#41

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 15:52
von Gelöschtes Mitglied
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@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Marienborn89 und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:06
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Wie war deine Antwort?


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#43

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:31
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.


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#44

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:35
von Gelöschtes Mitglied
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Schlicht und einfach: "Ich habe heute den Totengräber der Sowjetunion und des gesamten sozialistischen Lagers gesehen und gehört !"

Zur gleichen Zeit befand sich mein engster Vertrauter und bester Freund zum Studium an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Als er zurück kam, war er nicht mehr der Mitstreiter, den ich kannte. An der Person und der Politik Gorbatschows schieden sich auch unsere Ansichten grundlegend und die Freundschaft wurde indirekt auch ein Opfer des "Gezeichneten".
Ich persönlich verband große Hoffnungen mit Juri Andropow und seinen Kurs der Erneuerung auch im Führungszirkel der KPdSU nach den Jahren der Stagnation unter Leonid Breshnew. Leider ließ sein Alter und sein sich zunehmend verschlechternder Gesundheitszustand es nicht zu, diesen eingeschlagenen Weg fortzuführen.

Ich weiß, dass sich auch hier im Forum die Geister scheiden, wenn es um die Bewertung der Person und der Politik Gotbatschows geht.

Vierkrug


Marienborn89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#45

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:39
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #44
Schlicht und einfach: "Ich habe heute den Totengräber der Sowjetunion und des gesamten sozialistischen Lagers gesehen und gehört !"

Zur gleichen Zeit befand sich mein engster Vertrauter und bester Freund zum Studium an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Als er zurück kam, war er nicht mehr der Mitstreiter, den ich kannte. An der Person und der Politik Gorbatschows schieden sich auch unsere Ansichten grundlegend und die Freundschaft wurde indirekt auch ein Opfer des "Gezeichneten".
Ich persönlich verband große Hoffnungen mit Juri Andropow und seinen Kurs der Erneuerung auch im Führungszirkel der KPdSU nach den Jahren der Stagnation unter Leonid Breshnew. Leider ließ sein Alter und sein sich zunehmend verschlechternder Gesundheitszustand es nicht zu, diesen eingeschlagenen Weg fortzuführen.

Ich weiß, dass sich auch hier im Forum die Geister scheiden, wenn es um die Bewertung der Person und der Politik Gotbatschows geht.

Vierkrug



So wie ich dich kennengelernt habe, war das die erwartete Antwort.Gleiche Meinung


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#46

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:48
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 16.06.2013 16:51 | nach oben springen

#47

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:54
von Moskwitschka (gelöscht)
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Lieber Vierkrug,

ich freue mich Dich zu sehen und zu lesen.

Glasnost und Perestroika waren und sind doch im Grunde "Schlagworte" aus dieser Zeit. Die wenigsten konnten sie doch einordnen. Wie denn auch, wenn hier in Deutschland ob nun in Ost oder West die wenigsten die Möglichkeit hatten, sich mit der Materie tiefer zu beschäftigen.

Meine Kritik richtet sich in erster Linie an die mangelnde Bereitschaft in der DDR sich offen dieser Auseinandersetzung zu stellen. Und wieder ist es das Misstrauen gegenüber den Menschen, denen man Informationen vorenthalten hat. Du hast es doch selbst beschrieben. In der aktuellen Kamera wurden in der Berichterstattung ganz andere Schwerpunkte gesetzt.

Und weil wir gerade dabei sind. Ich sitze immer fassungslos vor dem Fernsehgerät, wenn die Szene mit Gorbatschow am 5.10.1989 in Berlin eingeblendet wird: "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." - und was daraus gemacht wurde.

Über Gorbatschow kann man im nach hinein gut philosphieren. Im Grunde geht es um die Frage des Weges zum Sozialismus, die die Linken seit 100 Jahren spaltet. Und da bin ich linke Sozialdemokratin. Bitte nicht zu verwechseln mit der heutigen SPD.

LG von der grenzgaengerin


Pitti53 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#48

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 16:58
von Marienborn89 | 885 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #41

Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.


Was hat Gorbatschow in den Passagen denn ungefähr gesagt?


Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker,
das alles sind rein vergebliche Werke;
denn meine Gedanken zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei: die Gedanken sind frei
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#49

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 17:48
von Gelöschtes Mitglied
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@grenzgängerin, ich freue mich ebenso auf die Weiterführung des Dialoges zwischen der linken Sozialdemokratin und des unverbesserlichen Kommunisten. Und eigentlich ist auch hier schon der Hase im Pfeffer begraben, in den unterschiedlichen Auffassungen und Vorstellungen hinsichtlich des Weges zum Sozialismus. Nun bin ich weiß Gott kein Dogmatiker und bin auch für Veränderungen zugänglich.
Das die damalige DDR-Führung den von Gorbatschow beschrittenen Weg nicht guthieß oder gar bereit war mitzugehen, verstehe ich nicht nur aus heutiger Sicht. Man hatte hinreichend Erfahrungen, aber bedauerlicherweise keine eigenen Wege und Lösungen, um sich gegenüber dem eigenem Volk zu öffnen und auch in der DDR erforderliche Reformen unter Beachtung der nationalen Besonderheiten anzugehen. Zu sehr saßen noch die Wirkungen und Auswirkungen des 17. Juni 1953 in Mark und Knochen. Man analysierte zwar die Entwicklungen 1968 in der CSSR richtig - man verfolgte mit einer nicht unberechtigten Skepsis die Entwicklungen im Nachbarland Polen, aber zu mehr war man nicht bereit und willens. Es gab genügend Chancen und Möglichkeiten, den Weg zum Volk wieder zurück zu finden. Aber mit Abgrenzung und Einigelungstaktik nicht machbar. Die schlimmste Zeit, waren für mich die Monate der Sprachlosigkeit - die Zeit wo Honecker auf der Bukarester Beratung erkrankte bis zum September 1989. Verschenkte Zeit, wo man nicht nur in der Partei darauf wartete, wo wollen wir hin, welchen Weg beschreiten wir.
Da war Gorbatschow uns mit seiner Perestroika und Glasnost propagandistisch weit voraus.
Als ein richtiges Signal hätten u.a. unsere Menschen es verstanden, wenn dieses "unrühmliche Wahlergebnis" der Kommunalwahlen vom Mai 1989 in den Abendstunden durch den Leiter der Zentralen Wahlkommission der DDR annulliert worden wäre. Es wäre ein Signal gewesen.

Ich spekuliere und philosohiere auch nicht mehr über die Person Gorbatschow. Das ist er in meinen Augen auch nicht wert. Er hat in jeder Hinsicht sein Scherflein mit Hilfe des "ehemaligen Klassenfeindes" ins Trockene - den ehemaligen Sowjetbürgern hat es in der überwiegenden Mehrheit Not und Elend gebracht. Sie kämpfen ums nackte Überleben von Brest bis Wladiwostok - von Murmansk bis Krasnodar.

Ich gehe sogar einen Schritt weiter - zurück in die Geschichte - die Zeit nach dem 2. Weltkrieg in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Und da befinden wir uns wieder liebe @grenzgängerin, Du und ich, wieder am Ausgangspunkt unserer Positionen. Ich stelle mir immer wieder die Frage, war die Vereinigung von KPD und SPD zur SED, die ja auch vom großem Bruder eingefordert und inszeniert wurde, zum damaligem Zeitpunkt richtig. Einheitsfront ja, als Lehre aus dem Kampf gegen den Faschismus. Aber Vereinigung ??? Das bedeutete letztendlich auch die Vereinigung von kommunistischen und sozialdemokratischen Theorien und unterschiedlichem Gedankengut in der neuen Partei. Wie diese Fragen dann gelöst wurden, das steht auf einem anderem Blatt Papier und würde auch den Rahmen dieses Threades sprengen.

Schon das gemeinsame Positionspapier von SPD und SED barg jede Menge Zündstoff, nur haben die Wenigsten davon Kenntnis genommen.

Wir könnten hier einen Streit der Ideologien führen, der aber letztendlich zu keinem sichtbarem Ergebnis führen würde. Nach meiner persönlichen Ansicht wurden viel sich bietende Gelegenheiten verpasst, um notwendige Reformen anzugehen. Jetzt ist der Zug abgefahren und man erkennt auch seine Rücklichter nicht mehr.

Vierkrug

@Marienborn89 - wen interessieren heute noch diese Passagen ??? Die Geschichte hat ihre Ergebnisse.


passport, Pitti53 und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.06.2013 17:51 | nach oben springen

#50

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 18:05
von Moskwitschka (gelöscht)
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Warum sollte ich mit Dir streiten, Vierkrug? Du hast mir doch aus der Seele geschrieben.

Suchen wir uns doch ein aktuelles Thema. Parteitag der LINKEN in Dresden?

LG von der grenzgaengerin


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#51

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 18:28
von Gelöschtes Mitglied
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Streit hast Du schon richtig verstanden - besser gesagt eine sachliche Diskussion. Ja dieser Parteitag, den wird man noch ein wenig analysieren müssen. Momentan beschäftige ich mich aber mit der Geschichte der FDJ und der JHS und da sind die grauen Zellen ganz schön gefordert. Aber Du kennst ja den Spruch - Wer die Vergangenheit .........Die persönlichen Archive sind geöffnet und man ist immer wieder erstaunt, was man als "Jäger & Sammler" noch so aufgehoben hat.

LG Vierkrug


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#52

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 18:50
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #46
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


rot mark. ja die SU war damals schon zu einer Gerontokratie verkommen, ihre Führer starben weg wie die Fliegen, praktisch im Quartalsrythmus, ich kann mich noch gut an die TV Bilder erinnern, es hatte schon etwas komisches an sich, wenn wieder einmal die Leichenzüge über den roten Platz liefen.
Gorbatschow war damals Mitte 50 und das war meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger. Er hat mich nicht enttäuscht und das ganze kommunistische, reaktionäre Gesindel hatte endgültig nach rund 70 Jahren verspielt, ohen dass ein Krieg notwendig war. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir sollten in Deutschland ihm ein Denkmal bauen wenn er nicht mehr lebt.



edit fähler


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 16.06.2013 18:51 | nach oben springen

#53

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 18:56
von Marienborn89 | 885 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #49

@Marienborn89 - wen interessieren heute noch diese Passagen ??? Die Geschichte hat ihre Ergebnisse.



Mich! Ich befasse mich mit historischen Quellen und hier speziell mit den Medien der DDR. Wenn die Aktuelle Kamera die Antrittsrede Gorbatschows verzerrt wiedergibt, dann ist das für mich ein Grund dem nachzugehen. Ich will wissen: Wieso hat die Geschichte diese Ergebnisse?


Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker,
das alles sind rein vergebliche Werke;
denn meine Gedanken zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei: die Gedanken sind frei
zuletzt bearbeitet 16.06.2013 19:01 | nach oben springen

#54

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 16.06.2013 19:10
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #52
Zitat von Vierkrug im Beitrag #46
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


rot mark. ja die SU war damals schon zu einer Gerontokratie verkommen, ihre Führer starben weg wie die Fliegen, praktisch im Quartalsrythmus, ich kann mich noch gut an die TV Bilder erinnern, es hatte schon etwas komisches an sich, wenn wieder einmal die Leichenzüge über den roten Platz liefen.
Gorbatschow war damals Mitte 50 und das war meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger. Er hat mich nicht enttäuscht und das ganze kommunistische, reaktionäre Gesindel hatte endgültig nach rund 70 Jahren verspielt, ohen dass ein Krieg notwendig war. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir sollten in Deutschland ihm ein Denkmal bauen wenn er nicht mehr lebt.



edit fähler


Gert, Deine diesbezüglich Beifallsbekundungen kann ich aus Deiner Perspektive nachvollziehen. Dann beginne schon einmal für das Denkmal in der Kö zu sammmeln. Ich glaube nicht, dass dieses mit Steuermitteln erbaut wird.

Vierkrug


Pitti53 und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#55

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 08:50
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Marienborn89 im Beitrag #48

Was hat Gorbatschow in den Passagen denn ungefähr gesagt?



Hallo Marienborn,

"mit ungefähr gesagt" kommst Du an der Stelle nicht weiter. Da wirst Du wohl die Rede in der Gesamtheit lesen müssen. Und dann am besten eine Veröffentlichung aus der damaligen Sowjetunion:

http://www.zvab.com/displayBookDetails.d...d=200062742&b=1

Hier das Programm der KPdSU verabschiedet vom XXVII. Parteitag im Februar 1986 - jedoch in Englisch

http://ia700308.us.archive.org/33/items/...d-Document1.pdf

LG von der grenzgaengerin


EDIT Tippfehler


Marienborn89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 17.06.2013 09:15 | nach oben springen

#56

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 09:02
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #54
Zitat von Gert im Beitrag #52
Zitat von Vierkrug im Beitrag #46
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


rot mark. ja die SU war damals schon zu einer Gerontokratie verkommen, ihre Führer starben weg wie die Fliegen, praktisch im Quartalsrythmus, ich kann mich noch gut an die TV Bilder erinnern, es hatte schon etwas komisches an sich, wenn wieder einmal die Leichenzüge über den roten Platz liefen.
Gorbatschow war damals Mitte 50 und das war meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger. Er hat mich nicht enttäuscht und das ganze kommunistische, reaktionäre Gesindel hatte endgültig nach rund 70 Jahren verspielt, ohen dass ein Krieg notwendig war. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir sollten in Deutschland ihm ein Denkmal bauen wenn er nicht mehr lebt.



edit fähler


Gert, Deine diesbezüglich Beifallsbekundungen kann ich aus Deiner Perspektive nachvollziehen. Dann beginne schon einmal für das Denkmal in der Kö zu sammmeln. Ich glaube nicht, dass dieses mit Steuermitteln erbaut wird.

Vierkrug



Glauben ist nicht Wissen, ich denke die politische Konstellation ist derzeit positiv für eine solche Massnahme. Aber selbst wenn es beim Ableben Gorbis nicht so ist, werden sich genug Sponsoren für diese Aktion finden auch in den neuen Bundesländern, denn dort vor allem werden sich eine Menge Menschen daran erinnern, das sie ihm ihre Befreiung zu verdanken haben. Einen Standort sollte man auf der Linie der Berliner Mauer finden, denn dort passt es am Besten.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#57

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 09:32
von Marienborn89 | 885 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #55
Zitat von Marienborn89 im Beitrag #48

Was hat Gorbatschow in den Passagen denn ungefähr gesagt?



Hallo Marienborn,

"mit ungefähr gesagt" kommst Du an der Stelle nicht weiter. Da wirst Du wohl die Rede in der Gesamtheit lesen müssen. Und dann am besten eine Veröffentlichung aus der damaligen Sowjetunion:

http://www.zvab.com/displayBookDetails.d...d=200062742&b=1

Hier das Programm der KPdSU verabschiedet vom XXVII. Parteitag im Februar 1986 - jedoch in Englisch

http://ia700308.us.archive.org/33/items/...d-Document1.pdf

LG von der grenzgaengerin


EDIT Tippfehler



Klar, die ganze Rede wäre optimal. Vielen Dank für den Tip! Hab die Schrift in der Uni-Bib gefunden und werde reinschauen. Ebenso vielen Dank für das Parteiprogramm!


Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker,
das alles sind rein vergebliche Werke;
denn meine Gedanken zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei: die Gedanken sind frei
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#58

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 10:38
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #56
Zitat von Vierkrug im Beitrag #54
Zitat von Gert im Beitrag #52
Zitat von Vierkrug im Beitrag #46
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


rot mark. ja die SU war damals schon zu einer Gerontokratie verkommen, ihre Führer starben weg wie die Fliegen, praktisch im Quartalsrythmus, ich kann mich noch gut an die TV Bilder erinnern, es hatte schon etwas komisches an sich, wenn wieder einmal die Leichenzüge über den roten Platz liefen.
Gorbatschow war damals Mitte 50 und das war meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger. Er hat mich nicht enttäuscht und das ganze kommunistische, reaktionäre Gesindel hatte endgültig nach rund 70 Jahren verspielt, ohen dass ein Krieg notwendig war. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir sollten in Deutschland ihm ein Denkmal bauen wenn er nicht mehr lebt.



edit fähler


Gert, Deine diesbezüglich Beifallsbekundungen kann ich aus Deiner Perspektive nachvollziehen. Dann beginne schon einmal für das Denkmal in der Kö zu sammmeln. Ich glaube nicht, dass dieses mit Steuermitteln erbaut wird.

Vierkrug



Glauben ist nicht Wissen, ich denke die politische Konstellation ist derzeit positiv für eine solche Massnahme. Aber selbst wenn es beim Ableben Gorbis nicht so ist, werden sich genug Sponsoren für diese Aktion finden auch in den neuen Bundesländern, denn dort vor allem werden sich eine Menge Menschen daran erinnern, das sie ihm ihre Befreiung zu verdanken haben. Einen Standort sollte man auf der Linie der Berliner Mauer finden, denn dort passt es am Besten.






Gert, ich habe sogar schon einen möglichen Hauptsponsor ausgemacht, sein Busenfreund Chelmut !!! Hat der nicht auch schon eine Stiftung, wie sein Freund Michail ??? Ein gemeinsames Denkmal im Kaukasus wäre auch überlegenswert, denn dort wurde die deutsche Einheit ausgehandelt und eine Männerfreundschaft nahm ihren Anfang.

Vierkrug


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#59

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 11:41
von Lebensläufer | 1.235 Beiträge

Siehe Buschgespenst mit:

"Gorbatschow ist im März 1985 Generalsekretär geworden, zu deiner Erinnerung", Lebensläufer.

Ja genau und in der 1985ziger Maiausgabe vom Sputnik ist er drin. Gleich auf Seite 2 mit "Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Aus der Biographie des Generalsekretärs des ZK der KPdSU, M.S.Gorbatschow

Lebensläufer


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#60

RE: Glasnost und Perestroika in den Medien / im Alltag der DDR

in DDR Staat und Regime 17.06.2013 18:12
von PF75 | 3.294 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #56
Zitat von Vierkrug im Beitrag #54
Zitat von Gert im Beitrag #52
Zitat von Vierkrug im Beitrag #46
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #43
Zitat von Vierkrug im Beitrag #41
@grenzgängerin, ich empfehle Dir, dass Buch von Jegor Ligatschow zu lesen - dann werden Zusammenhänge auch für Dich sichtbarer. Jegor Ligatschow praktiziert hier Glasnost im Führungszirkel der KPdSU - benennt die Gründe und Ursachen, warum es zu dieser Entwicklung kam, schon weit vor der Gorbatschow-Ära.
Ich hatte mir den Tag "dienstfrei" genehmigt, wo Gorbatschow seine "Antrittsrede" auf dem Parteitag hielt - im DDR-Fernsehen wurde sie direkt übertragen. An manchen Passagen der Rede verschlug es auch dem sonst so routinierten Simultandolmetscher des DDR-Fernsehens die Sprache und er suchte krampfhaft nach einer anderen Wortwahl. Wer der russischen Sprache mächtig war, wußte, was Gorbatschow in diesen Passagen sagte.

Als meine Frau, sie war damals schon in einer höheren Parteifunktion tätig, nach Hause kam, hinterfragte sie mich sogleich zur Rede Gorbatschows. Ich gab ihr in groben Zügen den Inhalt wieder, wie auch die Passagen, wo sich unser Dolmetscher schwer tat, sie wortwörtlich zu übersetzen. Danach noch die Frage, wie ich diese Rede einschätze. Auch von mir bekam sie eine ehrliche Antwort. Es hat sich dann im Verlauf der Jahre bestätigt, was schon in der Rede erkennbar war.

In der Aktuellen Kamera wurde am Abend eine weitaus andere Berichterstattung zur Rede Gorbatschows vollzogen.

Vierkrug


Frage mich ob nach dieser Rede im Berliner Politbüro ungläubige Verwirrung einsetzte.
Der Halbgott verkündet die falsche Botschaft.



Die Rede versetzte das Politbüro in Berlin nicht in Verwirrung oder gar in Sprachlosigkeit - man war im erstem Moment wohl etwas irritiert, da Gorbatschow nicht zu ihren Favoriten zählte .
Die KPdSU-Führung stand nach den 3 Staatsbegräbnissen vor dem Dilemma, wen es aus der Riege der Apparatschiks auf diese Position setzen sollte. Michail Shuslow - die damalige graue Eminenz in der Parteiführung - hatten fast alle erwartet, aber dann lief man wieder Gefahr, dass nächste Staatsbegräbnis ins Auge zu fassen. So entschied man sich dann letztendlich für Gorbatschow, der zu diesem Zeitpunkt ja auch noch als Zögling von Juri Andropow galt

Aber soviel politischen Instinkt hatte die Berliner Altherrengarde, um zu wissen, was da aus Moskau auf sie zurollte.

Vierkrug


rot mark. ja die SU war damals schon zu einer Gerontokratie verkommen, ihre Führer starben weg wie die Fliegen, praktisch im Quartalsrythmus, ich kann mich noch gut an die TV Bilder erinnern, es hatte schon etwas komisches an sich, wenn wieder einmal die Leichenzüge über den roten Platz liefen.
Gorbatschow war damals Mitte 50 und das war meiner Meinung nach ein Hoffnungsträger. Er hat mich nicht enttäuscht und das ganze kommunistische, reaktionäre Gesindel hatte endgültig nach rund 70 Jahren verspielt, ohen dass ein Krieg notwendig war. Es war nur eine Frage der Zeit. Wir sollten in Deutschland ihm ein Denkmal bauen wenn er nicht mehr lebt.



edit fähler


Gert, Deine diesbezüglich Beifallsbekundungen kann ich aus Deiner Perspektive nachvollziehen. Dann beginne schon einmal für das Denkmal in der Kö zu sammmeln. Ich glaube nicht, dass dieses mit Steuermitteln erbaut wird.

Vierkrug



Glauben ist nicht Wissen, ich denke die politische Konstellation ist derzeit positiv für eine solche Massnahme. Aber selbst wenn es beim Ableben Gorbis nicht so ist, werden sich genug Sponsoren für diese Aktion finden auch in den neuen Bundesländern, denn dort vor allem werden sich eine Menge Menschen daran erinnern, das sie ihm ihre Befreiung zu verdanken haben. Einen Standort sollte man auf der Linie der Berliner Mauer finden, denn dort passt es am Besten.







Wen hat denn Gorbatschow von wem befreit ?


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