#101

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 24.06.2014 17:12
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von StabsfeldKoenig im Beitrag #99
Schlööser und Herrenhäuser hatte man nach 1945 zum Teil zur Gewinnung von Baumaterial abgerissen, denn man brauchte Häuser für Neubauern und Umsiedler. Andere Schlösser wurden für gesellschaftlich nützliche Zwecke (Krankenhäuser, Kinderheime, Kur- und Ferieneinrichtungen) umgebaut, wobei der Nutzen zum Teil vorrang vor dem Denkmalsschutz hatte.
Interessant wäre mal festzustellen, wieviele Gebäude, die man heutzutage unter Denkmalsschutz stellen würde, im Westen aus Profitgier abgerissen hat.


In der Ex-DDR wurden viele Schlösser aus ideologischen Gründen abgerissen. Weil sie als Überbleibsel einer überlebten Epoche galten. Wer brauchte noch Herrenhäuser, wenn die Herren nicht mehr da waren? So dachte man damals in den Amtsstuben. Zumindest offiziell.
Leider gingen dabei so manche unersetzliche Kulturgüter den Bach herunter.
Bei den Polen kam wohl ein weiteres Problem hinzu: die Schlösser in den früheren deutschen Gebieten mögen ja zuweilen eine wichtige Rolle in der Geschichte gespielt haben. Aber in der deutschen und nicht in der polnischen Geschichte! Die neuen Bewohner besaßen schlichtweg keinen Bezug dazu. Außerdem hatten sie ganz andere Sorgen.
Heute sieht das ganz anders aus. Die jungen Polen interessieren sich zunehmend für die (deutsche) bzw preußische Geschichte ihrer Heimat.
Als ich letztens zum Dienst fuhr, habe ich in einem Dorf kurz vor Slubice, sogar ein wiedereingerichtetes deutsches Kriegerdenkmal entdeckt. Ich dachte erst an eine "Fata Morgana". Dem war aber nicht so.

Gruß Uwe


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#102

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 11:19
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #100
Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #98
Zitat von ABV im Beitrag #97
Hallo Ingo!
Ich denke mal, dass Schlesien als Tourismusgebiet klar im Vorteil ist. Dagegen ist die Region an der Oder weit weniger bekannt und daher klar im Nachteil.
Pläne gab es auch hier genug. Das Schloss Tamsel sollte eigentlich längst restauriert und zur Tagungsstätte umfunktioniert sein. Nachdem die erste Mille verbaut war, ruhen die Arbeiten. Und das nun schon seit acht Jahren! Mittlerweile steht das Schloss zum Verkauf.
Aus dem Gutshof sollte auch eine Art Hotel werden. Leider haben sich die Betreiber scheiden lassen und seitdem verfällt die Klitsche weiter. Und so weiter und so weiter.
Warum soll es östlich der Oder besser klappen, als bei uns im Oderbruch?

Gruß Uwe


Morgen Uwe, da beginnt doch Hinterpommern, auf Grund der Kriegswirren und Fluchten ist es immer ein Thema wenn mal Geburtstag usw. ist bei den "Alten", viele haben ihre Heimat dort verloren ihren Hof, ihre Wirtschaft.....Existens! Ich war schon mehrmals in Hinterpommern und kann nur berichten, dass es dort sehr schöne Ecken gibt, schöne (leider vefallene) Gutshäuser, noch erkennbare Park-Gärten dazugehörig usw. Hinterpommern ist IMMER eine Reise wert und das zu jeder Jahreszeit.

Bei einem der Besuche ist mir aufgefallen, daß es dort auf dem Acker keine Steine zu sammeln gibt, wie es bei uns der Fall ist(PA Unterricht in der Schule, in unserer Region), dort sind im Boden Muscheln!! Stellenweise ziemlich viele, man könnte sie herrausharken, nur um es mal zu veranschaulichen. Man hat mir erklärt, daß die Bauern keinen Kalk auf den Boden bringen müssen.

Leider war es auch eine ärmliche Gegend vor dem Krieg und mit Sicherheit hat sich Heute nicht viel verändert an der Situation der Leute.

gruß Bernd



Hallo Bernd!
Hinterpommern begann weiter nördlich. Hinter Schwedt, im Gebiet von Greiffenhagen (Gryfino). Die Wojewodschaft Zachodnie Pomorskie (Westpommern) fängt zwar unmittelbar hinter der Stadtgrenze von Küstrin an, aber das Gebiet dort gehörte bis 1945 zu Brandenburg.
In Pommern selbst war ich auch schon. Ich habe es sogar mal bis Stettin geschafft. Aber das ist bereits zwanzig Jahre her. Stettin ist eine wunderschöne Stadt, mit vielen historischen Gebäuden. Die sehr gut erhalten sind. Zum Beispiel das alte Schloss der Pommernherzöge.
Das in den Böden Muscheln sind, war mir bisher nicht bekannt. Ich denke mal, dass das mit der besonderen erdgeschichtlichen Entwicklung Pommerns zusammenhängt. Wahrscheinlich hat sich dort in früheren Zeiten ein Meer, zumindest jedoch ein großes Gewässer ausgedehnt.

Gruß Uwe


hallo Uwe, Rot: uuups, das passiert mir!!! Richtig, ich rede mich damit herraus, ...... bin auf der Karte im Kopf verrutscht...
Stettins Altstadt ist ist ein absoluter Geheimtipp, bin dort schon sehr oft gewesen und immer wieder erstaunt was da alles in der Zeit zwischen 1945 und 1990 erhalten wurde. Überhaupt für erhaltenswert erachtet wurde. Das war eine nicht unerhebliche Kostenfrage...

gruß Bernd


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zuletzt bearbeitet 25.06.2014 11:25 | nach oben springen

#103

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 13:32
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Bernd!
Sooo falsch ist das a auch nicht. Pommern hatte sich früher viel weiter nach Süden ausgestreckt. Bis hinter Küstrin. Die heutige Wojewodschaft Westpommern orientiert sich anscheind nach den historischen Grenzen, aus dem frühen Mittelalter.
Ähnlich verhält es sich mit dem früheren Schlesien: Zielona Gora (Grünberg) gehört heute zur Wojewodschaft "Lebuser Land". Dabei gehörte Grünberg vor dem Krieg zu Schlesien! Die alte Grenze zwischen Brandenburg und Schlesien verlief hinter Krossen, etwa sechzig Kilometer südöstlich von Frankfurt (Oder) entfernt.

Gruß Uwe


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#104

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 14:56
von damals wars | 12.134 Beiträge

Viele Herrenhäuser durften als Möbelspender und Baumaterialspender für Neubauern herhalten, andere wurden ungenutzt als Gemeindeverwaltung, Kindergärten oder Einrichtungen des Gesundheitswesen.
Der besondere Anteil der Junker am deutschen Imperialismus machten Altäre für sie überflüssig.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#105

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 25.06.2014 15:16
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #102

hallo Uwe, Rot: uuups, das passiert mir!!! Richtig, ich rede mich damit herraus, ...... bin auf der Karte im Kopf verrutscht...
Stettins Altstadt ist ist ein absoluter Geheimtipp, bin dort schon sehr oft gewesen und immer wieder erstaunt was da alles in der Zeit zwischen 1945 und 1990 erhalten wurde. Überhaupt für erhaltenswert erachtet wurde. Das war eine nicht unerhebliche Kostenfrage...

gruß Bernd



In Stettin (und auch in Danzig) haben die Polen ja ihren Ruf als Restaurierungsexperten historischer Bausubstanz erworben. Der war dann so gut, dass viele Städte in der Alt-BRD noch vor der Wende die Restaurierung mittleralterlicher Gebäude von polnischen Spezialisten durchführen liessen.

Übrigens ist ja Stettin von Berlin aus fast ein Katzensprung. Nicht umsonst bietet die DB von Potsdam und Berlin Tagesfahrkarten nach Stettin für 20 Euro an, die auch zur Nutzung des Stadtverkehrs in Stettin berechtigen. Irgendwann mach ich mir in Berlin mal ein Standquartier, nur um mal diese Tagestour nach Stettin machen zu können. Für eventuelle Interessenten: http://www.vbb.de/de/article/ausflugszie...czecin/987.html

Gruss

icke



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#106

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 07.07.2014 21:04
von Barbara (gelöscht)
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Liebe Uwe, ich hoffe ich darf das hier rein mogeln:

Eine wie ich finde sehr berührende Doku über die im Frühjahr neu gegossenen Glocken von St. Marien in Frankfurt/Oder.
Offenbar haben sich viele Bürger mit Spenden beteiligt und regen Anteil daran genommen.
In der Doku wird auch der sehr spannende Gussvorgang gezeigt, (bei der großen Glocke ging es zunächst mal schief), wohin ebenfalls eine Gruppe Frankfurter gereist ist.

http://mediathek.rbb-online.de/rbb-ferns...mentId=21750036

O-Ton aus der Doku:
"Für mich weint der Himmel heute vor Freude..."


Ich hatte ja im letzten Jahr vor Gusow die Gelegenheit, Frankfurt/Oder zu besuchen.
St. Marien ist eine äußerst ungewöhnliche und beeindruckende Kirche, innen wie außen, wie ich finde.



eigenes Foto


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#107

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 07.07.2014 21:34
von ABV | 4.202 Beiträge

Natürlich darfst du @Barbara. Es passt ja auch zum Thema. Frankfurt (Oder) liegt ja an der polnischen Grenze.
Du hättest die Kirche mal zu DDR-Zeiten sehen sollen! Das war einfach nur eine traurige Ruine. Wenn es nach dem ehemaligen Präsidenten der DDR-Volkskammer, Horst Sindermann, gegangen wäre, hättest du die Kirche nie zu Gesicht bekommen. Als Sindermann in den achtziger Jahren die Stadt Frankfurt besuchte, soll er zu Fritz Krause, dem damaligen, heute noch in der Bevölkerung populären Bürgermeister, mit einem Fingerzeig auf die Kirchenruine gesagt haben: " Genosse Krause, bei meinem nächsten Besuch will ich das Ding nicht mehr sehen."
Krause, dem anders als Sindermann der bauhistorische Wert der jahrhundertealten Kirche bewusst war, negierte die Anweisung jedoch.
Unter anderem dafür sind ihm viele Frankfurter noch heute dankbar. Krause ist ein Musterbeispiel dafür, dass man zugleich überzeugter Kommunist und populärer Politiker sein kann.
Leider bewahrte ihm die Popularität in seinen letzten Lebensjahren nicht vollständig vor dussligen Anfeindungen.

Viele Grüße von der Oder an den Rhein
Uwe


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#108

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 07.07.2014 22:22
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zu Fritz Krause gibt es auch ein Buch, in dem Bürger über ihre Begegnungen mit ihm berichten - quer durch das ganze politische Spektrum:

"Hör mal zu, Fritze" ist der Titel, und ich fand es durchaus lesenswert.

Gruss

icke



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#109

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 12.07.2014 11:54
von Barbara (gelöscht)
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Kleines OT:

Ich habe inzwischen ein bisschen über Fritz Krause gelesen, eine sehr interessante und offenbar sehr beliebte Persönlichkeit in Ff/O!

"Ihr" könntet eigentlich mal ein bisschen mehr über Persönlichkeiten in der DDR erzählen, die ihr selbst erlebt habt und die euch aus verschiedenen Gründen beeindruckt haben - jenseits der allseits bekannten Polit-Akteure?
.


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#110

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 07.09.2014 12:28
von ABV | 4.202 Beiträge

Gestern habe ich, in Begleitung meiner Lebensgefährtin und unseres Users Kurt, einen Kurztrip entlang der polnischen Grenze unternommen. Das schöne Wetter lud ja förmlich dazu ein.



Unseren ersten Zwischenhalt legten wir in dem kleinen Städtchen Moryn, dem früheren Mohrin, ein. Die schon an sich sehr reizvolle Stadt, liegt unmittelbar an einem malerischen See.



Laut Sage soll der Teufel am Ufer geangelt und in diesem " steinernen Stuhl" gesessen haben. Mir ist es gelungen, den Beelzebub aufs Bild zu bannen.



Blick auf den Marktplatz von Mohrin / Moryn




Das Wahrzeichen von Mohrin ist dieser Krebs. Laut Sage hat man ihn vor Jahrhunderten auf dem Seegrund festgekettet. Sollte sich der Krebs jemals von seinen Fesseln befreien, ist das Ende der Welt gekommen. Au weia



So sah der Ort früher aus.



Hier noch ein Blick auf die im 15. Jahrhundert erbaute Kirche.



und dem Rathaus

Fortsetzung folgt.

Gruß an alle
Uwe


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#111

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 08.09.2014 15:34
von ABV | 4.202 Beiträge



Unser nächster Zwischenhalt erfolgte in der Stadt Chojna. Dem früheren Königsberg in der Neumark. Der Zusatz " in der Neumark" ist wichtig. Um den Ort von dem ehemaligen Königsberg in Ostpreußen, dem heutigen Kaliningrad zu unterscheiden. Ein Unterschied von guten siebenhundert Kilometern! Ganz so weit wollten wir an diesem Tag nun doch nicht fahren.
Das " typisch Norddeutsche" Rathaus hatte ich ja bereits schon früher einmal erwähnt.


Den ehrwürdigen Dom ebenfalls. Wenn man sich vorstellt, dass der jahrhundertealte sakrale Bau bis in die Mitte der Neunziger Jahre eine Kriegsruine war.... Der Wiederaufbau des Doms resultiert aus einem beeindruckenden deutsch-polnischen Gemeinschaftsprojekt.


Papst Johannes Paul II. darf an dieser Kirche natürlich ebenfalls nicht fehlen. Der vor kurzem zum Heiligen "beförderte" oberste Kirchenherr war bereits vor seiner Seligsprechung durch den jetzigen Papst, in Polen ein Nationalheiliger.


Störend wirkt jedoch zuweilen, die etwa unglücklich anmutende architektonische Mischung zwischen " Alt und Neu". Die Plattenbauten wollen so gar nicht mit den historischen Gebäuden harmonieren. Ein Problem das viele Städte plagt.
Übrigens: In Chojna kann man sehr gut und preiswert essen! Ein Schnitzel mit frischen Pilzen und Salat, ist dort bereits für 4, 50 € zu haben.



Etwas seltsam, für unsere Begriffe, mutet diese Form der Vergangenheitsbewältigung an. Im Dorf Witnica, unweit von Chojna in Richtung Kostrzyn, wurde vor einigen Jahren bei Straßenbauarbeiten dieser Stein gefunden. Auf diesem befindet sich die Jahreszahl 1935 und darunter die Aufschrift
Hitler-Eck.
Bei uns in Deutschland wäre der Stein, aus guten Gründen, sofort wieder unter der Erdoberfläche verschwunden. Nicht so im polnischen Witnica, dass bis 1945 den Namen Vietnitz. Dort wurde der Stein, offenbar an seinem alten Platz, wieder aufgestellt. Und zwar mit der anstößigen Inschrift. Welche die Polen, der schlimmen Vergangenheit zum Trotz, überhaupt gar nicht schlimm finden. Die Polen lesen die Inschrift nicht als Hitler-Eck, sondern Hitlerek. Was so viel wie " Klein Hitler" oder " Hitlerchen" bedeutet. Damit wird Hitler nicht glorifiziert, sondern ganz einfach verhohnepiepelt. Versuche den " österreichischen Brüllaffen" zur Witzfigur " herunterzurechnen", gibt es neuerdings in Deutschland ebenfalls zur Genüge.
Trotzdem, oder gerade deshalb, war mir der Stein, der kein Stein des Anstoßes mehr ist, einen Zwischenhalt wert.



Den letzten Zwischenhalt legten wir in Czellin (Zellin), direkt an der Oder gelegen, ein. Über den Ort habe ich schon einmal berichtet. Und von dem Umstand das dort im Februar 1945, noch während der Kämpfe, symbolisch der erste polnische Grenzpfahl errichtet wurde.


Ein Ereignis, dass in Polen noch heute eine gewisse nationale Bedeutung besitzt. Wenn gleich der Stellenwert längst nicht mehr so hoch ist, wie bis 1989.


Unser Kurt hat sich mal kurz in eine polnische Uniform geschwungen und den Grenzwächter gegeben.
Nein, nein. Dieses Foto habe ich, wie das obere auch, von einem Schaukasten in der Nähe des Denkmals abfotografiert. Der besagte Schaukasten erinnert in Schrift und Bildern an das denkwürdige Ereignis.
Während andere Schaukästen von einer vor einiger Zeit an der selben Stelle gefundenen germanischen Siedlung berichten. Fotos von originalen Fundstücken und Modelle bringen dem Besucher das Leben der Germanen im wahrsten Sinn des Wortes anschaulich näher. In diesem Zusammenhang kommt einem der Ausspruch von der " urpolnischen Oder" im " Grenz-Schaukasten" gar nicht mehr so übertrieben nationalistisch vor.
An der Oder haben im Verlaufe der Jahrtausende bereits viele Völker gelebt. Germanen, Slawen, Deutsche und Polen. Gehört im eigentlichen Sinn, hat die Oder jedoch niemanden.


Hier ein Blick auf die Stelle, an der im Februar 1945 der erste polnische Grenzpfahl errichtet wurde. Ich berichtete Kurt davon, wie ich einst, im August 1981, auf dem gegenüberliegenden Oderufer angelnd, von einer Gruppe polnischer Jugendlicher als " Faschist" beschimpft wurde. Und von einem Mädchen, dass mich in gutem Deutsch, mit dem Spruch: " Komm rüber Faschist! Wir lieben unsere Feinde", zu einem Trip ins Nachbarland "einlud".
Eine Einladung auf die ich gerne verzichtete. Ja so war das. Damals an der "Friedensgrenze". Wo eigentlich nur ein von oben verordneter "Burgfrieden" herrschte.


Heute braucht solche Sprüche niemand mehr zu befürchten. Ich hatte es schon zu Kurt gesagt: ich mich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal von einem Polen als "Faschist" oder ähnliches, beschimpft wurde. Dabei bin ich beinahe jeden Tag in Polen. Berufsbedingt, aber auch privat. An dieser Grenze hat sich in den vergangenen Jahren viel zum positiven verändert. Auch wenn die täglichen Meldungen über geklaute Autos dieses Bild ein wenig trüben.

Hier sehen wir übrigens das Modell eines Germanen. Eines verstorbenen Germanen, wohlgemerkt. Der quasi den Weg zu den Göttern antritt. Feuerbestattungen waren bis zum Beginn des christlichen Zeitalters überall in Europa üblich.
Aber lasst uns nicht über solche finsteren Themen reden. Sondern lieber über Kurts neue Errungenschaft:



Nein, das war natürlich auch wieder nur ein Scherz. Das Gefährt, es gehört einem Berliner Biker, passte aber irgendwie gut ins Bild.



Von dem Hochplateau über der Oder, auf dem wir unseren Kaffee genossen, bot sich uns ein herrlicher Blick über die Landschaft.




Wieder Zuhause angekommen, ließen wir den schönen Tag ausklingen.

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#112

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 10:28
von ABV | 4.202 Beiträge



Hier mal ein historisches Foto. Es entstand im Februar 1984. Genau gegenüber der Stelle wo die vor kurzem während der Tour mit Kurt geknipsten Fotos entstanden sind. Im Hintergrund sieht man einen damals üblichen, an verschiedenen Stellen an der Oder gebräuchlichen B-Turm des polnischen Grenzschutzes.



Dieses Foto ist zwar noch nicht sooo alt, hat aber auch schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Das Foto zeigt einen Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen an der Eisenbahnbrücke bei Küstrin-Kietz. Als ich diesen Bunker das erste Mal sah, im Herbst 1989, sah er bereits reichlich heruntergekommen aus. Das Ding muss schon ewig nicht mehr benutzt worden sein.

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zuletzt bearbeitet 18.09.2014 10:30 | nach oben springen

#113

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 10:30
von ABV | 4.202 Beiträge

Hier mal ein historisches Foto. Es entstand im Februar 1984. Genau gegenüber der Stelle wo die vor kurzem während der Tour mit Kurt geknipsten Fotos entstanden sind. Im Hintergrund sieht man einen damals üblichen, an verschiedenen Stellen an der Oder gebräuchlichen B-Turm des polnischen Grenzschutzes.


Dieses Foto ist zwar noch nicht sooo alt, hat aber auch schon mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel. Das Foto zeigt einen Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen an der Eisenbahnbrücke bei Küstrin-Kietz. Als ich diesen Bunker das erste Mal sah, im Herbst 1989, sah er bereits reichlich heruntergekommen aus. Das Ding muss schon ewig nicht mehr benutzt worden sein.


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#114

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 14:15
von furry | 3.569 Beiträge

Welche Funktion hatte die Plattenstraße auf dem ersten Bild?


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#115

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 17:33
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #114
Welche Funktion hatte die Plattenstraße auf dem ersten Bild?


Bis 1945 verkehrte an dieser Stelle eine Fähre. Die nach dem Krieg den Dienst einstellte. Da die Oder fortan die Grenze zu Polen bildete. So viel ich weiß sind die Fahrzeuge über diese Straße bis zum Haltepunkt der Fähre gefahren.

Gruß Uwe


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#116

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 17:46
von furry | 3.569 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #115
Zitat von furry im Beitrag #114
Welche Funktion hatte die Plattenstraße auf dem ersten Bild?


Bis 1945 verkehrte an dieser Stelle eine Fähre. Die nach dem Krieg den Dienst einstellte. Da die Oder fortan die Grenze zu Polen bildete. So viel ich weiß sind die Fahrzeuge über diese Straße bis zum Haltepunkt der Fähre gefahren.

Gruß Uwe


Ich muss doch noch mal neugierig nachhaken. Diese trapezförmigen Platten sind mir als Elemente für Baustraßen aus DDR-Zeiten, also etwas nach 1945, bekannt.


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#117

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 18:08
von Sperrbrecher | 1.653 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #111
Ich berichtete Kurt davon, wie ich einst, im August 1981, auf dem gegenüberliegenden Oderufer angelnd, von einer Gruppe polnischer Jugendlicher als " Faschist" beschimpft wurde. Und von einem Mädchen, dass mich in gutem Deutsch, mit dem Spruch: " Komm rüber Faschist! Wir lieben unsere Feinde", zu einem Trip ins Nachbarland "einlud".
Eine Einladung auf die ich gerne verzichtete. Ja so war das. Damals an der "Friedensgrenze". Wo eigentlich nur ein von oben verordneter "Burgfrieden" herrschte.

Also ich weiß gar nicht welchen Menschen Du da begegnet bist ?
Nach dem Mauerbau bin ich mit dem Motorrad jedes Jahr (wo sollte man als DDRler auch sonst hin ?) kreuz und quer durch Polen gefahren. So etwas ist mir nicht ein einziges mal passiert. Vielleicht haben mich meine, wenn auch ziemlich mangelhaften, polnischen Sprachkenntnisse davor bewahrt, wer weiß das schon.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 18.09.2014 18:09 | nach oben springen

#118

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 18:19
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #116
Zitat von ABV im Beitrag #115
Zitat von furry im Beitrag #114
Welche Funktion hatte die Plattenstraße auf dem ersten Bild?


Bis 1945 verkehrte an dieser Stelle eine Fähre. Die nach dem Krieg den Dienst einstellte. Da die Oder fortan die Grenze zu Polen bildete. So viel ich weiß sind die Fahrzeuge über diese Straße bis zum Haltepunkt der Fähre gefahren.

Gruß Uwe


Ich muss doch noch mal neugierig nachhaken. Diese trapezförmigen Platten sind mir als Elemente für Baustraßen aus DDR-Zeiten, also etwas nach 1945, bekannt.



Hmmm. Ich versuche mich mal umzuhören. Das Militär käme als Erbauer der Straße theoretisch auch in Frage. Wenige Kilometer nördlich befand sich ein Wassertruppenübungsplatz der NVA. Könnte ja sein, dass dort ebenfalls geübt wurde. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dort je Soldaten gesehen zu haben.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Straße von der Wasserwirtschaft / Strommeisterei erbaut wurde.

Gruß Uwe


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#119

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 18:21
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #117
Zitat von ABV im Beitrag #111
Ich berichtete Kurt davon, wie ich einst, im August 1981, auf dem gegenüberliegenden Oderufer angelnd, von einer Gruppe polnischer Jugendlicher als " Faschist" beschimpft wurde. Und von einem Mädchen, dass mich in gutem Deutsch, mit dem Spruch: " Komm rüber Faschist! Wir lieben unsere Feinde", zu einem Trip ins Nachbarland "einlud".
Eine Einladung auf die ich gerne verzichtete. Ja so war das. Damals an der "Friedensgrenze". Wo eigentlich nur ein von oben verordneter "Burgfrieden" herrschte.

Also ich weiß gar nicht welchen Menschen Du da begegnet bist ?
Nach dem Mauerbau bin ich mit dem Motorrad jedes Jahr (wo sollte man als DDRler auch sonst hin ?) kreuz und quer durch Polen gefahren. So etwas ist mir nicht ein einziges mal passiert. Vielleicht haben mich meine, wenn auch ziemlich mangelhaften, polnischen Sprachkenntnisse davor bewahrt, wer weiß das schon.



Es gibt eben solche und solche. Wie überall. Normalerweise habe ich die Polen auch als sehr Gastfreundlich kennen gelernt. Aber Anfang der achtziger Jahre herrschte eine verdammt angespannte Zeit. Und jetzt stelle man sich einmal vor, die NVA wäre zu dieser Zeit wirklich in Polen einmarschiert...............

Gruß Uwe


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#120

RE: Eine Reise an die deutsch-polnische Grenze

in Mythos DDR und Grenze 18.09.2014 19:46
von Barbara (gelöscht)
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Heute vor einem Jahr war ich in Frankfurt/Oder. Ich war binnen 2 Tagen von Görlitz aus die Neiße hochgefahren, war in Bad Muskau, in Ratzdorf direkt an der Mündung der Neiße in die Oder hab ich im Nieselregen Sax gespielt, in Horst war ich im Rosengarten, dann Guben/Gubin mit seinem wunderbaren Rathaus auf auf der polnischen Seite ....... und dann Frankfurt.

Es war so schön und berührend die beiden Flüssse entlang zu fahren. Längst wollte ich über diese insgesamt 4 -wöchige Reise hier geschrieben haben, die durch Thüringen, Sachsen und Brandenburg führte. Einer Reise bei der ich viel gesehen habe, viele schöne Begegnungen hatte und insgesamt voll der Eindrücke war - als ich dann in Gusow ankam :-)
Aber man kommt ja zu nichts.
Und jetzt bin ich ein bisschen wehmütig....




Blick von Slubice auf Frankfurt


In die Wolke habe ich reingezoomt


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