DEFA war das Netflix der DDR

20.03.2020 07:31
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In der DDR waren Filme Mangelware. Es gab sie, aber nur in überschaubarer Anzahl. Alles wurde zuvor geprüft und private Sender, wie sie sich im Westen langsam entwickelten, gab es natürlich in der DDR damals nicht. DEFA war damals das Filmunternehmen, das streng nach Vorgabe immer wieder neue Filme produzierte und dafür sorgte, dass eine staatsaffine Unterhaltung erfolgte. Die DEFA (Deutsche Film AG) saß in Potsdam-Babelsberg und war ein volkseigenes Unternehme der DDR. Gegründet wurde die Deutsche Film AG bereits 1946 (17. Mai) mit dem Hauptsitz in Berlin. Nach dem Mauerfall wurde sie 1992 aufgelöst. Viele Filme gibt es heute dennoch immer wieder mal zu sehen. Auch wenn die meisten Werke natürlich unterschwellig Propaganda beinhalteten, gibt es bis heute sehr beeindruckende Produktionen, die auch weltweit bekannt sind. So arbeitete die DEFA auch mit anderen sozialistischen Staaten eng zusammen. Im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks (DFF) wurden durch die DEFA viele Filme und Serien produziert. Die großen Spielfilme liefen in den Kinos der damaligen DDR.

Mehrere Gesellschaften in der DDR

Die DDR verfügte über mehrere Filmproduktionsgesellschaften. Darunter fanden sich sogar privatrechtlich organisierte Firmen, wie zum Beispiel das Studio H&S, ebenso einige Amateur-Studios. Ebenso produzierte die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam (HFF) zahlreiche Filme. Der größte Produzent war aber natürlich die DEFA.

Was die DEFA produzierte (nur kleiner Auszug!):

Die Mörder sind unter uns (1946)
Irgendwo in Berlin (1946)
Straßenbekanntschaft (1948)
Und wieder 48 (1948)
Die Brücke (1949)
Unser täglich Brot (1949)
Das kalte Herz (1950)
Roman einer jungen Ehe (1952)
Gefährliche Fracht (1954)
Sommerliebe (1955)
Drei Mädchen im Endspiel (1956)
Das Märchenschloss (1961)
Urlaub ohne Dich (1961)
Die Elixiere des Teufels (1973)
Die Legende von Paul und Paula (1973)
Gevatter Tot (1983)
Das Luftschiff (1983)
Romeo und Julia auf dem Dorfe (1984)
Hasenherz (1984)




Insgesamt wurden so hunderte von Filmen produziert, die vereinzelt auch heute immer wieder einmal im Fernsehen laufen. Neben dem sozialistischen Gedanken, entstanden häufig sehr interessante Filme, die auch Tiefgang hatten und sich sogar bis heut behaupten können.

DEFA war eine Art Netflix

Natürlich gab es damals weder in der DDR noch im Westen ein Streaming-Dienst. Dennoch war die DEFA so etwas wie ein Netflix, nur eben mit den Mitteln der damaligen Technik. Es wurden gute Filme mit viel Aufwand und ausgewählten Schauspielern produziert. Dabei wurde nicht nur auf dem Gebiet der DDR aufgenommen, sondern auch in anderen sozialistisch geprägten Ländern. Im Laufe der Zeit entstand ein enormes Filmarchiv aus Spielfilmen fürs Kino sowie Filme und Serien für das TV. Ähnlich wie bei Netflix, wo um Beispiel gerade die erwartete SelfMade“ Netflix Serie produziert wird, gab es bei der DEFA mehrfach im Jahr kleinere und größere Drehs. Viele der Filme kamen beim Publikum gut an. Natürlich muss man bedenken, dass zur damaligen Zeit die Auswahl bei dieser Unterhaltung nur begrenzt war. Private Konkurrenz oder große Streaming-Anbieter gab es bis zum Mauerfall weder in der DDR noch in der BRD. Dennoch blieb die DEFA, auch wenn sie 1992 eingestellt wurde, durch die großartigen Produktionen bis heute erhalten.


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