Gysi bittet um Solidarität mit Gesine Lötzsch
11.01.2011 09:48

Gregor Gysi hat die Linken-Parteivorsitzende Gesine Lötzsch gegen Kritik verteidigt. Zugleich beklagte er die durch ihre umstrittenen Kommunismus-Äußerungen angestoßene „Personaldebatte zur Unzeit“.Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, hat die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch unterstützt. Wenn nach ihrem Aufsatz über „Wege zum Kommunismus“ so getan werde, als vertrete sie darin „Einstellungen, die sie niemals hatte“, erfordere das „unsere ganze Solidarität mit ihr“, sagte Gysi vor 800 Gästen beim „politischen Jahresauftakt“ der Linkspartei in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz. Der Begriff Kommunismus werde nicht im neuen Programm auftauchen, sagte Gysi. Aber eine politische Debatte darüber werde es geben, und dazu müsse man den Begriff verwenden. Frau Lötzsch hatte in der Zeitung „Junge Welt“ geschrieben: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“

Frau Lötzsch sagte, sie verstehe die Irritation mancher Parteifreunde darüber, dass sie sich zu einer Erörterung des Kommunismus habe bewegen lassen. Doch gehöre es zur Parteiarbeit, nicht nur Tagesfragen, sondern auch Fragen grundsätzlicher Natur anzupacken. Im Kapitalismus seien „grundlegende Probleme der Menschheit“ nicht zu lösen, weshalb sie es für legitim halte, über „eine andere Gesellschaft nachzudenken“. Frau Lötzsch sagte, auch das neue Programm, das im Oktober beschlossen werden soll, werde nicht alle grundsätzlichen Fragen lösen können. Die Partei werde in den vor ihr liegenden sieben Landtagswahlen erfolgreich sein, wenn sie „klug kurz- und langfristige Ziele verknüpfen“ könne.

Gysi nannte die Debatte um das Agieren von Frau Lötzsch und Ernst seit ihrer Wahl im Mai „eine Personaldebatte zur Unzeit“. Sie seien bis Mai 2012 gewählt, frühestens vom März 2012 an sei eine Personaldebatte sinnvoll. „Wenn wir irgend etwas taugen“, sagte Gysi, müsse die Linkspartei vor den Wahlen dieses Jahres „ein Signal in die Gesellschaft setzen, dass sie sich zu verändern hat“. Scharf kritisierte Gysi die SPD. Diese koaliere mit allen anderen Parteien, nur nicht mit der Linkspartei. „Wer mit der SPD auf Bundesebene koalieren will, kann das niemals durch Anbiederung schaffen, sondern nur durch Stärke“, sagte Gysi. Viel Applaus erhielt er für Passagen seiner Rede, in denen er den „real existierenden Sozialismus“ der DDR kritisch erörterte: „Wir bleiben eine pluralistische linke Partei, wir waren und sind nicht kommunistisch.“

Vor einem Jahr hatte Gysi am selben Ort den Geschäftsführer Dietmar Bartsch wegen angeblicher Illoyalität gegenüber dem früheren Vorsitzenden Oskar Lafontaine kritisiert und so zur Aufgabe des Amts gedrängt. Bartsch sagte der Berliner „tageszeitung“ am Montag, an dem Tag vor einem Jahr sei „ein Stück politischer Kultur in unserer Partei kaputtgegangen“. In der PDS habe man sich „von der personengebundenen Loyalität gegenüber einem oder einen Vorsitzenden emanzipiert“, dort habe man Meinungsverschiedenheiten „in innerparteilicher Solidarität“ ausgetragen.

Quelle:
http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1D...n~Scontent.html

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  • Erstellt von: Angelo
    Kategorie: Ost Presse
    11.01.2011 09:48:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 11.01.2011 09:48
  • 2 Kommentare
Kommentare
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( Gast )
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31.01.2011 18:42

Leider sind mit dem Begriff Kommunismus bei vielen Menschen Assoziationen wie Diktatur, Unfreiheit,erstarrte Strukturen, ökonomischer Stillstand ect. verbunden. In Wirklichkeit steckten wir in der DDR und anderen ``soz. Staaten`` eigentlich immer noch im Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus.Und was Sozialismus sein sollte, konnte die Praxis ( Lenin: die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit!) nicht zeigen. Da hatten selbst die Oberen unterschiedliste Auffassungen und wurden letztlich eines Besseren belehrt. Heute über Kommunismus zu schwadronieren, d.h. doch nichts anderes, als einer Utopie zu fröhnen, die die Menschen mindestens die nächsten Jahrzehnte nur abschreckt. Als Realpolitikerin sollte man sich den Augaben stellen, die z.Zt.wichtig sind und die im Parteiprogramm als Zielstellungen genannt sind. Das öffentliche Polemisieren über ungelegte Eier schadet doch nur der Linken und bietet allen, denen diese Partei ein Dorn im Auge ist nur Munition. Frau Lötzsch sollte sich besser der Einheit Ihrer Partei widmen, zumal diese ja inzwischen ein Konglomerat verschiedenster Richtungen ist und sich leider auch so zeigt.
Landi54

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16.01.2011 15:05

Kommunismus hin oder her.
Auch dieses System in dem wir leben ist an seine Grenzen gestoßen.Früher sagte man,die Marktwirtschaft wird es richten.
Es ist nicht so.Früher oder später muß sich die Menschheit wieder entscheiden.Dieses System in dem ich lebe ist nicht besser sondern nur Überlebensfähiger.
Auch die Kriege die dieses System führt dient nicht meiner oder unserer Freiheit sondern nur zum überleben.
Zur DDR zeit wollte man uns doch auch erzählen das wir einen guten Krieg führen.
Übrigens ist mir ein Kommunist lieber,der zur DDR zeit zu dieser Sache stand und heute noch diese Haltung hat,(wenn es auch nur eine Utopie ist) als die Leute ,die mit den DDR-System mitmarschiert sind und heute alles verteufeln und dasFähnchen in den Wind halten!
Hoffe wie immer auf rege antworten

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