Feindbild der Bundeswehr zu DDR-Zeiten

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10.12.2013 19:40
avatar  RalphT
#16
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Da ich ja nun aktiv von 1984 bis 1992 bei der Bw war, kann ich auch etwas dazu beitragen. Ein direktes Feinbild (rot, Osten, Russe, etc.) wurde uns nicht direkt vermittelt. In den Planspielen und den praktischen Spielchen im Gelände gab es immer einen "Feind" und der wohnte meist im A-Dorf oder B-Dorf. Nun war natürlich jedem von uns klar, dass der Feind nicht aus dem Dom-Rep, Schweiz oder aus Spanien kam. Und jeder von uns wusste auch, wo exakt die Grenzen zu den "Anderen" war. Und wenn man das Planspielchen Panzerkrieg o.ä. durchgenommen wurde, dann waren auch schon öfters die Bundesländer Niedersachen, Hessen und Bayern im Gespräch. Es war schon klar, dass die Angriffswellen schon aus dem Osten kam.
Aber wie gesagt, direkt wurde der Feind selten direkt benannt.
Damals gab es auch keine Begriffe, wie Taliban, Heiliger Krieg, Afghanistan usw. Das ist heute ganz anders. In der aktiven Bw-Zeit fielen auch öfters die Begriffe Hilfslieferungen per Transall. War auch damals schon ein Thema für uns.

Das einzige woran ich mich erinnern kann ist, dass man uns vor den bösen Männern in Berlin-Ost, wohnhaft in der Normannenstraße gewarnt hatte. Das war mal eine direkte Ansprache vom MAD.

Tja und heute braucht die Bw kaum noch Kampfjets. Der Feind ist nicht mehr da. Er ist heute woanders. Er ist heute unter uns. Viel schlimmer.


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10.12.2013 19:48 (zuletzt bearbeitet: 10.12.2013 19:50)
avatar  Marder
#17
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@ Glasi.Na dann hast du meine Ausführungen nicht verstanden.
Das es nach 1945 ein Bedrohungspotential zu beiden Seiten Ost West gab, hat nichts mit einem Feindbild zu tuen. Das sich aus diesem Potential Armeen rekrutieren ist normal, da ja die Verteidigung laut Völkerrecht durchaus legitim ist. Jetzt kommt es darauf an wie man seine Armee diszipliniert und ausrichtet. Mit einem dogmatischem Feindbild mit ständiger Gefechtsbereitschaft oder mit der Ausbildung den Gegener zu kennen, ihn aber nicht 24b Stunden lang hinter jedem Gebüsch zu vermuten. ( Letzteres ist eine Metapher oder Übertreibung).
Wenn du FEINDbild hattest haben deine Vorgesetzten und evtl. auch familiäres Umfeld dazu beigetragen. Als Vorgesetzter hatte man aber ausdrücklich den Auftrag, genau dieses nicht zu vermitteln. Damit hätten sich deine Vorgesetzten entgegen ihrer Ausbildung verhalten. Dies gilt zumindest für die zuständigen Offiziere.
Denen hätte ich bei Kenntnisnahme die Hammelbeine lang gezogen.
MfG Marder
Ps, Ich hasse meine langen Ausführungen. ich muss es irgendwie kürzer hinbekommen


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10.12.2013 19:49
#18
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Na ja....aber in der Feindansprache mal von Blauland und der Stossrichtung gen Osten zu reden, konnte einem
dann schon mal ein Einzelgespräch mit 3 Offizieren in der Grundausbildung einbringen.

Die explizite Nachfrage, warum der Feind immer Rot und aus Osten kam führten dann eher zu einem Diskussions-Notstand.

Na ja.....ich muss dazu sagen.....als ich zum Bund ging hatte ich nicht nur Abi, sondern auch die 3 Jahre Ausbildung
in der KFA Jülich incl. Tchernobyl hinter mir.

Da war der Charakter nicht mehr so einfach formbar wie bei einem frischen unbedarftem Schulabgänger.


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10.12.2013 19:52
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#19
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Zitat von glasi im Beitrag #15
Zitat von Marder im Beitrag #9
Zitat von Freienhagener im Beitrag #5
Mein Eindruck:

Die im Westen haben uns mehr gefürchtet als umgekehrt.

Das lag sicherlich auch an der Darstellung im TV. Da waren wir präsenter und wurden "martialischer" gezeigt. Dazu die vorbereiteten Aussagen von Soldaten in der Richtung.

Dagegen war uns in der DDR bekannt, daß es beim Bund lockerer zuging, mit Feierabend und sogar bezahlten Überstunden, wenn ich recht informiert bin.
Dazu wurden die Leute möglichst in der Nähe stationiert, so daß das Zivilleben immer präsent war.
Im Westfernsehen kam die Bundeswehr kaum zu Wort, oder wie heute mit inneren Problemen.

Gruß

Micha


Nee gefürchtet hat man sich nicht. Ansonsten hätten sich die Kasernen nicht jeden Abend und zum Wochenende geleert.

Dann mal zum "Feindbild". Ich hatte hier schon mehrfach geschrieben, dass das Wort Feind bei der BW anders als bei der NVA
verpönt war. natürlich habe auch welche vom Feind geredet, was ich nie geduldet habe.
Es gab einen Gegner , der sich logischerweise aus den beiden Lagern NATO und Warschauer Pakt rekrutierte.
Dieser Gegner war in der einschlägigen Literatur zur Ausbildung erfasst, mit seinen Waffen und Fahr- bzw. Flugzeugen ( Bei der Marine natürlich auch mit seinen Wasserfahrzeugen)
Dies Tatsache führte zu einer Lagebeurteilung, die für die Truppen der BW und auch der Nato dazu führte, dass man sich normalerweise nicht akut bedroht gefühlt hat ( Das mag beim WP anders gewesen sein).
Eine wirkliche Bedrohungseinschätzung hätte sich aus Konfliktsituationen ergeben und wäre dann neu beurteilt worden mit evtl. Heraufsetzung der Gefechtsbereitschaft.
Die ständigen Gefechtsbereitschaft des Warschauer Paktes ist für mich eine sagen wir mal Paranoia, die sich nur aufrecht erhalten lässt wenn ich den Personen ein ständiges Bedrohungsbild ( Feind) liefere. Das hätte man der BW nicht wirklich ohne die entsprechende Agitation vermitteln können.
Daher als Fazit. Es gab eine verhältnismäßig genaue Gegnerbeschreibung um entsprechend vorbereitet zu sein, aber kein ausgesprochenes FEINDBILD.
MfG Marder
PS. Ist länger geworden als ich vorhatte.


Klar gab es ein Feindbild. Sonst hätte es nicht schon 10 Jahre nach Ende des 2 Weltkrieges die BW gegeben. Ich bin mir auch sicher hätte es keine Atomwaffen gegeben dann wäre der Osten marschiert.


Der Osten ist jedes Jahr marschiert ,am 1.Mai.Aber nicht Richtung Westen!


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10.12.2013 19:54 (zuletzt bearbeitet: 10.12.2013 19:57)
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#20
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Ich hatte das Glück in einer ehemaligen NVA-Einheit zu dienen welche recht oft Gelgenheit hatte unseren Gegenüber bei der Bundeswehr und seine Gewohnheiten etwas genauer zu analysieren. Ja es war exakt unsere Aufgabe! Das vom Polituntericht vermittelte Bild von der Bundeswehr konnten wir so nicht erkennen. Die Männer der Bundeswehr waren uns gegenüber recht entspannt und gelassen und versuchten auch mal freundlich zu sein! Frustrierend für uns war dass unser "Gegner" Freitags Mittags von der Bildfäche verschwunden war. Erst seit Mitte der 80iger blieb dann auch ein "Aufpasser" oder Bewacher in unmittelbarer Nähe von uns!

Alles in allem machten sie zwar einen an uns interessierten Eindruck aber keinsfalls gaben sie uns das Gefühl wir seien die "Feinde"!

SCORN


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10.12.2013 19:55
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#21
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Zitat von Ecki im Beitrag #1
Meine lieben ehemaligen Soldaten der Bundeswehr zu DDR-Zeiten,

es war ja damals so, dass die NVA ein Feindbild hatte, in welchem die Bundeswehr ein integraler Bestandteil (huuuuch, das habe ich wieder einmal sehr schön formuliert ) war.

Wurde damals in der Bundeswehr auch so ein "Feindbild" vermittelt?

Liebe Grüße

Ecki

Es gab keinen Feind.....es gab einen Gegner.


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10.12.2013 19:55
avatar  Marder
#22
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Zitat von ChristianAC im Beitrag #18
Na ja....aber in der Feindansprache mal von Blauland und der Stossrichtung gen Osten zu reden, konnte einem
dann schon mal ein Einzelgespräch mit 3 Offizieren in der Grundausbildung einbringen.

Die explizite Nachfrage, warum der Feind immer Rot und aus Osten kam führten dann eher zu einem Diskussions-Notstand.

Na ja.....ich muss dazu sagen.....als ich zum Bund ging hatte ich nicht nur Abi, sondern auch die 3 Jahre Ausbildung
in der KFA Jülich incl. Tchernobyl hinter mir.

Da war der Charakter nicht mehr so einfach formbar wie bei einem frischen unbedarftem Schulabgänger.





Könntest du mit mir auch heute noch frei diskutieren ohne das ich Notstand hätte. Klar ist ja, dass die Bedrohung nicht aus Dänemark oder Zypern oder Andorra kam. Es gab eben zwei riesige Militärbündnisse und die haben sich schwer bewaffnet gegenüber gestanden. Damit war der Gegner eben auf jeder Seite klar. der Unterschied ist eben die Bezeichnung Feind oder Gegner. Das mag haarspalterisch klingen hat aber schon eine andere Bedeutung.
MfG Marder


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10.12.2013 19:56
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#23
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Hat man bei Paraden auch bedacht in welche Richtung sie gingen ,wenn die Paradestrasse von West nach Ost oder umgekerht ging ?


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10.12.2013 19:59
avatar  Marder
#24
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Zitat von SCORN im Beitrag #20
Ich hatte das Glück in einer ehemaligen NVA-Einheit zu dienen welche recht oft Gelgenheit hatte unseren Gegenüber bei der Bundeswehr und seine Gewohnheiten etwas genauer zu analysieren. Ja es war exakt unsere Aufgabe! Das vom Polituntericht vermittelte Bild von der Bundeswehr konnten wir so nicht erkennen. Die Männer der Bundeswehr waren uns gegenüber recht entspannt und gelassen und versuchten auch mal freundlich zu sein! Frustrierend für uns war dass unser "Gegner" Freitags Mittags von der Bildfäche verschwunden war. Erst seit Mitte der 80iger blieb dann auch ein "Aufpasser" oder Bewacher in unmittelbarer Nähe von uns!

Alles in allem machten sie zwar einen an uns interessierten Eindruck aber keinsfalls gaben sie uns das Gefühl wir seien die "Feinde"!

SCORN

Hallo, wo habt ihr die BW beobachten dürfen, weil es ja den aktiven Einheiten der BW verboten war in dem Grenzbezirk zu handeln.
MfG Marder


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10.12.2013 20:00
#25
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@Fritze

Ja und....wir fühlten uns da schon sehr sicher. Ihr seit ja so nett gewesen, da so einen komischen Gartenzaun bzw. eine
Mauer in die Landschaft zu stellen.

Da wussten wir.....selbst wenn sie sich verlaufen......weiter kommen sie nicht.


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10.12.2013 20:02
avatar  glasi
#26
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Zitat von Marder im Beitrag #17
@ Glasi.Na dann hast du meine Ausführungen nicht verstanden.
Das es nach 1945 ein Bedrohungspotential zu beiden Seiten Ost West gab, hat nichts mit einem Feindbild zu tuen. Das sich aus diesem Potential Armeen rekrutieren ist normal, da ja die Verteidigung laut Völkerrecht durchaus legitim ist. Jetzt kommt es darauf an wie man seine Armee diszipliniert und ausrichtet. Mit einem dogmatischem Feindbild mit ständiger Gefechtsbereitschaft oder mit der Ausbildung den Gegener zu kennen, ihn aber nicht 24b Stunden lang hinter jedem Gebüsch zu vermuten. ( Letzteres ist eine Metapher oder Übertreibung).
Wenn du FEINDbild hattest haben deine Vorgesetzten und evtl. auch familiäres Umfeld dazu beigetragen. Als Vorgesetzter hatte man aber ausdrücklich den Auftrag, genau dieses nicht zu vermitteln. Damit hätten sich deine Vorgesetzten entgegen ihrer Ausbildung verhalten. Dies gilt zumindest für die zuständigen Offiziere.
Denen hätte ich bei Kenntnisnahme die Hammelbeine lang gezogen.
MfG Marder
Ps, Ich hasse meine langen Ausführungen. ich muss es irgendwie kürzer hinbekommen

Du hast vollkommen Recht lieber Marder. Von unseren Vorgesetzten wurde das nicht vermitteln. Der Eindruck wurde mir vom Osten vermittelt. Mit ihrer ständigen Einsatzbereitschaft. Bei uns war das wirklich anders. Jeden Nachmittag und am Wochenende waren unsere Kasernen leer. Das schlimme an der Zeit des kalten Krieges war das die Teilung unserer Familie in 2 Lager. Ich in der BW. Und zwei Verwandte in der NVA.


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10.12.2013 20:07
avatar  glasi
#27
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Zitat von Marder im Beitrag #24
Zitat von SCORN im Beitrag #20
Ich hatte das Glück in einer ehemaligen NVA-Einheit zu dienen welche recht oft Gelgenheit hatte unseren Gegenüber bei der Bundeswehr und seine Gewohnheiten etwas genauer zu analysieren. Ja es war exakt unsere Aufgabe! Das vom Polituntericht vermittelte Bild von der Bundeswehr konnten wir so nicht erkennen. Die Männer der Bundeswehr waren uns gegenüber recht entspannt und gelassen und versuchten auch mal freundlich zu sein! Frustrierend für uns war dass unser "Gegner" Freitags Mittags von der Bildfäche verschwunden war. Erst seit Mitte der 80iger blieb dann auch ein "Aufpasser" oder Bewacher in unmittelbarer Nähe von uns!

Alles in allem machten sie zwar einen an uns interessierten Eindruck aber keinsfalls gaben sie uns das Gefühl wir seien die "Feinde"!

SCORN

Hallo, wo habt ihr die BW beobachten dürfen, weil es ja den aktiven Einheiten der BW verboten war in dem Grenzbezirk zu handeln.
MfG Marder


Das stimmt. Nur warum bleibt mir ein Rätsel. Hätte gerne mal in Uniform an der Grenze gestanden.


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10.12.2013 20:10 (zuletzt bearbeitet: 10.12.2013 20:19)
avatar  SCORN
#28
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Zitat von Marder im Beitrag #24
[
Hallo, wo habt ihr die BW beobachten dürfen, weil es ja den aktiven Einheiten der BW verboten war in dem Grenzbezirk zu handeln.
MfG Marder



Meistens direkt vor ihrer "Haustür", in der Kieler Bucht! Sonst überall wo wir sie antrafen auf Hoher See. Ich war bei der Aufklärungsabteilung der Marine!
Habe auch Hin und wieder Anlandungsübungen der 6.Panzergrenadierdivision mit beobachten können, dann hatten wir auch mal Leo's oder andere Technik in den offenen Landungsboten direkt vor uns!


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10.12.2013 20:12
avatar  Marder
#29
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Jau Glasi nur der Bereitsschaftszug oder Züge tummelten sich gelangweilt in der Kaserne und durften nicht mal feiern und trinken.
So schlimm kann die Angst nicht gewesen sein. eine Kaserne mit 2 Bataillonen am Wochenende mit knapp 80 Soldaten besetzt.
MfG Marder


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10.12.2013 20:17
#30
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Ja.....und die Hälfte der Bereitschaft in Turnschuhen (innendienst-tot) und der Bereitschaftsgruppenführer mit bandagierten Fuss und Krücken.


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