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06
Februar
2017

“Bye-bye Bastei”

Bei Arndt Noack gefunden:
http://sandsteinpfade.de/2017/02/05/bye-...bild/#more-5002

Die Bildzeitung vermeldet also, dass die bröselige Spitze der Basteiaussicht für immer gesperrt bleibt, weil sich der Fels nicht sanieren lässt. Soweit die blanke Meldung. Warum es mir dennoch stinkt, das könnt ihr im Folgenden lesen:

1. Wenn eine Region um Touristen wirbt und von Touristen lebt, und beides ist im Elbsandstein seit 200 Jahren erfolgreich der Fall, dann kommt immer auch ein bestimmter Prozentsatz an organisiertem Massentourismus mit. Das ist unvermeidbar, normal und auch absolut in Ordnung. Schließlich haben Japaner auf ihren drei Wochen Europatrip nicht die Zeit, die geheimnisvollen Seitenschlüchte des Großen Zschand zu erkunden.

2. Wenn man diesen Massentourismus an einer Stelle bündeln kann, ist schon viel gewonnen für den Rest der Natur. Genau diese Funktion erfüllt die Bastei, und zwar auf hervorragende Weise. Man kann sie per Bus anfahren, der Erlebnisfaktor ist hoch, die Mühen der Besichtigung klein, und die Zeit für dieselbe kann der Reiseführer gut planen. Bier und Würste gibt es auch, und fürs gegenteilige Bedürfnis Toiletten. Der kürzlich verstorbene Dietrich Graf, seines Zeichens Nestor des Naturschutzes im Elbsandstein, sagte mal sinngemäß in einem Fernsehinterview: „Wenn es die Bastei nicht schon gäbe, wir hätten sie erfinden müssen.“

3. Und jetzt kommt die „Bild“ ins Spiel, und ich ärgere mich. „Bye-bye Bastei – Aussichtspunkt wird für immer dicht gemacht“ lautet die Schlagzeile. Was glauben diese Lückenpresseheinis eigentlich, wie das bei weniger Ortskundigen ankommt? Genau: da ist nichts mehr, wird sich der unkundige Tourist denken. Und auch der eine oder andere Reiseveranstalter, der seine Touren von einem weit entfernten Schreibtisch aus plant, wird die Bastei überdenken.

4. Die Busse werden andere Ziele ansteuern, Ziele, die bisher vom Massenansturm verschont blieben. In Hinterhermsdorf sollte man schon mal ein paar Boote zusätzlich kaufen.

5. Das ist alles andere als wünschenswert, funktionierte doch diese Bündelung des Massentourismus an einer Stelle (im Jahresdurchschnitt 4000 Besucher pro Tag) bisher wunderbar. Turn- und Stöckelschuhe sowie Handtaschen auf die Bastei, Wandertreter und Rucksäcke in den Rest des Gebietes.

Deshalb an dieser Stelle – und ich hoffe von Seiten des Tourismusverbandes und der NPV folgen ähnliche Texte – eine Klarstellung: es sind gerade zehn Meter einer vorspringenden Felsnase, die gesperrt werden.

Und was diese Minisperrung selbst betrifft, so habe ich ausnahmsweise mal volles Verständnis: Sandstein ist von bröseliger Natur, und man kann nie so genau sagen, wie lange er hält. Der Fels kann gut und gerne noch 200 Jahre da stehen, er kann aber auch schon in zwei Monaten runter kommen. Und wenn man um die Probleme weiß, dann wäre es unverantwortlich, nichts zu tun. Gott sei Dank weiß man aber in den meisten Fällen nicht um die Probleme, sonst wäre die Hälfte der Region schon gesperrt.

Fazit: die Bastei muss ihre Funktion als zentraler Kulminationspunkt des Massentourismus behalten. Deshalb sollte wirklich auf allen Kanälen zügig ausposaunt werden, dass die „Bild“ hier sinnlos die Pferde scheu macht und von der Sperrung weder die Aussichten noch der Erlebnisfaktor eines Basteibesuches betroffen sind.

Update, 6.2.2017: Mittlerweile berichten auch andere Medien zu dem Thema. Leider alle, auch die “seriösen” unter der Überschrift “Basteiaussicht bleibt für immer gesperrt”. So ein Unsinn. Nochmal: 10 Meter werden gesperrt, an Ausblicken geht gar nichts verloren. Es graus die Sau.

...

t-onlinie zum Thema
http://www.t-online.de/reisen/deutschlan...r-immer-zu.html

Bernd



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