neues forum

05.07.2009 08:05
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#1
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wann und wie ist euch das erste mal das NEUE FORUM unter gekommen?

bei mir war es im juni 1989, ich war noch in der ausbildung
in eisenach, die ganze kompanie stand früh morgens vor der
kompanie und uns wurde der tagesplan vorgetragen.
zum schluss sprach dann der polit, hauptmann f..., zu uns,
und sagte sinngemäss "in leipzig gibt es eine gruppe die
will als partei zugelassen werden, die nennen sich NEUES FORUM,
das wird aber nicht passieren das die zugelassen werden,
denn das sind alles verbrecher."

ich konnte das überhaupt nicht begreifen,
eine neue partei, bei uns und alles verbrecher?
ich war ja zu diesem zeitpunkt etwa seit 7-8 wochen
in der ausbildung, das hiess man hatte ja nur das "neue deutschland"
und die "junge welt", unsere informationsquellen waren schon sehr
begrenzt und wohl sehr überschaubar.


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05.07.2009 09:42
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#2
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@ bruno, es muss sommer 1989 gewesen sein, als gutgekleidete männer und frauen an berliner wohnungstüren klingelten und um unterschriften baten. diese stellten sich als mitglieder des neuen forum vor...


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05.07.2009 10:21
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#3
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Bärbel Bohley hat mal gesagt,das sie schon im Sommer 1988 erste Überlegungen und Ansätze zu diesem Thema hatte,der
Name "Neues Forum " war da aber noch kein Thema.


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05.07.2009 13:21
avatar  TOMMI
#4
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Mal abgesehen davon, mich würde eh mal interessieren, was sich so
zur Wendezeit in den Kompanieen abgespielt hat. Hätte ich gerne mal
Mäuschen gespielt. Vor allem, als sich dann alles Schlag auf Schlag änderte
und viele einen purzelbaum rückwärts machen mussten, als dann schwarz plötzlich weiß war.
Gibt es kronzeugen für diese Zeit?

EK 88/I
GR4 / 5.GK (Teistungen)


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05.07.2009 17:19
avatar  Mike59
#5
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Das neue Forum?
Ist erst zu einem Begriff für mich geworden als ich die Insel Grenzgebiet/Grenzkompanie verlassen mußte. Ich wurde zur verstärkten Grenzüberwachung nach Bad Elster/Bad Brambach abgeordnet. War wohl schon im Oktober 89. Nachdem unsere unschlagbare Staats- und Parteiführung es für gut befand, das Ausreisewillige DDR Bürger über die CSSR in die BRD ausreisen durften, ging der run via Cheb los. Autostau bis zum Horizont.
Da Standen wir und haben die Autos gezäht, (1 Auto = 4 Personen in der Ausreise) damit die in Berlin ein paar brauchbare Zahlen bekommen. Die in den Autos haben dir den "Effenberg" gezeigt und die Eltern von den minderjährigen die in der Flut mitgeschwämmt wurden haben dich aufgefordert das alles sofort zu unterbinden.
Da hat das Neue Forum am Straßenrand gestanden und hat versucht die Leute zum zum bleiben zu bewegen. Die Wollten ja eigentlich keine Westverhältnisse, die wolten eine andere DDR. Jedenfalls damals. Aber die Situation hatte sich schon dermaßen verselbsständigt. Meinen Respekt heute noch, die Situation war ziemlich gewaltbereit.


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05.07.2009 20:57 (zuletzt bearbeitet: 05.07.2009 20:58)
#6
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Zitat von TOMMI
Mal abgesehen davon, mich würde eh mal interessieren, was sich so
zur Wendezeit in den Kompanieen abgespielt hat. Hätte ich gerne mal
Mäuschen gespielt. Vor allem, als sich dann alles Schlag auf Schlag änderte
und viele einen purzelbaum rückwärts machen mussten, als dann schwarz plötzlich weiß war.
Gibt es kronzeugen für diese Zeit?


Hallo TOMMI,

ich bin zwar kein wirklicher Kronzeuge dieser Zeit in der Frage, was sich in der Wendezeit in den Kompanien abgespielt hat, habe aber in meinem 2-wöchigen Einsatz an der Grenze zur CSSR über den 40. Jahrestag der DDR einige Facetten dieser Zeit erlebt. Dazu also vielleicht ein paar Anmerkungen mit der Sicht der ersten beiden Oktoberwochen 1989.

1. Neues Forum: Das öffentliche Bekenntnis zum Neuen Forum galt als Angriff auf die Partei und den Staat - konterrevolutionäre Umtriebe. Entsprechend wurde auch von den Grenzern entsprechende Wachsamkeit gefordert. Solche Provokationen im grenznahen Raum sollten unterbunden werden. Praktisch gesehen hatten wir solche Vorfälle zu melden. Zuständig war dann offiziell die Polizei.

2. Die Änderungen in der Partei- und Staatsführung: In diese Zeit fällt auch der Sturz Honeckers, die Veränderungen in der Staatsführung. Zunächst ist es für mich immer noch erstaunlich, wie viele Hoffnungen damals auf Krenz gesetzt wurden. Von der Parteiseite wurden ab Mitte Oktober erstmals zaghaft Fehler eingestanden. Es gab intern die Forderung, stärker in den Dialog mit dem Volk zu treten - aber worüber dialogisieren? In guter alter Manier wurde da auf die nächste Tagung des ZK der SED vewiesen, die planmäßig in der zweiten Novemberhälfte stattgefunden hätte. Diese sollte nun auf die erset Novemberdekade vorgezogen werden. Die Arbeit der Partei erstarrte zu dieser Zeit weitestgehend, da erst von dieser Tagung eine neue Ausrichtung der Arbeit abgewartet wurde. Die kam ja dann quasi auch am 9. November.

3. Die Folgen für die politische Arbeit: Trotz dieser Lähmung gab es Orientierungen für die politische Arbeit in den Streitkräften. Diese liefen im Wesentlichen darauf hinaus, dass wir, Partei- und Politkader, zu vermitteln hatten, dass die Partei die Probleme in der Gesellschaft erkannt habe, dass mit der Neuausrichtung der Politik der Partei- und Staatsführung nach der ZK-Tagung ein umfassender Dialog in der Gesellschaft in Gang kommen soll, dass wir trotz der Probleme die Erfolge der Sozialpolitik offensiv zu vertreten und Mängeldiskussionen sowie Pessimismus entgegenzutreten hatten.

4. Motivation zur Grenzsicherung: Diese wird heute gern auf das Einsperren des eigenen Volkes reduziert. Seinerzeit bedeutete sie aber in der konkreten Motivation zum Grenzdienst weitaus mehr:
- Es gab nach wie vor den Klassenfeind, die NATO, den kalten Krieg - insofern war die Sicherung der Grenze für uns ein Friedensdienst, den wir nicht einfach an den Nagel hängen konnten.
- Es gab Bündnisverpflichtungen im Rahmen des Warschauer Paktes - auch aus denen konnten wir uns nicht einfach herausstehlen. Im Rahmen der Grenzsicherung waren das u.a. die militärische Aufklärung gegnerischer Handlungen an der Grenze, die unmittelbare Sicherung und die Verhinderung bzw. Deeskalierung von Provokationen.
- An jeder Grenze zwischen Ländern gibt es eine Grenzsicherung, es sei denn die Länder haben Erklärungen über Pass- und Visafreien Verkehr. Der Grenzverkehr hat in geordneten Bahnen zu verlaufen. Damit war dafür Sorge zu tragen, dass außerhalb der vorgesehenen Stellen kein unkrontollierter Grenzverkehr ablaufen konnte.

ciao Rainman

"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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