Schleusungsvarianten des BND

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27.10.2013 13:22
#16
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@seaman


Wie von mir geschrieben, das DDR-Kontroll - und Sicherungssystem an den Grenzen galt als sicher. Ob andere sozial. Staaten den Aufwand mit spezieller Stempelfarbe und den passenden Entsicherungsstift betrieben haben ist mir nicht bekannt. Wenn irgendetwas durch betreffende DE aufgeklärt worden wäre hätten logischerweise entsprechende Gegenmaßnahmen an den Güsten gegriffen. Das ist aber in den letzten 15 Jahren nicht bekannt geworden.


passport


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27.10.2013 13:32
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#17
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Zitat von seaman im Beitrag #15
Diese Bücher sind mir auch bekannt.
Zur geknackten Stempelfarbe:
Richtig ist,dass sich solche Schleusungsaktionen auf das soz.Ausland verlagerten.Richtig wird es wohl auch sein,dass es "normalen"Schleppern wohl nicht möglich war,die Sicherungsmassnahmen-Markierungsstift-zu unterlaufen.

Bin damals häufiger von Frankfurt/Main nach Prag geflogen.Über diese Fluglinie sind auch Schleusungen mit geheimdienstlichen Hintergrund abgelaufen.Die Abfertigung für Bundesbürger war am airport Prag relativ lax,wenn irgendwelche internationalen Eishockey-Turniere oder Antonín Dvořák-Festspiele stattfanden wurde man fast durchgewunken.Ähnlich bei Festtagen wie Weihnachten und Ostern.

Schleusungen mit geheimdienstlichen Hintergrund wurden mit der Kenntnis des chemischen Codes der Stempelfarbe durchgeführt!

Zum Ablauf ein Beispiel:

Schleuser Maier,Schulze und Krause.
Zu schleusende Person X.

Die Maschine der Lufthansa fliegt einmal morgens und einmal abends von Frankfurt/Main nach Prag.Aufenthalt in Prag etwa 1h.

Maier fliegt von der Bundesrepublik aus als Tourist eine Woche vor der Schleusung nach Prag zu irgendwelchen Rundfahrten.
Woche später ,am Abreisetag Maiers,fliegt Schulze von F/M morgens nach Prag.In Nähe des Flughafens treffen sich Maier und Schulze.Dabei übergibt Schulze seinen frisch gestempelten Pass mit Einreisevisum.Maier "vercontainert" den Pass und fliegt normal mit der Vormittagsmaschine zurück nach F/M.
In Frankfurt am Main angekommen,geht man dabei einen vorbereiteten bundesdeutschen Pass,mit dem bereits eingearbeiteten Lichtbild des zu Schleusenden, mit dem aus Schulze Pass erkenntlichen Stempelfarben zu präparieren.Wohlgemerkt,diese sind topaktuell,den Schulze ist erst vor Stunden dort eingereist.

In der Abendmaschine der Lufthansa Richtung Prag sitzt dann Tourist Krause (Eishockey-Fan).Im Gepäck,sorgfältig "vercontainert",befinden sich die Reisepässe von Schulze und des zu schleusenden X.

In Prag angekommen,übergibt Krause Schulze wieder seinen Pass,den Pass,der sich wenige Stunden zuvor zur Analyse ausser Landes befand...
Dann wird der zu Schleusende X instruiert,bekommt den gefälschten Pass übergeben und wird für den Flug in die Bundesrepublik (oder auch in ein anderes beliebiges Land) vorbereitet.
Mit dieser Methode wurden auch Staatsbürger anderer Staaten geschleust.Wie gesagt,mit geheimdienstlichem Hintergrund.

seaman







@seaman vercontainert = bedeutet versteckt im Gepäck??


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27.10.2013 13:33
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#18
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Zitat von passport im Beitrag #16
@seaman


Wie von mir geschrieben, das DDR-Kontroll - und Sicherungssystem an den Grenzen galt als sicher. Ob andere sozial. Staaten den Aufwand mit spezieller Stempelfarbe und den passenden Entsicherungsstift betrieben haben ist mir nicht bekannt. Wenn irgendetwas durch betreffende DE aufgeklärt worden wäre hätten logischerweise entsprechende Gegenmaßnahmen an den Güsten gegriffen. Das ist aber in den letzten 15 Jahren nicht bekannt geworden.


passport


Die Schwachstelle war wohl,dass die Passkontrollorgane soz. Staaten die Ein-und Ausreisestempel der Bruderstaaten nicht auf Echtheit überprüfen konnten.Um die Sicherungssysteme untereinander abzustimmen,wäre wohl eine für alle soz. Staaten zuständige Zentrale notwendig gewesen.Die gab es aber nicht....
Heute Abend PN.

seaman


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27.10.2013 13:33
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#19
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Zitat von Gert im Beitrag #17
Zitat von seaman im Beitrag #15
Diese Bücher sind mir auch bekannt.
Zur geknackten Stempelfarbe:
Richtig ist,dass sich solche Schleusungsaktionen auf das soz.Ausland verlagerten.Richtig wird es wohl auch sein,dass es "normalen"Schleppern wohl nicht möglich war,die Sicherungsmassnahmen-Markierungsstift-zu unterlaufen.

Bin damals häufiger von Frankfurt/Main nach Prag geflogen.Über diese Fluglinie sind auch Schleusungen mit geheimdienstlichen Hintergrund abgelaufen.Die Abfertigung für Bundesbürger war am airport Prag relativ lax,wenn irgendwelche internationalen Eishockey-Turniere oder Antonín Dvořák-Festspiele stattfanden wurde man fast durchgewunken.Ähnlich bei Festtagen wie Weihnachten und Ostern.

Schleusungen mit geheimdienstlichen Hintergrund wurden mit der Kenntnis des chemischen Codes der Stempelfarbe durchgeführt!

Zum Ablauf ein Beispiel:

Schleuser Maier,Schulze und Krause.
Zu schleusende Person X.

Die Maschine der Lufthansa fliegt einmal morgens und einmal abends von Frankfurt/Main nach Prag.Aufenthalt in Prag etwa 1h.

Maier fliegt von der Bundesrepublik aus als Tourist eine Woche vor der Schleusung nach Prag zu irgendwelchen Rundfahrten.
Woche später ,am Abreisetag Maiers,fliegt Schulze von F/M morgens nach Prag.In Nähe des Flughafens treffen sich Maier und Schulze.Dabei übergibt Schulze seinen frisch gestempelten Pass mit Einreisevisum.Maier "vercontainert" den Pass und fliegt normal mit der Vormittagsmaschine zurück nach F/M.
In Frankfurt am Main angekommen,geht man dabei einen vorbereiteten bundesdeutschen Pass,mit dem bereits eingearbeiteten Lichtbild des zu Schleusenden, mit dem aus Schulze Pass erkenntlichen Stempelfarben zu präparieren.Wohlgemerkt,diese sind topaktuell,den Schulze ist erst vor Stunden dort eingereist.

In der Abendmaschine der Lufthansa Richtung Prag sitzt dann Tourist Krause (Eishockey-Fan).Im Gepäck,sorgfältig "vercontainert",befinden sich die Reisepässe von Schulze und des zu schleusenden X.

In Prag angekommen,übergibt Krause Schulze wieder seinen Pass,den Pass,der sich wenige Stunden zuvor zur Analyse ausser Landes befand...
Dann wird der zu Schleusende X instruiert,bekommt den gefälschten Pass übergeben und wird für den Flug in die Bundesrepublik (oder auch in ein anderes beliebiges Land) vorbereitet.
Mit dieser Methode wurden auch Staatsbürger anderer Staaten geschleust.Wie gesagt,mit geheimdienstlichem Hintergrund.

seaman




@seaman vercontainert = bedeutet versteckt im Gepäck??


ja


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21.10.2016 13:02
#20
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Zitat von seaman im Beitrag #19
(...)

@seaman vercontainert = bedeutet versteckt im Gepäck??


ja
[/quote]
Das ist wahrscheinlich die Schwachstelle dieses Planes. Passdokumente sind relativ gross und wohl entsprechend leicht zu finden

http://www.gutefrage.net/frage/kofferkon...fen-kreditkarte


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21.10.2016 14:49 (zuletzt bearbeitet: 21.10.2016 15:18)
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#21
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Zitat von seaman im Beitrag #18
Die Schwachstelle war wohl,dass die Passkontrollorgane soz. Staaten die Ein-und Ausreisestempel der Bruderstaaten nicht auf Echtheit überprüfen konnten.Um die Sicherungssysteme untereinander abzustimmen,wäre wohl eine für alle soz. Staaten zuständige Zentrale notwendig gewesen.Die gab es aber nicht....

Allerdings glaube ich auch, dass die Geheimdienste der sozialistischen Länder untereinander nicht in jeden Falle besonders auskunftsfreudig und kooperativ waren.

Zur Begründung:
Bei meiner Flucht aus der DDR über Bulgarien habe ich die Unterstützung durch meinen, bereits seit Jahren in der Bundesrepublik lebenden Bruder nutzen können. Er kam als Tourist nach Bulgarien und war mir beim Grenzübertritt behilflich. Die Stasi hatte sich wohl schon etwas gedacht und stellte eine entsprechende Anfrage mit den genauen Daten meines Bruders an die bulgarische Behörde. Diese beschied diese Anfrage jedoch negativ und behauptete, dass mein Bruder niemals und zu keiner Zeit nach Bulgarien eingereist sei bzw. sich dort nie aufgehalten habe.

Diese Antwort lässt nur zwei Varianten zu.
Entweder herrschte bei der bulgarischen Grenzbehörde eine solche Unordnung, dass die Grenzregistrierung meines Bruders beim Besuch in Bulgarien verschlampt wurde oder die bulgarische Behörde wollte dies nicht (aus welchen Gründen auch immer) an den MfS weitergeben.

Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.
Der ganze Vorgang ist detailliert aus meiner Akte ersichtlich.

Bis in die achtziger Jahre hinein hat sich das MfS weiterhin damit beschäftigt, meinen genauen Fluchtweg zu ermitteln. Bei jeder späteren Einreise in die DDR (nach meiner Amnestie 1973) wurde mir eine "spezielle Betreuung" zuteil. Selbst in verkehrsschwachen Zeiten musste ich immer über eine Stunde für die Grenzformalien einplanen. Auf die dabei geführten Gespräche verzichtete man erst dann, als ich zusammen mit meiner ausländischen exotischen Frau zu den Besuchen in die DDR reiste, da ging es dann erheblich flotter voran. Wahrscheinlich wollte man damit vor einer Ausländerin die Toleranz und Weltoffenheit der DDR demonstrieren.

Nun haben leider die Mitarbeiter des MfS meinen genauen Fluchtweg nie erfahren können und müssen unwissend sterben.


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21.10.2016 15:16 (zuletzt bearbeitet: 21.10.2016 15:17)
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22.10.2016 05:53
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#23
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #20
Zitat von seaman im Beitrag #19
(...)

@seaman vercontainert = bedeutet versteckt im Gepäck??


ja


Das ist wahrscheinlich die Schwachstelle dieses Planes. Passdokumente sind relativ gross und wohl entsprechend leicht zu finden

http://www.gutefrage.net/frage/kofferkon...fen-kreditkarte[/quote]

Bitte das Zeitfenster beachten.
Intensives Durchleuchten von Handgepäck an Flughäfen erfolgte erst ca. ab 1980 . Auslöser waren zahlreiche Flugzeugentführungen oder Attentate wie z.b. Lockerbie. 1988 wurden diese Bestimmungen nochmal verschärft. Man suchte vorrangig Waffen und Sprengstoff.
Erst seit dem 9.11. ist der Sicherheitsstandard zur technischen Höchstleistung ausgereift.
Ein Reisepass o.ä. damals so zu "vercontainern", dass er nur durch Zufall zu finden war stellte für die Geheimdienste kein Problem dar.
seaman


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22.10.2016 06:09
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#24
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Zitat von seaman im Beitrag #23
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #20
Zitat von seaman im Beitrag #19
(...)

@seaman vercontainert = bedeutet versteckt im Gepäck??


ja


Das ist wahrscheinlich die Schwachstelle dieses Planes. Passdokumente sind relativ gross und wohl entsprechend leicht zu finden

http://www.gutefrage.net/frage/kofferkon...fen-kreditkarte


Bitte das Zeitfenster beachten.
Intensives Durchleuchten von Handgepäck an Flughäfen erfolgte erst ca. ab 1980 . Auslöser waren zahlreiche Flugzeugentführungen oder Attentate wie z.b. Lockerbie. 1988 wurden diese Bestimmungen nochmal verschärft. Man suchte vorrangig Waffen und Sprengstoff.
Erst seit dem Anschlag vom 9.11. ist der Sicherheitsstandard zur technischen Höchstleistung ausgereift.
Ein Reisepass o.ä. damals so zu "vercontainern", dass er nur durch Zufall zu finden war stellte für die Geheimdienste kein Problem dar.
seaman
[/quote]


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22.10.2016 08:56 (zuletzt bearbeitet: 22.10.2016 08:57)
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Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #21


Bis in die achtziger Jahre hinein hat sich das MfS weiterhin damit beschäftigt, meinen genauen Fluchtweg zu ermitteln. Bei jeder späteren Einreise in die DDR (nach meiner Amnestie 1973) wurde mir eine "spezielle Betreuung" zuteil. Selbst in verkehrsschwachen Zeiten musste ich immer über eine Stunde für die Grenzformalien einplanen. Auf die dabei geführten Gespräche verzichtete man erst dann, als ich zusammen mit meiner ausländischen exotischen Frau zu den Besuchen in die DDR reiste, da ging es dann erheblich flotter voran. Wahrscheinlich wollte man damit vor einer Ausländerin die Toleranz und Weltoffenheit der DDR demonstrieren.



Solche langen Wartezeiten sind für mich immer wieder nicht nachvollziehbar. Welchen Sinn vermutest Du darin, Dich einzuschüchtern? Um Dich doch noch zu erwischen wäre doch wohl ein" in Sicherheit wiegen" eher sinnvoll gewesen. Ich kenne das jedenfalls so, dass wir bei Leuten die wir in Verdacht hatten alles dafür getan haben, dass bei ihnen das Prozedere gerade nicht aus dem normalen Rahmen viel.
Was muss ich mir denn unter diesen Gesprächen vorstellen, was wurde da besprochen, was gefragt und in welchen Rahmen?
Das mit Deiner Frau kannst Du vergessen, so was hat uns nicht beeindruckt, wir waren ständig von Ausländern umgeben, auch von Dir, dass waren wir längst gewöhnt und das war für uns nichts exotisches mehr.

"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."


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22.10.2016 09:27
#26
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Zitat von KARNAK im Beitrag #25
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #21


Bis in die achtziger Jahre hinein hat sich das MfS weiterhin damit beschäftigt, meinen genauen Fluchtweg zu ermitteln. Bei jeder späteren Einreise in die DDR (nach meiner Amnestie 1973) wurde mir eine "spezielle Betreuung" zuteil. Selbst in verkehrsschwachen Zeiten musste ich immer über eine Stunde für die Grenzformalien einplanen. Auf die dabei geführten Gespräche verzichtete man erst dann, als ich zusammen mit meiner ausländischen exotischen Frau zu den Besuchen in die DDR reiste, da ging es dann erheblich flotter voran. Wahrscheinlich wollte man damit vor einer Ausländerin die Toleranz und Weltoffenheit der DDR demonstrieren.



Solche langen Wartezeiten sind für mich immer wieder nicht nachvollziehbar. Welchen Sinn vermutest Du darin, Dich einzuschüchtern? Um Dich doch noch zu erwischen wäre doch wohl ein" in Sicherheit wiegen" eher sinnvoll gewesen. Ich kenne das jedenfalls so, dass wir bei Leuten die wir in Verdacht hatten alles dafür getan haben, dass bei ihnen das Prozedere gerade nicht aus dem normalen Rahmen viel.
Was muss ich mir denn unter diesen Gesprächen vorstellen, was wurde da besprochen, was gefragt und in welchen Rahmen?
Das mit Deiner Frau kannst Du vergessen, so was hat uns nicht beeindruckt, wir waren ständig von Ausländern umgeben, auch von Dir, dass waren wir längst gewöhnt und das war für uns nichts exotisches mehr.

Möglicherweise nicht wegen der Exotik. Aber ich denke, der typische Fluchthelfer reiste alleine ein, also wurden einzeln Reisende eher geprüft als Ehepaare oder Familien.
Theo


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22.10.2016 09:30
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#27
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Einem verdächtigen Fluchthelfer hätte man sich niemals mittels eines Gespräches genähert oder ihn ständig und regelmäßig über die Maßen warten lassen.

"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."


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22.10.2016 11:52 (zuletzt bearbeitet: 22.10.2016 12:19)
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Zitat von KARNAK im Beitrag #25
Welchen Sinn vermutest Du darin, Dich einzuschüchtern? Um Dich doch noch zu erwischen wäre doch wohl ein" in Sicherheit wiegen" eher sinnvoll gewesen. Ich kenne das jedenfalls so, dass wir bei Leuten die wir in Verdacht hatten alles dafür getan haben, dass bei ihnen das Prozedere gerade nicht aus dem normalen Rahmen viel.

Welchen Verdacht denn ? Dass ich die DDR ohne Genehmigung über Bulgarien illegal verlassen hatte, war doch dem MfS hinlänglich bekannt. Der Haftbefehl war außer Vollzug gesetzt und meine Straftat durch die allgemeine Amnestieverordnung 1973 nicht mehr verfolgungswürdig. Es ging dem MfS, so habe ich das jedenfalls meiner Akte entnehmen können, einzig und allein den genauen Fluchtweg und -verlauf zu rekonstruieren, um entsprechende Maßnahmen zu veranlassen, um weitere Fluchten auf diesen Weg zu verunmöglichen.

Zitat
Was muss ich mir denn unter diesen Gesprächen vorstellen, was wurde da besprochen, was gefragt und in welchen Rahmen?


Nach Erledigung der normalen Einreiseformalitäten wurde ich mit meinem PKW immer in eine bestimmte Fahrspur verwiesen und es erschien ein Mitarbeiter in Zolluniform, der sich mehr oder weniger intensiv mit meinem Gepäck und dem Fahrzeug beschäftigte, aber mich im Wesentlichen über mein derzeitiges Leben in der Bundesrepublik befragte. Die erste Frage war immer: "Seit wann leben Sie denn schon in der BeErDe ?" und "Sind Sie legal übergesiedelt ?" Dabei war ich mir ziemlich sicher, dass die genau wussten, welchen schlimmen Finger sie da vor sich hatten.

Zitat
Das mit Deiner Frau kannst Du vergessen, so was hat uns nicht beeindruckt, wir waren ständig von Ausländern umgeben, auch von Dir, dass waren wir längst gewöhnt und das war für uns nichts exotisches mehr.


Der Gedanke kam mir nur deshalb, weil sich das MfS genau zu dem Zeitpunkt entschloss meine Akte zu schließen und abzulegen (weil keine weiteren Kenntnisse über den Fluchtweg zu ermitteln waren), nachdem ich geheiratet hatte und zusammen mit meiner Frau die DDR erstmalig besuchte. Diese ganzen Verlauf konnte ich natürlich erst nach Akteneinsicht zusammenbröseln, vorher hatte ich ja überhaupt keine Ahnung was da alles ablief.

In meiner Akte heißt es dazu: Da keine weiteren Beweise über den Fluchtweg zum illegalen Verlassen der DDR über die VR Bulgarien nach WD mehr erarbeitet werden können, wird vorgeschlagen, die VAO Reg.-Nr.XII/1400/69 im Archiv zur Ablage zu bringen.
Leiter der Abteilung XIX und vier Unterschriften


Zitat von eisenringtheo im Beitrag #26
Aber ich denke, der typische Fluchthelfer reiste alleine ein, also wurden einzeln Reisende eher geprüft als Ehepaare oder Familien.

Ich glaube nicht, dass man mich als potentiellen Fluchthelfer eingeschätzt hat, aber völlig ausschließen kann man das sicher auch nicht..


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22.10.2016 13:04
avatar  KARNAK
#29
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O.k., Du redest vom Zoll, durch das Kürzel MfS war ich etwas verwirrt.

"Das Unglück ist,dass jeder denkt, der Andere ist wie er,und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt."


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22.10.2016 13:18 (zuletzt bearbeitet: 22.10.2016 13:20)
avatar  Merkur
#30
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Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #21


Bis in die achtziger Jahre hinein hat sich das MfS weiterhin damit beschäftigt, meinen genauen Fluchtweg zu ermitteln.


Die zielgerichtete Aufklärung gelungener Fluchten hatte im MfS einen hohen Stellenwert und daher ist es nicht verwunderlich, dass man sich auch noch nach Jahren mit solchen Fällen beschäftigte. Denn erst, wenn zweifelsfrei Mittel und Methoden und die daran beteiligten Personen identifiziert werden konnten, galt der entsprechende Vorgang als endgültig geklärt.
Die operative Bearbeitung in dieser Hinsicht relevanter Personen hatte unter Einsatz aller geeigneten Kräfte, Mittel und Methoden zu erfolgen. Dabei ging es vor allem:
- um die Aufklärung aller gelungenen Fälle sowie der dabei benutzten Wege sowie angewandte Mittel und Methoden
- bei Schleuserorganisationen um die Identifizierung und Bearbeitung der Auftraggeber und Schleuser einschließlich ihrer Stützpunkte
- um die Aufdeckung begünstigender Bedingungen sowie deren Einschränkung/Beseitigung.
Damalige operative Erkenntnisse ließen den Schluss zu, dass ca. 70-80 % der Fälle mit unbekannter Begehungsweise der Ausschleusung durch Schleuserorganisationen in der BRD und WB realisiert wurden und die anderen privat unter Nutzung der Mittel und Methoden solcher Organisationen. Und insbesondere an diese Organisationen wollte man natürlich ran.


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