Flucht unter Knochen

11.07.2009 11:38
avatar  ( gelöscht )
#1
avatar
( gelöscht )

Neben dem schwierigen legalen Weg zum Verlassen der DDR, dem Stellen eines Ausreiseantrages, wählten Menschen auch immer wieder den ungleich gefährlicheren Weg der Flucht über die innerdeutsche Grenze. Einige griffen dabei zu sehr ungewöhnlichen, kreativen Mitteln.

In diesem Fall floh ein Mann 1987 aus der DDR, indem er sich unter eine Ladung Knochen mischte, die beim staatlichen DDR-Recyclingunternehmen, dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Sero in Crimmitschau von einer westdeutschen Firma abgeholt wurde. Um nicht von den Hunden der Grenzer gewittert zu werden, trug der bei einem Zulieferer Arbeitende zuvor 14 Tage dieselbe Arbeitskleidung, wodurch sie den Geruch der Ladung annahm. Sein Kalkül ging auf. Das Versteck blieb sowohl von den Grenzern als auch vom Fahrer unentdeckt. Die westdeutsche Firma war damit unfreiwillig zum Fluchthelfer geworden. Dies galt im DDR-Recht als "staatsfeindlicher Menschenhandel" und wurde mit mindestens zwei Jahren Haft hart bestraft (§105 des Strafgesetzbuches der DDR vom 12.02.1968); oft wurden aber auch höhere Strafen ausgesprochen. Vermutlich deshalb weigerte sich der Fahrer später, noch einmal Knochen aus der DDR abzuholen.
Sichtlich um die Wahrung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen bemüht zeigte sich die westdeutsche Firma, als sie nicht nur umgehend ihren DDR-Geschäftspartner, die Firma Zentralkommerz, informierte, sondern ihr auch eine eidesstattliche Erklärung des Flüchtlings weiterleitete, die besagte, dass die Firma in keiner Weise wissentlich zur Flucht beigetragen hatte.

78er


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!