#521

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 10.01.2015 13:44
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von S51 im Beitrag #516
Zitat von ABV im Beitrag #508
Zitat von Schakal im Beitrag #505
...Wurde nun jemand damals aus politischen Gründen (bspw. §213) inhafiert, wurde die Inhaftierung nach der Wende meist für unrecht erklärt.
Meine Frage ist, wurden die erkennungsdienstlichen Erfassungen nach der Wiedervereinigung vernichtet, oder wurden die von den entsprechenden bundesdeutschen Behörden übernommen? Es geht mir jetzt nur um die politisch Inhaftierten, nicht um reguläre Kriminelle.


Also ich denke mal das es wohl einen handfesten Skandal geben würde, der mindestens mit dem Rücktritt des Innenministers endet, falls tatsächlich Erkennungsdienstliche Unterlagen von in der DDR wegen " politischen Delikten" Inhaftierter zwecks weiterer Verwendung von der Bundesrepublik übernommen wurden. Das war definitiv nicht der Fall! Alles andere gehört ins Reich der Spekulationen.

Gruß an alle
Uwe



Für die Archivierung erkennungsdienstlicher Daten, Ermittlungsakten, Strafakten und Asservaten gab und gibt es gesetzliche Regelungen. Diese richten sich vor allem nach den Verjährungsfristen nach Eintreten der Rechtskraft des Urteiles, dem Strafende oder, wo es kein Urteil gab, nach dem spätestmöglichen Eintritt der Verjährung. Daraus folgt, das Daten die einem Delikt welches nicht verjährt zuzuordnen sind (z.B. Mord) gar nicht vernichtet werden aber Daten mit baldigem Fristablauf recht schnell. Diesen Fristen waren auch alle entsprechenden Daten, Unterlagen und Asservaten aus DDR-Zeiten unterworfen. Es wäre sicher rechtswidrig gewesen, diese Dinge vorher zu vernichten. Denn so etwas hätte Rehabilitierungen genauso unmöglich gemacht wie Wiederaufnahmeverfahren aber auch die immer mal wieder erfolgende Abarbeitung ungeklärter Fälle bei neuer Spurenlage oder neuen Mitteln der Beweissicherung.
Deshalb gehe ich davon aus, das solche personenbezogenen Daten dort, wo es keinen Bezug zu weiter strafbaren Handlungen gab, bis etwa 1995, 2000 oder entsprechend später in den Gerichtsakten oder Fallakten (Vorgängen) der Staatsanwaltschaften vorhanden waren. Daten, die in den Archiven der BStU vorhanden waren wegen des Nichteintretens der Verjährung aus "wissenschaftlichen Gründen" sogar "ewig".


Na ja, mir ging es dabei ausschließlich um politische Delikte. Ein Mörder ist ein Mörder, sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik. Das selbe trifft auf weitere Verbrechenstatbestände zu.
Aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich dass das erkennungsdienstliche Material eines " 213-ers", der ansonsten ein völlig gesetzeskonformer und normaler Bürger war / ist, für irgendwelche Eventualitäten noch Jahre nach der Wiedervereinigung gespeichert wurde.

Gruß an alle
Uwe


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#522

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 13.01.2015 17:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Das VP-Wohnheim in Berlin-Biesdorf, Kornmandelweg



Kennt ihr das auch? Es gibt Orte, die lassen einem nicht mehr los. Immer wieder kehrt man in seinen Träumen dorthin zurück. Obwohl es diese Orte, Plätze, Gebäude so wie in den Träumen erlebt, schon seit langem nicht mehr gibt.

Das ehemalige Wohnheim des VP-Präsidiums (Ost)-Berlin gehört für mich unzweifelhaft dazu. Dreißig Jahre werden es im Juni, als ich zum ersten Mal dieses Wohnheim, der eigentlich ein riesiger Wohnblock war, betrat.

Und damit einen einen eigenartigen Mikrokosmos. Viele, wohl die meisten, betrachten dieses Gebäude lediglich als Zwischenstation auf dem Weg zur ersehnten und vor Dienstantritt versprochenen " hochmodernen Neubauwohnung". Irgendwo im Beton-Dschungel der sich gerade im Entstehen befindlichen Trabanten-Städte Marzahn, Hellersdorf und Ahrensfelde.

Für andere jedoch stellte dieser Wohnblock, dessen Fassade zu DDR-Seiten keine andere Farbe als grau kannte, so etwas wie ein Zuhause dar. Sie lebten, ohne einen Pfennig Miete zu bezahlen, Jahr ein und Jahr aus in diesem Block. In den ständig wechselnden Mitbewohnern sahen sie so etwas wie eine Ersatzfamilie. Innerlich vereinsamte Menschen, nicht selten dem Alkohol über alle Maßen zusprechend. Was wohl aus ihnen nach der Wiedervereinigung, als dem Wohnheim eine andere Bestimmung zuteil wurde, geworden ist? Ich fürchte wohl nichts gutes!



Das " Biereska", für die richtige Schreibweise möchte ich mich nicht verbürgen, auf jeden Fall eine gemütliche Kaschemme in der man nicht nur trinken sondern auch gut essen konnte, gleich neben dem Wohnheim gelegen, sorgte für die einzige Abwechslung im tristen Einerlei des Wohnheim-Daseins.


Als ich im Jahre 2010, zum ersten Mal seit meinem Auszug Ende Mai 1988, wieder vor dem Wohnheim stand, habe ich die Örtlichkeit kaum noch wiedererkannt. Die gemütliche Bierkneipe scheint gar völlig verschwunden zu sein.



Lediglich von weitem betrachte ich die Liegenschaft. In der längst völlig normale Menschen eingezogen sind. Ob sie wohl wissen, wer vor ihnen hier lebte?

Ich schließe die Augen und sehe mich, in grüner VP-Uniform, aus einem der Aufgänge kommen. Gemeinsam mit anderen. Der blaue IKARUS.Bus des Wachkommando Missionsschutz ist gerade vorgefahren. Er bringt die im Wohnheim lebenden Angehörigen hinaus zum Dienst nach Pankow.
Durch das ganze "halbe Berlin".

Ich öffne die Augen wieder. Kinder spielen lachend zwischen den Autos. Ein gut gekleideter Enddreißiger besteigt einen schwarzen Audi Q7, startet den Motor, hupt kurz und fährt los. An einen PKW wie diesen hätte man damals nicht einmal zu denken gewagt.

Die Welt hat sich seit dem Jahre 1988 eben verändert. Nicht nur im Biesdorfer Kornmandelweg. Aber hier spürt man diese Veränderungen überdeutlich. Jedoch nur, wenn man auch die Vergangenheit kennt. Ansonsten ist dieses Gebäude nichts als ein Namenloser Block. Einer von vielen in Berlin.

Mein Gott was haben wir hier gesoffen, heimlich Westfernsehen geschaut, SAT 1 und RTL waren damals gerade in Mode gekommen. 1987 habe ich hier Heiligabend "gefeiert". Ganz allein mit mir, nach einem Zwölf-Stunden-Tagdienst. Mein Zimmernachbar hatte Urlaub. Der Kollege von nebenan stockbesoffen und keines Wortes mehr fähig.

Unwillkürlich erinnere ich mich auch des schalen Gefühls das mich jedesmal nach der Rückkehr aus einem zu Hause verbrachten freien Wochenende überkam.

Ja, ich habe dieses Haus verflucht. Ja, ich war unendlich froh endlich froh Ende Mai 1988 endgültig dem Gemäuer entronnen zu sein.
Und doch zog es mich im Mai 2010 noch einmal hierher. Verdammte Nostalgie aber auch!!

Viele Grüße an alle
Uwe


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zuletzt bearbeitet 13.01.2015 17:28 | nach oben springen

#523

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 14.01.2015 10:24
von S51 | 3.733 Beiträge

Muss zugeben, ich kannte es gar nicht. Hab bis 1987 in einem ganz normalen Arbeiterwohnheim in der Hans-Loch-Str. (heute Sewanstraße) gegenüber dem damaligen VP-Revier gewohnt. Ähnlich wie hier auch hatte die VP dort einige Wohnungen, die immer von drei bis vier Mann belegt waren. Schütting in se holing Birn allerdings gab es auf unserer Bude eher nicht. War irgendwie nicht so üblich. Aber ansonsten war es wie wohl überall.


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#524

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 14.01.2015 11:47
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde,…..
Mensch Uwe, nicht sentimental werden. An das Bullenkloster erinnere ich mich natürlich auch noch, war ja einer der „Erstbezieher“. Das muss so 1974 gewesen sein. Mein Haufen, die Trapo hatte dort auch einen ¼ Aufgang, auf den Bildern der ganz rechts, gemeinsam mit dem Strafvollzug, der Feuerwehr und was sonst noch „in Blau“ rumlief. Der „Rest“ war dann grün.
Als das Kloster eröffnet wurde, war das für die Truppen schon eine Verbesserung, wer wollte schon, wie z.B. bei der Trapo, im inneren einer Dienststelle, in diesem Fall dem Trapo-Amt in der Magazinstraße, unter quasi „Kasernen-Bedingung“ seine ein bis drei Jahre Berlin rum bringen. Kaum einer. Die von dir erwähnte Einrichtung zum Warten auf eine Neubauwohnung wurde das Kloster allerdings erst Anfang der 80er Jahre, vorher bestand die „Besatzung“ mehr oder weniger aus solchen Angehörigen, die eben ihre etwa drei Jahre Berlin runter gerissen haben.
Und damit man sich –als Nicht-Bewohner- mal so ein wenig vorstellen kann, wie das dort so lief : Beschreibung: Standart-4-Raum Wohnung, mit 6 Mann belegt, (na, es gab auch, bei dem SV und der VK die 6-Frau-Wohnung) Drei kleine Räume , 2 Mann pro Stück, Küche Bad, großes Zimmer gemeinsam. Wenn sich die Truppen verstanden haben, ging`s ganz gut. Ausstattung: Pro Mann 1 Bett, 1 Stuhl, 1Schrank,1 Bettkasten-so ne Art Schränkchen. Alles im schönsten Dunkelbraun gehalten. Ein gemeinsamer Kühlschrank. Das wars. Irgendwann in den 80ern wurde die „Ausstattung“ dann mal „verbessert“, aber da war ich schon lange nicht mehr da.
Saufen im Quadrat: Ja, gab es auch, allerdings –Säufer gibt es nun mal, und die saufen immer und überall. Wer im „Bireska“ oder bei „Nobbi“ mit Du angesprochen wurde, gehörte da dann schon zu den üblichen Verdächtigen. Meiner Meinung nach aber nicht mehr als der „übliche Schnitt“ „Totalsuffis“ waren die Ausnahme.
Vollste Zustimmung zu dem Satz mit dem „Entronnen“. Ging mir auch so.
73, Hans


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#525

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 17.01.2015 09:17
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Hans und S 51:
Was das Thema Alkohol im Wohnheim angeht: meiner Meinung nach trat das Problem des Alkoholmissbrauchs verstärkt unter den Angehörigen des Missionsschutzes auf. Die Ursache sehe ich hauptsächlich in dem tristen Dienst. Den man weder mit der eigentlichen Schutzpolizei noch mit der Transportpolizei vergleichen kann. Bei vielen Posten, vor allem im Bereich Niederschönhausen / Blankenfelde, kam es nur darauf an, dass der Wachtmeister " physisch anwesend" war. Das er möglicherweise noch ein bis zwei Promille Restalkohol im Blut hatte, spielte dabei eher eine untergeordnete Rolle.
Momentan habe ich wenig Zeit, werde aber in absehbarer Zeit einmal ausführlich über den Dienst im Wachkommando Missionsschutz, speziell in der " Wache Blankenfelde ( Pankow B) berichten.
Mir kam es manchmal so vor, als wäre diese Dienststelle ein " Auffangbecken für gescheiterte MdI-Angehörige". Hier traf man auf frühere Gefängniswärter, Feuerwehrmänner, Schutz und Transportpolizisten aus der gesamten DDR. Einige taten hier freiwillig Dienst, andere standen irgenwann vor der Alternative entweder, wegen irgend einer Verfehlung den Dienst zu quittieren oder sich zum WKM zu verpflichten.
Wie ein ehemaliger Schutzpolizist aus Wernigerode, der unter Alkohol stehend, einen Verkehrsunfall verursacht hatte.
Andere waren durch den langweiligen, im wesentlichen ereignislosen Dienst bereits derart abgestumpft, dass sie nirgendwo anderes mehr hätten Dienst verrichten können. Sie konnten nur noch stundenlang "sinnlos" herumstehen, oder herumsitzen. Wer dann noch alleine war oder, wie die meisten in meiner damaligen Schicht, im Wohnheim lebte, "soff sich die Welt schön". Es gab auch Ausnahmen von der Regel, aber alkoholkranke VP-Angehörige gab es in diesem Bereich der Volkspolizei überproportional. In anderen Dienstzweigen hätten die Vorgesetzten bereits reagiert, oder viel mehr reagieren müssen. Im WKM, zumindest in den so Öffentlichkeitswirksamen Gegenden, manche Botschaften oder Residenzen befanden sich in Mitten abgelegener Straßenzüge, oft sogar in Kleingartenanlagen, wurden diese traurigen Fälle nicht selten regelrecht durchgeschleppt.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


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#526

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 17.01.2015 09:34
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Lebensläufer im Beitrag #4
immer zu zweit auf Patrouille im Leipziger Stadtbild.
Lebensläufer



Hallo,
als Besucher in den 80er-Jahren fielen mir nur einzeln im Dienst und Uniform Volkspolizisten auf, das auch zu Fuß unterwegs.



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#527

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 17.01.2015 09:41
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von S51 im Beitrag #523
Muss zugeben, ich kannte es gar nicht. Hab bis 1987 in einem ganz normalen Arbeiterwohnheim in der Hans-Loch-Str. (heute Sewanstraße) gegenüber dem damaligen VP-Revier gewohnt. Ähnlich wie hier auch hatte die VP dort einige Wohnungen, die immer von drei bis vier Mann belegt waren. Schütting in se holing Birn allerdings gab es auf unserer Bude eher nicht. War irgendwie nicht so üblich. Aber ansonsten war es wie wohl überall.


Warst du im Bärenschaufenster?


zuletzt bearbeitet 17.01.2015 09:42 | nach oben springen

#528

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 17.01.2015 10:02
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #526
Zitat von Lebensläufer im Beitrag #4
immer zu zweit auf Patrouille im Leipziger Stadtbild.
Lebensläufer



Hallo,
als Besucher in den 80er-Jahren fielen mir nur einzeln im Dienst und Uniform Volkspolizisten auf, das auch zu Fuß unterwegs.


Schutzpolizisten liefen zumeist einzeln Streife. Daher auch der Begriff " Streifeneinzeldienst". Doppelstreifen gab es zwar auch, aber eher selten. Vorstellbar sind zum Beispiel die Varianten: " Lehrwachtmeister-Dienstanfänger", oder " Schutzpolizist-VP-Helfer".

Gruß Uwe


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#529

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 17.01.2015 15:58
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Ja Uwe, da ich in der Leipziger Innenstadt meinen Dienst versah und wir ein Lehrrevier waren,
sind in der Innenstadt Doppelposten gelaufen bzw. gefahren.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#530

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 20.01.2015 00:36
von S51 | 3.733 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #527
...Warst du im Bärenschaufenster?


Sowohl als auch... Damit meine ich den Wohnblock und die Gaststätte ebenfalls öfter. Wir bekamen Essenmarken und mit selbigen waren die Speisen dort günstiger.


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#531

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 00:42
von ABV | 4.202 Beiträge



Ich möchte dieses Video zur Diskussion stellen, weil mir einige Aussagen des Anfang der Neunzigerjahre als Aufbauhelfer bei der Thüringer Polizei fungierenden, ehemaligen Leiter der Eschweger Schutzpolizei zum Widerspruch anregen:
1. Die Aussage, das die früheren Volkspolizisten bei einer Verkehrskontrolle, die Kraftfahrer lediglich mit den Worten " Rechts ran, Papiere", angesprochen hätten.
Nach meinen Erfahrungen kannten man das Wort " Bitte" auch schon bei der Volkspolizei. So wurde das auch auf der VP-Schule gelehrt. Wir haben auch, in aller Regel, schon vor 1990 in ganzen Sätzen gesprochen.

2. Was mich noch viel mehr irritiert ist jedoch die Behauptung, dass Volkspolizisten bei der Verfolgung eines Straftäters, er sprach sogar von Ladendieben, generell die Pistole gezückt und einen Signalschuss abgeben hätten.
Hatte sich der Mann einmal den Paragraphen 17 des VP-Gesetzes, der den Einsatz der Schusswaffe regelte, durchgelesen? Scheinbar nicht! Ansonsten hätte er gewusst, dass bereits das bloße Ziehen der Waffe als Schusswaffenanwendung galt und damit dem Innenminister gemeldet werden musste. Siganlschüsse, vor allem bei der Verfolgung flüchtender Ladendiebe, waren weder durch das VP-Gesetz abgedeckt, noch die Regel im täglichen Dienst.

Ich weiß ja nicht, was der durchaus kollegial und sympathisch erscheinende Polizeidirektor a.D. aus dem Bundesland Hessen, für "Waldschrats" begegnet ist. Mich ärgern solche Aussagen, zumal von jemanden der es hätte besser wissen müssen, aber doch.
Über die Volkspolizei gibt es ganz sicher eine Menge Negatives zu berichten. Aber trotzdem sollte man doch bei der Wahrheit bleiben.
Oder, wie seht ihr das?

Gruß an alle
Uwe


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Hans, vs1400, seaman, 1941ziger, rasselbock, DoreHolm, Hackel39 und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#532

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 00:47
von seaman | 3.487 Beiträge

Mich stört in erster Linie an diesem trailer der Vermerk "Gedächnis der Nation".
Die Aussagen sind schlichtweg falsch.

seaman


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#533

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 09:12
von Hans | 2.166 Beiträge

Morgen, Gemeinde,.....
Da ich den ganzen Laden mitgemacht habe, erlaube ich mir doch etwas mehr als ein mildes Lächeln. Gott, was erzählt der da? Hat Herr Direktor mal die Nase aus seinem Büro gehalten?
Aber das allerschönste ist die Unterschrift unter dem Filmchen bei YouTube. (Der Filmtitel ) Diese :
Der Leiter der Eschweger Schutzpolizei Wolfgang Ruske übernahm 1991 den Umbau der "Kasernierten Volkspolizei" in Nordhausen. Er schildert, welche Schwierigkeiten es gab und wie ihn die Ostdeutschen empfingen.

Und ich Trottel dachte immer, dass die KVP bereits 1956 zur NVA wurde. Hat Herr Direktor sich nun in der Zeit vertan oder hat er gleich den falschen Haufen demokratisiert? Es gibt da noch mehr so schöne Sätze von dem Zeitzeugen, echt, Beifall. Armes Gedächtnis der Nation.
73, Hans


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#534

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 09:22
von Vierkrug (gelöscht)
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@ABV - Uwe, dass sind die Aufbauhelfer gewesen, die nicht nur ich besonders schätzen gelernt habe. Mit solchen Aussagen werden die ehemaligen Volkspolizisten der DDR diffamiert und diskreditiert.
Ich sehe noch die Selbstherrlichkeit der Polizeiführer, besonders der Bereitschaftspolizei aus Bayern (Bamberg) beim Einsatz in Hoyerswerda. Trotz zahlreicher Hinweise und Empfehlungen aus den Reihen der ehemaligen Volkspolizei (Polizeirevier Hoyerswerda) wurden andere polizeitaktische Entscheidungen getroffen, die dann nicht deeskalierend , sondern eskalierend wirkten. Die Bilder sind ja noch bekannt, zu welchen Ausmaßen es führte.

Mir ist der Morgenkaffee bei diesem Video wieder hoch gekommen.

Vierkrug
(ehemaliges Mitglied des Landesvorstandes der GdP Brandenburg)


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zuletzt bearbeitet 04.04.2015 12:46 | nach oben springen

#535

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 10:38
von Gelöschtes Mitglied
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Das Grenzmuseum Sickenberg wird ja leider auch durch diesen Herrn Ruske geprägt. Deshalb wird dort bei Führungen manchmal auch sehr viel dummes Zeug über die Grenze und die Grenzsoldaten zum besten gegeben.

Meiner Meinung nach wird Sickenberg nicht dem Ruf eines Museums gerecht. Zeitgeschichte sollte doch etwas realistischer dargestellt werden, noch dazu da sie noch nicht so lange zurück liegt. Wir Ehemaligen können uns ja selber ein Bild machen, aber was soll ein Fremder davon halten??? Manchmal denke ich dort ist ein Panzermuseum.
Angeblich hätte dort alle 50 Meter ein Posten gestanden. Das dem nicht so war kann sich doch jeder Grundschüler selber ausrechnen.

Der Hesselfuchs


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zuletzt bearbeitet 04.04.2015 10:39 | nach oben springen

#536

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 11:02
von Schakal | 271 Beiträge

"Rechts ran! Papiere!" .
Kann nur aus eigener Erfahrung als jugendlicher Fußgänger reden, der ab und zu (besonders in Berlin) kontrolliert wurde. Die braven Volkspolizisten haben immer schön ihren Spruch mit "Guten Tag , Hauptwachtmeister so und so, Fahndungskontrolle usw." aufgesagt. Sie waren sogar so höflich und haben die gestreckten Finger der rechten Hand an den Schirm der Kopfbedeckung angelegt, um mir einen militärischen Gruß zu erweisen.


--- Ex oriente lux.---
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#537

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 12:00
von rasselbock | 454 Beiträge

Zitat von Merlini im Beitrag #535
Das Grenzmuseum Sickenberg wird ja leider auch durch diesen Herrn Ruske geprägt. Deshalb wird dort bei Führungen manchmal auch sehr viel dummes Zeug über die Grenze und die Grenzsoldaten zum besten gegeben.

Meiner Meinung nach wird Sickenberg nicht dem Ruf eines Museums gerecht. Zeitgeschichte sollte doch etwas realistischer dargestellt werden, noch dazu da sie noch nicht so lange zurück liegt. Wir Ehemaligen können uns ja selber ein Bild machen, aber was soll ein Fremder davon halten??? Manchmal denke ich dort ist ein Panzermuseum.
Angeblich hätte dort alle 50 Meter ein Posten gestanden. Das dem nicht so war kann sich doch jeder Grundschüler selber ausrechnen.

Der Hesselfuchs


Rot

Da hätten wir uns ja das GMN sparen können. Gerade Asbach- Sickenberg in den 70iger Jahren, wo nur zwei Postenpaare zur Sicherung eingesetzt waren und nur ein einfacher Streckmetallzaun ohne GSZ vorhanden war. Von einem Museum erwarte ich schon eine wahrheitsgemäße Darstellung.
rasselbock



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#538

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 12:27
von Elch78 | 501 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #532
Mich stört in erster Linie an diesem trailer der Vermerk "Gedächnis der Nation".
seaman
Ein "Gedächtnis der Nation" ist es schon - allerdings in anderer Art und Weise, als sich das die Produzenten dieser Videoprotokolle vorgestellt haben:
Sehr deutlich wird hier die Einstellung der "neuen Herren" konserviert, wie mit dem halbzivilisierten Volk (und seinen Institutionen) umzugehen war!

Nun gut, das Essen mit Messer und Gabel kannten die Ostler, aber schon an einer vernünftigen mündlichen Kommunikation mangelte es ja anscheinend ...
Man mußte Sport treiben mit ihnen ... und gemeinsam singen ...
Was studierte man da ein - Lieder aus dem Blauen Bock?

Deutlich macht uns der Herr Polizeidirektor im Kleinen, was im Großen so gewollt und gewählt war: nicht Wiedervereinigung sondern Beitritt/Übernahme. Das hat meiner Meinung einen nicht geringen Anteil daran, daß sich manche Ostdeutschen von der neuen Macht nie als gleichberechtigte Bürger empfunden haben und bis heute dem Staat sehr distanziert gegenüberstehen.

Daß Du @ABV uns diesen Link (als Ostergeschenk?) zumutest, ist schon ein starkes Stück!

Elch


"Es gibt immer drei Wahrheiten: eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen"
rasselbock, Alfred, seaman, DoreHolm und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#539

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 04.04.2015 15:00
von Alfred | 6.849 Beiträge

ABV,


warum die Aufregung ?

Auch in "DEINEM" Buch haben sich doch einige Herren aus dem alten Bundesländern entsprechend geäußert. Auch da kann man nur den Kopf schütteln.

Wenn ich z.B. lese, dass ABV Beurteilungen abgeben mussten, wenn über die Erteilung einer Fahrerlaubnis entschieden wurde, muss ich schon staunen. Vieles andere wird Dir ja auch aufgefallen sein.

Und das schreibt auch ein ehemaliger Polizist. Später wurde er sogar zum Regierungspräsidenten berufen und war ab 1993 als Staatssekretär mit der Polizeireform im Lande Niedersachsen beauftragt.


zuletzt bearbeitet 04.04.2015 15:32 | nach oben springen

#540

RE: Die Volkspolizei in der DDR, dein Freund und Helfer

in DDR Staat und Regime 05.04.2015 00:26
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Es klingt doch aber ganz sachlich, was der Aufbauhelfer zu berichten hat.
Interessant die Aussagen zu den Rückgruppierungen der Dienstränge, das klingt fast so, als wenn man analog zu den Spareinlagen auch die die Dienstränge "halbiert" hätte.
Bei den Bahn war allerdings zu beobachten, daß in der unmittelbaren Nachwendezeit eine inflationäre Aufwertung im Bereich der Führungskräfte stattfand, das war zu offensichtlich.
Vielleicht gab es im Polizeibereich während der Modrow- Regierungszeit ähnliche Abläufe, so daß man nur politisch motivierte Übertreibungen korrigiert hatte, darüber kann ich aber mangels eigener Bekannten im Polizeibereich nur mutmaßen, bei der Bahn war es definitiv so, daß man als Führungskraft nie wieder so einfach zum Reichsbahnrat befördert wurde wie in diesem kleinem Zeitfenster, Anfang der 1990er Jahre.
Das fiel schon auf, daß die Ressortchefs unseres Dienstorts, deren Vorgänger bis zum regulären Austritt aus dem Beruf immer nur Amtmann/ Oberamtmann waren plötzlich durch die Bank als Rat/ Oberrat und höher in Rente gingen, vielleicht fürchtete man instinktiv schon die Siegerjustiz, die ja tatsächlich noch kommen sollte...



zuletzt bearbeitet 05.04.2015 00:29 | nach oben springen



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