#541

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 10:32
von Vierkrug (gelöscht)
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@Hackel39 - die von Dir geschilderte Praxis bzw. Verfahrensweise, mag in einigen Bereichen der DR so stattgefunden haben. Kann ich aber aus dem eigenem familiären Umfeld nicht so bestätigen. Als ich meinen Schwiegervater 1975 kennen gelernt habe, war er bereits Leiter des Bw Saalfeld und "Raupenschlepper" (Reichsbahnoberrat). Das war er auch, bis zu seiner Pensionierung nach über 46 Jahren DR. Über die Höhe der Pension brauchen wir uns nicht verständigen - sie war erstaunlich für mich.

Im Bereich der Polizei fand diese "inflationäre Aufwertung" von Führungskräften zumindest im Bereich der BdVP Cottbus nicht statt, auch wenn es an dieser oder jener Stelle zaghafte Versuche im Ansatz gab. Das wurde von den Vertretern der GdVP (Gewerkschaft der Volkspolizei) verhindert, die ab Januar 1990 gleichberechtigt an Dienstberatungen der Dienststellen teilnahmen und bei solchen Vorhaben, die ja Beförderungen darstellten, ihre Zustimmung geben mußten. Sie besaßen ein Veto-Recht. Ohne Zustimmung seitens der Polizeigewerkschaft auch keine Beförderung.
Der damalige Innenminister der Noch-DDR, Peter-Michael Diestel unterstützte die Arbeit der neuen Personalvertretungen in Gestalt der Polizeigewerkschaft und sah in ihnen einen wichtigen Faktor im Umbauprozeß der damaligen Volkspolizei. Denn es galt Dienstzweige, die in DDR-Zeiten zur Deutschen Volkspolizei gehörten, wie die Berufs- und Werksfeuerwehren, den Betriebsschutz und andere auszugliedern bzw. in neue Verantworungsbereiche zu überführen, wie die Transportpolizei in die Bundespolizei. Diese Maßnahmen wurden seitens der Polizeigewerkschaft soweit wie möglich sozialverträglich begleitet, denn es mußten Hunderte von Polizisten, Feuerwehrleute u.a. durch die Auflösung von Dienststellen umgesetzt bzw. in neue Verantwortungsbereiche übergeleitet werden. Polizisten, die auf Grund des Alters und der Qualifikation keine Chancen im weiterem Polizeidienst mehr hatten, wurden in Abhängigkeit von den Dienstjahren und dem Lebensalter in die vorzeitige Berentung übergeleitet. Das war nicht immer einfach bei Polizisten, die über 25 Dienstjahre auf dem Buckel hatten und stieß auch oft auf Unverständnis und war emotional nicht nur mit Tränen begleitet. Wenn ich heute bei Besuchen, diesen oder jenen ehemaligen Polizisten bzw. Feuerwehrmann treffe, dann kommt oftmals die Bestätigung, dass es damals die richtige Entscheidung war.

Ein Wendepunkt im Umbau der Volkspolizei und der Vorbereitung der Überführung in die Länderpolizeien, war dann die Wiedereinführung der "alten" Polizeidienstgrade am 01.05.1990. In der Kriminalpolizei, wurde der Hauptwachtmeister der K u.a. der Kriminalhauptassistent und der Obermeister der K der Kriminalobersekretär. Der Hauptmann der K wurde demzufolge wieder der Kriminalhauptkommisssar (KHK). Der 1. KHK wurde erst später bei der Konstituierung der Länderpolizeien eingeführt. Wenn ich nicht richtig liege, so mögen mich die ehemaligen Polizisten berichtigen.
Wimre, dann wurden auch erst einmal die Schulterstücke der Volkspolizei beibehalten und dann später durch die Übergangsschulterstücke ersetzt. Diese Phase habe ich dann nicht mehr mitbestritten, wie auch andere Entwicklungen, die letztendlich meine persönliche Entscheidung, aus dem Polizeidienst auszuscheiden, bestätigten.
Ich habe dann nebenbei mitbekommen, dass zahlreiche Offiziere, trotz ihrer Abschlüsse in Aschersleben und Dresden Rückversetzungen in niedrigere Dienstlaufbahnen hinnehmen mußten, besonders in der Landespolizei Sachsen. So wurde ein ehemaliger stellv. Leiter eines BS-Amtes mit dem Dienstgrad Hauptkommissar, Absolvent der Hochschule in Dresden, in einem Polizeirevier Ostsachsens, als Polizeiobermeister im Polizeidienst weiterbeschäftigt. Mir sind zahlreiche weitere Rückstufungen bekannt, mit denen ehemalige Volkspolizisten zurechtkommen mußten. Von den ehemaligen Volkspolizisten hatte zu diesem Zeitpunkt keiner die Möglichkeit gehabt, u.a. die Polizeihochschulen in Münster oder in Hamburg zu besuchen bzw. zu absolvieren.
Aus diesem Umstand erkläre ich mir auch oftmals die Überheblichkeit und Arroganz der "Aufbauhelfer" aus dem westdeutschem Polizeidienst. Es kommen noch andere Faktoren hinzu - würde aber jetzt zu weit führen.
Das konnte man bei den Vertretern der GdP, voran mit deren Vorsitzenden Hermann Lutz ( wimre, auch ein KHK) nicht spüren. Es waren Begegnungen auf Augenhöhe, mit gegenseitiger Achtung und gebührendem Respekt. Das war auch die gemeinsame Basis für den Zusammenschluß von GdP und GdVP im Jahr 1990.
Ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück, da sie einerseits sehr einschneidend, aber auch sehr fordernd war und man durch sein Wirken, vielen Polizisten den Übergang in den vorgezogenen Ruhestand ermöglichen konnte.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 05.04.2015 13:44 | nach oben springen

#542

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 11:37
von turtle | 6.961 Beiträge

Da Ostern etwas mit Auferstehung zu tun hat. Lasse ich mal etwas aus der DDR auferstehen.


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#543

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 13:32
von Vierkrug (gelöscht)
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Ich habe so meine Probleme mit der Auferstehungstheorie. Sie ist auch laut führender Kirchenlehrer nicht erwiesen und letztendlich eine Glaubensfrage.

Aber zur Ehrennrettung der "Aufbauhelfer" aus dem westlichem Polizeidienst möchte ich auch anfügen, sie waren z.T. auch sehr lernfähig, was unsere Erfahrungen in der Polizeiarbeit anbetraf. Ich nehme hier das Beispiel des Einsatzes des Spülmittels "Fit" in der Kriminaltechnik zum Nachweis von verwischten, für das menschliche Auge nicht wahrnehmbaren Blutspuren. Die westlichen Kollegen staunten nicht schlecht über die Wirkung von "Fit", dass die Wirkung von Luminol wesentlich verstärkt und als Katalysator,die Intensität der Chemolumineszenz erhöht.
Mit dieser für sie neuen Erfahrung, wurden dann auch entsprechende Mengen dieses Spülmittels für die Kriminaltechnik erworben und auch im westlichem Teil Deutschlands zum Einsatz gebracht.
Zwischenzeitlich neue Untersuchungen belegen, dass auch das neue "Fit" über die entsprechenden Eigenschaften verfügt. So gesehen, ist es eine Form der "Auferstehung" der ehemaligen DDR in Gestalt eines Spülmittels.
@S51 wird dazu sicherlich Bezüge haben und @RudiEK89 noch aktuellere.

Vierkrug


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.04.2015 13:34 | nach oben springen

#544

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 15:47
von Gert | 12.354 Beiträge

@Vierkrug, ich habe mit Interesse deinen Post bezüglich der Konvertierung VP in die Bundespolizei gelesen. Ich finde, so wie du es beschrieben hast und wie ich es auch aus anderen Quellen gehört habe, sehr sozialverträglich und menschlich, wie man die VP Angehörigen eingegliedert, weiterbeschäftigt oder früh pensioniert hat. Das hat meine volle Zustimmung und findet auch hier bei den Westdeutschen "Eingeborenen" Zustimmung wenn man über so etwas mit ihnen spricht. Ein Frage drängt sich aber auf : wie wäre es gewesen, wenn es umgekehrt gelaufen wäre, hätte die SED nur einen Polizisten vom ehemaligen Klassenfeind weiterbeschäftigt?


.
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#545

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 15:57
von Alfred | 6.841 Beiträge

Gert,

auf die Polizei im Osten konnte man doch nicht auch noch verzichten. Da wäre die Öffentliche Ordnung endgültig zusammengebrochen.


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#546

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 16:12
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #544
@Vierkrug, ich habe mit Interesse deinen Post bezüglich der Konvertierung VP in die Bundespolizei gelesen. Ich finde, so wie du es beschrieben hast und wie ich es auch aus anderen Quellen gehört habe, sehr sozialverträglich und menschlich, wie man die VP Angehörigen eingegliedert, weiterbeschäftigt oder früh pensioniert hat. Das hat meine volle Zustimmung und findet auch hier bei den Westdeutschen "Eingeborenen" Zustimmung wenn man über so etwas mit ihnen spricht. Ein Frage drängt sich aber auf : wie wäre es gewesen, wenn es umgekehrt gelaufen wäre, hätte die SED nur einen Polizisten vom ehemaligen Klassenfeind weiterbeschäftigt?


Sicher nicht anders. Siehe nachfolgenden Beitrag von @Alfred

Aber müßig darüber zu spekulieren. Es kam eben anders


zuletzt bearbeitet 05.04.2015 16:13 | nach oben springen

#547

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 16:43
von Vierkrug (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #544
@Vierkrug, ich habe mit Interesse deinen Post bezüglich der Konvertierung VP in die Bundespolizei gelesen. Ich finde, so wie du es beschrieben hast und wie ich es auch aus anderen Quellen gehört habe, sehr sozialverträglich und menschlich, wie man die VP Angehörigen eingegliedert, weiterbeschäftigt oder früh pensioniert hat. Das hat meine volle Zustimmung und findet auch hier bei den Westdeutschen "Eingeborenen" Zustimmung wenn man über so etwas mit ihnen spricht. Ein Frage drängt sich aber auf : wie wäre es gewesen, wenn es umgekehrt gelaufen wäre, hätte die SED nur einen Polizisten vom ehemaligen Klassenfeind weiterbeschäftigt?


@Gert - über diese Frage wurde auch in den Gesprächen zwischen der GdP und der Noch-GdVP spekuliert. Ich betone spekuliert, denn sie erschien uns allen Beteiligten unrealstisch. Die Institution Polizei hatte durch die Teilung, auch unterschiedliche Entwicklungen in beiden deutschen Staaten genommen. In der BRD -alt- nach dem Förderalsimusprinzip in den jeweiligen Ländern aufgebaut und gegliedert, unparteilich und mit rein polizeilichen Aufgaben befasst. Das sah in der DDR schon ganz anders aus. Neben der Schutz- und Bereitschaftspolizei, der Kripo, gab es noch die Feuerwehr, die Transportpolizei, den Betriebsschutz u.a. Dienstzweige. Einige dieser Dienstzweige gab es in der Polizei der alten BRD nicht, wie z.B. die zuletzt Genannten. Auch unterschieden sich die Strukturen und Aufgabenstellungen.
In der DDR unterstanden alle Dienstzweige dem MdI (Ministerium des Innern), ab 1990 dem Innenministerium der DDR und wurden auch von ihm zentralisiert nach militärischen Prinzipien geführt.
Ich wäre "Moses", wenn ich Dir eine umfassende Antwort auf Deine Frage geben könnte. Ich kann es nicht. Auch wenn ich mir den Unmut einzelner User aus meinem ehemaligem Umfeld jetzt zuziehe, so antworte ich dennoch mit einem klarem "Nein". Auch wenn die Polizei ein wichtiger Garant / Faktor zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der inneren Ordnung und Sicherheit ist und auch in jedem Staatsgebilde bleiben wird. Alles andere ist wie
schon gesagt, spekulativ.

Vierkrug

Ergänzend - Die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie geht bei einem Sieg der proletarischen Revolution von der unabdingbaren Zerschlagung der alten Machtinstrumente, des alten Staatsapparates aus - dazu gehört auch die Polizei - aber nicht deren Bediensteten. Lenin sprach u.a. davon, das man sich ihres Wissens und Könnens bedienen muß.
Aber ist immer so ein Ding zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Theorie und Praxis. Und die m.-l. Theorie wurde nicht nur in der DDR in mehrerlei Hinsicht verbogen.


Gert, Hackel39, ABV und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.04.2015 17:01 | nach oben springen

#548

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 17:10
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #547

Zitat



@Gert - über diese Frage wurde auch in den Gesprächen zwischen der GdP und der Noch-GdVP spekuliert. Ich betone spekuliert, denn sie erschien uns allen Beteiligten unrealstisch. Die Institution Polizei hatte durch die Teilung, auch unterschiedliche Entwicklungen in beiden deutschen Staaten genommen. In der BRD -alt- nach dem Förderalsimusprinzip in den jeweiligen Ländern aufgebaut und gegliedert, unparteilich und mit rein polizeilichen Aufgaben befasst. Das sah in der DDR schon ganz anders aus. Neben der Schutz- und Bereitschaftspolizei, der Kripo, gab es noch die Feuerwehr, die Transportpolizei, den Betriebsschutz u.a. Dienstzweige. Einige dieser Dienstzweige gab es in der Polizei der alten BRD nicht, wie z.B. die zuletzt Genannten. Auch unterschieden sich die Strukturen und Aufgabenstellungen.
In der DDR unterstanden alle Dienstzweige dem MdI (Ministerium des Innern), ab 1990 dem Innenministerium der DDR und wurden auch von ihm zentralisiert nach militärischen Prinzipien geführt.
Ich wäre "Moses", wenn ich Dir eine umfassende Antwort auf Deine Frage geben könnte. Ich kann es nicht. Auch wenn ich mir den Unmut einzelner User aus meinem ehemaligem Umfeld jetzt zuziehe, so antworte ich dennoch mit einem klarem "Nein". Auch wenn die Polizei ein wichtiger Garant / Faktor zur Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der inneren Ordnung und Sicherheit ist und auch in jedem Staatsgebilde bleiben wird. Alles andere ist wie
schon gesagt, spekulativ.

Vierkrug

Ergänzend - Die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie geht bei einem Sieg der proletarischen Revolution von der unabdingbaren Zerschlagung der alten Machtinstrumente, des alten Staatsapparates aus - dazu gehört auch die Polizei - aber nicht derer Bediensteten. Lenin sprach u.a. davon, das man sich ihres Wissens und Könnens bedienen muß.
Aber ist immer so ein Ding zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Theorie und Praxis. Und die m.-l. Theorie wurde nicht nur in der DDR in mehrerlei Hinsicht verbogen.



rot mark. @Vierkrug , ich sehe es genauso, allein wenn man sich gedanklich auf den Stuhl eines SED Granden setzt um diese Frage zu beantworten. Die Polizei war aus der Sicht der SED nicht einfach Ordnungshüter im Staat sondern Machtinstrument zur Absicherung der Macht dieser Partei. Die rein polizeiliche Arbeit war dann eher ein Co Produkt, dass es mit zu erledigen gab. Im umgekehrten Fall wäre die Polizei kurze Zeit weiterbeschäftigt worden , bis eigene Kräfte installiert worden wären und dann hätte das marxistisch-leninistische Machtprinzip( dein Zitat)die alte Polizei komplett entlassen und aufgelöst. So würde ein solcher Konversionsvorgang aussehen. Glücklicherweise ist es nicht so gekommen. Ich wäre ganz sicher aus D ausgewandert, wenn Gesamtdeutschland nach DDR Masterpiece gestaltet worden wäre.
Schöne Ostertage noch Gruß vom Rhein, Gert


.
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#549

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 18:26
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #541
@Hackel39 - die von Dir geschilderte Praxis bzw. Verfahrensweise, mag in einigen Bereichen der DR so stattgefunden haben. Kann ich aber aus dem eigenem familiären Umfeld nicht so bestätigen. Als ich meinen Schwiegervater 1975 kennen gelernt habe, war er bereits Leiter des Bw Saalfeld und "Raupenschlepper" (Reichsbahnoberrat). Das war er auch, bis zu seiner Pensionierung nach über 46 Jahren DR. Über die Höhe der Pension brauchen wir uns nicht verständigen - sie war erstaunlich für mich.

Im Bereich der Polizei fand diese "inflationäre Aufwertung" von Führungskräften zumindest im Bereich der BdVP Cottbus nicht statt, auch wenn es an dieser oder jener Stelle zaghafte Versuche im Ansatz gab. Das wurde von den Vertretern der GdVP (Gewerkschaft der Volkspolizei) verhindert, die ab Januar 1990 gleichberechtigt an Dienstberatungen der Dienststellen teilnahmen und bei solchen Vorhaben, die ja Beförderungen darstellten, ihre Zustimmung geben mußten. Sie besaßen ein Veto-Recht. Ohne Zustimmung seitens der Polizeigewerkschaft auch keine Beförderung.
Der damalige Innenminister der Noch-DDR, Peter-Michael Diestel unterstützte die Arbeit der neuen Personalvertretungen in Gestalt der Polizeigewerkschaft und sah in ihnen einen wichtigen Faktor im Umbauprozeß der damaligen Volkspolizei. Denn es galt Dienstzweige, die in DDR-Zeiten zur Deutschen Volkspolizei gehörten, wie die Berufs- und Werksfeuerwehren, den Betriebsschutz und andere auszugliedern bzw. in neue Verantworungsbereiche zu überführen, wie die Transportpolizei in die Bundespolizei. Diese Maßnahmen wurden seitens der Polizeigewerkschaft soweit wie möglich sozialverträglich begleitet, denn es mußten Hunderte von Polizisten, Feuerwehrleute u.a. durch die Auflösung von Dienststellen umgesetzt bzw. in neue Verantwortungsbereiche übergeleitet werden. Polizisten, die auf Grund des Alters und der Qualifikation keine Chancen im weiterem Polizeidienst mehr hatten, wurden in Abhängigkeit von den Dienstjahren und dem Lebensalter in die vorzeitige Berentung übergeleitet. Das war nicht immer einfach bei Polizisten, die über 25 Dienstjahre auf dem Buckel hatten und stieß auch oft auf Unverständnis und war emotional nicht nur mit Tränen begleitet. Wenn ich heute bei Besuchen, diesen oder jenen ehemaligen Polizisten bzw. Feuerwehrmann treffe, dann kommt oftmals die Bestätigung, dass es damals die richtige Entscheidung war.

Ein Wendepunkt im Umbau der Volkspolizei und der Vorbereitung der Überführung in die Länderpolizeien, war dann die Wiedereinführung der "alten" Polizeidienstgrade am 01.05.1990. In der Kriminalpolizei, wurde der Hauptwachtmeister der K u.a. der Kriminalhauptassistent und der Obermeister der K der Kriminalobersekretär. Der Hauptmann der K wurde demzufolge wieder der Kriminalhauptkommisssar (KHK). Der 1. KHK wurde erst später bei der Konstituierung der Länderpolizeien eingeführt. Wenn ich nicht richtig liege, so mögen mich die ehemaligen Polizisten berichtigen.
Wimre, dann wurden auch erst einmal die Schulterstücke der Volkspolizei beibehalten und dann später durch die Übergangsschulterstücke ersetzt. Diese Phase habe ich dann nicht mehr mitbestritten, wie auch andere Entwicklungen, die letztendlich meine persönliche Entscheidung, aus dem Polizeidienst auszuscheiden, bestätigten.
Ich habe dann nebenbei mitbekommen, dass zahlreiche Offiziere, trotz ihrer Abschlüsse in Aschersleben und Dresden Rückversetzungen in niedrigere Dienstlaufbahnen hinnehmen mußten, besonders in der Landespolizei Sachsen. So wurde ein ehemaliger stellv. Leiter eines BS-Amtes mit dem Dienstgrad Hauptkommissar, Absolvent der Hochschule in Dresden, in einem Polizeirevier Ostsachsens, als Polizeiobermeister im Polizeidienst weiterbeschäftigt. Mir sind zahlreiche weitere Rückstufungen bekannt, mit denen ehemalige Volkspolizisten zurechtkommen mußten. Von den ehemaligen Volkspolizisten hatte zu diesem Zeitpunkt keiner die Möglichkeit gehabt, u.a. die Polizeihochschulen in Münster oder in Hamburg zu besuchen bzw. zu absolvieren.
Aus diesem Umstand erkläre ich mir auch oftmals die Überheblichkeit und Arroganz der "Aufbauhelfer" aus dem westdeutschem Polizeidienst. Es kommen noch andere Faktoren hinzu - würde aber jetzt zu weit führen.
Das konnte man bei den Vertretern der GdP, voran mit deren Vorsitzenden Hermann Lutz ( wimre, auch ein KHK) nicht spüren. Es waren Begegnungen auf Augenhöhe, mit gegenseitiger Achtung und gebührendem Respekt. Das war auch die gemeinsame Basis für den Zusammenschluß von GdP und GdVP im Jahr 1990.
Ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück, da sie einerseits sehr einschneidend, aber auch sehr fordernd war und man durch sein Wirken, vielen Polizisten den Übergang in den vorgezogenen Ruhestand ermöglichen konnte.

Vierkrug


Volle Zustimmung, mit Ausnahme des rotmarkierten. Übergangsschulterstücke gab, es zumindest in Brandenburg nicht. Die (Polizei)-Kommissare trugen also bis zur Einkleidung in die einheitliche Bundesdeutsche Polizeiuniform, weiter die Schulterstücke eines Leutnants. Es dauerte übrigens bis zum Frühjahr 1992, ehe alle Polizisten in Brandenburg neu eingekleidet werden konnten. Im Bereich der Polizeiwache Seelow erfolgte die Einkleidung im Januar 1992. Im Zuge der Einkleidung erhielten die Polizisten ihre zeitgemäßen Schulterstücken.
Die ersten neuen Streifenwagen, Marke " VW Passat", die Ausrüstung mit hochmodernen Funkgeräten, " Marke Motorolla" und die Umstellung das gesamten Funksystems, folgten im Verlauf des Sommers 1992.

Hier noch etwas zum Begriff Kommissar: bei dem Wort Kommissar denken viele sofort an einen Kriminalisten. Möglicherweise ist das ja der beliebten Krimiserie " Der Kommissar" aus den Siebzigerjahren geschuldet.
Natürlich gibt es bei der Kriminalpolizei Kommissare. Es gibt sie aber auch bei der Schutzpolizei. Kommissar ist nicht mehr und nicht weniger als die erste Rangstufe im " gehobenen Polizeidienst". Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass der " gehobene Dienst" überwiegend Führungsfunktionen wahrnimmt. Das hat sich heute jedoch geändert. Zwar werden Führungsfunktionen noch immer vom " gehobenen Dienst" bekleidet, es kommt aber auch immer häufiger vor, dass man beispielsweise einen Polizeioberkommissar im Streifendienst begegnet.
Gewisse Planstellen können sowohl von Polizeiobermeistern oder Hauptmeistern oder Polizei oder sogar Kriminalhauptkommissaren wahrgenommen werden. Mein direkter Vorgesetzter ist zum Beispiel ein " Erster Kriminalhauptkommissar", während ich "nur" Polizeihauptmeister bin. Andere Kollegen sind Polizeikommissar oder Kriminalhauptkommissar. Dennoch erledigen wir alle den selben Job!
In der VP wäre so etwas, außer dem ABV-Bereich, wo ein Hauptwachtmeister für eine Übergangsphase durchaus wie ein Hauptmann einen Abschnitt übernehmen konnte, kaum denkbar gewesen.
OK, bei der Kriminalpolizei gab es, neben den Offizieren, ebenfalls vereinzelte Wachtmeister-Planstellen. Das waren aber Ausnahmen. Zumeist handelte es sich dabei um Spezialisten, wie zum Fährtenhundeführer. Die Sachbearbeiter im VPKA Seelow waren alle samt Offiziere.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.04.2015 18:38 | nach oben springen

#550

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 18:50
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #545
Gert,

auf die Polizei im Osten konnte man doch nicht auch noch verzichten. Da wäre die Öffentliche Ordnung endgültig zusammengebrochen.


@Alfred, ich hatte in der Zeit der Wende nie den Eindruck, dass die öffentliche Ordnung irgendwie aus den Fugen geraten war und das trotzdem das MfS von da an in der Produktion tätig war. Die Polizei hat gut gewendet.


.
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#551

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 18:57
von Alfred | 6.841 Beiträge

Gert,

da kannst Du nun schrieben was Du möchtest.

In der Zeit um 1989 / bis Anfang der 90 iger Jahre herrschte im "Osten" im Bereich der Sicherheit ein gewisses Chaos um dies mal vorsichtig zu formulieren.


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#552

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 19:06
von ABV | 4.202 Beiträge

Die öffentliche Ordnung stand nach der Wiedervereinigung ganz knapp vor dem Zusammenbruch! Die " Neuen Bundesländer" wurden von einer beispiellosen Kriminalitätswelle geradezu überrollt.
Das ist keine Übertreibung, sondern eine Tatsache! Wir mussten uns quasi über Nacht, nicht nur mit bislang höchstens aus Filmen bekannten Formen von Kriminalität auseinandersetzen, sondern auch mit ausufernder Gewalt.
In Erkner erfuhr dieses im Januar 1992, ein Streifenpolizist am eigenen Leib. Die Kollegen wurden zu einer Sparkasse gerufen, weil dort die Alarmanlage ausgelöst hatte.
Wie gewohnt fuhren die Kollegen mit dem Streifenwagen direkt vor die Sparkasse. Sie stiegen dann aus dem Fahrzeug, mit der Absicht in der Sparkasse nach dem rechten zu sehen.
Dabei liefen die beiden arglosen Wachtmeister den Bankräubern direkt in die Arme. Einer eröffnete, aus einer Uzzi, sofort das Feuer auf einen der Polizisten. Von fünfzehn Kugeln!!!! getroffen, sank dieser zu Boden. Wie durch ein Wunder überlebte der Kollege die Aktion.
Zwischen 1991 und 1994 kam es noch zu vielen weiterer solcher oder ähnlicher Vorfälle.
Erwähnenswert, weil möglicherweise noch in diesem Jahr wieder aktuell, die Rechtsradikalen Ausschreitungen vor Asylbewerberunterkünften.
Noch ein Thema wären die vielen, vielen Verkehrsstraftaten. Zumeist aus einem völlig falschen Verständnis für Freiheit heraus begangen.
Ja, es gab tatsächlich nicht wenige Zeitgenossen welche der Meinung waren, dass solche Delikte wie " Fahren unter Alkohol", " Geschwindigkeitsverstöße", " Fahren ohne Führerschein" und so weiter, in einem " freiheitlichen Land wie die Bundesrepublik", keinem mehr interessieren würden.
Diese Idiotie mussten bedauernswerterweise damals sehr viele Menschen mit ihrem Leben oder ihrer Gesundheit bezahlen.
Einige von den nach Brandenburg beorderten " Westpolizisten" haben stets mit größtem Respekt von ihren "Ostkollegen" gesprochen und zum Ausdruck gebracht, " dass ein "Westbeamter" unter diesen Umständen keinen Dienst verrichten würde.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#553

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 19:37
von Vierkrug (gelöscht)
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@ABV - Uwe danke für die Information bezüglich der Übergangsschulterstücke, wie auch der anderen Informationen.

Jetzt einmal OT in eigener Sache.
Mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Hauptinitiator zur Gründung der GdVP im damaligem Verantwortungsbereich der BdVP Cottbus, Andreas Schuster auch heute dem Landesbezirksvorstand der GdP als Vorsitzender vorsteht. Dabei auch wahrgenommen, das er inzwischen 1. KHK (Kriminalhauptkommissar) geworden ist - damals war er noch Hauptmann der K bzw. dann Kriminalhauptkommissar in der BdVP Cottbus.

Im gegenwärtigem geschäftsführenden Landesbezirksvorstand Brandenburg der GdP sind wie damals Kriminalhauptkommissare und Polizeihauptkommissare kopflastig vertreten. Ich mußte unweigerlich schmunzeln und habe mich dennoch für die ehemaligen Mitstreiter der ersten Stunde in der Gewerkschaftsarbeit der noch ehemaligen Volkspolizei gefreut.

Ich wünsche euch alles Gute in der weiteren Polizeiarbeit.

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 05.04.2015 19:40 | nach oben springen

#554

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 20:06
von turtle | 6.961 Beiträge

Da müssen viele das Wort Freiheit völlig missverstanden haben. In den Banken war nun harte Währung dabei noch wahrscheinlich alles nicht so gesichert wie in den alten Bundesländern. Die Grenzen zum abhauen offen und zum reinkommen genauso. Waffen konnte man unter der Hand bekommen. Keinen Respekt mehr vor der Obrigkeit .Erinnert mich an Gesetz und Rechtlosigkeit im wilden Westen. Hier war es der wilde Osten.
Überschwemmt von Glücksrittern, Betrügern, Hasardteuren, und Kriminellen die oft aus den "Westen" kamen.


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#555

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 21:18
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Was die vorhin von Gert angesprochene spekulativ in den Raum gestellte Frage betrifft, was wäre im umgekehrten Fall mit der Überleitung der Polizei geschehen, mal meine, ebenfalls spekulative Ansicht:
Einer relativ zur BRD wesentlich kleinere Beschäftigtengruppe nahezu komplett die Verantwortlichkeit für ihre Tätigkeit zu nehmen und durch vorwiegend eigene Kräfte zu ersetzen, ist wesentlich einfacher als umgekehrt. Es wurde dennoch bis auf eine relativ kleine Anzahl nicht getan. Im Umkehrfall wäre gar nicht möglich gewesen, in einem kurzen Zeitraum den überwiegenden Teil der westdeutschen Polizei durch Ostdeutsche auch nur ansatzweise zu ersetzen. Mit wem denn ? Mit dem neu geschaffenem Arbeitslosenheer in Ostdeutschlandetwa ? Auch nur ein halbes Jahr Anarchie in der alten BRD, weil kaum noch Gesetzesverletzungen aufgeklärt und geahndet werden konnten und diese, wie ABV schon schrieb, mit voller Wucht auch in den Osten übergeschwappt wäre, hätten sich auch das nun erweiterte Politbüro und die Volkskammer nicht leisten können und wollen. Mit anderen Menschen aus den Altbundesländern ? Wieviele Geeignete hätten sich denn dazu ausbilden lassen ? Ich weiß zwar nicht, wieviel Beschäftigte die Polizei in der Alt-BRD hatte, aber die hätten das Arbeitslosenheer verstärkt. Man stelle sich vor, einige hunderttausend im Dienst an der Waffe ausgebildete Männer und Frauen, die in´s soziale Abseits geraten wären. Eine hochexplosive Masse.
Drei mal Nein nach meiner Meinung. Klar, es wäre gesiebt worden, aber wer nicht gerade offen auf Opposition gegangen wäre, wäre auch übernommen worden und es hätte eine Menge Polizeibeamte gegeben, die plötzlich einen kannten, der einen kannte, dessen Bekannter Mitglied der DKP ist und den schon mal getroffen hatten. Also, die Beantwortung einer solchen Frage erfordert m.E. die Berücksichtigung einer Menge kausaler Zusammenhänge, wenn - dann - dann - u.s.w. diese und jene Auswirkungen.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 05.04.2015 21:31 | nach oben springen

#556

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 06.04.2015 13:35
von Fritze | 3.474 Beiträge

Ich war ja zur Wende in einem VPKA als Schutzpolizist beschäftigt ,daher kann ich hier auch mal von den Erfahrungen der Wendezeit berichten.
Ging es noch im Nov.1989 um Massnahmen in Zusammenhang mit den Demos ,wendete sich die Lage schon im Dez. auf den Schwerpunkt der Eigentumdelikte . Dann im Neuen Jahr 1990 ein sprunghafter Anstieg im Bereich KFZ- Diebstähle , Ladeneinbrüche und Garagenknacken.
Alle Bürger genossen die neu erworbene Freiheit ,aber bei der Polizei waren nicht wenige Überstunden angesagt .
Ab dem 1.Feb. 1990 wurde ich auf eine Planstelle des Wasserschutzes versetzt ,aber unterstützte noch viel die Kollegen der Schutzpolizei ,besonders bei zivilen Streifen . Mehrere Nächte im Februar überwachte ich allein einen Garagenkomplex. In dem Zusammenhang führte ich mehrere Festnahmen durch und musste mich mit der Pistole gegen einen angreifenden Rottweiler erwehren.
Auch bei der Wasserschutzpolizei war es nun kein Druckposten mehr ! Selbst alte Angelkähne wurden geklaut ,auch weil deren Besitzer ,ob der neuen Freiheit nun nicht mehr so oft ,nach ihrem Eigentum sahen .Damals habe ich sehr oft mit einem Kollegen der K zusammengearbeitet und über die steigende Anzeigenaufnahme könnte ich ein Lied singen.
Im Verlauf des Sommers trat zumindest im Bereich des Wasserschutzes eine leichte Beruhigung ein . Aber die Jungs von der Verkehrspolizei konnten sich wahrlich nicht über zuwenig Arbeit beklagen ! Das erhöhte Verkehrsaufkommen führte zu eine Zunahme der Verkehrsunfälle und so mancher ,der in der DDR nie ein Fahrzeug hätte erwerben können ,bazahlte seine Unerfahrenheit mit verheerenden Folgen.

Fritze


"Das kann doch überhaupt nur jemand nicht wissen ,der entweder vollkommen ahnungslos ist ,oder ,oder jemand der also bösartig ist !"

"If you get up and walk away, leave the past behind, go ahead and take a ride ,no telling what you find ! "
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#557

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 06.04.2015 13:53
von Lassiter | 102 Beiträge

auch ich möchte mal kurz einiges von der wende berichten.ich selbst war zu der zeit abv auf dem lande und hatte bereits 25 jahre polizeidienst hinter mir, habe gottseidank von den maßnahmen in der stadt nicht viel mitbekommen ,da wir ja auf den lande für ordnung sorgen mußten,ich muß aber ehrlich sagen das es mir nicht wohl war zur wende und habe auch desöfteren mit der pistole unterm kopfkissen geschlafen,man wußte ja nicht wie es kommt,wir waren ja fast wie freiwild und jeder hatte was zu sagen.personen die das sagen übernommen hatten machten schon pläne wie das ordnungsgeld abzurechnen ist ,nicht mehr an die polizei sondern an die gemeinde dann wollten sie von mir meine dienstpläne haben usw. es war schon eine verrückte zeit damals.es dauerte ja auch eine gewisse zeit ehe sich alles beruhigt hatte. wir bekamen dann auch polizeibeamte aus den westen,welche uns- polizeiarbeit- bei bringen sollten,was aber nichts anderes war was wir auch gemacht haben,wir mußten dann auch teilweise nach drüben in ein revier um uns deren arbeit anzusehen.
ja so war das damals.
habe dann noch einige jahre schichtdienst gemacht und war dann ab 95 auf einer poliz.-stat. bis zur entlassung 2003

gr. lassiter


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zuletzt bearbeitet 06.04.2015 13:56 | nach oben springen

#558

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 02:23
von S51 | 3.733 Beiträge

Ich gehörte zu jenen, denen für den Abschluß in Aschersleben die Wende in die Quere kam. 1989 dorthin in eine K-Klasse gekommen hat uns die Berliner Polizei kurz vor dem 03.10.1990 nur mit einem wertlosen Teilabschluß zurückgeholt. Wir kamen an jene Dienststellen zurück, zu denen wir vor der Versetzung an die Offiziersschule gehörten. In meinem Fall nicht ganz einfach, gab es doch meine Revierzweigstelle in der Karlshorster Waldowallee nicht mehr und zur K war ich ja nur kommandiert gewesen. Nach einigen Irrfahrten fand ich mich so nach einiger Zeit in meinem ersten Revier, in der damaligen Hans-Loch-Straße (heute Sewanstraße, das Revier/den Abschnitt 64 gibt es dort nicht mehr) wieder. Nicht als KOS sondern als schlichter Polizeihauptwachtmeister. Das empfand ich schon erst mal als Degradierung. Allerdings ging es allen so.
Am ersten Tag wurde ich, da in Uniform, prompt nach Hause geschickt. Um einige Stunden später in Zivil zur Nachtschicht wieder zu erscheinen. So begann meine Zeit beim StrDVB (Streifendienst Verbrechensbekämpfung - umgangssprachlich "Zivi"). Alle ehemaligen Wachtmeister- und Meisterdienstgrade waren wir Ossis nun Hauptwachtmeister, alle Offiziere bestenfalls Kommissare. Unsere Vorgesetzten waren Kommissare und höher aus dem Westteil Berlins und einige Meister und Obermeister der ehemals Westabschnitte waren auch mitgekommen. Das Verhältnis war ungefähr 50:50. Außer bei den Zivis. Im StrDVB gab es pro Team nur einen Ossi. Alle anderen Kollegen kamen aus den Westabschnitten. Die Stimmung war jedoch keineswegs so schlecht, wie sie hätte sein können. Zumindest ich hatte keinen Grund zu klagen. Die Geschichte mit den Dienstgraden war den Westkollegen spürbar peinlich und im Dienst zählte nur Leistung. Leistung bei den Zivis hieß Festnahmen. Möglichst viele aber korrekt. Ich war ja fast in meinem Hausrevier und kannte meine Pappenheimer wie die Gegend auch. Da waren mehr als ausreichend "sichere Bänke" dabei und so hatte der StrDVB vom Abschnitt 64 keinerlei Probleme. Die Umstellung für Leute wie mich freilich war extrem. Ich hatte zu DDR-Zeiten bei Festnahmen nur ein einziges Mal die Waffe gezogen, war gewohnt alles allein zu machen. Nun war die einsatzbereite Pistole plötzlich Standard und bei Festnahmen waren Abstimmungen im Team notwendig. Die gewohnt förmliche Herangehensweise wich einer Praxis, in der Linien keine Mauern waren und in jeder Farbe ein bisschen Grün... Man konnte schon durchaus vom Glauben abfallen. Es war eine wilde Zeit. Aber es hat auch auf eine besondere Art Spaß gemacht und selbst, wenn ich mich mit manchem Schichtführer mitunter kräftig in der Wolle hatte, wir haben uns trotzdem vertragen. Zu DDR-Zeiten undenkbar. Wir haben wirklich gute Leute "von drüben" bekommen. Vor meinem damaligen Chef "Sascha" habe ich nach wie vor Hochachtung. Auch, das bei einfachen Delikten die ersten Maßnahmen fast nie so wie von uns gewohnt abliefen. Spurensicherung durch VB bei Einbrüchen, Diebstählen aus und von Fahrzeugen - das war eher die Ausnahme und die dabei erlebte Praxis kam unsereiner doch oft sehr einfach vor. Um nicht zu sagen rudimentär. Unsere Versuche, altgewohntes und -bewährtes weiter zu handhaben, müssen den Kollegen oft komisch vorgekommen sein. Praktisch jedoch war das egal. Da wir ja sowieso fast immer auf frischer Tat zugriffen. Wer wie ich vor Monaten gewohnt war, eine Einbrecher mindestens 12 Stunden aus dem Verkehr zu ziehen, der musste sich jetzt beim Schreiben beeilen. Weil der "Eingetütete" sonst womöglich eher wieder draußen war als wir brauchten, um uns an seine Spuren zu heften. Nach und nach schlossen sich dann Lehrgänge an und nach deren Abschluß ging es mit den Beförderungen recht schnell. 1994 war ich wieder POM.


GK Nord, GR 20, 7. GK
VPI B-Lbg. K III


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#559

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 03:12
von seaman | 3.487 Beiträge

Danke für diese Zeitzeugenberichte hier.

seaman


zuletzt bearbeitet 15.04.2015 03:13 | nach oben springen

#560

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 15.04.2015 10:28
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #541
@Hackel39 - die von Dir geschilderte Praxis bzw. Verfahrensweise, . mag in einigen Bereichen der DR so stattgefunden haben. Kann ich aber aus dem eigenem familiären Umfeld nicht so bestätigen. Als ich meinen Schwiegervater 1975 kennen gelernt habe, war er bereits Leiter des Bw Saalfeld und "Raupenschlepper" (Reichsbahnoberrat). Das war er auch, bis zu seiner Pensionierung nach über 46 Jahren DR. Über die Höhe der Pension brauchen wir uns nicht verständigen - sie war erstaunlich für mich.




Vierkrug


Besonders in der Wendezeit aber auch schon vorher gab es Bemühungen, neues Personal über lukrative Dienstränge (Inspektor...goldenes Kordel) zu gewinnen, aber auch unglaubliche Geschichten über Willkür und Mobbing, so z. B. fragte in Neustadt (Dosse) die Attestierungskommission einen Eisenbahner nach dem Namen seines Ministers, der ihn natürlich nicht wußte und daraufhin niedriger eingruppiert wurde.
Andersherum konnten altgediente Eisenbahner ihre fehlende A- Ausbildung (Ingenieur) mit gesellschaftlichen Qualitäten (Genosse der ersten Stunde) aufwiegen und so trotzdem den vollen Dienstrang erhalten.
Wer beispielsweise (ab 1974) Leiter eines Bahnhofs war und sich zum durchgehenden Schichtdienst bereit erklärte, wurde über den Plandienstrang hinaus befördert.
Leiter von Bahnhöfen der Rangklasse 1 schafften es sogar mit 40 Dienstjahren zum Reichsbahnoberrat, einem Dienstrang, den man 20 Jahre zuvor frühestens einem Rbd (Direktion) - Präsidenten verliehen hatte, ehe er nach langer Wartezeit Direktor (pures Goldkordel..ohne Blau/ Grau/ Rot usw.- Stich) werden konnte wobei ab 1980 die meisten Präsidenten der Direktionen bereits Hauptdirektor waren.
Viele Basiseisenbahner verweigerten sich diesem militärischen Prozedere indem sie einfach ohne Schulterstücke herum liefen, einer davon war damals mein Ausbildungslokführer für die Baureihe 131.
In den Ruhestand gewechselte Reichsbahner standen damals sogar mit ihrer Berufsbezeichnung im Telefonbuch, wie z. B. auch mein damaliger Parteisekretär.
Die Dienstjahre zählten übrigens auch weiter, wenn man z. B. in die Politische Verwaltung oder den Erzbergbau wechselte und irgendwann zurück kehrte, das konnte auch zu einigen Mißverständnissen und gefühlten Unrecht beigetragen haben.



Fritze hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.04.2015 20:20 | nach oben springen



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