Unteroffiziersschule Perleberg zur Wende

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11.10.2013 00:17
avatar  Mart
#1
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Vorbemerkung: Ich diente drei komplette Jahre als Ausbilder an der US VI, kenne also die Schule so einigermaßen. Zudem beschäftige ich mich mit dem Ablauf des geschichtlichen Vorgangs "der Mauerfall".

In den riesigen und daher fast unlesbaren Thread "Unteroffiziersschule 'Egon Schultz' Perleberg" wurde auf Seite 30 (und zuvor) die Frage aufgeworfen, was mit der U-Schule und ihren Schülern zur Wende passierte.

Wir können (und sollten) das Thema völlig entspannt und sachlich angehen, wir haben alle Zeit dieser Welt.

Momentan ist im Grunde überhaupt nichts klar: Wir haben folgendes:

* Der Herbstlehrgang 89/II wurde wurde anfang September eingezogen.

* Teile des Lehrgangs sollen (vmtl als Einsatzhundertschaft(en)) zur Mauerfallnacht oder der Nacht danach am Brandenburger Tor eingesetzt worden sein. Es gibt dazu einen eher wirren Bericht, diesen hier: http://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_20304986

* Ein Teil des Lehrgangs soll laut lutz61 zu dieser Zeit sogar an der polnischen Grenze (wo da konkret?) eingesetzt worden sein.

* Es ist unklar, ob der Lehrgang 89/II ein auf drei Monate verkürzter Lehrgang war. (Oder ob sich die UaZ sich nach dem Mauerfall schlicht vom Acker machten.)

* Es ist unklar, ob es 90/I noch eine Einberufung für einen Unteroffizierslehrgang gab.

Das alles wollen wir klären. Hier, in diesem Thread.
Das machen wir völlig entspannt - uns hetzt wirklich nichts.
Und jeder, der unmittelbarer Zeitzeuge ist, ist herzlich eingeladen.


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11.10.2013 00:29
avatar  Mart
#2
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Antwort auf Lutz61, die Fragestellung "Sicherung polnische Grenze":

Du stellst auf http://www.jbg37.de/html/geschichte.html ab, hier konkret dieses Zitat:
"Im September 1989 wurde eine Kompanie Unteroffiziersschüler der Grenztruppen aus Perleberg nach Drewitz verlegt.
Diese Kompanie hatte die Aufgabe, die Bewachung der nahen Grenze zu Polen zu verstärken, um Fluchtbewegungen von DDR-Bürger über die Oder zu verhindern. Mit der Grenzöffnung am 09.11.1989 wurden die Grenztruppen wieder abgezogen.
"

Ich halte das für grundsätzlich möglich. Aus einem ganz einfachen Grund: Die US VI war offenbar das "kadierte" Grenzkommando Ost. Und das gab es wirklich, ich habe es live erlebt. Und zwar zur Polenkrise 1981. Die US VI fuhr hoch zum GKO.

Lutz, Deine Beiträge sind etwas schwer lesbar. Gern würde ich auch Deinen persönlichen historischen Hintergrund erfahren - magst Du dazu etwas sagen?


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11.10.2013 17:14
#3
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Noch ein Zitat:

Zitat
Man wusste nicht viel in so einer Kaserne. Private Radios waren nicht erlaubt, Karl-Eduard von Schnitzlers Agitatorenfernsehsendung „Der schwarze Kanal“ gehörte zum Pflichtprogramm. Doch etliche Perleberger Soldaten, Offiziersschüler, waren in den letzten Wochen abkommandiert worden, das wusste man. Sie sollten die Grenzen zu Polen und die zur Tschechoslowakei bewachen, als seien es nicht mehr die Grenzen zu Bruderländern, sondern zum Westen.



Quelle:http://www.tagesspiegel.de/politik/paetz...ng/1629726.html

diese Person ist "Heute" in Berlin tätig als RA - Bitte

Lehrgangsdauer:
Eingezogen September 1989 - Vereidigung 19.9.1989 - Versetzung Ende Januar/Anfang Februar = 3 Monate Ausbildung
(Nachweis ist eine eMail mit einem ehemaligen U-Schüler, der zu dieser Zeit dort war)

Bitte # Mart


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11.10.2013 21:05
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#4
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ABV

Sollte tatsächlich noch jemand im Frühsommer 1990, unmittelbar vor der endgültigen Einstellung der Grenzkontrollen überhaupt, noch wegen eines "schwerwiegenden" Dienstvergehen im Grenzdienst disziplinarisch zur Verantwortung gezogen worden sein?
Wurde denn um diese Zeit überhaupt noch " Grenzdienste" geleistet? Wenn ja, warum? De facto gab es doch diese Grenze überhaupt nicht mehr. Von deutschen Militärs ist man ja einiges gewohnt, aber das ein Offizier so fanatisch war und " Fünf Minuten vor Toresschluss" von Grenzdienstverweigerung faselte, halte ich nun doch für fragwürdig.

Gruß Uwe


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11.10.2013 21:38
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#5
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Es gab schon ein Problem bis zum 30.06.1989 - die Währungsunion.

Ich kann mich erinnern, das es etliche Wessis? gab, die bis zum 30.06.1989 DM in Mark umgetauscht haben und dann wieder DDR - Bürgern zur Währungsumstellung in die Hand gedrückt haben, damit es 1:1 am 1. Juli auf dem Konto war. Funktionierte nur, wenn die Maximalgrenze des Umtausches vom betreffenden DDR - Bürger nicht erreicht wurde. Eine Provision war bestimmt lukrativ für einen DDR - Bürger.

Ich kann mich deswegen sehr gut daran erinnern, weil wir als Familie mit 3 Kindern, oft genug darauf angesprochen wurden.

Bis zum 30.06.1989 standen in Berlin - Wilhelmsruh auch noch Uniformierte Richtung Reinickendorf, die dann von einem Tag auf den anderen verschwunden sind.

Oder täuschen mich da meine Erinnerungen.

LG von der grenzgaengerin

EDIT Jahreszahlkorrektur durch @KAMÜ


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11.10.2013 21:41
avatar  Mike59
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Zitat von ABV im Beitrag #4
Sollte tatsächlich noch jemand im Frühsommer 1990, unmittelbar vor der endgültigen Einstellung der Grenzkontrollen überhaupt, noch wegen eines "schwerwiegenden" Dienstvergehen im Grenzdienst disziplinarisch zur Verantwortung gezogen worden sein?
Wurde denn um diese Zeit überhaupt noch " Grenzdienste" geleistet? Wenn ja, warum? De facto gab es doch diese Grenze überhaupt nicht mehr. Von deutschen Militärs ist man ja einiges gewohnt, aber das ein Offizier so fanatisch war und " Fünf Minuten vor Toresschluss" von Grenzdienstverweigerung faselte, halte ich nun doch für fragwürdig.
Gruß Uwe

Gute Frage.
WIMRE wurde bei uns, beim kleinsten Vergehen sofort entlassen. Am nächsten Tag war man raus, für die alten (10 Dj+) eine übele Situation und unser Kdr. GüSt war (k)ein Guter. Hat selber noch den OSL abgestaubt - ach lassen wir es.


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11.10.2013 21:46
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#7
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Hi....
Du liegst schon richtig, Grenzgaengerin. Entgültiger Wegfall der Zoll- Pass- usw. Kontrollen 23.59 Uhr am Vortag der Währungsunion.

73 Hans


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11.10.2013 22:18
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#8
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Hallo Grenzgängerin ,du hast dich in deinem Artikel bestimmt verschrieben,den Währungsreform war 1990 .der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).


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11.10.2013 22:24
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#9
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Zitat von KAMÜ im Beitrag #8
Hallo Grenzgängerin ,du hast dich in deinem Artikel bestimmt verschrieben,den Währungsreform war 1990 .der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).


Danke, hast recht - es war ein Schreib- und Denk ? fehler. Ich lasse es auch so stehen. Die Ereignisse haben sie damals überschlagen. Jeder war mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt. Und manchmal braucht es nur ein Stchwort, um in die Zeit zurück versetzt zu werden und man haut in die Tasten.

LG von der grenzgaengerin


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11.10.2013 23:36
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#10
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Nahmd,

Zitat
Doch etliche Perleberger Soldaten, Offiziersschüler, waren in den letzten Wochen abkommandiert worden, das wusste man.



Soso. Offiziersschüler aus Perleberg. Der "Tagesspiegel" als Quelle. Also ja. es gab Offiziersschüler in Perleberg, aber nur sehr wenige. Das waren Leute im dritten oder vierten Studienjahr die in Perleberg so etwas wie ein Praktikum als ZF o. ä. geleistet haben. Aber niemals so viele daß sie eine Einheit aufstellen konnten. Soldaten -also GWD-Leistende- gab es in Perleberg auch. Aber die paar Hanseln hatten wichtigeres zu tun als irgendwelche Grenzen zu schützen.

@Mart, ja, ich kenne noch einen ehemaligen BU welcher hier in Perleberg wohnt. Ich versuche ihn mal zu kontaktieren.

@lutz1961: Als "Quelle" verstehe ich nicht irgendwelche Artikel irgendeiner Tageszeitung. Copy & paste beherrsche ich auch.

@KAMÜ: Im Mai oder Juni befand sich bereits ein Sanitätsbataillon im Aufbau. Wem unterstand dieses?


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11.10.2013 23:52
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#11
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Wasserwerfer der Volkspolizei
, die Enrico Pätzel vorher noch nie gesehen hatte, hergestellt von Mercedes, fahren durch das Tor und zielen auf die Partygäste.

Sicher hatten die einen roten -Stern!


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12.10.2013 02:03
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#12
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Also für mich klingt das alles ziemlich verquirlt. Aber ich habe mir ausgerechnet an dieser U-Schule geschworen "halte alles für möglich" - insoweit will ich einkalkulieren, dass die Zeiten wirr waren. Um mal Struktur in die Sache zu bekommen:

* Es gab 1984 keinen Zimmerfunk in den U-500. Auch eine feste Kasernenbeschallung gab es nicht: Für Vereidigung und Ernennung wurde die Beschallung mobil aufgebaut.

* Ich habe in drei Jahren keine 10 Offiziersschüler gesehen. Die machten halt Truppenpraktikum. Möglicherweise liegt eine optische Verwechslung vor: Zumindest in der NVA waren die U-Schüler zu der Zeit im Dienstgrad Gefreite - also "Gefreite Unteroffiziersschüler" - ich gehe davon aus, dass das an der US VI nicht anders war.

* 1981 (Polenkrise, möglicher Einmarsch in Polen) wurde die US VI für einige Tage zum "Grenzkommando Ost" hochgefahren. Insoweit ist realistisch vorstellbar, dass U-Schüler an der Grenze zu Polen (ggf. auch CSSR) eingesetzt wurden.

* 1988 oder 1989 wurde das Verbot Westempfang geändert: Mindestens Berufssoldaten konnen dann privat Westfernsehen und -radio empfangen, ohne Bestrafung fürchten zu müssen. Wie das in der Kaserne selbst war, wie das für Soldaten geregelt war - ich weiß es nicht.

* Zu meiner Zeit: Pro Stube ein Radio, mit Radiokarte als "genehmigt" gekennzeichnet; erlaubte Sender markiert. Kassettenteile verboten bzw. petschiert. Dabei waren Radios er nach der Vereidigung (oder Grundausbildung) zulässig. - Soweit man annimmt, dass das Westempfangsverbot für Soldaten fortgalt, ist vorstellbar, dass in diesen wilden Zeiten ab 09/1989 die Politverwaltung lieber gar keine Radios haben wollte - aber das müssen wir halt herausfinden.

* Wasserwerfer hat es sehr wohl gegeben. Und zwar bei hauptamtlichen Feuerwehren, die W50 mit Dachspritze. Diese (oder einige davon) waren dafür ausgerüstet, die Fahrerkabine mit Gittern zu sichern. Auch die US VI hatte ein solches Fahrzeug auf dem Park, allerdings in meiner Erinnerung in buna-grün.

* Es ist richtig, dass in der Mauerfallnacht nach 0000 Uhr die Mauer des Brandenburger Tors vermittels Wasserwerfer(n) von Ostseite geräumt wurde. Es gibt mehrere Videos, an der Tatsache besteht überhaupt kein Zweifel.

* Langsam kommt der eine oder andere Zeitzeuge - also ich bin guten Mutes. Wir finden heraus, wie das ablief.

* Der fragliche Zeitzeuge in der Zeitung: Der wird halt etwas ausgeschmückt haben - und hatte sicher nicht die Idee, dass dann mal Nietenzähler kommen und ihm jede einzelne fehlende Niete vorhalten werden.

* Ob und wie die Westgrenze nach dem Mauerfall bewacht bzw. bestreift wurde - das sollte man ggf. in einem anderen Thread diskutieren.


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12.10.2013 02:18
avatar  Mart
#13
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Zitat von KAMÜ im Beitrag #8
der Grenzschutz Ost wurde gegen den Monat Mai oder Juni in der USVI aufgestellt.Zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls ein Sanitätsbatallion dort aufgebaut.Wir vom Grenzschutz waren im mittleren Block untergebracht,(Siehe Bilder aus meiner Galerie).

Das klingt, als wenn Du unmittelbarer Zeitzeuge bist. Ich habe Fragen an Dich:

* Laut Foto warst Du BU, welche Einstellung bist Du? Wo hast Du dann bis zum Mauerfall gedient?

* Also Einheiten des Grenzschutzes Ost wurden 05 oder 06/1990 an der US VI aufgestellt, lagen im Mittelblock. Du warst da beteiligt? In welcher Funktion?

* Diese neuen Einheiten: Waren das neu Einberufene? Falls ja: Waren das Grundwehrdienst oder Längerverpflichtungen? Wie lief die Ausbildung ab? - Oder waren das gestandene Grenzer, die umgeschult wurden?

Weitere Fragen werden sich sicher aus Deiner Antwort ergeben - ich bin gespannt.


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14.10.2013 17:15
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#14
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94

Interessant wäre mal, wann dieses Bild aufgenommen wurde. Ein Meute Uschis; *tschuldschung* ein Zug Gefreite in der Ausbildung zum Unteroffizier vor dem Brandenburger Tor. Wann lag im Dezember 1989 Schnee in der Noch-Hauptstadt? Also ich tippe mal dann auf den 12.12.89 nachmittags, so gegen 14.00 Uhr? Schnee taut schon weg, Sonne lacht aus MRZ (Marschrichtungszahl) 35 und AZO (Anzugsordnung) ist Winter. Also im Dezember '89 fiel der erste Schnee zum wenigsten kurzfristigen Liegenbleiben am 11., Sonne ein Tag später und ab dem 21. dürfte so ein Bild nimmer möglich gewesen sein.


Album: g613-Grenze.html


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14.10.2013 18:53
#15
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Ich war wieder etwas unterwegs im Internet und habe versucht etwas in Erfahrung zu bringen zu dem Lehrgang 89/90,
dazu habe ich in einem Forum jemanden gefragt, der dort OT mitgeteilt hat, das er 2 mal auf die DDR - Vereidigt wurde, 1x16.9.1989 und das andere mal nach dem 23.8.1990 .
Habe ihn angeschrieben und die Antwort erhalten.

Hoffe Mart, das Dir diese Info reicht. Denn mehr möchte er mir nicht sagen, auch sein WDA mit Seite 12/13 nicht zeigen.

Ein Gruß an alle Perleberger


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