So etwas gibt es noch?

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04.11.2013 21:30
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#1
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Hallo,zusammen!
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1699321/
Den hatten wir bei uns auch,nur da hieß er "Hauptfeldwebel"und war Rattenscharf! Er hat uns immer die "Beichte" abgenommen!
Mal im ernst!" Wer braucht so etwas noch"?


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04.11.2013 21:36
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#2
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Bei uns nannte man diese Leute "Polit"


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04.11.2013 21:37
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#3
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Hi , Namensvetter
Nach glaubwürdiger Aussage meines Nachkommen nutzte selbiger die Veranstaltung in etwa so, wie wir damals den Politunterricht. Er hatte eben die Auswahl- Bibelstunde oder Kettenkloppen.
73 Hans


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04.11.2013 21:45
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#4
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Zitat von Hans55 im Beitrag #1
Hallo,zusammen!
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1699321/
Den hatten wir bei uns auch,nur da hieß er "Hauptfeldwebel"und war Rattenscharf! Er hat uns immer die "Beichte" abgenommen!
Mal im ernst!" Wer braucht so etwas noch"?


Hallo Hans,

Die Hiroshimabombe wurde vor ihrem Abwurf auch von einem Militärpfarrer gesegnet.
Auch heute noch spielt die Kirche eine ganz wichtige Rolle bei der Kriegsführung.

Viele Grüße,

Kurt


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04.11.2013 22:41
#5
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Zitat von Hans im Beitrag #3
Hi , Namensvetter
Nach glaubwürdiger Aussage meines Nachkommen nutzte selbiger die Veranstaltung in etwa so, wie wir damals den Politunterricht. Er hatte eben die Auswahl- Bibelstunde oder Kettenkloppen.
73 Hans

Hallo Hans,

nee, da gab es eigentlich keine Wahl beim Politunterricht. Da ging es nur umgekehrt: Man konnte raugeschmissen werden, um dann eine Arbeitsverrichtung abzufassen. Während einer sehr nervigen Schulung hatte ich einmal schon am Vormittag drei Leute zum Kompaniechef geschickt, der ihnen dann die "besten Arbeiten" gab. In der Mittagspause kam mein Chef zu mir und flüsterte: Bitte nicht mehr als insgesamt fünf.

Also, so rum ging das. Aber beim Antreten zum Politunterricht gab es zunächst keine Wahl.

ciao Rainman


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04.11.2013 23:05
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#6
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Wer gläubig ist kann halt an einem Gottesdienst teilnehmen, gezwungen wird (heute) niemand dazu. Desweiteren erfüllen sie wie im zivilen Leben auch die Funktion des Seelsorgers.

Das kann man mit Polituntericht nicht vergleichen. Dafür gab/gibt es den Gesellschaftlichen Untericht (oder so ähnlich)


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05.11.2013 08:51
#7
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Hallo,

'86-'87 im Territorialheer hatte ich die Wahl zwischen Kirche oder Waffenreinigen. Nach einem oder zwei Malen mit den versifften MG wurde ich dann auch fromm.

Grüße aus Hessen


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05.11.2013 08:52
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#8
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Morgen , Leute.....
Hi, Rainmann-----weiß ich doch !
Daher " ER hatte eben die Auswahl.". Hätte natürlich auch schreiben können---- ist ein fauler Sack-- aber bei "Kettenkloppen" (Panzer) relativiert sich das dann.
Es gibt übrigens nicht nur Militärseelsorger, Polizei und Zoll haben auch welche.Übrigens hab ich einen davon schätzen gelernt- nach einem Katastrophen-Einsatz.
Hans


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05.11.2013 09:52
#9
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Hallo Wolle,

um Himmels willen, ich will diesen Thread nicht in einen Vergleich Gottesdienst - Politunterricht ausarten lassen. Das würde dem Thema nicht gerecht und wäre sehr unpassend. Da ich keine Erfahrungen mit Militärseelsorgern habe hier nur zwei kleine Episoden:

Als mir in Vacha im dortigen Krankenhaus der Appendix meines Blinddarms herausgenommen worden war und ich nach leidlicher Rekonvaleszenz schon wieder in der Uniform eines Offiziersschülers im 3. Studienjahr bereitstand, das Krankenhaus zu verlassen, kam der Pfarrer des Ortes gerade durch die Räume, um mit den Leuten zu sprechen, Trost zu spenden, aufzumuntern. Er sah mich am Fenster stehen, lächelte mich an und fragte dann: "Na, Genosse Offiziersschüler, wie viele Tage sind es denn noch bis zur Ernennung?" Ich hatte irgendetwas Salbungsvolles erwartet, aber nicht die Frage, die uns in den letzten Monaten an der Offiziershochschule tatsächlich am meisten beschäftigte. Respekt! Der Mann hat mich damals beeindruckt.

Um so mehr verstand ich, als in einer Vorlesung an der Militärpolitischen Hochschule im Fach Führung der politischen Arbeit der Dozent plötzlich vom Manuskript hochsah und sinngemäß folgendes sagte: "Genossen, stellt Euch doch mal vor, ein Pfarrer liegt im Krankenhaus. Sobald der wieder auf die Beine kommt, läuft der rum, redet mit den Leuten, kümmert sich und macht. Könnt ihr euch die Situation vorstellen? Gut. Und jetzt stellt Euch bitte vor, ein Parteisekretär liegt im Krankenhaus." Ja, das hat nicht nur mir zu denken gegeben ...

ciao Rainman


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05.11.2013 10:22 (zuletzt bearbeitet: 05.11.2013 10:23)
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#10
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Zitat von Hans55 im Beitrag #1
Hallo,zusammen!
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1699321/
Den hatten wir bei uns auch,nur da hieß er "Hauptfeldwebel"und war Rattenscharf! Er hat uns immer die "Beichte" abgenommen!
Mal im ernst!" Wer braucht so etwas noch"?


Interessantes Thema, Hans.....

Ja, wer braucht schon Seelsorger beim Militär ?
Sind doch alles harte Kerle, Religion ist doch Kinderkram, für Weicheier, Warmduscher.
Könnte man so auf den ersten Blick meinen.
Solange nicht weiter passiert, kann man alles verdrängen. Und das bisschen rauhen Umgangston beim Militär hält ein echter Kerl schon aus..
Oder, Männer ? Na bitte, geht doch !!

Was passiert wenn wir in den Krieg müssen, mit Tod, Sterben von Kameraden, zerfetzten Menschenleibern konfrontiert werden ?
Sind wir dann immer noch die "harten Kerle" ? Und - wie lange, wieviel Leid und Elend vertragen wir ?
Wo ist dann plötzlich der Sinn des Ganzen ?
Fürs Vaterland ?????

Ich bin bestimmt nicht religiös, obwohl ich mal evangelisch getauft wurde. Mit 14 aus der Kirche ausgetreten, dann im Sinne des sozialistischen Staates erzogen. Später hab ich dann wieder ab und an mit Religionen, auch nicht-christlichen Berührungen gehabt. Bin durch die Welt gereist, hab verschiedene Kulturen kennengelernt. Und bin immer wieder auf die Fragen "Glauben" und "Sinn des Lebens" gestossen.

Als Soldat brauchte ich zum Glück in keinen Krieg, jedenfalls in keinen "richtigen" mit massenhaften Sterben und zerfetzten Leibern.
Die Erlebnisse meines verstorbenen Vaters, der als Soldat den furchtbaren 2.Weltkrieg auf den Schlachtfeldern der Ostfront miterlebt hat, habe ich von ihm oft erzählt bekommen. Er hat es bis ans Ende seines Lebens nicht "wegstecken" können.

Ich denke, auch wenn man nicht religiös ist - als Soldat in einem Krieg wird man plötzlich mit Dingen konfrontiert, die man bis dahin verdrängt hat.
Waren unsere Politoffiziere in der NVA/Grenztruppen seelsorgerisch ausgebildet ?
Die Frage können die hier mit lesenden/-schreibenden ehemaligen Polit's selbst besser beantworten.

Braucht eine Armee Seelsorger ?
Solange Frieden ist sicher nicht unbedingt.

meint Hartmut


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05.11.2013 10:29 (zuletzt bearbeitet: 05.11.2013 10:29)
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#11
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Erstens sollte heutzutage das höchste Prinzuip gelten, unter keinen Umständen Krieg.

Wenn dann doch erforderlich, dann psychologische Betreuung auf jeden Fall plus Seelsorge für die, die einer Konfession angehören.
Es gibt auch andere Katastrophen neben Krieg, wo Menschen betreut werden müssen.


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05.11.2013 10:42
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #11
Erstens sollte heutzutage das höchste Prinzuip gelten, unter keinen Umständen Krieg.
Wenn dann doch erforderlich, dann psychologische Betreuung auf jeden Fall plus Seelsorge für die, die einer Konfession angehören.
Es gibt auch andere Katastrophen neben Krieg, wo Menschen betreut werden müssen.


Hallo Heiko,

rot - Deine Worte ins Ohr unserer Politiker, Auslandseinsätze eingeschlossen.....
grün - psychologische Betreuung, Seelsorge.... ist für mich im Grunde das Gleiche.
Krieg ist für mich die grösste Katatrophe.

Gruss Hartmut


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05.11.2013 11:01
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#13
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Morgen, Gemeinde-wie Pastor Holm immer sagte…
Nein, meine übliche Anrede hat nur sehr bedingt mit dem Thema zu tun. Sie stammt übrigens aus einem „Mundartprogramm“.
Nun-ich stamme aus einer der „Schwarzen Ecken“ Thüringens und bin außerdem noch Atheist.
„Sind doch alles harte Kerle, Religion ist doch Kinderkram, für Weicheier, Warmduscher.
Könnte man so auf den ersten Blick meinen.“ Über den Satz von Hartmut sollte man aber nachdenken. Ich habe einen Polizeipfarrer- bei seiner und meiner Arbeit kennen und schätzen gelernt. Wir bekamen einen „Katastropheneinsatz“ , der eben auch für uns-die eingesetzten Pol.-Beamten und Beamtinnen nicht ganz so einfach zu Händeln war. Nähere Details kneif ich mir mal, ist noch zu neu, es ging um ein abgebranntes, recht großes Gebäude mit eben Toten und Verletzten. Das sowas auch an „Harten Kerlen „ nicht spurlos vorbeigeht, ist ja wohl klar. Die Verletzten hatten FW und Rettungsdienst recht schnell in Krankenhäuser verbracht, „übrig„ blieben aber die anderen Betroffenen. Diese hatten wir im „Wärmebus“ der FW und eben auch in einem großen Mannschaftstransporter von uns untergebracht.“Materielle Sicherstellung war also nicht das Problem. Aber wie kümmert man sich um den Seelischen Zustand der Leute? Eine meiner Kolleginnen kam auf die Idee, einen Pol.-Seelsorger hinzuzuziehen. In den vier Stunden, die der Einsatz dann noch dauerte, verstanden die beiden Pfarrer-sie kamen zu zweit und recht schnell-den Betroffenen zu helfen- einfach indem sie mit ihnen redeten, ihnen Mut zusprachen, einfach das Gefühl vermittelten-Da ist jemand für mich da. Das ist etwas, was mir immer schwer fällt- geht wohl vielen so. Übrigens- einer der Pol.-Seelsorger hat sich auch um die beteiligten Einsatzkräfte gekümmert. Einige von uns waren nämlich auch angeknockt – auch wenn man das eben selten zugibt.
Mit Religion hat das eigentlich wenig (?) zu tun, aber sehr viel mit menschlichem Umgang.
73 Hans


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05.11.2013 11:34 (zuletzt bearbeitet: 05.11.2013 11:36)
#14
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #10
... Ich denke, auch wenn man nicht religiös ist - als Soldat in einem Krieg wird man plötzlich mit Dingen konfrontiert, die man bis dahin verdrängt hat.
Waren unsere Politoffiziere in der NVA/Grenztruppen seelsorgerisch ausgebildet ?
Die Frage können die hier mit lesenden/-schreibenden ehemaligen Polit's selbst besser beantworten.

Braucht eine Armee Seelsorger ?
Solange Frieden ist sicher nicht unbedingt.
...

Hallo Jobnomade,

ohne auf dem Thema herumreiten zu wollen nur soviel: Alle Offiziere hatten eine Ausbildung im Fach Militärpsychologie/Militärpädagogik. An der Militärpolitischen Hochschule war dieses Fach ebenso auf dem Plan, wie die Marxistisch-leninistische Ausbildung - es gehörte zum Grundhandwerkszeug. Aber während man in der Pädagogik, z.B. im Bereich der Methodik, recht gut und leicht ausbilden bzw. ausgebildet werden kann, ist die Psychologie nun nicht eben etwas für ein paar verregnete Nachmittage und das Einpauken von ein paar Prinzipien und Grundsätzen. Sagen wir mal so: Wir haben etwas Werkzeug in die Hand bekommen, mit dem wir hätten loslegen können. Aber, wie es richtig funktioniert, wie ich mit Menschen in einer Extremsituation spreche, wie ich ihnen Mut zuspreche und vor allem, wie ich mir selbst zurede, dass ich selbst nicht angesichts von Trauer, Not und Elend den Mut verliere, das kann man nicht in der Theorie lernen. Viele Offiziere, auch Politoffiziere, opferten ihre Handvoll pädagogisches Wissen schnell einem "gesunden militärischen Pragmatismus" im Umgang mit den Menschen. Die Verführung dazu war groß, bei dem Druck von unten und oben, unter dem wir bisweilen standen. Auch ich habe eine Zeitlang fast mehr gebrüllt als gesprochen. Heute nenne ich das Hilflosigkeit. Ich war auch nicht darauf vorbereitet, als lediger Fünfundzwanzigjähriger mit einem gleichaltrigen Soldaten, dessen Frau und Schwiegermutter in einem Zimmer zusammenzusitzen und die Eheprobleme zu besprechen. Ja, Hilflosigkeit trifft es.

Und das Wichtigste: Unser Fokus war eigentlich nicht die Seele des Menschen. Es ging letztlich um das politische Bewusstsein oder die Fähigkeit zur militärischen Aufgabenerfüllung. Nein, der Mensch an sich war uns/mir nicht egal. Je mehr Erfahrung ich bekam, desto mehr konnte ich mich auch in persönliche Probleme mit einbringen (Probleme in der Familie, an der Arbeitsstelle, mit der Wohnung, mit dem Krippen- oder Kindergartenplatz etc.). Aber das eigentliche Ziel war schon nicht zu leugnen. Ich denke, das ist einer der wichtigsten Unterschiede zur reinen Seelsorge, wenn sie denn reine Seelsorge ist, was sie in der Geschichte eben auch nicht immer war.

Und ja und nein: Nicht die Armee braucht Seelsorge. Die Soldaten brauchen sie. Fragt sich nur, für welches Ziel ...

ciao Rainman


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05.11.2013 11:37
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#15
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Zitat von Hans55 im Beitrag #1

Wer braucht so etwas noch?


Ich weiß nicht, ob sich die Frage SO stellt: Es gab und wird immer Menschen geben, die das Gepräch mit einem Seelsorger suchen - und das respektiere ich absolut. Auch wenn ich nicht zu diesen Menschen gehöre. Gleiches gilt für den Gottesdienst.

Die Frage stellt sich für mich anders: Ob die Kirchen es bei einem "passiven" Angebot belassen sollten, einfach "da" sind, wenn jemand sie braucht - oder ob sie "aktiv" z.B. Unterricht halten und die Nicht-Teilnehmer in dieser Zeit Waffen reinigen müssen.

Während meiner Grundausbildung im 1. Quartal 1970 in Wolfenbüttel stand für die Christen ein (wörtlich!!) "lebenskundlicher Unterricht" auf dem Lehrplan. Getrennt nach Konfessionen, selbstverständlich. Nicht sehr oft, wimre ale 14 Tage einmal eine Stunde. Gehalten hat den bei uns ein völlig desillusionierter Militärpfarrer, der schon zufrieden war, wenn die Schlafenden (ca. 80 %) nicht allzu laut geschnarcht haben.

Was das allerdings mit "Lebenskunde" zu tun hatte, hat sich mir bis zum Ende meiner Dienstzeit nicht erschlossen.

Aber mich interessiert ein anderer Punkt und vielleicht kann den jemand beantworten: Was ist eigentlich mit den Angehörigen der nicht-christlichen Glaubensgemeinschaften? Gute 5 % aller Deutschen sind Moslems - ein nicht gerade minimaler Anteil, wenn ich die knapp 30 % Evangelischen dagegen setze. Und entsprechend dürfte auch der Anteil bei den Soldaten liegen. Weiß da jemand was?


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