#1

Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 21:19
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Da auch mit den Ereignissen vom 17. Juni 1953 verbunden moechte ich einmal den Fall Erna Dorn zur Diskussion stellen. Diese Frau tritt zum ersten mal als Naziopfer politisch in Erscheinung behaupted aber Jahre spaeter "SS Kommandeuse" gewesen zu sein, etwas was nachweislich unmoeglich war. Diese anscheinend voellig verwirrte Person wurde vom SED Regime zum Suendenbock fuer die Ereignisse des 17. Juni erklaert und konsequenterweise hingerichtet.


http://www.17juni53.de/tote/dorn.html
http://www.zeit.de/2003/25/A-Dorn
http://de.wikipedia.org/wiki/Erna_Dorn

Das Urteil gegen sie wurde nach der Wende aufgehoben.


zuletzt bearbeitet 17.06.2013 21:21 | nach oben springen

#2

RE: Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 21:32
von damals wars | 12.177 Beiträge

Wieso sollte es nicht möglich gewesen sein:

http://www.booklooker.de/B%FCcher/Charlo...02444ac589dacc6


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#3

RE: Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 21:49
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #2
Wieso sollte es nicht möglich gewesen sein:

http://www.booklooker.de/B%FCcher/Charlo...02444ac589dacc6



Weil das schon eine andere Frau war gegen die Erna Dorn haette aussagen sollen vor Gericht. Allerdings hat sie sich davor gedrueckt indem sie zwei Schwangerschaften vortaeuschte.


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#4

RE: Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 05.10.2013 14:15
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Da hab ich auch noch etwas zum Thema gefunden.

Rätselhafte Frau starb vor 60 Jahren

"Todesurteile und ihre Verschleierung gehörten zum Ins-trumentarium der SED", sagt die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Birgit Neumann-Becker. "Sie festigten die Macht, erstickten Widerstand im Keim, erzeugten Angst und Schrecken und sorgten für Ruhe nicht nur bei den sogenannten Provokateuren. Sie sorgten ebenso für Ruhe und Gefolgschaft bei der Justiz und in der Partei", so die Landesbeauftragte."

Zum ganzen Beitrag: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa...-60-Jahren.html


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#5

RE: Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 05.10.2013 18:13
von ABV | 4.202 Beiträge

Die einzige Quelle für das Leben der Erna Dorn ist die 1949 bis 1953 in Halle angelegte Gerichtsakte.

Danach wurde sie 1911 als Tochter des kaufmännischen Angestellten Arthur Kaminsky in Tilsit geboren. Sie besuchte die höhere Mädchenschule und machte eine Ausbildung in der Industrie- und Handelskammer Königsberg.

Ab 1932 arbeitete sie im Polizeipräsidium Königsberg, ob als Stenotypistin oder Polizeiassistentin ist ungeklärt. Von Ende 1934 oder Anfang 1935 war sie bis 1941 für die Gestapo tätig, danach wurde sie zur politischen Abteilung ins KZ Ravensbrück beordert.

Ab dem Jahr 1945 gibt es Dokumente, die Dorns Leben belegen. Ein vom 12. Mai 1945 datierter, gefälschter Entlassungsschein aus dem KZ Hertine wies sie als Erna Brüser, geborene Scheffler aus. Sie zog nach Kriegsende nach Halle und beantragte ihre Anerkennung als Verfolgte des Nazi-Regimes, was ihr das privilegierte Leben eines ehemaligen KZ-Häftlings ermöglichen sollte.

Im Dezember 1945 heiratete sie den Spanienkämpfer und angehenden Volkspolizeioffizier Max Gewald und führte ab März 1946 das Leben einer Hausfrau.

Im Jahr 1948 fand der Prozess gegen die berüchtigte KZ-Aufseherin und Hundeführerin Gertrud Rabestein in Halle statt. Dorn sollte als Zeugin aussagen, entzog sich aber zwei Jahre lang der Aufforderung, mit der Begründung schwanger zu sein. Ihre „Schwangerschaft“ ermöglichte ihr den Bezug von Sonderzuteilungen für Schwangere.

In der folgenden Zeit wurde sie bei diversen kleineren Wirtschaftsdelikten ertappt und 1949 zum ersten Mal inhaftiert. Im Januar 1950 wurde sie wegen Betrugs und Wirtschaftsvergehen zu elf Monaten Gefängnis verurteilt. Sie wurde aus der SED ausgeschlossen. Schon im Dezember 1949 wurde sie von ihrem Mann geschieden, der ihr untersagte, den Familiennamen zu führen.

Nur wenige Wochen in Freiheit, wurde sie im Januar 1951 erneut festgenommen und zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen Diebstahls verurteilt. Im November kam sie dank einer Amnestie frei, war aber schon im Dezember erneut in Haft.

In der Haft erzählte sie von einer angeblichen Agenten- und Spionagetätigkeit für den Westen und ihrer NS-Vergangenheit. Diese Prahlereien wurden von Spitzeln der neugegründeten Staatssicherheit gemeldet. In den folgenden Verhören bekräftigte Dorn ihre Geschichten und nannte als Hintermann und amerikanischen Geheimdienstoffizier ihren geschiedenen Mann.

Ihre immer vehementer vorgetragenen Selbstanschuldigungen führen schließlich zu einer Anklage wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Sie behauptete, Hundeführerin in Ravensbrück gewesen zu sein und habe mehrere Menschen von ihren Hunden zerfleischen lassen. Ihr Mann soll der Lagerkommandant Max Baer gewesen sein.

Trotz intensiver Bemühungen, vor allem des VVN, konnten keine Beweise für eine Nazivergangenheit von Dorn oder Gewald gefunden werden. Zeitweilig auftauchende Zeugen revidierten ihre Aussagen bei der ersten kritischen Nachfrage. Der echte Max Baer stand in der Bundesrepublik vor Gericht und die grausame Hundeführerin von Ravensbrück war jene Gertrud Rabestein, bei deren Prozess Dorn zwei Jahre zuvor hatte aussagen sollen. Trotz mangelnder Beweise sowie dem Unglauben des Vernehmers Leutnant Bischoff wurde sie am 21. Mai 1953 wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

In Halle war sie in der Strafvollzugsanstalt II inhaftiert und wurde dort am 17. Juni 1953 von den Aufständischen gegen sechzehn Uhr befreit. Nach eigener Aussage sei sie zur „Evangelischen Stadtmission“ im Weidenplan gegangen, um sich Zivilkleidung, etwas zu essen und eine Schlafmöglichkeit zu besorgen. Ob sie danach die Mission noch einmal verließ, ist ungeklärt.

Obwohl es keine Augenzeugen für ein Auftreten Dorns auf dem Hallmarkt gab und auch im anschließenden Prozess kein Zeuge zu diesem Thema aussagte, war sie spätestens am Mittag des 18. Juni wieder in Haft. Alle Berichte über die Handlungen Erna Dorns zwischen 16.00 Uhr und 21.00 Uhr beruhen ausschließlich auf ihren eigenen Aussagen, die sie im Verhör am 21. Juni beim Ministerium für Staatssicherheit zu Protokoll gebracht hat.

Nach einer dreieinhalbstündigen „Abendsitzung“ vor dem Bezirksgericht Halle, wurde sie ohne Zeugenvernehmung und unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 22. Juni 1953 zum Tode verurteilt. Ihr Gnadengesuch und das ihres Pflichtverteidigers an den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck wurden abgelehnt, weil sie als Haupträdelsführerin des Aufstandes in Halle galt.

Am 28. September wurde sie in das Dresdner Gefängnis am Münchner Platz verbracht, wo sie am 1. Oktober 1953 in der Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR hingerichtet wurde. Zur Geheimhaltung der Hinrichtung wurde im Bestattungsschein als Todesursache „Bronchopneumonie 431,acute“ [sic!] (Herz- und Kreislaufschwäche) angegeben und der Leichnam in Dresden-Tolkewitz eingeäschert.[3]
Prozesse und Verurteilungen

Der Fall wirft, auch nach Öffnung der Stasi-Archive, Rätsel auf, denn fast alles, was über diese Frau bekannt ist, stammt aus den Verhörprotokollen des Ministeriums für Staatssicherheit. Daher sind zumindest alle nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 verfassten Protokolle der bewussten Einflussnahme bzw. Fälschung verdächtig, da sie unter dem direkten Druck des Regimes entstanden, Kronzeugen für den angeblich faschistischen Charakter des Aufstandes zu finden.

Der Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erscheint ausschließlich in den für das Todesurteil nach dem Aufstand erstellten Akten auf. Keine Zeitung berichtet darüber. Zudem scheint das Urteil angesichts der damaligen DDR-Justiz-Praxis ungewöhnlich milde zu sein. Es muss also ernsthaft bezweifelt werden, ob diese erste Verurteilung als Naziverbrecherin überhaupt stattgefunden hat. Zumal sich Erna Dorn am 17. Juni noch immer in Untersuchungshaft in der Kleinen Steinstraße befand, was als verurteilte Kommandeuse kaum möglich gewesen wäre.

Am 21. Juni 1953 war der Aufstand bereits von russischen Panzern niedergeschlagen worden und die neue Justizministerin Hilde Benjamin verlangte exemplarische Todesurteile, die den faschistischen Hintergrund des Aufstandes beweisen sollten. Die Vernehmer wussten also schon im Vorhinein, was Erna Dorn aussagen musste. Und tatsächlich ist die Sprache dieser letzten Protokolle deutlich im Parteijargon abgefasst, nicht in der aus früheren Protokollen bekannten, etwas ungelenken Sprache der Dorn.

Der heutige Wissensstand lässt diesen letzten Prozess hingegen klar als Justizskandal und politisches Propagandaurteil erscheinen. Das Urteil wurde am 22. März 1994 posthum durch die Staatsanwaltschaft Halle wieder aufgehoben.

Quelle: Wikipedia


Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich zu DDR-Zeiten irgendwo gelesen, dass Erna Dorn von den "faschistischen Aufrührern", gemeint waren die demonstrierenden Arbeiter, gezielt befreit wurde. Wahrscheinlich sollte die angebliche Befreiung der Dorn ein Indiz dafür sein, dass irgend welche Nazis hinter den Vorfällen des 17. Juni 1953 standen.
Hier drängt sich der Verdacht auf, dass eine offenbar verwirrte Frau, gezielt als " Vorzeige-Nazi" missbraucht und abgeurteilt wurde. Um von dem wahren Charakter der Demonstrationen abzulenken.


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#6

RE: Der eigenartige Fall Erna Dorn

in DDR Staat und Regime 05.10.2013 18:30
von passport | 2.638 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #4
Da hab ich auch noch etwas zum Thema gefunden.

Rätselhafte Frau starb vor 60 Jahren

"Todesurteile und ihre Verschleierung gehörten zum Ins-trumentarium der SED", sagt die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Birgit Neumann-Becker. "Sie festigten die Macht, erstickten Widerstand im Keim, erzeugten Angst und Schrecken und sorgten für Ruhe nicht nur bei den sogenannten Provokateuren. Sie sorgten ebenso für Ruhe und Gefolgschaft bei der Justiz und in der Partei", so die Landesbeauftragte."Zum ganzen Beitrag: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa...-60-Jahren.html


So ein Unsinn ! Wenn die Todesurteile verschleiert und der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wird, wer oder was soll denn dann abgeschreckt werden. Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß ! Auch die Todesurteile Anfang der 80ziger Jahre gegen je einen MA des Mil-Nad und des MfS wurden den DE des MfS oder der Bevölkerung nicht mitgeteilt. Die Aussage dieses "Landesbeauftragten" enbehrt also jeder Grundlage. Kann mich nicht entsinnen das ich mit Angst und Schrecken meiner Tätigkeit nachgekommen bin.

passport


zuletzt bearbeitet 06.10.2013 22:13 | nach oben springen



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