#581

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 16:05
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Ich hatte mit der VP keine Probleme, außer bei zwei Verkehrskontrollen, die jeweils einen kleinen Geldbetrag kosteten.
Daran war aber nicht die Partei Schuld, sondern ich selbst.

Auch sonst hatte ich nie den Eindruck, daß die Polizei nicht für den Bürger da war. Ich habe sie allgemein korrekt und höflich erlebt.
Wenn sie dann im Zusammenhang mit Demos und Krawallen etwas grober zupackte, war das Befehl.
Es waren eben Uniformträger mit allen daraus resultierenden Verpflichtungen.
Die wenigsten Grünen werden aus eigenem Antrieb zum Knüppel gegriffen haben.

Im Alltag haben die Kameraden sich allgemein im Hintergrund gehalten, aber sie waren da, wenn man sie brauchte. Wovon heute leider
nur noch selten die Rede sein kann.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#582

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 19:37
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Na ja, so wirklich richtig kann ich aus dem Nachherein nicht wirklich bekunden, dass die Polizei in der DDR ein echter Freund und Helfer war.
Selbst wenn man ein profundes Problem zur Anzeige brachte oder bzgl. einer beruflichen Anfrage vorsprach, geriet man schon in die Tretmühle des sinnlosen Verdachts und nicht selten wurden die Schwachen und Alten der Gesellschaft behandelt wie der letzte Dreck.
Weshalb ich das hier kundtue? Nun, weil ich es selbst erlebt habe.
Als ich meine Berufsausbildung zum Finanzkaufmann bei der Staatsbank der DDR absolvierte und abschloss, fiel es auch in mein Resort, die wenigen Valuta-Mark (im Normalfall lumpige 15 DM pro Nase im Reisejahr) unter die Rentner zu bringen, die berechtigt waren, ins westliche Ausland zu reisen.
Was sich dort im Volkspolizeikreisamt abspielte, war das Allerletzte. Alte Menschen, die zum Teil noch den Ersten Weltkrieg erlebt hatten, wurden in einer Weise angeekelt und bedroht, die mit dem ach so humanen Credo der Volkspolizei im krassesten Widerspruch stand.
"Wehe, wenn wir erfahren, dass Sie mit Ihrem Reisepass in ein weiteres Land weiterreisen als in ihr polizeilich vorgegebenes Zielland. Dann werden wir dafür sorgen, dass sie nie wieder reisen dürfen und Ihr Reisepass wird sofort eingezogen!!!"
So in etwa lief das immer ab, wenn wir Staatsbänkler ein paar Pimperlinge unters Rentnervolk brachten.

Ein weiteres Beispiel: Mein Stiefvater – ein Musterbeispiel von Bürger, der sich nie etwas zu Schulden kommen ließ – wurde zur nächsten Polizeidienststelle beordert und ohne jegliche Nachfrage umgehend bezichtigt, mit einem Motorrad einen Heidenlärm in unserem Hausflur veranstaltet zu haben.
Das Dumme an der Sache war, dass mein Vater lebenslang weder ein Motorrad geschweige denn eine Fahrerlaubnis für solch ein Gefährt besaß.
Beinlich für eine allwissende Ordnungsmacht, oder?
Nichtsdestotrotz wurde mein Alter nach allen Regeln der Kunst bis hin zum Widerstand gegen die Staatsmacht völlig fertig gemacht bis rein zufällig unser Wohnungsnachbar im Revier erschien und als ehemaliger Polizist/Kampfgruppenkämpfer/sozialistische Persönlichkeit die aktiv uniformierte Bande nach und nach als Zeuge zur Raison bringen konnte.
Erstens hatten die "überschlauen" Volkspolizisten nicht gerafft, dass eine Beschwerde aus Haus Nummer 8 vorlag (wir wohnten in der 9) und mein Stiefvater nicht Heidrich sondern Heinrich hieß und laut Melderegister niemals Motorradbesitzer/fahrer sein konnte.

Noch ein Ding hinsichtlich DDR-Polizei als verständnisvoller Freund und Helfer …
Eines Tages wurde ich zur polizeilichen Meldestelle zitiert, um mir einen neuen Personalausweis ausstellen zu lassen – soweit, so gut; ich erhielt auch einen neuen PA.
Haargenau vier Wochen darauf wurde ich abermals zu besagter Stelle befohlen, um ein Antragsbrimborium bzgl. eines neuen Personaldokuments über mich ergehen zu lassen.
Als ich anhob, dass es sich um ein Missverständnis handeln müsse und auf meinen kürzlich neu ausgestellten und vorgelegten Ausweis hinwies, wurde ich zornig hinauskomplimentiert und oberdrein so hingestellt als ob ich am Fehlverhalten der die Staatsmacht repräsentierenden Polizei verantwortlich wäre.
Kein Wort der Entschuldung oder des Bedauerns. Nö, das hatten die grasgrün Uniformierten nicht nötig.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#583

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 19:49
von Schakal | 271 Beiträge

Auf jeden Fall hatte man - jedenfalls ich - noch etwas Respekt vor der Volkspolizei. Heute scheint es mir so, als wenn die Polizei nur noch auf Deeskalation ausgelegt ist. Ab und zu mal das Recht zu haben gleich etwas durchzugreifen, wäre nicht verkehrt.


--- Ex oriente lux.---
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#584

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 19:50
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

@HG19801,
diese Personen über die du berichtest, waren aber nicht im Streifendienst oder als Kriminalist tätig.
Die waren in der Amtsstube wie auch heute die Mitarbeiter der Ämter es sind.

Die Volkspolizisten, die dem Bürger in der Not auf der Straße geholfen haben, wenn diese Opfer einer Straftat geworden sind konnten kaum nachdenken, sondern handelten als Mensch sofort.
Ich hoffe du weißt wie ich das meine. Das ist auch heute nicht anders.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#585

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 20:11
von linamax | 2.020 Beiträge

Zitat von HG19801 im Beitrag #582
Na ja, so wirklich richtig kann ich aus dem Nachherein nicht wirklich bekunden, dass die Polizei in der DDR ein echter Freund und Helfer war.
Selbst wenn man ein profundes Problem zur Anzeige brachte oder bzgl. einer beruflichen Anfrage vorsprach, geriet man schon in die Tretmühle des sinnlosen Verdachts und nicht selten wurden die Schwachen und Alten der Gesellschaft behandelt wie der letzte Dreck.
Weshalb ich das hier kundtue? Nun, weil ich es selbst erlebt habe.
Als ich meine Berufsausbildung zum Finanzkaufmann bei der Staatsbank der DDR absolvierte und abschloss, fiel es auch in mein Resort, die wenigen Valuta-Mark (im Normalfall lumpige 15 DM pro Nase im Reisejahr) unter die Rentner zu bringen, die berechtigt waren, ins westliche Ausland zu reisen.
Was sich dort im Volkspolizeikreisamt abspielte, war das Allerletzte. Alte Menschen, die zum Teil noch den Ersten Weltkrieg erlebt hatten, wurden in einer Weise angeekelt und bedroht, die mit dem ach so humanen Credo der Volkspolizei im krassesten Widerspruch stand.
"Wehe, wenn wir erfahren, dass Sie mit Ihrem Reisepass in ein weiteres Land weiterreisen als in ihr polizeilich vorgegebenes Zielland. Dann werden wir dafür sorgen, dass sie nie wieder reisen dürfen und Ihr Reisepass wird sofort eingezogen!!!"
So in etwa lief das immer ab, wenn wir Staatsbänkler ein paar Pimperlinge unters Rentnervolk brachten.

Ein weiteres Beispiel: Mein Stiefvater – ein Musterbeispiel von Bürger, der sich nie etwas zu Schulden kommen ließ – wurde zur nächsten Polizeidienststelle beordert und ohne jegliche Nachfrage umgehend bezichtigt, mit einem Motorrad einen Heidenlärm in unserem Hausflur veranstaltet zu haben.
Das Dumme an der Sache war, dass mein Vater lebenslang weder ein Motorrad geschweige denn eine Fahrerlaubnis für solch ein Gefährt besaß.
Beinlich für eine allwissende Ordnungsmacht, oder?
Nichtsdestotrotz wurde mein Alter nach allen Regeln der Kunst bis hin zum Widerstand gegen die Staatsmacht völlig fertig gemacht bis rein zufällig unser Wohnungsnachbar im Revier erschien und als ehemaliger Polizist/Kampfgruppenkämpfer/sozialistische Persönlichkeit die aktiv uniformierte Bande nach und nach als Zeuge zur Raison bringen konnte.
Erstens hatten die "überschlauen" Volkspolizisten nicht gerafft, dass eine Beschwerde aus Haus Nummer 8 vorlag (wir wohnten in der 9) und mein Stiefvater nicht Heidrich sondern Heinrich hieß und laut Melderegister niemals Motorradbesitzer/fahrer sein konnte.

Noch ein Ding hinsichtlich DDR-Polizei als verständnisvoller Freund und Helfer …
Eines Tages wurde ich zur polizeilichen Meldestelle zitiert, um mir einen neuen Personalausweis ausstellen zu lassen – soweit, so gut; ich erhielt auch einen neuen PA.
Haargenau vier Wochen darauf wurde ich abermals zu besagter Stelle befohlen, um ein Antragsbrimborium bzgl. eines neuen Personaldokuments über mich ergehen zu lassen.
Als ich anhob, dass es sich um ein Missverständnis handeln müsse und auf meinen kürzlich neu ausgestellten und vorgelegten Ausweis hinwies, wurde ich zornig hinauskomplimentiert und oberdrein so hingestellt als ob ich am Fehlverhalten der die Staatsmacht repräsentierenden Polizei verantwortlich wäre.
Kein Wort der Entschuldung oder des Bedauerns. Nö, das hatten die grasgrün Uniformierten nicht nötig.

Hallo
Da könnte ich dir ein Beispiel bringen , wie sie meine Mutter behandelt haben , weil sie sich erlaubt hat eine Besuchsreise zu meiner Hochzeit 1972 in Frankfurt am Main zu beantragen . Sie wurde als Mutter eines Verbrechers betitelt . Und wo die Wende kam sind diese Leute übernommen wurden bei der Polizei . Nur so viel dazu die gute VP .


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#586

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 21:04
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Das Pass- und Meldewesen war auch Bestandteil der VP. Uns, dem @ABV , Fritze und mir ging es vielmehr um die Leute, die auf
der Straße mit der Kriminalitätsbekämfung betraut waren.
In Bruchteilen von Sekunden sich für das Richtige zu entscheiden und nicht am "grünen" Tisch zu beurteilen.
Dank des Forums konnte ich Uwe persönlich kennen lernen und wir tauschten uns per dienstlicher Mail aus. Ist doch was wert,
wenn ich heute noch den kurzen Dienstweg benutzen kann, wenn ich Hilfe in Frankfurt/Oder oder mit polnischen Straftätern zu tun habe, benötige.. Da habe ich einen persönlichen Ansprechpartner für mein Anliegen.
Das offizielle Auskunftsersuchen kann ja später folgen. Also trotzdem alles Rechtsstaatlich.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
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#587

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 21:26
von linamax | 2.020 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #586
Das Pass- und Meldewesen war auch Bestandteil der VP. Uns, dem @ABV , Fritze und mir ging es vielmehr um die Leute, die auf
der Straße mit der Kriminalitätsbekämfung betraut waren.
In Bruchteilen von Sekunden sich für das Richtige zu entscheiden und nicht am "grünen" Tisch zu beurteilen.
Dank des Forums konnte ich Uwe persönlich kennen lernen und wir tauschten uns per dienstlicher Mail aus. Ist doch was wert,
wenn ich heute noch den kurzen Dienstweg benutzen kann, wenn ich Hilfe in Frankfurt/Oder oder mit polnischen Straftätern zu tun habe, benötige.. Da habe ich einen persönlichen Ansprechpartner für mein Anliegen.
Das offizielle Auskunftsersuchen kann ja später folgen. Also trotzdem alles Rechtsstaatlich.

Das mag ja sein . Aber bei aller Liebe zu den heißen Brei wie immer ab wiegeln .


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#588

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 31.08.2015 21:36
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Ich wiegele hier nichts ab.
Vielleicht kann sich ja zu deinem Beitrag ein ehem. aus dem Pass-und Meldewesen der DDR äußern?
Ich war nicht dabei und möchte mich an Spekulationen nicht beteiligen..
Ob wir hier überhaupt einen User aus dem Bereich haben, ist mir nicht bekannt.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#589

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 00:20
von vs1400 | 2.393 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #580
Mich haben die Jahre nach der Wiedervereinigung auch mehr geprägt, als die Jahre zuvor. Meine Zeit bei der VP belief sich ja auf lediglich fünf Jahre, während ich jetzt bereits fast fünfundzwanzig Jahre ...

Außerdem sind Menschen normalerweise in der Lage dazuzulernen, umzudenken und umzukehren. ...

Gruß an alle
Uwe


hallo Uwe,
hättest du auch umgedacht, wenn man dich nicht übernommen hätte?
es gab ja prämissen, um bleiben zu dürfen.

gruß vs ... der sich den neuen gegebenheiten einfach anpasste.


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#590

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 10:16
von der alte Grenzgänger | 1.005 Beiträge

Interessante Diskussion - aber es riecht ganz schön nach Weihrauch...

In unserer damaligen geschlossenen Gesellschaft hat die offene oder geahnte Präsenz der VP sicher dazu beigetragen, dass manche Erscheinungen, deren Existenz wir heute bedauern, die das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen, nur sehr eingeschränkt feststellbar waren.
Ein paar Episoden fand ich damals dennoch nicht so doll..

Während meines Studiums in Magdeburg bin ich regelmäßig in der Nacht zum Montag, so halb drei, in MD angekommen und dann vom Bahnhof zu Fuß nach Sudenburg gelaufen (allein das würde ich heute auch nicht mehr machen)..
..ich konnte mich darauf verlassen, von einer Streife angeprochen zu werden und die Reisetasche öffnen und vorzeigen zu dürfen- einfach so, weil ich da lang lief und wahrscheinlich wie ein Verbrecher aussah (die Haare waren etwas länger..)
War einfach nervig ..

Eine andere Episode war etwa 1978, ich hatte an einem alten Antennemast auf meinem geplanten Abriss- aber dennoch Wohnhaus, rumgemacht- und der drohte auf die Straße zu stürzen, baumelte an einem Drahtseil vor der Hausfassade hin und her.
Damals kamen noch Schulkinder am Samstag vorbei..
Ich auf die Straße gestürzt und einen gerade präsenten Streifenpolizistren um Hilfe gebeten, dass er mal den Fußweg sichert, die Kinder auf die andere Straßenseite schickt...
Seine Antwort. Er hat jetzt Feierabend.. !!
In einer irren Aktion habe ich das trotzdem mit Hilfe meiner Frau hinbekommen- aber Freund und Helfer war erstmal durch...

Die absolute Härte war aber zur 1000- Jahr- Feier in Altenburg 1976... der Markt war rappeldicht von Jugendlichen, ich stand vor einer Kneipe, in der es ein Problem zwischen Jugendlichen, dem Wirt, und einem Hundeführer gegeben haben soll.
Das eskalierte stimmungsmäßig alles irgendwie und plötzlich kam schräg über den Platz ein LO rückwärts "gebraust" (schreibe ich extra so- denn da wurde nur sehr notdürftig eine Gasse durch BePos freigewunken).
Überfahren wurde letztlich keiner- aber für mich war es ein Schock, diese Rücksichtslosigkeit..
Zu allem Überfluss war einer der BePos ein ehem. Mitschüler (eine Klasse höher).. vorher immer alter RocknRoller- jetzt im Einsatz auch gegen mich... !!
Wir haben uns in die Augen gesehen- ich konnte nur sagen: "Mensch, Cäs...r, was machst Du denn hier ?"
Die Kneipe wurde dann sehr zügig geräumt ... ein paar Gäste wurden wohl anderenorts untergebracht..

Also, kurz: Den Freund und Helfer aus dem Kinderlied hat es wohl so nicht gegeben...

Siggi
(der nichts gegen Polizisten hat- nur nett müssen sie sein ...)


"Man rühmt und man schmäht die meisten Dinge, weil es Mode ist, sie zu rühmen oder sie zu schmähen"
La Rochefoucauld (1613 - 1680)
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#591

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 10:55
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Eine Sache die @der alte Grenzgänger beschrieb ist mir auch ab und an passiert.
Nämlich das Kontrollieren meiner Person durch eine VP Streife in der Nacht. Das aber "nur" wenn ich eine Reisetasche oder anderes bei hatte.
Besonders heikel war es mal als ich von einer Party nach Hause lief und in der Tasche waren Schallplatten und einen Plattenspieler hatte ich auch noch bei .....
Es kostete mich ziemlich viel Überzeugungsarbeit das die Polizisten nicht daran glaubten einen Dieb auf frischer Tat geschnappt zu haben und das alles mir gehört.


Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#592

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 11:54
von Klauspeter | 987 Beiträge

Eigentlich habe ich die Volkspolizei der DDR in guter Erinnerung. Vielleicht hatte ich Glück, weil ich fast nur vernünftige Leute kennengelernt habe.

An 3 kleine Episoden erinnere ich mich noch.

Ich wollte in Halle/S. vom damaligen Thälmann-Platz mit dem Trabbi in Richtung Philipp-Müller-Klubhaus. Meine 6jährige Tochter saß mit im Auto.
Plötzlich merkte ich, dass ich nach links abbiegen musste, aber in der falschen Spur war. Also über den geschlossenen weißen Trennstreifen in die linke Spur. Kaum war ich abgebogen, winkte mich ein Polizist rechts heran. "Bitte steigen Sie aus und folgen Sie mir!" Meine kleine Tochter griff nach meiner Hand und ich folgte dem Polizisten und dachte über die möglichen Konsequenzen nach. Wir liefen zum "Tatort" und er erklärte mir meinen Fehler und die möglichen Folgen. Ich rechnete schon mit einigen Stempeln oder gar Fahrerlaubnis-Entzug. "Also", sagte er dann, es tut mir richtig leid, aber ich muss Sie mit 3,-Mark gebührenpflichtig verwarnen." Ein Glücksgefühl durchzog mich. Am liebsten hätte ich ihm 2,- Mark Trinkgeld gegeben.

Eine andere Begegnung und wieder in Halle/S.
Ich wollte mit dem Trabbi vom Steintor zum Markt. Ich hätte links oder rechts abbiegen müssen, fuhr aber geradeaus direkt in eine stark befahrene Einbahnstraße. Und wie es der Teufel will kam von vorn ein VP-Wartburg. Es setzte sich langsam vor mein Auto und forderte mich auf langsam rückwärts zu fahren. Als ich aus der Einbahnstr. raus war, winkten die Polizisten mir zu und setzten ihre fahrt fort.

Zu einem 3.Erlebnis mit der TraPo. Unsere Studentengruppe war im Mai 1961 zu einem mehrtägigen Stadtbesuch in Berlin. In der voll besetzten-Bahn plötzlich Ausweis- und Taschenkontrollen. Mich erwischte es und ich musste meine Tasche öffnen. Der TraPo-Mensch kramte in meinen Unterhosen, Socken und Taschentücher. Unsere Mädchen kicherten und mein Freund zitierte aus Heines "Deutschland - ein Wintermärchen" .
Ich fühlte mich wie ein Bettnässer.

Klaus


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#593

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 12:00
von thomas 48 | 3.574 Beiträge

Erlebnis 3
versteh ich nicht.
Warum war damals Taschenkontrolle?


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#594

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 13:03
von Klauspeter | 987 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #593
Erlebnis 3
versteh ich nicht.
Warum war damals Taschenkontrolle?

Hallo Thomas,
der TraPo-Mensch hat keine Begründung gegeben. Aber im Mai 1961 war die Grenze zu Westberlin noch offen und er suchte sicherlich nach "Schmugglern". Egal, ich empfand die Prozedur als peinlich.
Klaus


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#595

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 13:44
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Um einst klarzustellen: Selbstverständlich war die Existenz der Polizei in der DDR notwendig und ich will nicht in Frage stellen, dass ohne das Wirken der Volkspolizei keine Verbrechen hätten aufgeklärt oder Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden können.

Freilich gab es unter den Angehörigen der VP solche und solche, ist doch normal.

… und Engagement gab's natürlich auch. Der Mann einer Arbeitskollegin meiner Mutter war bei den Weißen Mäusen. Die Wohnung seiner Familie lag an einer sehr verkehrsintensiven Kreuzung in Halle (Ecke Damaschkestr./Leninallee – heute Merseburger Str.) und immer wenn er während seines Feierabends aus dem Fenster sah und chaotische Verkehrszustände auf der Kreuzung feststellte, informierte er seine Dienststelle, schnappte sich seinen schwarzweiß gestreiften Stab und brachte Ordnung in den Trubel.
Es steht ganz außer Frage, dass solche Leute meiner Achtung sicher waren.

Es gab aber auch die anderen. Im Dorf, in dem ich aufwuchs gab es da zu Bleistift einen Verkehrspolizisten, der seinen Dienst im nahegelegenen Halle versah. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, im freizeitlichen Trainingsanzug im Heimatkaff Leute (besonders Kinder und Frühjugendliche) in widerlicher Weise anzumotzen, weil deren Fahrräder Mängel aufwiesen, wegen denen heutzutage kein Polizist es in Erwägung ziehen würde, den kleinen Finger zu rühren.
Eines Tages war ich zugegen als ein nachbarlicher Klassenkamerad diesem Gernegroß zum Opfer fiel, weil er zu wenig Druckluft auf dem Hinterreifen seines Tretesels hatte, um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.
Bis dahin hätte man ja der Sache mit sehr viel Wohlwollen noch folgen können, aber was folgte war einfach unter aller Sau.
Meinem Schulkollegen wurde befohlen sein Fahrrad per Hand nach Hause zu führen und dabei das Hinterrad wegen des ihm eigenen Unterdrucks in die Höhe zu halten.
Man kann sich vorstellen, was das alles für eine erniedrigende Prozedur war, die das Vertrauen in den Berufs/Beamtenstand des sozialistischen Volkspolizisten mitnichten beförderte.

… es gab dann später einen "rechtswidrigen" Racheakt in Form jeder Menge Tretminen – sprich Scheißhaufen – vorm Garagentor dieses im Dienst weißbemützten Laubfrosches, die er nur per Direktkontakt beseitigen konnte.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#596

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 13:51
von Schakal | 271 Beiträge

Ausweiskontrollen habe ich als Jugendlicher auch öfter über mich ergehen lassen müssen. Egal, ob es morgens aufem Alex , mittags auf`m Bahnhof Lichtenberg oder abends im Zug kurz vor Wismar war. Als alleinreisender männlicher Jugendlicher, war man immer irgendwie verdächtig.
Auch wenn ich nichts zu verbergen habe, aber da sind mir die heutigen Polizisten , die man nur von weitem vorbeifahren sieht, lieber.


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zuletzt bearbeitet 01.09.2015 19:16 | nach oben springen

#597

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 16:11
von thomas 48 | 3.574 Beiträge

Lest bitte mal
,,Historische Verbrechen,,
#209
25.8
Vergleicht mal den damaligen Leitsatz mit der Volkspolizei


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#598

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 16:51
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #586
Das Pass- und Meldewesen war auch Bestandteil der VP. Uns, dem @ABV , Fritze und mir ging es vielmehr um die Leute, die auf
der Straße mit der Kriminalitätsbekämfung betraut waren.
In Bruchteilen von Sekunden sich für das Richtige zu entscheiden und nicht am "grünen" Tisch zu beurteilen.
Dank des Forums konnte ich Uwe persönlich kennen lernen und wir tauschten uns per dienstlicher Mail aus. Ist doch was wert,
wenn ich heute noch den kurzen Dienstweg benutzen kann, wenn ich Hilfe in Frankfurt/Oder oder mit polnischen Straftätern zu tun habe, benötige.. Da habe ich einen persönlichen Ansprechpartner für mein Anliegen.
Das offizielle Auskunftsersuchen kann ja später folgen. Also trotzdem alles Rechtsstaatlich.



Genau so ist es! Die Polizisten auf der Straße, die eben richtige Polizeiarbeit leisten, konnten weder in der DDR noch heute bestehen, wenn sie sich die Bevölkerung zum Feind machen.
Die Polizei ist ebenso auf die Bevölkerung angewiesen, wie letztendlich die Bevölkerung auf die Polizei. Rücksichtslose Ganoven gab es bereits vor 1990, und, man glaubt es kaum, der Großteil von ihnen ist durch die Wiedervereinigung nicht zu einem besseren Menschen geworden. Eher im Gegenteil!
Was das Verhalten mancher Mitarbeiter der Abteilung PM angeht: auch da gab es sicher " solche und solche". Ich habe selbst erlebt, wie eine alte Dame, von einer blutjungen Oberwachtmeisterin in der Meldestelle angeraunzt wurde, " dass sie sich gefälligst zusammenreißen solle". Und das nur, weil die Frau einen Antrag nicht richtig ausgefüllt hatte. Einigen ist die "verliehene Macht" unzweifelhaft zu Kopf gestiegen.
So etwas gibt es heute auch noch. Im Gegensatz zu damals, hätte der jungen Mitarbeiterin eine saftige Dienstaufsichtsbeschwerde gedroht.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige bei der Ausgabe des Reisepasses an den Antragsteller, so etwas wie ein besonderes Sendungsbedürfnis verspürten. Das so etwas älteren Bürgern, die ja noch völlig andere Zeiten in Deutschland erlebt hatten, regelrecht weh tat, kann ich sehr gut nachvollziehen.
Solche Vorfälle gehören ebenso zum Bild der Volkspolizei, wie das des Kriminalisten, der Nächtelang auf Lauer lag, nur um einen gefährlichen Kinderschänder zu stellen. Oder das des Abschnittsbevollmächtigten, der bei der heimlichen Aufstellung des 1945 entfernten Denkmals Friedrich des Großens, in einem Dorf im Oderbruch, den "Verschwörern" nicht nur den Rücken frei hielt, sondern die Aktion später sogar " auf seine Kappe nahm".
Den Volkspolizisten hat es ohnehin nicht gegeben. So wie es heute nicht den demokratischen Polizisten gibt.
Auch Polizisten sind bekanntlich nur Menschen. Je größer diese spezielle Menschengruppe, desto vielfältiger erweisen sich deren Charaktere.
Pauschale Be / Verurteilungen ganzer Berufs oder Menschengruppen gingen mir schon immer auf den berühmten Keks. Hinter bloßen Pauschalisieren, egal in welche Richtung, verbirgt sich entweder Ahnungslosigkeit, Boshaftigkeit bis hin zum blanken Hass, oder einfach nur Dämlichkeit.
Hier, wie überall bei solchen oder ähnlichen die Vergangenheit betreffenden Themen, können nur möglichst viele Meinungen ein " verschieden farbiges Mosaik ergeben".
Die absolute Wahrheit kann ohnehin niemand ergründen. Dazu ist in den vierzig Jahren DDR viel zu viel passiert.

Viele Grüße an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#599

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 17:29
von polsam | 575 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #585
Hallo
Da könnte ich dir ein Beispiel bringen , wie sie meine Mutter behandelt haben , weil sie sich erlaubt hat eine Besuchsreise zu meiner Hochzeit 1972 in Frankfurt am Main zu beantragen . Sie wurde als Mutter eines Verbrechers betitelt . Und wo die Wende kam sind diese Leute übernommen wurden bei der Polizei . Nur so viel dazu die gute VP .



Die Leute, von denen du hier berichtest, sind jedenfalls bei uns nicht übernommen worden. Mir persönlich ist kein Polizeibeamter bekannt der bei PM war.
Viele Angehörige der Abteilung PM haben von sich aus das Dienstverhältnis beendet. Warum wird man heute nicht mehr erfahren, man kann es sich aber denken.
Etliche Zivielangestellte aber auch ein paar Uniformträger sind von der Stadt übernommen worden um das Meldewesen , welches mit der Wende zu den Städten und Kreisen wechselte, aufzubauen. Auch dort gab es dann noch Auflösungen von Dienstverhätnissen, weil beim Duchsehen der Akten
durch die Gauckbehörde etwas Belastendes gefunden wurde.


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zuletzt bearbeitet 01.09.2015 17:45 | nach oben springen

#600

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 01.09.2015 17:44
von Heckenhaus | 5.147 Beiträge

Es gab leider auch einige ehemalige "Genossen" bzw hier eine "Genossin", zuvor in der Zulassungs- und Führerscheinstelle
im VPKA Seelow, hinterher im Verkehrsamt. Die gute Frau hatte 1989/90 den Schuß anscheinend nicht gehört, wenn man
dann ihr Verhalten in den jungen Jahren der jetzt großen BRD betrachtet.
Hatte diese Dame in den 90-zigern häufig wiedergesehen, weil wir im Landratsamt arbeiteten, und es kamen keine guten
Erinnerungen an frühere Jahre hoch. Unfreundliches Benehmen ist noch geschönt umschrieben.


.
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— Aristoteles -

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