DDR-Bürger 1984 in Mosambik getötet

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28.06.2013 21:07
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#1
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wer erinnert sich daran?,
auf die Fahrt nach Unango wurden 4 DDR-Bürger aus einem
Hinterhalt von Rebellen erschossen
gruß Lutze

wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren


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29.06.2013 00:23
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#2
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Lutze, wer waren diese DDR - Bürger? Weißt Du näheres?

LG von der grenzgaengerin


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29.06.2013 02:26 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2013 06:29)
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#3
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #2
Lutze, wer waren diese DDR - Bürger? Weißt Du näheres?

LG von der grenzgaengerin


Hatten wir doch hier schon mal:

Was macht Der Feind? (3)

http://www.trend.infopartisan.net/trd0901/t150901.html

seaman


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29.06.2013 09:27 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2013 13:49)
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#4
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Ich war zu dieser Zeit in Mocambique in den Steinkohlengruben von Moatize, die von den Portugiesen geflutet wurden und mit ausländischer Hilfe unter Leitung von DDR-Spezialisten wieder aufgeschlossen wurden.
Ich habe persönlich die skrupellosen Angriffe der RENAMO miterlebt, wie auch die Ermordung der 7 DDR-Landwirtschaftsexperten bitter zur Kenntnis nehmen müssen. Ein achtes Opfer dieses brutalen Überfalles aus der DDR verstarb noch an den Folgen.
Ich werde etwas später darüber schreiben, da momnetan mich noch andere Aufgaben binden.

Vierkrug


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29.06.2013 11:19 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2013 13:47)
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#5
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So, nun noch einmal zum Überfall vom 6. Dezember 1984 zwischen Lichinga und Unango, bei dem 7 DDR-Landwirtschaftsspezialisten sofort getötet und ein weiterer DDR-Bürger dann noch seinen Verletzungen als 8. Opfer aus der DDR erlag. Zwei weitere Opfer waren ein Jugoslawe und ein Mocambiquaner. Ein DDR-Bürger überlebte den Überfall, bei dem den Ermorderten teilweise die Kleidungsgegenstände entwendet wurden. Dieser Überfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden auf der Fahrt des Konvois von Lichinga nach Unango in der Nordprovinz Niassa. Diese Provinz galt als besonders gefährdet, da sich hier stärkere RENAMO-Gruppierungen befanden, die schon zuvor heimtückische Überfälle und Massaker gegenüber der Bevölkerung verübten.
Um es gleich vornweg zu nehmen. Die DDR-Bürger trugen keine Waffen !!! Sie wurden aber durch Projektile aus Kalaschnikows (AK 47) getötet.
Der Konvoi wurde durch mocambiquanische Sicherheitskräfte begleitet und sollte auch durch diese weitestgehend gesichert werden.
In der Abschlußeinschätzung des MfS nach erfolgter Untersuchung aller Umstände dieses Überfalles, kam man zu der Einschätzung, dass die hohe Opferzahl vordergründig mit auf das kapitulantenhafte Verhalten der mocambiquanischen Sicherheitskräfte zurück zu führen gewesen sei.

Dieser Einschätzung kann ich zum Teil zustimmen, denn wir hatten in Moatize auch Angriffe der RENAMO abzuwehren. Nun muß man aber auch in Betracht ziehen, wer rekutrierte sich in den Reihen der mocambiquanischen Schutz- und Sicherheitskräfte. Es waren keine ausgebildten militärischen Formationen, die sich durch eine hohe Disziplin, geschweige einer hohen Kampfmoral auszeichneten. Es waren teilweise Jugendliche, ich verwende mal nicht den Ausdruck "Kindersoldaten", die sich nicht nur in Reihen der mocambiquanischen Sicherheitskräfte rekutrierten, sondern auch in den Reihen der RENAMO. Schlecht oder garnicht ausgebildet, gerade noch der Handhabung der AK 47 mächtig. Keine Kenntnis von ZF (zusammengefasstes Feuer) oder gar Sperrfeuer u.a. militärischem Handlungen und Begriffen.
Die Steinkohlengruben in Moatize wurden auch durch ein Wachbataillon der FRELIMO "gesichert". Jedoch hatte der Bataillonskommandeur wenig oder keine Erfahrungen in der Organisation und Strukturierung einer wirksamen militärischen Verteidigung. So kam es, dass bei einem RENAMO-Angriff es fast zum Durchbruch gekommen wäre. Also griff man zu den Waffen, die von den in Panik geflüchteten FRELIMO-Kräften liegen gelassen wurden und eröffnete mit das Feuer zur Abwehr. Dank eines MG-Nestes und der Umrichtung der ZU-23 auf Erdzielbekämpfung, wurde dieser Angriff der RENAMO dann erfolgreich abgewehrt. Es war das erste und auch das letzte Mal im meinem Leben, dass ich auf Menschen geschossen habe, um das Leben meiner Mitstreiter, wie auch das eigene zu schützen. Inwieweit ich dabei Menschen getötet habe, vermag ich nicht einzuschätzen, denn nach dem Anfgriff waren wir mehr mit uns selbst beschäftigt, als danach zu sehen, was sich auf dem Feld befand. Das übernahmen dann die Mocambiquaner, die auch nicht gerade pietätvoll mit ihren "Landsleuten" umgingen.
Die größte Gefahr, die wir für die Steinkohlengruben sahen, war ein zielgerichteter Angriff der RENAMO auf die Cahora Bassa-Talsperre. Diesbezügliche Versuche wurden erfolgreich von den Mocambiquanern abgewehrt, da sie hier gut ausgebildete und ausgerüstete Kräfte zum Einsatz brachten.

In der Folge der Ereignisse von Lichinga / Unanago, wurden zahlreiche DDR-Spezialisten wieder in die Heimat zurück geführt. Wenn ich bei meinen zeitweiligen Aufenthalten in Mocambique war, so ging es nur mit starkem militärischen Schutz von Moatize nach Nacala (Tiefseehafen) bzw. nach Maputo.
Dem Wunsch der Mocambiquaner zur Lieferung von Kampfhubschraubern Mi-24 wurde seitens der SU und der DDR nicht entsprochen. Jedoch wurde auch die militärische Hilfe hinsichtlich der Qualifizierung der Führungskräfte verstärkt.

Nach meinem heutigem Kenntnisstand wurden die mit Hilfe der DDR wieder erschlossenen Steinkohlengruben in Moatize vom einem brasilianischem Montanunternehmen übernommen und es läuft anscheinend sehr gut.
Die ehemaligen Musterfarmen, die von den Landwirtschaftsspezialisten aus der DDR mit aufgebaut und fachlich betreut wurden, gibt es zwischenzeitlich nicht mehr. Sie sind wieder Opfer des Busches geworden.
Nachhaltigkeit hat noch das Bildungswesen, das auch von unseren Spezialisten aus der DDR aufgebaut und über viele Jahre begleitet wurde.

Es gibt ein Buch über den Einsatz von DDR-Bürgern in Mocambique mit dem Titel "Wir haben Spuren hinterlassen". Dem kann ich nur beipflichten - wir haben Spuren im diesem schönem Land hinterlassen und man erinnert sich gern in Mocambique an die Hilfe und Unterstützung aus der DDR.
Ich war 2001 noch einmal in Mocambique als Tauchtourist - es kamen dabei wieder viele Erinnerungen hoch und ich konnte meiner Tauchgruppe aus Nürnberg auch viele Orte zeigen, an denen ich auch während meines Einsatzes weilte.

Vierkrug


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29.06.2013 20:59
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#6
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Danke @Vierkrug für Deinen Bericht ! Das sind für mich wahre Zeitzeugenaussagen ,welche in diesem Forum nicht fehlen dürfen !


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29.06.2013 21:09 (zuletzt bearbeitet: 29.06.2013 21:10)
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#7
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Zitat von Fritze im Beitrag #6
Danke @Vierkrug für Deinen Bericht ! Das sind für mich wahre Zeitzeugenaussagen ,welche in diesem Forum nicht fehlen dürfen !

Meine Fresse aber auch! Dem kann ich nur zustimmen!

MsG


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29.06.2013 22:28
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#8
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Na na ,mal n bisschen Contenance !


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30.06.2013 14:43 (zuletzt bearbeitet: 30.06.2013 14:44)
avatar  GZB1
#9
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@Vierkrug,

weshalb gabs vor Ort eigentlich eine ZU-23, wurden süd-rhodesische Hubschrauber/ Flugzeuge befürchtet?


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30.06.2013 14:50
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#10
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Hallo GZB1,

das habe ich mich auch gefragt. Warum gab es da Flak? Seit 1980 regierte Mugabe in Simbabwe. Da drohte doch höchstens noch aus Südafrika Gefahr.
Sind die Südafrikaner so weit in Mocambique eingeflogen? Hatte die RENAMO Hubschrauber oder Flugzeuge?

Gruß, Kurt


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30.06.2013 15:35
avatar  Mike59
#11
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Zitat von GZB1 im Beitrag #9
@Vierkrug,

weshalb gabs vor Ort eigentlich eine ZU-23, wurden süd-rhodesische Hubschrauber/ Flugzeuge befürchtet?


ZU-23 ist super im Erdkampf! Genau wie die RPG 7 oder denkst du in der 3. Welt gibt es so viele Panzer? Bei den Dingern ist es egal ob genau ins Ziel getroffen wird oder oder eben daneben.


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30.06.2013 15:53 (zuletzt bearbeitet: 30.06.2013 15:56)
avatar  seaman
#12
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Die südafrikanische Luftwaffe war über Mosambique aktiv.
Spionageflugzeuge,ferngesteuerte Flugzeuge mit Sprengsätzen waren das kleinere Übel.
Südafrika flog gezielte Raketenangriffe gegen Objekte des ANC und ihren Sympathisanten.Meist befanden sich diese Ziele in Wohnbezirken und es gab viele zivile Opfer.
In Erinnerung ist mir ein Angriff auf einen Kindergarten in Matola 1983.Hier kamen viele Kinder ums Leben .

Auch Rhodesien hat Mosambique bombardiert.

seaman-
der dort Flakgeschütze auf Hoteldächern kennenlernte.

ANC=African National Congress


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30.06.2013 15:56
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#13
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Wimre, dann war die ZU-23 vorsorglich als Luftsicherung in Stellung gebracht worden. Für mich unlogisch, denn die unmittelbaren westlichen / südwestlichen Nachbarstaaten zur Provinz Tete, wozu auch Moatize gehörte, waren Sambia und Simbabwe. Von denen drohte eigentlich keine Gefahr. Und die Südafrikaner, die die RENAMO unterstützten, hätten ziemlich weit den Luftraum von Mocambique überfliegen müssen bzw. den von Simbabwe verletzen müssen, wenn sie Luftunterstützung leisten gewollt hätten. Die Bestückung mit dem leichtem Maschinengewehr "Kalaschnikow" war verständlich und nachvollziehbar. Die Ausrüstung mit der Vielzahl von RPG-7 wiederum nicht. Keine strukturmäßige Bewaffnung wie bei unseren Mot.-Schützen.
@GZB1 - die Wirkung einer ZU-23 in der Erdzielbekämpfung ist enorm - ich mochte nicht auf der anderen Seite gestanden bzw. gelegen haben.

Vierkrug


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30.06.2013 16:05 (zuletzt bearbeitet: 30.06.2013 16:10)
avatar  GZB1
#14
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #13

@GZB1 - die Wirkung einer ZU-23 in der Erdzielbekämpfung ist enorm - ich mochte nicht auf der anderen Seite gestanden bzw. gelegen haben.

Vierkrug



Ja dies ist mir bekannt. Diese außerordentliche Wirkung wurde bereits früher (WK2, hier 2cm Zwilling/Vierling) und bis heute in Libyen bzw. Syrien genutzt


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30.06.2013 16:08
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#15
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Zitat von seaman im Beitrag #12
Die südafrikanische Luftwaffe war über Mosambique aktiv.
Spionageflugzeuge,ferngesteuerte Flugzeuge mit Sprengsätzen waren das kleinere Übel.
Südafrika flog gezielte Raketenangriffe gegen Objekte des ANC und ihren Sympathisanten.Meist befanden sich diese Ziele in Wohnbezirken und es gab viele zivile Opfer.
In Erinnerung ist mir ein Angriff auf einen Kindergarten in Matola 1983.Hier kamen viele Kinder ums Leben .

Auch Rhodesien hat Mosambique bombardiert.

seaman-
der dort Flakgeschütze auf Hoteldächern kennenlernte.

ANC=African National Congress


- Aber nicht im gesamtem Luftraum von Mocambique !!! Der Angriff auf Matola ist bekannt. Matola liegt aber als Hauptstadt der Provinz Maputo im grenznahem Bereich zu Südafrika.
- Das war vor 1980, denn nach dem Antritt von Robert Mugabe war dann auch Schluß mit Rhodesien.

Vierkrug


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