Generation Wende: Plötzlich waren wir Bundesbürger

30.10.2013 03:26
#1
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1987 beginnt das Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR damals 14-jährige Schüler sehr detailliert über ihre Lebenssituation und ihre politischen Einstellungen zu befragen. Zwei Jahre später ändert sich alles. Das Land verschwindet und die Jugendlichen werden in einem neuen Staat erwachsen. Dem einstigen Studienleiter Prof. Peter Förster gelang es, die Studie auch nach dem politischen Umbruch weiterzuführen, bis heute. So ist eine bemerkenswerte Materialsammlung über den letzten Jahrgang entstanden, der Kindheit und Jugend noch vollständig in der DDR verbrachte. Es sind die Biographien der Studienteilnehmer, die Zeugnis über den Transformationsprozess vom sozialistischen System der DDR ins kapitalistische System der Bundesrepublik ablegen. In zwei Teilen folgt "Generation Wende" dieser weltweit einmaligen Studie, die über 25 Jahre hinweg ein detailgenaues Bild von DDR-Wendebiografien zeichnet und einen überraschenden Einblick in ostdeutsche Lebenswirklichkeiten gibt. #ä


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30.10.2013 06:49
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#2
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Schlutup,danke für den Beitrag.Top gemacht und mal realistisch dargestellt.


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30.10.2013 12:15
#3
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Zitat von Schlutup im Beitrag #1
1987 beginnt das Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR damals 14-jährige Schüler sehr detailliert über ihre Lebenssituation und ihre politischen Einstellungen zu befragen. Zwei Jahre später ändert sich alles. Das Land verschwindet und die Jugendlichen werden in einem neuen Staat erwachsen. Dem einstigen Studienleiter Prof. Peter Förster gelang es, die Studie auch nach dem politischen Umbruch weiterzuführen, bis heute. So ist eine bemerkenswerte Materialsammlung über den letzten Jahrgang entstanden, der Kindheit und Jugend noch vollständig in der DDR verbrachte. Es sind die Biographien der Studienteilnehmer, die Zeugnis über den Transformationsprozess vom sozialistischen System der DDR ins kapitalistische System der Bundesrepublik ablegen. In zwei Teilen folgt "Generation Wende" dieser weltweit einmaligen Studie, die über 25 Jahre hinweg ein detailgenaues Bild von DDR-Wendebiografien zeichnet und einen überraschenden Einblick in ostdeutsche Lebenswirklichkeiten gibt. #ä





Noch wertvoller war die Dokumentation der Kinder von Golzow, bei der Regiesseur Winfried Junge einen Erstklässlerjahrgang von 1961 bis in die 20**er Jahre begleitet hat, wobei nach der Wende auch hier das Geld die Grenzen für die weitere Aufarbeitung des DDR- Alltags gezogen hatte.
Bei der vorliegenden Doku kann man aber schon vermuten, wer hier die Geldgeber für die Fortsetzung waren.
Wenn ein Prof. Hüther (min 16:00) behauptet, daß es gar nicht mal so schlecht ist, wenn sich junge Leute nicht mehr darauf verlassen können, daß sie in ihrer Region eine sichere und geregelte Zukunft sehen (im Tief 2002 nur noch 16 % der Ossis), dann sehe ich nur noch Rot.
Diese Sorte sitzt dann auch bei der ARGE hinterm Schreibtisch und tönt in Richtung Hartzer "sei doch froh, daß Du schon drei Berufsabschlüsse hast, so kannst Du überall arbeiten, so mußt Du auch nicht bei Deiner Familie bleiben und kannst Dir auch was im Westen aufbauen..."
Es ist beeindruckend, wie die Protagonisten dieser Doku die Kunst des Schönredens von ihren Eltern übernommen haben und weiter vervollkommnen, der Blick fürs Große ist gar nicht mehr vorhanden.
Auch kann ich nicht unbedingt mitgehen mit den Ausführungen, daß die Ellenbogengesellschaft im Nachwendeosten noch eine Warteschleife geflogen ist (min 18:40) , die war sofort da, als die ersten gehen mußten und die andere vorerst im Kombinat bleiben durften.
Zwar gab es noch die Phase der ambitionierten Kleinunternehmer mit ihren Anfangserfolgen, in der Perspektive hatte alles aber nach der schnellen Sättigung der Märkte und dem eigenem Unvermögen, zügig ausreichend Kapital und einen stabilen Kundenstamm aufzubauen schnell ein Ende und der Konzentrationsprozeß zu Gunsten der westdeutschen Marktführer mit ihrer Kartellkultur riß Gräben wieder auf, die schon mal kleiner waren, sagen wir mal bis Mitte/ Ende der 1990er Jahre.
Aber gut, es geht ja ausdrücklich um Einzelschicksale und für die Erkenntnis, daß jeder sich selbst der Nächste ist, dafür hätte man die GEZ- Gelder nicht aufwenden müssen.
Die Einlassung eines Befragten, daß in der Praxis alles so gekommen ist, wie im Stabü- Unterricht gelehrt, z. B. machten bis 2006 ca. 2/3 der Befragten Erfahrungen mit dem Arbeitslosendasein (!!), sollte den systemkonformen Gesundbetern unserer politischen Parlamente aber doch mal zu denken geben.
Der grundsätzliche Unterschied des Verhältnisses und Sinns der Arbeit zwischen West- und Ostdeutschen (reiner Gelderwerb vs. sinnerfülltes Leben) ist möglicherweise sogar als Einfallstor für die ostdeutsche Niedriglohnlultur auszumachen, es ist aber etwas gewagt aber den Ausspruch "Hauptsache Arbeit" höre ich im Osten deutlich öfter.


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31.10.2013 00:18 (zuletzt bearbeitet: 31.10.2013 13:43)
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#4
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #3



Noch wertvoller war die Dokumentation der Kinder von Golzow, bei der Regiesseur Winfried Junge einen Erstklässlerjahrgang von 1961 bis in die 20**er Jahre begleitet hat, wobei nach der Wende auch hier das Geld die Grenzen für die weitere Aufarbeitung des DDR- Alltags gezogen hatte.
Bei der vorliegenden Doku kann man aber schon vermuten, wer hier die Geldgeber für die Fortsetzung waren.
Wenn ein Prof. Hüther (min 16:00) behauptet, daß es gar nicht mal so schlecht ist, wenn sich junge Leute nicht mehr darauf verlassen können, daß sie in ihrer Region eine sichere und geregelte Zukunft sehen (im Tief 2002 nur noch 16 % der Ossis), dann sehe ich nur noch Rot.
Diese Sorte sitzt dann auch bei der ARGE hinterm Schreibtisch und tönt in Richtung Hartzer "sei doch froh, daß Du schon drei Berufsabschlüsse hast, so kannst Du überall arbeiten, so mußt Du auch nicht bei Deiner Familie bleiben und kannst Dir auch was im Westen aufbauen..."
Es ist beeindruckend, wie die Protagonisten dieser Doku die Kunst des Schönredens von ihren Eltern übernommen haben und weiter vervollkommnen, der Blick fürs Große ist gar nicht mehr vorhanden.
Auch kann ich nicht unbedingt mitgehen mit den Ausführungen, daß die Ellenbogengesellschaft im Nachwendeosten noch eine Warteschleife geflogen ist (min 18:40) , die war sofort da, als die ersten gehen mußten und die andere vorerst im Kombinat bleiben durften.
Zwar gab es noch die Phase der ambitionierten Kleinunternehmer mit ihren Anfangserfolgen, in der Perspektive hatte alles aber nach der schnellen Sättigung der Märkte und dem eigenem Unvermögen, zügig ausreichend Kapital und einen stabilen Kundenstamm aufzubauen schnell ein Ende und der Konzentrationsprozeß zu Gunsten der westdeutschen Marktführer mit ihrer Kartellkultur riß Gräben wieder auf, die schon mal kleiner waren, sagen wir mal bis Mitte/ Ende der 1990er Jahre.
Aber gut, es geht ja ausdrücklich um Einzelschicksale und für die Erkenntnis, daß jeder sich selbst der Nächste ist, dafür hätte man die GEZ- Gelder nicht aufwenden müssen.
Die Einlassung eines Befragten, daß in der Praxis alles so gekommen ist, wie im Stabü- Unterricht gelehrt, z. B. machten bis 2006 ca. 2/3 der Befragten Erfahrungen mit dem Arbeitslosendasein (!!), sollte den systemkonformen Gesundbetern unserer politischen Parlamente aber doch mal zu denken geben.
Der grundsätzliche Unterschied des Verhältnisses und Sinns der Arbeit zwischen West- und Ostdeutschen (reiner Gelderwerb vs. sinnerfülltes Leben) ist möglicherweise sogar als Einfallstor für die ostdeutsche Niedriglohnlultur auszumachen, es ist aber etwas gewagt aber den Ausspruch "Hauptsache Arbeit" höre ich im Osten deutlich öfter.


Interessant, da würde mich mal die Sicht unserer westdeutschen Kollegen interessieren die faktisch nur malocht haben müssen ohne jede Freude am Leben.
Die werden sich sicherlich im Nachhinein noch vor Sehnsucht nach den ostdeutschen (DDR) Glücksgefühlen verzehren die ihnen der unmenschliche Kapitalismus vorenthalten hat.


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31.10.2013 20:40
#5
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #4
Zitat von Hackel39 im Beitrag #3



Noch wertvoller war die Dokumentation der Kinder von Golzow, bei der Regiesseur Winfried Junge einen Erstklässlerjahrgang von 1961 bis in die 20**er Jahre begleitet hat, wobei nach der Wende auch hier das Geld die Grenzen für die weitere Aufarbeitung des DDR- Alltags gezogen hatte.
Bei der vorliegenden Doku kann man aber schon vermuten, wer hier die Geldgeber für die Fortsetzung waren.
Wenn ein Prof. Hüther (min 16:00) behauptet, daß es gar nicht mal so schlecht ist, wenn sich junge Leute nicht mehr darauf verlassen können, daß sie in ihrer Region eine sichere und geregelte Zukunft sehen (im Tief 2002 nur noch 16 % der Ossis), dann sehe ich nur noch Rot.
Diese Sorte sitzt dann auch bei der ARGE hinterm Schreibtisch und tönt in Richtung Hartzer "sei doch froh, daß Du schon drei Berufsabschlüsse hast, so kannst Du überall arbeiten, so mußt Du auch nicht bei Deiner Familie bleiben und kannst Dir auch was im Westen aufbauen..."
Es ist beeindruckend, wie die Protagonisten dieser Doku die Kunst des Schönredens von ihren Eltern übernommen haben und weiter vervollkommnen, der Blick fürs Große ist gar nicht mehr vorhanden.
Auch kann ich nicht unbedingt mitgehen mit den Ausführungen, daß die Ellenbogengesellschaft im Nachwendeosten noch eine Warteschleife geflogen ist (min 18:40) , die war sofort da, als die ersten gehen mußten und die andere vorerst im Kombinat bleiben durften.
Zwar gab es noch die Phase der ambitionierten Kleinunternehmer mit ihren Anfangserfolgen, in der Perspektive hatte alles aber nach der schnellen Sättigung der Märkte und dem eigenem Unvermögen, zügig ausreichend Kapital und einen stabilen Kundenstamm aufzubauen schnell ein Ende und der Konzentrationsprozeß zu Gunsten der westdeutschen Marktführer mit ihrer Kartellkultur riß Gräben wieder auf, die schon mal kleiner waren, sagen wir mal bis Mitte/ Ende der 1990er Jahre.
Aber gut, es geht ja ausdrücklich um Einzelschicksale und für die Erkenntnis, daß jeder sich selbst der Nächste ist, dafür hätte man die GEZ- Gelder nicht aufwenden müssen.
Die Einlassung eines Befragten, daß in der Praxis alles so gekommen ist, wie im Stabü- Unterricht gelehrt, z. B. machten bis 2006 ca. 2/3 der Befragten Erfahrungen mit dem Arbeitslosendasein (!!), sollte den systemkonformen Gesundbetern unserer politischen Parlamente aber doch mal zu denken geben.
Der grundsätzliche Unterschied des Verhältnisses und Sinns der Arbeit zwischen West- und Ostdeutschen (reiner Gelderwerb vs. sinnerfülltes Leben) ist möglicherweise sogar als Einfallstor für die ostdeutsche Niedriglohnlultur auszumachen, es ist aber etwas gewagt aber den Ausspruch "Hauptsache Arbeit" höre ich im Osten deutlich öfter.


Interessant, da würde mich mal die Sicht unserer westdeutschen Kollegen interessieren die faktisch nur malocht haben müssen ohne jede Freude am Leben.
Die werden sich sicherlich im Nachhinein noch vor Sehnsucht nach den ostdeutschen (DDR) Glücksgefühlen verzehren die ihnen der unmenschliche Kapitalismus vorenthalten hat.


Weiß ich auch nicht, was die junge Dame bei 32:30 zu dieser Aussage "Hauptsache Arbeit" genau veranlaßte, aber der Tenor aller Ausführungen ab min 30:00 aber auch an anderer Stelle sagt genau das aus.
Wenn man die 25 % Aussiedler aus dem Pool der Studienteilnehmer auf das gesamte Morgenthaudeutschland hochrechnen würde, hätten wir nicht nur 1 Mio. sondern 4 Mio. Einwohner verloren, somit sind die einfach nicht repräsentativ, was allerdings auch nicht der Anspruch der Dokumentation war.
Fakt ist auch, daß Neueinsteiger in den gesamtdeutschen Arbeitsmarkt nicht mehr die Privilegien ihrer (auch westdeutschen) Eltern haben werden, z.B. ein Arbeitgeber fürs Leben, Rente mit 65, keine/ kaum Auslandseinsätze usw.
Natürlich kann man sich das auch schön reden, man lernt die Welt kennen, muß sich ständig in neuen Firmen zurechtfinden, man muß auch nicht unbedingt mit 65 auf's Altenteil...nur zu - mag sich daran berauschen wer will, der Spaß hört eben dann auf, wenn man die 50 "blinken" sieht und dann feststellt, daß es aus dem Hamsterrad kein Entkommen mehr gibt.
Übrigens gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen den Zwängen der Arbeitswelt und der immer weiter sinkenden Geburtenrate hierzulande und das ist schon eine elementare Bedrohung, nach der Du Deine westdeutschen Malocher gelegentlich mal befragen kannst.


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