LG von der grenzgaengerin


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02.12.2013 00:09 (zuletzt bearbeitet: 02.12.2013 00:10)
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#9
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ABV

Ich wage zu behaupten, dass politische Motive bei der Entscheidung den "bewaffneten Organen" beizutreten, stets eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürften. Wer nur aus ideologischen Gründen Berufssoldat oder Volkspolizist geworden ist, wäre sehr schnell "auf die Schnauze gefallen".
Nicht umsonst lockten die Werber ja mit den für DDR-Verhältnisse, beachtlichen Verdienstmöglichketen. Ich kann da als Beispiel dienen:
In meinem erlernten Beruf, als Binnenfischer, von manchen "Geistesblitzen" auch abfällig Karpfenschrubber genannt, verdiente ich als Facharbeiter 480 Mark auf die Hand. Damit konnte man weder sparen, noch eine Familie ernähren. Dagegen betrug mein Anfangsgehalt beim "Wachkommando Missionsschutz" der Volkspolizei, satte 1300 Mark Netto. Ich hatte also mit einem Schlag ein höheres Gehalt, als mein früherer Chef! Und der war Ingenieur. Da ich während der drei Jahre im Missionsschutz kostenlos in einem VP-Wohnheim in Berlin-Biesdorf untergebracht und auch sonst sehr genügsam war, hatte sich innerhalb ein Kontostand ergeben, von dem ich heute nur noch träumen kann.
Aber, Geld allein macht nicht glücklich! Selbst der beste Verdienst wiegt mangelnden Spaß und Interesse am Beruf nicht auf.

Gruß Uwe

02.12.2013 09:38
#10
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Grund für den Einsatz von Wehrpflichtigen siehe mein Beitrag #255 in "unschuldige Kinder....". Wäre neben dem rein personellen Problem, so viele Längerdienende zu finden, vorrangig die Finanzierbarkeit gewesen sein. Da wurde das gelegentliche Risiko unprofessionelen Handelns inkauf genommen. Weiterhin wie schon gesagt, die Routine und Langeweile hätten vielfach für keinen so viel qualifizierten Dienst gesorgt.


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02.12.2013 09:45 (zuletzt bearbeitet: 02.12.2013 09:52)
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#11
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Wegen der Finanzierbarkeit, hätte das Politbüro verfügt das ein Betrag X für die Sicherung der Grenze bereitzustehen hat, dann hätte er wohl bereitgestanden, egal in welcher Höhe, Inflation ist ja bei einem Geld was von Grund her nichts Wert ist nicht so das Problem um ein wenig mehr davon zu drucken und Valuta wurden ja nur fürs Equip­ment benötigt.
Ich glaube das der Einsatz von Grundwehrdienstleistenden die unkompliziertere Variante war.


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02.12.2013 10:01
#12
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@ABV

Sehe ich etwas anders. Bei der Werbung als SaZ oder später als BS spielte das Geld keine Rolle. Bei keinen Bewerbungangebot, zumindestens bei mir, wurde über die Verdienstmöglichkeiten gesprochen. Da war das politische Bewusstsein bzw. die politische Motivation höher als der materielle Gedanke an Geld. Wenn ich mich recht erinnere bekam ich als Wachsoldat ca. 500,-DDR-Mark und als BS / Uffz. am Anfang ca. 1000,-DDR-Mark. Darin waren aber schon zB. der Schichtzuschlag, der Grenzzuschlag, das Kleidergeld und das Verpflegungsgeld enthalten. Habe in den 80ziger Jahren einige junge MA kennen gelernt die auch mehr das Geld sahen als die Arbeit. Nach 2-3 Jahren ließen sie sich entpflichten, denn was nützt das Geld wenn man kaum Zeit es auszugeben. Bei unserer Tätigkeit musste man schon politisch motiviert sein um durchzuhalten ansonsten wäre man recht schnell an seine Grenzen gestossen, bedingt durch Arbeitszeit und Arbeitsrythmus.


Gruß

passport


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02.12.2013 10:23 (zuletzt bearbeitet: 02.12.2013 10:24)
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Da bezweifle ich mittlerweile. Für einzelne mag das zugetroffen haben. Und es mag auch eine Menge von solch poltisch motivierten gegeben haben. Aber im großen und ganzen - der Mensch ist so vielschichtig, dass dies nicht die alleinige Triebfeder gewesen sein kann. Und das war wahrscheinlich auch der große Trugschluß in der DDR, das der Mensch aus politischer Überzeugung handelt.

Anders kann ich mir das Zusammenfallen des Kartenhauses DDR 1989 nicht erklären.

LG von der grenzgaengerin


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02.12.2013 10:25 (zuletzt bearbeitet: 02.12.2013 10:28)
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#14
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94

Das war vielleicht bei Dir so, bei andern hat der Werber schon und auch recht deutlich mit der dicken Marie gewunken. Das der Berufssoldat irgendwo im Nirgendwo mit dem fünfstelligen Kontostand fast nix Anfangen konnte, steht dann auf der Rückseite von dem Blatt. Doch mal ein andern Aspekt, in dieser Diskussion flackert immer wieder auf das wenn GT nur mit Berufs- und Zeitkadern bestückt gewesen wäre, wäre auch eine Unterstellung MfS möglich (sinnvoll ?) gewesen.
Nun, als es die Wehrpflicht noch nicht gab (der erhöhte Personalbedarf der geschlossenen Grenze war einer der Hauptgründe zu ihrer Einführung), also noch vor der Wehrpflicht war GT mehrmals dem MfS bzw. dem SfS (zurückgestuft wegen 17.6.53 zum Staatssekretariat) unterstellt. Aus der "Hauptverwaltung Innere Sicherheit" ging dann später die Linie VI hervor.

P.S. Upps, da war die ggin der gleichen Meinung, nur schneller *staun*

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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02.12.2013 10:53
#15
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Passport hat insofern Recht, als dass es einen bemerkbaren Unterschied der verschiedenen Generationen gab. Bei den "jungen Genossen" hatte die Motivation per Geldschein aber auch das Motto "Ich bin jetzt wer" einen Einfluß, den es bei Älteren Kollegen zu deren Anfangszeit vielleicht nicht in dem Maße gab. Beispiel für diese "jungen Genossen" kenne ich aus meiner Gruppe/ dem Zug auf jeden Fall: Revolution mit drei R schreiben, aber in der Disko mit dem Dienstausweis wedeln...

Aber mit der materiellen Komponente wurde bei der Werbung auch gearbeitet, natürlich nicht gleich im ersten Satz. Mir wurde offeriert, dass ich ja als OaZ schon gut verdienen würde und das könne ja so weiter gehen.


friedliche Grüße Andreas

Hätte es Auschwitz und Stalingrad nicht gegeben, dann hätte es Mauer und Marienborn nicht geben müssen.


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